Need for Speed: The Run - Test • Seite 3

Ja, wo laufen sie denn?

Es muss nicht immer Forza sein, aber die Zeiten, in denen Rennspiele Leuchtelemente von Autos lediglich als Texturen auf die Wagenmodelle aufkleben, anstatt ausmodellierte Lampen und Rückleuchten zu bieten, sollten eigentlich seit etwa drei bis fünf Jahren vorüber sein. Zudem: Die Lacke wirken flach, Metallic-Effekte pixelig. Und es ist nicht so, als würde hier Leistung für die Umgebungsgrafik gespart, oder besser gesagt, es sieht zumindest nicht danach aus. Zwischen einigen ausmodellierten Bäumen ploppt auch immer wieder Pappaufsteller-Vegetation unvermittelt ins Bild und ein Fluss zog als blaue Kinderzimmertapete unter einer Brücke seine Bahnen. Doch das sind, genau wie einige "verzogene" Bergtexturen, Dinge, auf die man während seines Tunnelblicks nicht so sehr achtet.

Am schlimmsten ist das, was man ständig unter der Nase hat: Die Straßentexturen sind über die Gebühr grobkörnig und dort, wo sich verschiedene Texturen überlagern, etwa am unbefestigten Straßenrand, gibt es unschöne Schraffuren. Allgemein sieht das Spiel einfach unglaublich unsauber aus. Wir überlassen es Kollege Leadbetter von Digital Foundry, mit dem Finger darauf zu zeigen, was hier schief gelaufen ist. Es sieht aber danach aus, als wäre dem allgemeinen Look mit einer höheren Auflösung und/oder besserem Anti-Aliasing doch schon sehr geholfen. Das einzige Kompliment, das ich der Technik machen mag, ist, dass das Tearing der Zwischensequenzen hier nur noch in den seltenen belebten Stadtszenarien auftritt und dass die Performance des getesteten Xbox-360-Review-Codes auf einem vertretbaren, wenngleich nicht unbedingt wirklich gutem Niveau verhältnismäßig konstant ist. Aber schön, das ist es nicht.

Wer schon auf die Note unten geschielt hat, fragt sich sicher, warum das Spiel hier nicht komplett beerdigt wird. Nun, das liegt zum einen an dem tatsächlich ganz guten Reise-Flair, das diese Hatz von Küste zu Küste verbreitet. Wie man hier alle Klimazonen und Landschaftstypen der Vereinigten Staaten erlebt, das ist durchaus eine Reise wert. Zudem hat Black Box definitiv im vergangenen Jahr auch viel Hot Pursuit gespielt und sich ein paar Tricks abgeschaut. Das Fahrverhalten kommt zwar nicht wirklich an das Spiel der Engländer heran. Dazu spricht es nicht knackig genug an, liefert kein so feinfühliges Feedback. Teilweise erlebt man zudem Zwangsresets zum letzten Checkpoint, obwohl man nur ein paar Meter von der Strecke abgekommen und eigentlich gerade dabei war, den Wagen wieder abzufangen.

"Eine Serie von Missverständnissen und milde fehlgeleiteten Ambitionen, die schon nach dem Startschuss wieder vergessen wurden."

Trotzdem verfehlen die Rennen unter Polizeibeteiligung ihre Wirkung nicht und sind durchaus spannend, auch wenn immer wieder zufällig platzierter, unbeteiligter Verkehr auf einer Höhe eine Art gemeine, unfaire Straßensperre bildet. Das Geschwindigkeitsgefühl ist ebenfalls nicht ganz so wahnwitzig wie im Criterion-Cockpit, aber immer noch recht gut. Einige einsame Höhepunkte, wie eben auf der Lawinenstrecke in den Rocky Mountains, sorgen zu guter Letzt dafür, dass man auch einige schöne Erinnerungen aus dem Spiel mitnimmt. Ich sehe trotz Autolog-Unterstützung und den Challenges, die sich mit jeder geschafften Einzelspieler-Etappe freischalten, aber nicht, dass sich dieser Titel online oder über die Kampagne hinaus in irgendeiner Form dauerhaft behauptet.

Das Bild, das The Run am Ende abgibt, ist Resultat einer Serie von Missverständnissen und milde fehlgeleiteten Ambitionen, die schon nach dem Startschuss wieder vergessen wurden. Wenn schon eine Geschichte, dann bitte eine mit Figuren, die interessieren. Wenn schon QTEs, dann bitte so wie in Heavy Rain und nicht wie in Dragon's Lair. Und dass es dieser Batzen inhaltsleerer Staffage ist, der offensichtlich für die Wahl der Engine verantwortlich war und einem so in letzter Konsequenz das potentiell attraktive Coast-to-Coast-Rennen mit seinen interessanten und abwechslungsreichen Landstrichen ein bisschen verleidet, ist halt doppelt ärgerlich. Nicht "zum Davonlaufen" wie einem der Titel des Spiels eigentlich eine schöne Vorlage für einen Kalauer serviert, nach zuletzt zwei exzellenten Serienablegern ist dieser "Run" aber definitiv in die falsche Richtung losgegangen.

6 /10

Need for Speed: The Run ist ab dem 17. November für PC, Xbox 360, PS3, Wii und 3DS erhältlich.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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