Filmkritik: Transformers: Dark of the Moon

Bumm-Bumm-Bay macht auf Weltzerstörung

Eines vorweg: Transformers: Dark of the Moon ist deutlich besser als der zweite Teil. Es gibt keine grenzdebilen Teenager-Roboter, die Zungenküsse verteilen, keine gewaltigen Logiklöcher und selbst die Geschichte macht zumindest im Rahmen des Bay'schen „Chicks, Explosionen und flache Witze"-Universums Sinn. Mit der Invasion der Decepticons wird die Erde zum Kriegsschauplatz und alles, wirklich alles ist eine Stufe größer, brachialer und einfach atemberaubender. Und das nicht nur im positiven Sinne. Dank 3D-Overkill, der letzten Stunde Dauer-Action und insgesamt zweieinhalb Stunden Laufzeit kam ich fix und fertig aus dem Kino. Michael Bay bombardiert eure Sinne und macht dabei keine Gefangenen. Aber habt ihr was anderes erwartet?

Immerhin: Die erste Hälfte des Films überrascht mit einer ungewöhnlich ausgeglichenen Verteilung von Humor, Action und langsamen Kamerafahrten über den Körper der neuen Hauptdarstellerin Rosie Huntington-Whitley, die mit Schmollmund und Victoria's-Secret-Body einen guten Ersatz für Megan Fox darstellt. Der Star der ersten beiden Teile hatte sich ja mit Bay überworfen und ihn als Hitler bezeichnet. Angesichts eines jüdischen Produzenten, Steven Spielberg, keine gute Idee. Die Newcomerin macht ihren Job dabei gar nicht so schlecht. Genau wie Fox wird sie Sam Witwicky alias Shia Labouef als seine neue Freundin Carly Spencer an die Seite gestellt, sorgt für die oben erwähnte Fleischbeschau und ein paar angenehm lockere Dialoge. Die beiden sind ein Paar und leben in einer künstlich auf Trash gezimmerten Super-Wohnung, haben die ganze Zeit Sex und schlagen sich anfangs mit den „üblichen" Päärchen-Problemen herum.

Weltenretter Sam ist nämlich arbeitslos. Die Decepticons sind untergetaucht, Bumblebee befindet sich die ganze Zeit auf geheimen Missionen und keiner will ihn nach seinem College-Abschluss einstellen. Dass Carly als schnöde Museumskuratorin scheinbar genug verdient, um sich eine dicke Wohnung zu leisten und von ihrem Boss, einem schmierigen Multi-Milliardär (wunderbar böse: Patrick Dempsey), auch noch einen Merecedes SLR geschenkt bekommt, macht es auch nicht leichter. Klar, die meisten Witze, die auf Kosten von Sam und seinen immer noch etwas schrulligen Eltern gerissen werden, sind durchschaubar und nicht sonderlich überraschend, trotzdem versprüht gerade der Anfang von Dark of the Moon den Charme des ersten Teils. Immer wieder eingestreute, gut gemachte Action-Szenen lockern das Geschehen auf und lassen es nicht in seiner Geschwätzigkeit versinken.

Im Mittelteil von Dark of the Moon wird dann das Tempo überzeugend angezogen. Shia LaBeouf gelingt es, den unterforderten Held glaubwürdig zu spielen, der sich freut, als es endlich wieder losgeht. Verrat und Geheimniskrämerei, dramatische Wendungen und immer größere Set-Pieces führen Dark of the Moon langsam aber sich in Richtung Finale, das dann leider etwas zu lang ausgefallen ist. Ja, die ausufernden Kämpfe sind mal wieder erstklassig gemacht, liefern aber auch grenzdebile One-Liner und zum Teil peinliche Zeitlupensequenzen.

Hier wird nicht nur das hohe Lied des Hurra-Patriotismus gesungen, sondern im Untergang der Erde auch gleich Emanzipation und Logik zu Grabe getragen. Rosie aka Carly läuft wirklich im kompletten Endzeit-Finalkampf mit Stöckelschuhen durch die Gegend, ist immer bestens frisiert und präsentiert auch nach der zehnten Kletterpartie ein makelloses Make-Up. Ja, ich weiß, wenn es erstmal kräftig Bumm macht, Hochhäuser umstürzen und sich riesige Roboter mit Energiewaffen und Schwerter zerlegen, sind solche Details irrelevant. Trotzdem schade, mit ein bis zwei Atempausen, weniger Logikfehlern und Dialogen, die nicht nach den Phantasien eines 12-jährigen Comic-Fans klingen, hätte Dark of the Moon sogar den ersten Teil überflügeln können.

Abschließend noch ein paar Worte zum Thema 3D: Was den 3D-Effekt anbelangt, bin ich mir auch diesmal unsicher, was das Ganze bringen soll. Trotz Avatar-Kameratechnik ist die Tiefenwirkung eher mittelprächtig, das Bild ist wieder mal zu dunkel und die Augen nach zweieinhalb Stunden ausgelaugt und müde. Ich habe langsam echt die Schnauze voll. Ja, das Ganze sieht nicht so peinlich aus wie bei Kampf der Titanen und bietet zumindest ab und an einen Mehrwert, aber dafür mehr Geld bezahlen? Ich freue mich, wie schon bei Thor und TRON: Legacy, viel mehr auf die Blu-Ray-Version für den heimischen HD-Fernseher. Das strengt die Augen nicht so an und ist deutlich lichtstärker.

Man merkt Transformers: Dark of the Moon an, dass sich Michael Bay die Kritik am zweiten Teil zu Herzen genommen hat. Das Drehbuch wirkt stringenter, liefert zumindest in der ersten Hälfte deutlich bessere Dialoge und ein paar wirklich erstklassige Nebendarsteller, die mit Frances McDormand, Patrick Dempsey und John Malkovich auch noch hervorragend besetzt wurden. Klar, zum Ende hin übertreibt er mal wieder maßlos, überwältigt die Sinne mit Dauer-Action und sorgt mit peinlichen One-Linern für Kopfschütteln. Aber so kennen eben Fans und Kritiker ihren allerliebsten Bumm-Bumm-Regisseur. Und trotz einiger Längen ist Transformers: Dark of the Moon ein Action- und Science-Fiction-Spektakel, das man sich, eine entsprechende Neigung vorausgesetzt, nicht entgehen lassen sollte. Ich hätte, im Gegensatz zum zweiten Teil, den Eintrittspreis auf jeden Fall nicht bereut.

Transformers: Dark of the Moon läuft ab heute in den Kinos.

Links zu Angeboten und Anbietern auf dieser Seite können sogenannte Affiliate-Links sein. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Eurogamer.de. Wir erhalten vom Anbieter eine kleine Provision.

Zu den Kommentaren springen (21)

Über den Autor:

Kristian Metzger

Kristian Metzger

Freier Redakteur

Weitere Inhalte

Weitere Themen

Kommentare (21)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading