Tekken Tag Tournament 2 - Vorschau

Das Spiel, dass euch das Kämpfen ganz neu beibringt. Indem ihr einen Roboter baut.

Tekken hat, wie praktisch alle Prügelspiele, das Problem, dass die Neueinsteiger außerhalb der Einzelspieler-Storys auf "sehr einfach" eine harte Lernkurve vor sich haben - gerade im Online-Spiel - und dass alte Hasen ein bisschen zu gern bei bekannten Charakteren verharren und mit jeder neuen Ausgabe sofort in alte Muster verfallen. Problem erkannt, Problem gebannt? Könnte sein. Dank Tekken Fight Lab.

Ist man hart und unehrlich kann man schnell mal das Potenzial dieses neuen Modus von Tekken Tag Tournament 2 als Tutorial abtun, denn eigentlich ist es ja genau das. Nur halt viel mehr und vor allem scheinbar weit unterhaltsamer. Sogar eine kleine, verrückte Storyline wird dazu gereicht, um einen Grund zu bieten, warum der perfekte Kampfroboter gebastelt werden muss. Wen es interessiert: Violets Superroboter Version 1, Combot, fackelte ab, jetzt muss bei Super Combot DX von vorn gestartet werden.

Der Trick euch zu motivieren, ist nicht, dass ihr nach und nach Minispielchen absolviert, Trefferzonen bei Gegnern und Zielen bearbeitet und so die ganzen Moves kennenlernt. Das ist der Tutorial-Anteil und ein erwünschter Nebeneffekt. Durch diese Aktivitäten, und teilweise auch dadurch, wie ihr sie spielt, bekommt ihr Punkte, um den Combot in bestimmte Kampfstile zu formen und ihm Attribute mitzugeben. Es ist eine Art "Bau Deinen eigenen Kämpfer". Damit dieser nicht im Fight Lab versauert, dürft ihr ihn in allen Modi antreten lassen, es wird wohl sogar eine eigene Story für ihn geben. Nur die Ranked Matches sind für den Roboter verboten, ansonsten könnt ihr euren Combot mit aller Welt on- und offline messen. Wenn das kein Grund ist, sich ein wenig mit einem Tutorial zu beschäftigen, weiß ich auch nicht weiter.

Tekken Tag Tournament 2 - Trailer

Einsteiger lernen das Spiel gut kennen und beherrschen, Profis werden so ermuntert, neue Dinge auszuprobieren und diese dann in ihren Combot mit einfließen zu lassen. Vielleicht gab es bisher zwar euren Lieblingsfighter, aber eben nicht den "perfekten". Wenn Fight Lab hält, was es verspricht, dann könnt ihr das ändern.

Apropos Fighter: Einen Mangel an diesen gibt es auch ohne den Combot nicht. 41 waren es beim ersten TTT2-Automaten, bei dessen "Unlimited"-Update vor ein paar Wochen waren es dann schon 44 und für den Xbox- und PS3-Release im September kommen dann noch mal ein paar dazu, sodass die 50er-Marke passiert wird. Zu dem kompletten Cast aus Tekken 6 (inklusive Bloodline Rebellion) kommt bisher mit Jaycee eine Wrestlerin dazu. Abwechslung wird es geben und damit auch genug Einflüsse für den Combot.

Das "Tag" im Titel kommt natürlich nicht zu kurz, aber wer - wie ich - einfach nichts mit zwei Figuren in einem Kampf was anfangen kann, bleibt nicht außen vor. Zwei gegen einen klingt zwar erst mal unfair, aber für diese Konstellation wird es Modi geben. Der Solo-Kämpfer bekommt höhere Angriffs- und Verteidigungswerte, teilt also besser aus und zieht weniger Schaden. Leicht hat man es allein dann aber trotzdem nicht, denn das Tag-Arsenal wurde nicht vernachlässigt.

Natürlich sind Tag-Angriffe besonders effektiv, solange der Gegner sich kurz nicht rühren kann. Der Partner des Angreifers kann dann nahtlos übernehmen und noch ein wenig nachsetzen. Tag Combos sind schwieriger auszuführen, haben aber neben höheren Schaden zusätzlich den Effekt, dass der in der Tag-Pause heilbare Teil des Lebensbalkens dieses Kämpfers getilgt wird. Einzelkämpfer regenerieren ebenfalls diesen Teilbalken, solange sie nicht getroffen werden, leiden unter einer Tag-Combo also ebenfalls ganz ordentlich.

Tag Crash schließlich ist ein Rettungsmanöver, das ihr nutzen könnt, um einer harten Serie zu entgehen, in der ihr ordentlich einstecken musstet. Der Tag-Partner baut Rage auf und ist diese Energie hoch genug, springt er in den Ring und der Angeschlagene kann außerhalb seine Wunden lecken. Dieser Rage-Wert erhöht sich lustigerweise schneller, wenn die Charaktere sich leiden können. Hier zahlen sich also die bisher wertlosen Kenntnisse der Profis aus. Ich selbst müsste ehrlich gesagt nach neun Spielen und ein paar sehr verwirrenden Filmen erst mal nachgucken, wer miteinander befreundet ist, aber es dürfte wohl eine Anzeige geben, wer wen mag. Und Sinn macht es ja. Heihachi interessiert sich sicher nicht für jeden.

Interessanterweise klingt das zwar nach vielen komplexen Aktionen, spielt sich dafür aber erstaunlich locker und flockig. Nicht einfach oder billig sondern einfach flüssig und teilweise schon fast intuitiv. Tag-Spiele waren nie wirklich meins, aber hier fand ich schnell hinein. Ich denke, dass ich privat trotzdem eher solo spielen werde, aber wenn ich den Sinn und Spaß des Tag sofort beim Spielen spüre, dann macht der Titel eine ganze Menge richtig.

Betont wurde auch die hübsche Grafik, die weit aufwendiger als bei Tekken 6 gestaltet wurde. Mit viel mehr Polygonen. Von mir aus. Ist hübsch. Dass Prügelspiele die Speerspitze technischer Entwicklungen darstellten, ist schon ein Weilchen her und so nett das hier auch aussieht, wird auch TTT2 nichts daran ändern.

Viel wichtiger als irgendwelche Polygonzahlen ist das Spielgefühl eines Prüglers und hier verblüffte mich Tekken Tag Tournament 2. Sein Tag-Spiel macht sogar mir Spaß und dabei zwingt es mich mit dem geschickten 2-vs-1-Modus nicht mal, ihn groß zu beachten. Das Spielgefühl ist da, die Betonung der Kämpfe an sich als zentrales Spielelement wieder viel deutlicher, wobei das Fight Lab sicher hilft. Statt relativ sinnfreie Minispiele unterzumogeln, ist das ein Modus, der für ein interessantes Spiel sorgt und allem Anschein nach auch in sich selbst jede Menge Spaß machen wird. Kurz gesagt: Tekken Tag Tournament 2 wird ein richtig gutes Prügelgame. Und das sage ich als Street-Fighter-Fan. Kinder, wohin ist die Welt nur gekommen?

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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