Dschingis Khan Online - Vorschau

Ein paar Klicks zu viel machen aus einem Weltherrscher einen manischen Mikromanager.

Man kann Dschingis Khan Online nur schwer vorwerfen, dass es nicht ambitioniert wäre. Das Free-2-Play-Browserspiel - hierbleiben bitte, nicht wegrennen - nimmt das erprobte Konzept so ziemlich aller Herrscher-Civ-Bau-Vertreter wie Lord of Ultima und versucht die Komplexität in allen Belangen auf die Spitze zu treiben. Das angepeilte Ziel ist dabei natürlich, euch so viel Optionen beim Aufbau eurer Großnation von Stadtstaaten im fernen, mittelalterlichen Osten zu geben wie möglich.

Es legt dabei besonderen Wert auf die Rohstoffkette, angefangen von Stein, Bambus oder Getreide - um nur ein paar von über einem Dutzend zu nennen - bis hin zu Endprodukten, deren Produktion über mehrere Stufen laufen kann. Holz wird zu verarbeitungsfähigen Brettern, diese zu Rädern, diese kommen an den Wagen, der wiederum mit Eisen, das dann geschmiedet werden muss, schließlich einen Streitwagen ergibt. So ergibt sich aus einem Grundset an sich immer weiter verzweigenden Bausteinen ein riesiges Netz an Krams, den ihr bauen könnt, sei es nun, um die Armee, die Stadt oder sonst was herzustellen, das im Lande gerade gebraucht wird.

Das alles ist sehr schick, gut strukturiert in das übliche Korsett für spezifische Dinge zuständiger Fertigungsstätten eingearbeitet und auch recht flexibel. Nur sonderlich komfortabel geriet es zum jetzigen Stand der noch geschlossenen Beta - Keys gibt es hier - nicht. Nehmen wir ein Beispiel, das ich mir zu einem recht frühen Stand des Spiels notierte und in dem sich die Komplexität noch in Grenzen hielt. Meine Schmiede sollte ausgebaut werden, wofür einige Rohstoffe fehlten. Alle diese standen mir prinzipiell insoweit zur Verfügung, als dass es in der Macht meiner Häuschen stand, sie liefern zu können. Dazu brauchten sie leider klare Anweisungen. Erst das Bergwerk anklicken und sagen, dass Eisenerz gebraucht wird. Dann ein paar Sekunden warten, bis es da ist und es dann mit einem weiterem Klick abholen. Jetzt zum Sägewerk, um eine Bambusstange herzustellen, damit dann endlich die Schaufel in Auftrag gegeben werden kann, um schließlich und endlich eines der benötigten Werkzeuge zur Verfügung zu haben. Das sind ungefähr zehn Klicks zu viel gewesen und das summiert sich hier noch ganz schnell viel weiter.

Angesichts eines in sich sehr schlüssigen und bisher scheinbar ausgewogenen Systems, das auf viele verschiedene Rohstoffe und Wege setzt, muss hier der Entwickler ganz dringend eine Lösung finden, um diese endlosen Wege abzukürzen. Nicht einmal gegen echtes Geld lässt sich dieser Komfort kaufen - oder zumindest nur bedingt. Wer Geld hat und ausgeben möchte, kann dies für tausende Dinge tun - Schutz der Stadt, schnellere Armeen, besondere Rüstungen und vieles, vieles mehr - aber leider nicht für einen Button, der die Produktionskette eigenständig ablaufen lässt. Das ist wirklich schade, denn zum einen gibt sich das Spiel dem Zahlungsunwilligen gegenüber fair - fast alles lässt sich auch so über Ingame-Währungen erspielen -, zum anderen kann mich hier durchaus in Stadt- und Armee-Bau verlieren. Selbst die Wartezeiten der Fertigstellungen, halten sich soweit in Grenzen, sodass ihr euch gut auf den Ausbau von Handelswegen und Armee konzentrieren könnt. Mehr Bequemlichkeit lässt sich allerdings trotzdem nur über den direkten Kauf von Ressourcen erreichen, was - da man diese Dinge prinzipiell ja produzieren kann - nicht Sinn der Sache ist.

Im Laufe dessen werden die Helden, ihre Ausrüstung und die durchaus komplexen Fertigkeitsbäume immer wichtiger, um inner- und außerhalb der Schlachten bestehen zu können. Gut geschulte Helden sorgen auch für eine glücklichere Bevölkerung, motivieren Handwerker und erleichtern die Diplomatie mit anderen Spielern. In dieser liegt wie immer der langfristige Reiz des Spiels. Schließt euch Clans an, gründet selbst einen und versucht möglichst viel von der Spielwelt unter eure Fuchtel zu bringen. Seid ihr doch mal auf euch allein gestellt, gibt euch das Spiel praktisch immer eine Vielzahl von Aufgaben. Zum Teil sind dies ganz banale Dinge wie ein Gebäude auf einen höheren Level bringen oder etwas Bestimmtes zu produzieren, es geht später aber hin zu bestimmten Helden-Aufgaben oder Schlachten, die ihr gewinnen müsst. Einiges ergibt sich fast von allein, was das Spiel als Weg nutzt, um euch mit einem konstanten Strom an kleinen Belohnungen bei der Stange zu halten, anderes müsst ihr euch durchaus mühselig erarbeiten.

Komplexität verpflichtet und komplex sind die Wege von Dschingis Khan Online. Es ist ambitioniert, das bekannte Konzept so auszubauen, dass es mehr ist, als nur das routinierte Anklicken einer Handvoll Baufelder. Prinzipiell ist es da auch auf dem richtigen Weg, aber es muss einfach ein paar Automatismen bieten, damit vorhandene Rohstoffketten nicht mühselig von Hand zusammengeklickt werden müssen. Dschingis Khan hat das nicht nötig, es gibt mehr als genug andere Dinge, um die ich mich lieber kümmern würde, als einen Streitwagen von klein auf zu bauen, nur weil grad mal wieder ein paar Lager leer sind. Wir haben ein Schwung Beta-Keys, mit denen ihr an der geschlossenen Beta teilnehmen könnt. Ich würde sagen, dass wenn ihr dem Spiel seine eigentlich verdiente Chance gebt, ihr euch als Beta-Feedback ein paar Vereinfachungen in der Handhabung wünscht. Solche müssen das Spiel nämlich nicht immer primitiver machen. Manchmal nur besser.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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