Borderlands 2 - Vorschau

Mehr Büchsen für Pandora

München, Borderlands 2 Multiplayer Mayhem Event. Wir spielen im Koop-Modus, das Gebiet heißt Costal Caverns. Ein Kollege und ich pumpen gerade die letzten Salven in ein titanisches Ungetüm, das uns mit seinen drei tonnenschweren gepanzerten Kristallbeinen zerquetschen will. Um uns etwas Luft zu verschaffen, benutze ich die Phaselock-Fähigkeit meiner Siren-Kämpferin Maya und hebe den Koloss per Telekinese für ein paar Sekunden in die Luft, wo er sich hilflos zu einer Kugel zusammenrollt, während wir weiter aus allen Rohren auf ihn ballern. Just in diesem Moment landet mein Teamgefährte als Gunzerker Salvador den entscheidenden Treffer mit seinen zwei Kanonen. Bam! Der Lebensbalken des Bossmonsters ist leer! Die Schätze in seinem Inneren sind unser! Doch statt zu zerplatzen, entschwebt das Biest friedlich wie ein Heißluftballon in die Stratosphäre. Mit hängenden Kinnladen schauen wir unserem Loot hinterher. Das war natürlich so nicht geplant. Aber mei, Bugs sind Alltag bei Alpha-Versionen. Ist kein Beinbruch. Nach diesem Boss wäre der Testlauf eh vorbei gewesen.

Trotzdem sitze ich da und bin fassungslos. Schon fertig? Ich hab mich doch gerade erst an die Gamepad-Steuerung gewöhnt (unter dem Tisch werkelten leistungsstarke Rechenknechte, doch statt Tastatur und Maus lagen Xbox-Controller auf den Tischen). In meinem Inventar warten noch zig Gewehre auf ihren Einsatz! Ich will noch nicht aufhören! Ich will mehr!

"Mehr" soll sowieso das zentrale Motto von Borderlands 2 werden. Mehr Gegner, mehr Fähigkeiten, mehr Story und natürlich mehr Schießprügel. Wie im ersten Teil kommt ein modulares System zum Einsatz, durch das die Waffen verschiedener Hersteller nicht nur einzigartig aussehen, sondern auch extremst unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Die Entwickler waren im Gespräch besonders stolz, dass jedes Ballerwerkzeug in Borderlands 2 seinen eigenen Charakter besitzt. Manchmal ist nur das Magazin etwas größer, manchmal verschießt eine Pistole Säure oder Elektrobolzen. Es gibt Raketen-spuckende Tötungsmaschinen, für die der Duke sogar seinen geliebten Devastator in Zahlung geben würde. Von der Firma Tediore kommen Wegwerf-Gewehre, die ihr euren Feinden absichtlich an die Rübe pfeffert, statt sie nachzuladen. Für jeden Geschmack ist was dabei und so ziemlich jeder Gegner ließ während des Events Wummen mit einzigartigen Eigenschaften fallen. Loot-Süchtige kommen in dieser Fortsetzung garantiert auf ihre Kosten.

Pandoras Fauna und Flora war schon im ersten Teil relativ abwechslungsreich. Doch leider rangierte der IQ vieler Gegner auf dem Niveau einer besoffenen Stubenfliege. Schießereien mit menschlichen Banditen oder Soldaten waren soweit in Ordnung - die Typen nutzten das Terrain, gingen in Deckung und versuchten euch zu flankieren. In Borderlands 2 geben humanoide Gegner zusätzlich einander Feuerschutz oder heilen verletzte Kumpane. Das nutzen die Entwickler sogar für Quests. Einmal öffneten wir ein Tor, indem wir drei Roboter durch gezielte Schüsse auf die Knie verkrüppelten. Während ihre Kollegen den Durchgang freimachten und zur Rettung eilten, zwängten wir uns durch die Bresche.

Was die Intelligenz der hundeartigen Skags, Spiderant-Insektenmonster, geflügelten Rakks, Krabbenmonster oder spinnenbeinige Drifter angeht, war das erste Borderlands freilich keine Offenbarung. Die Viecher taugten gerade noch als billiges Kanonenfutter und nur wenige beherrschten mehr als ein, zwei Standardmanöver. Man konnte den Biestern zu Hunderten den Blattschuss verpassen, solange man sich nur auf einem sicheren Felsen oder Hausdach verschanzte.

