Star Wars: The Old Republic - Artikel

Mit Patch 1.2 gibt es neue Inhalte, ein anpassbares Interface und ein Vermächtnis-System. Reicht das, um die pausierenden Fans zurückzuholen?

Hinweis: Bei MMO PRO findet ihr übrigens aktuelle SWTOR Guides.

Es gibt Designentscheidungen, da kann der Star-Wars-Fan nur verständnislos den Kopf schütteln. Ein zwei Meter breites Abluftrohr mit direkter Verbindung zum Reaktor des Todessterns? Hätte man das nicht mit einem Maschendraht zutackern können? Oder ein modernes MMO, in dem man das User Interface nicht nach seinen Wünschen anpassen und Fenster nicht verschieben kann? Muss das 2012 noch sein?

Wenigstens sind die Designer bei BioWare lernfähig (im Gegensatz zum Imperium ... Siehe Todesstern Zwo). Seit Patch 1.2 könnt ihr nämlich das Interface nach Herzenslust neu arrangieren und die einzelnen Bestandteile verkleinern oder vergrößern. Ihr dürft sogar die verschiedenen HUD-Schemata abspeichern. Neben dieser längst überfälligen Option, ein paar feineren Texturen und praktischen Klassen-Icons über den Charakteren gibt es an sonstigen Patch-Highlights das Vermächtnis-System, frische Quests auf Corellia, die Operation "Explosiver Konflikt", das Kriegsgebiet "Novare-Küste", den Flashpoint "Die verlorene Insel" und eine Rakghul-Invasion auf Tatooine.

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Lasst die Türme ballern! Das neue Kriegsgebiet Novare-Küste

Außerdem schenkte EA ehemaligen Abonnenten sieben kostenlose Tage Spielzeit zum Testen (die Aktion läuft noch bis Samstag, 21. April). Wer bis zum 22. April sein Abo erneuert, bekommt ein kleines Tauntaun-Haustier oben drauf. Solltet ihr ein aktives Abo und einen Charakter auf Stufe 50 euer Eigen nennen oder Vermächtnisstufe 6 erreicht haben, dürft ihr euch sogar über 30 Tage Gratiszugang freuen. Aber reichen diese Maßnahmen aus, um müde Veteranen zurück ins Spiel zu locken oder gar neue Kämpfer für den Sternenkrieg zu begeistern?

Den zentralen Kritikpunkt kann schließlich auch der neueste Patch nicht beseitigen; nämlich, dass Star Wars: The Old Republic über weite Strecken ein MMO für einsame Wölfe bleibt. Im Grunde verstärken Features wie das neue Vermächtnis-System diesen Einzelspieler-Effekt noch. Damit werden vor allem diejenigen belohnt, die mehr als eine Charakterklasse bis zum Maximallevel hochziehen. So etwas mag Solo-Spieler über Monate hinweg beschäftigen, doch hartgesottene MMO-Profis werden solche Gimmicks kaum von SW: TOR überzeugen können. Stattdessen gibt es noch immer zu wenig Beschäftigung im Endgame und kaum Anreize, regelmäßig in einer Gruppe zu spielen. Auch bleibt die Suche nach Partys frustrierend und mühsam, weil es an Tools im Social-Fenster fehlt. Da beißt die Womp-Ratte keinen Faden ab.

"Den zentralen Kritikpunkt kann schließlich auch der neueste Patch nicht beseitigen; nämlich, dass Star Wars: The Old Republic über weite Strecken ein MMO für einsame Wölfe bleibt."

Aber zurück zum Vermächtnis-System. Ist eigentlich eine interessante Idee. Das Vermächtnis wird freigeschaltet, sobald ihr mit einem Charakter das erste Kapitel seiner Klassenstory beendet habt. Von da an dürft ihr all eure Charaktere auf einem Server in Beziehung zueinander setzen. Brüder, Kinder, Partner, Verbündete, Feinde - mit ein, zwei Klicks verknüpft ihr all eure Helden in einem komplexen Netzwerk. Sobald eure Charaktere nun ein Kapitel ihrer Karriere gemeistert haben, schalten sie dadurch neue Emotes, Buffs und Heldenfähigkeiten für alle anderen Recken frei (unabhängig ob Republik oder Imperium). Dazu gibt es Boni auf eure Präsenz, nachdem ihr alle Gespräche und Missionen mit euren Gefährten absolviert habt. Während eures Abenteuers findet ihr außerdem Baukästen für Erbfolge-Waffen, die ihr unter euren Charakteren per E-Mail verschicken und bei entsprechenden Händlern auf den Hauptplaneten gegen mächtige Erb-Ausrüstung eintauschen dürft. Das geht sogar über die Fraktionsgrenzen hinweg.

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Im Wrack des abgestürzten Frachters Stardream tummeln sich Rakghule

Ein weiteres Bonbon ist das Freischalten von Spezies für die Charaktererstellung. Sobald ihr einen Helden auf Stufe 50 hochgezogen habt, wird seine Spezies für alle Klassen wählbar. Ein Jedi-Ritter aus dem Volk der Sith? Ein Twi'Lek-Soldat? Kein Problem! Alternativ könnt ihr die Spezies auch für Geld freischalten, was allerdings happige 1,5 Millionen Credits kostet.

