UFO Online: Fight for Earth - Beta-Vorschau

Weiterentwicklung statt Reboot: Der vierte Entwurf zum Thema XCOM traut sich die Variation der Formel zu.

Achtzehn Jahre nichts. Und jetzt kann man keine tote Katze mehr schwingen, ohne einem neuen XCOM eine pelzige Backpfeife zu verpassen. Binnen kurzer Zeit erscheinen nicht nur zwei, nein drei neue Spiele, die sich Microproses Klassiker inhaltlich annehmen. Vier, wenn 2K Marins Shooter irgendwann noch mal herauskommt. Der befasst sich zwar eher auf thematischer, übertragender Ebene mit der weltumspannenden Alien-Invasion, die Anfang/Mitte der Neunziger auf so faszinierende Weise die Fantasie und Freizeit gefangen nahm - und sie erst wieder entließ, als man die zehnte Klasse ein zweites Mal angehen musste -, aber immerhin. Die verschwörerisch-taktischen Sensibilitäten der Marke stehen plötzlich wieder hoch im Kurs, und das ist gut so.

Gamigos inoffizieller, browserbasierter Free-2-Play-Ableger nimmt mit der zweiten geschlossenen Beta, die seit einer Weile läuft, immer konkretere Form an. Die hat zwar weniger mit der sich in Ehrerbietung ergebenden Hommage Xenonauts gemein, als mit Firaxis Neubearbeitung XCOM - Enemy Unknown, schafft es aber auch, sich gleichzeitig wie ein entschieden anderes Spiel anzufühlen, was vor allem am Schritt ins Netz und nicht zuletzt an Anpassungen im Kampfsystem liegt.

Das Setup selbst ähnelt dem im Herbst erscheinenden Firaxis-Titel doch ziemlich: maximal sechs (zumal klassenbasierte) Einheiten. Check. Einsatzbasis im Look eines Ameisenbaus. Check. Düsterer, dreckiger, drehbarer 3D-Look mit Kamerafahrten. Check. Was aber ganz anders ist, ist der Rhythmus zu Felde. Anders als in der offiziellen Neuauflage des Stoffes kehren die Zeiteinheiten zurück, sind Brot und Butter eurer Züge. Allerdings werden hier deutlich kleinere Brötchen gebacken, so beginnt euer Avatar, dessen Klasse ihr zu Beginn aus Tank, Sniper, Medic, Scout, Grenadier und dergleichen frei wählen dürft, zumindest in meinem Fall mit nur 14 Zeiteinheiten, von denen allein die Hälfte schon für eine Attacke aufgebraucht werden. Schwerere Einheiten, wie etwa der Tank brauchen eingangs gar zwei Drittel dieser Aktionspunkte für einen Schuss.

Das ist definitiv eine Umstellung, an die es sich erst zu gewöhnen gilt. Etwas fummelig ist zu Anfang vor allem die Tatsache, dass es optimale Schussdistanzen gibt, in die man sich tunlichst erst bewegen sollte - und bis man so steht, dass das Fadenkreuz über einem Feind grün wird und damit den maximal möglichen Trefferpunkt-Abzug signalisiert, hat man unter Umständen schon die für einen Schuss benötigten Zeiteinheiten angebrochen. Das wird durch die Tatsache nicht einfacher, dass sich die entweder sehr clevere oder nur vorsichtige KI feindlicher Distanzangreifer sehr genau über die maximalen Reichweiten eurer diversen Waffen im Klaren zu sein scheint und sich regelmäßig nach einem Angriff zurückbewegt. Das macht es aktuell noch schwer, sein eigenes Angriffsspiel aufzuziehen, weil man ständig auf Feindbewegungen reagiert - die Fußballsprache möge man mir verzeihen, ich bin trotz allem irgendwie noch ein bisschen im EM-Modus.

An dieser Stelle ist die KI also vielleicht sogar noch etwas zu gut, kalkuliert zu sicher und damit auch ein bisschen vorhersehbar. Verlieren tut man selten, man braucht aber etwas länger zum Sieg, als sich richtig anfühlt. Der weitere Verlauf der Beta richtet das möglicherweise aber noch. Mir wären härtere Treffer der Aliens, die dafür im Gegenzug weniger einstecken, eigentlich lieber - mal schauen, wie Gamigo das richtet. Das grundlegende taktische Layout, mit optimalen Trefferdistanzen sowie Boni für Angriffe von hinten und der Seite, verfügt jedenfalls theoretisch durchaus über einige Tiefe, die im PvP gegen andere menschliche Rebellenfraktionen zu einnehmender Entfaltung kommen könnte. Ein Gegner aus Fleisch, Blut und Grips nutzt Sichtlinien und unterschiedliche Reichweiten für deutlich perfidere Strategie-Manöver und macht - ganz Mensch - gelegentlich auch mal aus einem perfekten Master¬-Plan eine Verkettung haarsträubender Unglücke und dummdreister Fehler.

Fans des Originals wird auffallen, dass es zudem keinen Perma-Death der Einheiten zu geben scheint. Zumindest bislang. Jeder meiner Soldaten, die im Einsatz außer Gefecht gesetzt wurden, wurde gegen kostbare Ressourcen wieder zusammengeflickt, was Puristen stören könnte. Bei der geringen Einheitenzahl und dem persistenten umfassenden Upgrade-System und zahllosen Auszeichnungen, die in Gefechten verdient werden können, beugt dies aber dem Frust vor, nach dem Tod eines Teammitglieds einen Rookie mit zwei linken Händen durch ein halbes Dutzend Einsätze mitzuschleppen, bevor er wirklich brauchbar wird. Notiz am Rande: Trotz des Namens werdet ihr in diesem Spiel niemals ein Ufo abfangen. Das ist angesichts des Erbes zwar schade, rein spielerisch bot dieses Element der Reihe jedoch seit jeher den geringsten spielerischen Tiefgang. Goldhawks Xenonauts liefert hier wohl die bisher interessanteste Antwort, wie man dieser Facette des umfassenden XCOM-Gedankens etwas mehr Substanz verleihen kann.

Bleibt mir noch, ein paar Worte zur Technik und Präsentation zu sagen: Was die Unity Engine hier aus dem Browser herausholt, ist doch ziemlich allerhand. Nicht alle Art-Designs treffen ins Schwarze, vieles sieht ein wenig beliebig aus und doch wundert man sich immer wieder, wie fließend und detailliert es sich durch die dreidimensionalen Umgebungen dreht, kippt du wendet. Klanglich wird das Geschehen gerade im Basis-Bildschirm mit Sounds untermalt, die durchaus Erinnerungen an das Original wach werden lassen, während einige andere Stücke dagegen einfach nur an 1994 gemahnen.

Letzten Endes hat Ufo die interessantesten Einkreuzungen in das grundlegende Spielprinzip seinem "Online"-Namenszusatz zu verdanken. Denn das globale Spiel, das mit nicht nur Aliens, sondern auch drei verfeindeten Menschenfraktionen zu PvP animiert, erweitert das bekannte Regelwerk um eine Ebene, die sich keiner der anderen Titel zum Thema bisher annahm und wohl auch länger nicht annehmen wird. Es bleibt euch überlassen, ob es das ist, was ihr von Ufo Online erwartet. Dies und die Tatsache, dass erlegte Aliens ihr Loot gut sichtbar auf dem Schlachtfeld hinterlassen, sind für mich jedoch mit die viel versprechendsten Faktoren an diesem Gegenvorschlag, wie man den Klassiker in die Neuzeit holen kann.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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