Damit ist es jetzt vorbei. Nicht nur, dass mit der Fortsetzung Borderlands' Repertoire um ein paar Monster mit neuen Manövern aufgestockt wird. Altbekannte Widersacher glänzen nun durch erheblich mehr Köpfchen. Skags zum Beispiel kletterten mir während des Testspiels gnadenlos hinterher und nahmen Hindernisse dank neuer Wegfindungsroutinen ohne Probleme. Zusätzlich spuckten die Monster häufiger Feuer und Säure oder versuchten, mich mit Blitzen zu rösten. Große Skags riefen ihre Welpen zu Hilfe und verliehen ihnen Elementarfähigkeiten. Einige rochenartige Kreaturen besaßen unterdessen einen Tarnmodus und versuchten mir in den Rücken zu fallen. Riesige Tentakelmonster schossen wie Springteufel aus dem Boden und umzingelten uns mit einem ganzen Wald wild peitschender Arme. Wie im ersten Teil sind sich auch in Borderlands 2 viele eurer Widersacher untereinander spinnefeind. Oft lohnt es sich, in sicherer Entfernung zu warten, während Roboter, Menschen und Tiere einander an die Gurgel gehen. Die Siren Maya beherrscht sogar einen Skill, der für kurze Zeit Feinde auf eurer Seite kämpfen lässt.

Borderlands 2 - Trailer

Es bleibt eine gute Idee, sich nicht völlig allein ins Abenteuer zu stürzen, sondern gemeinsam mit drei anderen Kämpfern auf die Jagd zu gehen. Jede der vier unterschiedlichen Charakterklassen in Borderlands 2 hat wieder drei umfangreiche Skillbäume am Start, wobei der Fokus etwas stärker auf dem Teamplay liegt. Mit ihrer "Restoration"-Fähigkeit kann die Siren Maya beispielsweise ihre Kameraden durch simplen Beschuss heilen, während Salvador mit seinem "Come At Me, Bro"-Skill Feinde von seinen Teamkollegen weglockt.

Den Commando Axton mit seinem Geschützturm oder den unsichtbaren Meuchelmörder Zer0 konnte man leider in München nicht ausprobieren, im Prinzip ähneln die Klassen in der Fortsetzung aber ihren Vorgängern, wobei der ein oder andere Twist den Rollen frischen Wind verleiht oder sie in eine neue Richtung verschiebt. Zer0 zum Beispiel soll ein Experte für Scharfschützengewehre werden, der sich außerdem tarnen kann und im Nahkampf ein futuristisches Katana schwingt. Das klingt nach einer interessanten Mischung aus Mordecai und Lilith.

Wer die alten Haudegen des ersten Borderlands vermisst, darf sich übrigens auf diverse Gastauftritte freuen. Schließlich sind seit dem ersten Teil storytechnisch nur fünf Jahre vergangen. Während des Events trafen wir in einer Mission zum Beispiel auf Mordecai und sollten seinen Falken Bloodwing aus den Klauen des Chefbösewichts Handsome Jack befreien. In späteren Passagen dürft ihr sogar Seite an Seite mit den alten Vault-Huntern kämpfen. Mehr als Andeutungen hinsichtlich der Handlung waren jedoch nicht zu hören. Was ebenfalls während des Events außen vor blieb, waren die neuen Fahrzeuge. Seitens der Entwickler hieß es nur, dass man jetzt bei vielen Vehikeln auch zu viert einsteigen könne. Ein Spieler kutschiert dann das Team durch die Gegend, während seine Beifahrer die Straßen mit ihren Handfeuerwaffen säubern.

So kurz die Borderlands 2 Koop-Verkostung war, so viel Laune machte mir die Ballerei. Es war ein kluger Schachzug des Publishers 2K, uns Journalisten im Koop-Modus auf den Shooter loszulassen. Das Teamspiel besaß schon im ersten Teil eine Menge Charme und daran ändert sich auch nichts in der Fortsetzung. Von den bewährten Konzepten hat Gearbox sowieso brav die Finger gelassen und sich vor allem auf neue Waffen-Designs, eine schlauere KI, verfeinerte Gegnermodelle und hübschere Umgebungsgrafiken konzentriert. Schon im gezeigten Alpha-Stadium ist klar, wohin die Reise gehen soll. Mehr von allem? Ja. Innovationen? Nein. Doch wozu auch? Solange das Höher-Schneller-Weiter-Versprechen eingelöst wird, dürften Fans und Fachpresse mit Borderlands 2 zufrieden sein.

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Über den Autor:

Frank Erik Walter

Frank Erik Walter

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Tagsüber arbeitet Frank als freier Journalist. Nachts jagt er seit 2010 flüchtige MMOs für Eurogamer.de und die MMO PRO. Skittles und Tetris sind sein Kryptonit.

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