Der interessanteste Part des Vermächtnisses ist vermutlich der Abschnitt "Sonstiges". Hier gibt es zum Beispiel Reperaturdroiden, Postkästen, Kampf-Test-Dummies und sogar ein Marktplatz-Terminal für euer Schiff. Wer seine Gesinnungen auf Stufe fünf gebracht hat, kann sich auf Kosten seines Gefährten heilen oder jeglichen Schaden für 15 Sekunden halbieren. Ein paar Reisefähigkeiten verringern die Abkühlzeit von Flottenpässen und Schnellreise oder verleihen euch einen Raketenpack für den gewissen Extra-Turbo in Notfällen. Ein paar Emotes und Nahkampf-Attacken runden das Angebot ab. Richtig bequem wird es dann ab Patch 1.3, wenn euer Vermächtnis zusätzlich Erfahrungsboni freischaltet, eure Laufgeschwindigkeit erhöht, die Zuneigung eurer Gefährten verbessert und ein paar Droiden für den Feldeinsatz gewährt, mit denen ihr eure Post unterwegs checken und Ausrüstung reparieren könnt.

Die sonstigen Inhalte des Patches fallen unter die übliche Content-Pflege. Das Welt-Event auf Tatooine verkommt dabei leider zur reinen Ein-Mann-Show und besteht nur aus ein bisschen herumfahren und Gegner mittleren Levels plätten. BioWare hätte daraus eine spannende Schnitzeljagd machen können. Stattdessen schickt man euch planlos in die Wüste und nur Glückspilze vom Kaliber eines Gustav Gans finden auf Anhieb alle Questziele.

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Als Korrespondent auf Tatooine lebt man neuerdings gefährlich.

Zuerst kurvt ihr willkürlich in Anchorhead herum und aktiviert vier aufeinanderfolgende Ereignisse (Nachrichtenschirm am Raumhafen, Rettungskapsel im Nordwesten, Vorratskiste nahe der Cantina im Nordosten, Quest-Konsole am Taxistand), dann macht ihr euch ohne jeden zusätzlichen Hinweis auf die planetenweite Fahndung nach Trümmerstücken eines Frachters und sucht später nach einem Käfig. Zur Belohnung gibt es ein kleines Rakghul-Haustier. An die täglich wiederholbaren Quests werdet ihr kaum besser herangeführt. Im Dünenmeer durchforstet ihr das Rakghul-verseuchte Wrack des abgestürzten Raumers Stardream und räumt im infizierten Gebiet der Sandleute auf. Mit den erbeuteten Rakghul-DNA-Proben kauft ihr dann bei einem Händler im nördlichen Dünenmeer Kristalle für eure Waffe. Alles nicht sonderlich üppig für ein planetares Event, das sogar in eurer Flotte groß per Lautsprecherdurchsage und Newsdroide angekündigt wird.

Auf Corellia gibt es ein neues Gebiet für Charaktere der Stufe 50 namens "Schwarzes Loch", in dem ihr täglich Missionen gegen das grausame Regime eines Ratsmitglieds namens Torvix erledigt und dafür Auszeichnungen sammelt. Diese tauscht ihr dann gegen hochwertige Ausrüstung, Relikte und Bausätze für Erb-Gegenstände ein. Die Quests sind recht unterhaltsam, bringen aber keine neuen Impulse ins Spiel. Das Kriegsgebiet "Novare-Küste" ist leider auch kein großer Wurf, wenn man mal von der stimmungsvollen Einleitungssequenz absieht. Zwei Teams ringen um die Kontrolle dreier Geschütze, die dann langsam den Bunker der Gegenseite in Schutt und Asche ballern. Das ist nicht wirklich innovativ und nach dem kurzweiligen Huttenball ein echter Rückschritt. Hier sollte BioWare nachlegen, denn in den Kriegsgebieten steckt sehr viel Potenzial. Mal sehen, was demnächst die Ranglisten-Kriegsgebiete bringen.

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Endlich dürft ihr das Interface nach eurem Geschmack anpassen.

Den Flashpoint "Die verlorene Insel" und die Operation "Explosiver Konflikt" konnte ich leider nicht mehr ausführlich antesten. Ersteres führt euch auf die Spur des Doktors Lorrick, der für die Rakghul-Seuche verantwortlich ist und euch einige seiner biologischen Experimente als Bosse entgegen wirft, bevor ihr ihm selbst ans Leder könnt. Die Operation hingegen dreht sich um den Planeten Denova, auf dem ihr es mit dem Kriegsherrn Kephess zu tun bekommt.

Insgesamt macht Star Wars: The Old Republic mit dem neuesten Patch einen eher kleinen, aber doch feinen Schritt nach vorn. Das anpassbare Interface war längst überfällig. Das Vermächtnissystem ist eine interessante Erweiterung, die allerdings nichts zur Lösung des Hauptproblems von SW: TOR beiträgt.

Noch immer mangelt es an Content für Charaktere mit Maximallevel und Gruppenspieler. Die Missionen auf Corellia und das Event auf Tatooine richten sich da zu sehr an Soloquester und das frische Kriegsgebiet haut einen nach so langer Wartezeit kaum von den Socken. Der neue Flashpoint und die Operation sind natürlich begrüßenswert. Ob diese Inhalte das Interesse pausierender Spieler wieder wecken und gelangweilte Veteranen zur Verlängerung ihres Abos motivieren können, muss sich freilich noch zeigen.

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Über den Autor:

Frank Erik Walter

Frank Erik Walter

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Tagsüber arbeitet Frank als freier Journalist. Nachts jagt er seit 2010 flüchtige MMOs für Eurogamer.de und die MMO PRO. Skittles und Tetris sind sein Kryptonit.

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