Sonic the Hedgehog 4: Episode 2 - Vorschau

Denn sie können es nicht lassen

Es ist nicht klar, was im Hauptquartier von Team Sonic los ist. Ich verstehe es einfach nicht mehr. Okay, das geht schon seit einer Weile so, geschätzt seit Sonic "3D" auf dem Mega Drive, aber es bleibt mystisch und auf eine eigenwillige Art faszinierend zugleich.

In Sonic 4: Episode 1 - das ich sehr, manche sagen zu sehr, liebte - gab es den traditionellen 2D-Look. Wunderschön in HD gezeichnet, weitestgehend genau das, was man (ich?) als Sonic auf dem Screen haben möchte. Zumindest solange es sich wie eben bei Teil 4 um eine hundertprozentige Reminiszenz an alte Zeiten handeln soll. Aber während ich mich mit den eingebauten Mechaniken der 3D-Sonics und den entsprechend geänderten Sprung-Dynamiken anfreunden konnte, konnte ich genauso verstehen, dass viele Fans fragten, warum man nicht passend zur Grafik auch die alte Steuerung nutzte.

Gut, soll ja keiner sagen, dass Team Sonic nicht lernfähig wäre. Bitteschön, hier, für Teil 2 von Teil 4 sind die geforderten alten Sprungtechniken, praktisch direkt aus dem Mega Drive verpflanzt. Super, geht doch. Weil es aber sonst zu einfach wäre, wird der Look auf 3D-plus-stellenweise-Überfrachtung getrimmt. Es erinnert am ehesten an einige der Old-School-Stages aus Generations, was an sich ja nicht verkehrt ist, aber bitte doch nicht in diesem Spiel. Sollte Teil 4 nicht so richtig Old-School sein? Durchgehend?

Sonic 4: Episode 2 - Trailer

Anzuspielen gab es einen Abschnitt mit einer Mittelalter-Thematik mit Ruinen und viel Grün, alles von den Farbtönen aber sehr heruntergespielt. Es sind sehr viele Details in den Steinen und den Pflanzen zu sehen, aber es ist in keiner Weise eine ganz spontane Erinnerung an den ikonischen Sonic-Look, der immer eine Mischung aus Pop und Simplifikation war. Ursprünglich. Die andere Stage passte deutlich besser, eine Winter-Theme-Park-Landschaft, die weit mehr mit Neon und Bunt spielte. Zwei Welten stehen noch aus - aller Wahrscheinlichkeit nach wird es wieder vier geben - und von den gezeigten war es auch nur je ein Abschnitt, es kann also noch viel kommen. Trotzdem und so technisch hochwertig das alles ohne Frage war: Nicht Sonic Classic, mehr Sonic Reloaded.

Genug geheult, gespielt hat sich das Ganze wie ein Traum. Als geistiges Vorbild in diesem Punkt hielt Teil 3 her und dessen Bewegungen waren auch schon eine der besten Hüpf-Interpretationen der Serie. Schnelle Passagen wechseln sich so routiniert wie gekonnt mit langsamen ab, es gab in diesen zwei Welten schon zahllose Wege zu ergründen und es gelang gut, einfach den nicht ganz Alt-Sonic-mäßigen Look zu vergessen und ein paar Runden Alt-Sonic zu spielen.

Was relativ gesehen neu ist, ist der Koop. Sonic ist diesmal grundsätzlich mit Tails unterwegs. Spielt ihr allein, dann könnt ihr ihn als eine Handvoll Special-Moves betrachten. Die beiden können sich wie ein Wirbelwind umeinander drehen und sich so als Todesrolle in der Winterwelt durch massives Eis fräsen oder generell durch fast jeden Gegner. Da dieser Sturm sich leider kaum steuern lässt, solltet ihr ihn natürlich mit viel Bedacht einsetzen. Damit Sonic aus dem Stand ein wenig mehr Höhe erreicht, kann ihn Tails jederzeit ein paar Plattformen höher tragen, bevor der Fuchs entkräftet aufgeben muss. Der alte Sonic war halt etwas korpulenter als sein modernes Ich der letzten Jahre. Ein paar weitere Moves folgen.

Spielt ihr zu zweit, findet das Koop-ing auf einem Screen ohne Split statt, der dann herauszoomt und ab einem gewissen Punkt den Nachzügler einfach nachsetzt. Angetestet werden konnte das noch nicht, ich bin auf den Zoom sehr gespannt und wie weit das geht. Bei der Geschwindigkeit, die das Spiel erreichen kann, mal sehen. Beide Figuren sollen ebenbürtig sein, sich also wahrscheinlich auch nicht anders als Sonic allein spielen und ja, ich könnte mir das durchaus vorstellen. Tails ist erstaunlicherweise eine Bereicherung für den Solo-Modus und könnte einen sinnvollen Koop schaffen.

Hatte ich Spaß mit Sonic 4: Episode 2? Auf jeden Fall. Es ist schön, die alte Steuerung zurückkehren zu sehen, selbst wenn ich nichts gegen die aus Episode 1 hatte. Tails ist entgegen meiner Erwartungen ein Gewinn und die zwei Level wurden zwar nicht übermäßig mit Innovationen überfrachtet, aber es war trotzdem absolute Laune, durch so wohldurchdachtes Terrain zu sprinten. Und weil es eben all das richtig macht, alles, was man sich von einem neuen 2D-Sonic nur wünschen kann, ohne unverschämt zu werden, fasziniert die bisher relativ untypische 3D-Grafik mit so seltsam dezenter Farbpalette. Wie schon gesagt, es waren bisher nur zwei Stages aus vielen mehr, aber trotzdem: Team Sonic, könnt ihr nicht ein einziges Mal auf Nummer sicher spielen? Ihr seid so ziemlich die Einzigen, bei denen ich mich darüber freuen würde. Einfach nur ein bisschen Fan-Catering betreiben? Legt die Füße hoch, liefert Fanboy-Service und fangt erst bei Colours 2 an, euch so richtig auszutoben.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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