Counter-Strike: Global Offensive

Echter Nachfolger oder simples Update?

Gespannt kauern die eigenen Finger über der Maus, streicheln das Keyboard und warten auf die wenigen Pixel, die am Fadenkreuz vorbeihuschen. Dann entlädt sich die Waffe, trifft mit voller Wucht den Gegner in die Brust und tötet ihn. AWP, Counter-Strike und ein fetter Clan-War, das ist Adrenalin pur. Das Herz rast, man schreit, flucht und brüllt. Schweiß rennt einem sitzend den Rücken herunter. Wer einmal solche Gefechte bestritten hat, weiß, was ich meine - und der Rest ist absolut ahnungslos. Kein Multiplayer-Modus der Welt kann einem "normalen" Online-Spieler diese Intensität vermitteln. Die oft tagelange Vorbereitung, die vielen, vielen Trainingsstunden und dann die ersten Minuten auf dem Server.

Nervosität breitet sich aus. Wie reagiert der Gegner auf die eigene Taktik, wer ist gut drauf und kann das Team tragen? Wer fällt komplett aus und sorgt vielleicht für eine Niederlage? Tausende Fragen schwirren einem durch den Kopf, dabei soll man ja genau diesen freibekommen. Denn oft genügt nur ein Fehler und die Partie ist entschieden. Besonders bei Counter-Strike, bei dem es eben keinen Respawn gibt, keine nachladende Lebensenergie oder irgendein anderes Hilfsmittel. Oft genügt ein Treffer und man ist Geschichte. Das sorgt für Spannung, aber manchmal auch für Frust.

Doch diese Gnadenlosigkeit und der Zahn der Zeit haben an der Fanbase von Counter-Strike genagt. Das Aiming-System, komplett ausgerichtet auf perfektes Movement, die Waffen-Auswahl, das komplizierte Einkaufssystem, die überschaubare Anzahl an Spielmodi, die schwere Zugänglichkeit und das nicht vorhandene Matchmaking. Counter-Strike ist ein Spiel von Hardcore-Zockern für Hardcore-Zocker. Noch immer spielerisch erstklassig, aber für mich einfach nicht mehr spannend genug. Weil ich mangels Zeit einfach keine Clan-Fights mehr spiele und mich das Ballern auf öffentlichen Servern hier einfach langweilt.

Was fehlt, ist ein echter Nachfolger, der die Faszination der ersten Stunde wieder wach ruft und gleichzeitig das Gameplay nach vorne bringt. Vielleicht sogar die Faszination Clan-War für Otto-Normalspieler zugänglich macht. Könnte das mit dem gerade angekündigten Counter-Strike: Global Offensive gelingen? Nach dem ersten Anspielen wird schnell klar: Wahrscheinlich eher nicht. Valve möchte die beliebte Spielmechanik nicht über den Haufen werfen und die sowieso schon gespaltene Community nicht noch weiter zerstören. Deshalb wird mit Global Offensive "nur" ein Grafik- und Komfort-Update geliefert, das in dem Competitive-Modus nahezu 1:1 dem Original entspricht. Genau wie bei DOTA 2. Aus Respekt vor dem Original, aber vielleicht auch ein wenig aus der Angst heraus, dass die Fans das Produkt ablehnen werden.

Es müssen ja nicht das Zielen über Kimme und Korn, Perks, nachladende Lebensenergie oder anderer Casual-Kram sein. Aber wie wäre es mit einem neuen Movement-System, realistischeren Animationen und komplexeren Spielmodi. Für Hardcore-Fans ist dieses Festhalten an den alten Werten naütrlich eine gute Nachricht, wird aber viele Nachwuchsspieler abschrecken. Das Spiel fühlt sich nicht nur Retro an, sondern spielt sich auch so. Und ja, auch die spannenden Auseinandersetzungen sind diesselben. Der Kampf um jeden Pixel, die Angst vor dem schnellen Tod und das lautlose Katz-und-Maus-Spiel. Kurz strafen, um sich den Überblick zu verschaffen, der Sprung aus der Deckung mit anschließendem Hinknien und das blitzschnelle Rushen zum Bombenpunkt. All diese Taktiken funktionieren noch. Doch will ich wirklich einen Titel spielen, den ich in und auswendig kenne?

Immerhin gibt es zumindest ein paar neue Zugänge bei den Waffen, frische Karten und später vielleicht sogar noch neue Spielmodi - zu Details schweigt sich Valve aber noch aus [Anm. d. Red.: Mittlerweile gibt es Details zu neuen Varianten]. Zum Beispiel konnte man auf der Eurogamer Expo den Molotow-Cocktail ausprobieren, der für einen Flamenteppich sorgt und so Areale und Zugangswege abriegelt. Ein interessantes Tool, auch für den eSport. Außerdem liefert Global Offensive eine Art Kurzstrecken-AWP, den Zeus-Elektro-Schocker. Nur ein Schuss, aber der ist tödlich. Und es gibt sogar eine neue Granate. Der Ablenkkörper sendet Laufgeräusche aus und simuliert so einen Rush. Ich bin gespannt, ob eine solche Neuerung die Regulierungs-Wut der Community überlebt.

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Kristian Metzger

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