uDraw GameTablet und Pictionary - Test

Einstieg mit Potential

In den 90ern kaufte man alles, wo Mario drauf war. Ich zumindest, was unter anderem dafür sorgte, dass ich beim wundervollen Thema CD-i aus persönlicher Erfahrung alle Schreckensgeschichten erzählen kann. Weniger grausig, aber mindestens so unverbreitet war die Maus für das Super Nintendo. Was erst wie eine gute Idee aussah, um mehr Spiele wie SimCity unters Volk zu bringen, endete als Kuriosum. Bildchen auf der Auflösung des 16-Bitters Super Nintendo zu malen und diese dann, wenn ich mich recht erinnere, nicht mal abspeichern zu können, hatte einen limitierten Reiz. Selbst mit Mario auf der Packung.

Im Laufe der letzten zwölf Monate sah es so aus, als würde sich der "Malen auf Konsole"-Gedanke auch im Erfolg wiederholen. Letztes Jahr erschien uDraw für die Wii und man kann sich das Ganze als kleines Zeichentablett mit Stylus, ganz ähnlich der Wacom-Geräte für den PC vorstellen. Verkauft hat sich uDraw erst einmal hervorragend, dann enttäuschte der Softwarefluss. In etwa eine Handvoll Titel waren es und was einfach fehlte, war die Killer-App. Nette Malspielchen für die Kleinen, aber mehr auch nicht.

Ändert sich daran jetzt etwas, wenn THQ das uDraw auf die HD-Konsolen bringt? Schwer zu sagen, denn das Line-up lässt sich wieder sehr gemütlich an. Instant-Artist liegt anbei, Pictionary kann man dazukaufen. Und das griffig betitelte Marvel Super Hero Squad Comic Combat, von dem leider noch kein Testmuster eintrudelte. Mehr ist bis Weihnachten scheinbar auch nicht zu erwarten. Wo ist das Spiel/Programm, das mich sofort anspringt und - wenn es schon nicht für meine Altersgruppe gedacht ist - mich sagen lässt: "Das ist das, was ich den Kindern schenken möchte!" Software verkauft Hardware. Kann Instant Artist und Pictionary uDraw verkaufen?

Hardware: Das uDraw-Board

Erst aber ein Blick auf das für PS3 und 360 überarbeitete Zeichenbrett und hier zeigen sich gute Dinge. Im Vergleich zum etwas billig wirkenden Wii-Brett von vor einem Jahr fühlt sich dieses hochwertig verarbeitet und griffig an und schwarz wirkt hier auch etwas schicker als das klinische Weiß. Abgesehen von einem Analog-Sick, den ihr für die uDraw-Programme auch nicht braucht, habt ihr alle Tasten des Pads links und rechts verteilt und man kann sich damit auch problemlos durch die PS3- oder 360-Menüs navigieren.

Einen Akku und damit eine direkte Lade-Möglichkeit gibt es jedoch nicht. In die Rückseite werden drei wie es sich für gutes Elektrospielzeug zur Weihnachtszeit gehört nicht mitgelieferte AA-Batterien versenkt und wenn ihr aufladen möchtet, müsst ihr Akkus und ein entsprechendes Ladegerät nutzen. Die Verbindung erfolgt ebenfalls nicht direkt mit der Konsole, sondern über ein USB-Dongle, dass in der Rückseite des uDraw verstaut werden kann, sodass er nicht gleich verloren geht.

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Das uDraw-Board.

Das Gewicht ist niedrig genug, um es für eine ganze Weile entspannt in einer Hand zu halten und mit der anderen zu zeichnen, die Tasten sind gut erreichbar und das größte Hindernis in der Benutzung von uDraw ist das etwas kurze Gummikabel, mit dem der Stylus befestigt ist. Dieses bleibt gerne mal an der Kante hängen, was einem einen Zeichenstrich abweichen lässt. Ist dies nicht der Fall, scheint die Übertragung abgesehen von einer ganz leichten Verzögerung, an die man sich schnell gewöhnt, fehlerfrei zu laufen und alle Stift-Eingaben werden sauber auf den Screen übertragen.

Insgesamt ist das Urteil einfach. Mit einem professionellen Wacom-Board der höheren Preisklassen kann das uDraw es sicher nicht aufnehmen, aber als Konsolenperipherie ist es recht konkurrenzlos, hochwertig und griffig. Viel mehr kann man hier nicht erwarten und ein deutlicher Sprung zum letztjährigen Wii-Brett zeigt Hingabe zum uDraw-Konzept, anstatt es einfach nur schnell nochmal zu portieren.

Die Hardware passt, was bietet die Software?

Software: uDraw Instant Artist

Die Frage ist wirklich die der Zielgruppe. Ein erwachsener Mensch, der sich ernsthaft für Design und Zeichnen am Bildschirm interessiert, der findet am PC alle Werkzeuge in weit geeigneterer Ausführung. Einem Kind jedoch zuzumuten, sich in das Intuitiv-Wunder Photoshop - selbst Essentials - einzuarbeiten, um ein paar bunte Bilder mit dem Stylus zu produzieren, kann den Spaß an der Sache schnell absterben lassen. Instant Artist in Verbindung mit uDraw geht das Ganze natürlich sehr viel spielerischer an.

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Das Interface von Instant Artist ist angenehm übersichtlich.

Ein Dreigespann aus Kunstschule, Spiel und Camp soll die Handhabung und den Umgang mit Farbtöpfen, Zeichentexturierungen und Ähnlichem näherbringen, wobei Spiel der eigentliche Zeichenmodus ist. Er bietet eine ordentliche Auswahl an Materialien und Zeichenmöglichkeiten sowie viele Optionen für Variationen, um selbst für Fortgeschrittene eine lange Zeit interessant zu bleiben und ist weitestgehend intuitiv benutzbar.

Gut so, denn die Kunst-Schule zeigt euch zwar, wie sich die einzelnen Werkzeuge benutzen und was sie können, aber meist nicht, wo ihr sie findet. Andere Lektionen sind wertvoller, da sie durchaus kompetent auf einem einfachen Level die Grundlagen des Zeichnens vermitteln - Schatten, Perspektive, Farblehre - ohne dabei zu abgehoben oder zu platt zu sein. Der erstaunlicherweise gar nicht mal so nervige Avatar wirft von Zeit zu Zeit sogar noch ein paar wissenswerte Fakten zur Kunstgeschichte dazu. Wenn man mit der Schule durch ist, hat man all das wieder aufgefrischt, was man seit dem Kunstunterricht der Schulzeit bereits wieder vergaß. Ein mäßiges Programm-Tutorial, aber trotzdem ein guter Lehrer.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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