Microsoft meldet Patent für skalierbare Konsolen-Hardware an

Schluss mit der stets gleichen Hardware in Konsolen? Dokument weist auf entsprechende Überlegungen hin.

Ein neuer Patentantrag von Microsoft deutet darauf hin, dass die Hardware der nächsten Konsole des Redmonder Konzerns möglicherweise mit der Zeit aufgerüstet werden könnte.

Der Antrag mit der Nummer 20120159090 wurde im Dezember 2010 beim US-Patentamt eingereicht und im letzten Monat öffentlich gemacht, wie der User Sonic aus den Beyond3D-Foren entdeckt hat.

Natürlich ist es so, dass Firmen ständig neue Patente einreichen, in diesem Fall ist aber interessant, dass das Dokument - wie entsprechende Bilder zeigen - dem "Yukon"-System aus dem Xbox-720-Leak vom Mai ähnelt. Entsprechende Dokumente wurden von Quellen als real bezeichnet und reichen bis August 2010 zurück. Die zum Patentantrag gehörenden Dokumente gehen allerdings noch viel weiter als der Xbox-720-Leak.

Im Grunde verfolgt Microsoft damit sein eigenes Modell einer skalierbaren "Grundarchitektur" für Konsolen-Hardware, ähnlich wie es bei PCs mit Komponenten wie Motherboards, RAM und diversen Karten der Fall ist. Mehrere Modelle werden in Betracht gezogen (möglicherweise ein Hinweis auf eine Art Individualisierung), aber alle basieren auf den Dingen, die wir zuerst im 720-Leak gesehen haben. Es handelt sich um ein Multi-CPU- und Multi-GPU-System. Eine CPU/GPU-Kombo ist für die "Plattform" reserviert und kümmert sich um Dinge wie das Dashboard oder Video-Encoding/Decoding. Die zweite Kombo widmet sich den "Applikationen", bei Konsolen wären das natürlich hauptsächlich Spiele.

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Ein Bild aus dem Patentantrag ähnelt Elementen aus dem Xbox-720-Leak.

Im Xbox-720-Leak war von etwas die Rede, das Microsoft als "Transmedia Gaming" bezeichnete - in dem Fall wären das Plattform-Apps, die gleichzeitig mit Spielen laufen. Als Beispiel wurde ein Golfspiel genannt, das etwa neben einer Golfübertragung im Fernsehen läuft. Der Spieler könnte dann gegen dessen Teilnehmer antreten. Andere Möglichkeiten wären ein TV-Stream beim Spielen, die Nutzung von Strategie-Guides, während das Spiel läuft, oder simplere Dinge wie Newsticker, die eingeblendet werden.

Microsofts Strategie sieht so aus, dass man solche Dinge ermöglichen will, ohne dadurch die Performance des Spiels zu beeinflussen. Um das zu realisieren, denkt man über eine Art zentrale Schaltstelle nach, in der alles zusammenläuft und die sicherstellt, das für alles genügend Bandbreite zur Verfügung gestellt wird, ohne irgendwo Ressourcen abzuzweigen.

Die grundsätzliche Idee hinter dem Patent ist, ein Framework für die Integration der "Plattform"- und "Applikations"-Prozesse in ein einzelnes System zur Verfügung zu stellen, bei dem beide Systeme gleichzeitig laufen können. Das übergeordnete Konzept ist aber die skalierbare Architektur, die mit der Zeit fortgeschrittenere Hardwarerevisionen erlaubt, zum Beispiel verbesserte CPUs oder GPUs. In einem Diagramm wird sogar ein drittes CPU/GPU-Setup hinzugefügt. Shared Processors, die den anderen beiden Setups unter die Arme greifen können - die Gründe sind unbekannt.

Es gibt aber auch einige interessante Unterschiede zwischen dem Leak und dem Patent, das vier Monate später datiert ist. In dem 720-Dokument wurde Kinect mit zwei Kameras erwähnt, im Patentantrag ist es wieder eine einzelne. Ebenso deutet es an, dass Kinect wieder über USB verbunden wird, was überraschend wäre, wenn man die derzeit durch USB verursachte Latenz berücksichtigt.

Zieht man den oft erwähnten "zehnjährigen Lebenszyklus" im Zusammenhang mit Konsolen hinzu, fragt man sich, warum Microsoft versucht eine skalierbare Plattform für eine möglicherweise künftige Konsole zu patentieren? Die Next-Gen-Xbox wird acht Jahre nach ihrem Vorgänger veröffentlicht. Und nehmen wir mal an, es dauert wieder acht Jahre bis zum nächsten Nachfolger. In dem Zeitraum könnte Microsoft sicherlich eine völlig unterschiedliche und bessere Architektur auf die Beine stellen. Das gesamte Konzept der Skalierbarkeit steht im Widerspruch zum Konzept der dedizierten Konsolen-Hardware. Aber nehmen wir an, die Next-Gen ist überhaupt nicht so unveränderlich. Oder zumindest nicht mittel- oder langfristig.

Man könnte das Patent so interpretieren, dass es verschiedene Xbox-SKUs mit unterschiedlichen Multimedia-Fähigkeiten geben könnte. Das "im Laufe der Zeit" im Patentantrag könnte darauf hindeuten, dass Microsoft sich die Möglichkeit offen lässt, aus dem traditionellen Modell der dedizierten Hardware auszubrechen. Nehmen wir das iPad als Beispiel. Fortgeschrittene 3D-Spiele laufen auf mehreren Hardware-Generationen, aber je moderner der Prozessor, desto besser das Erlebnis. Es hilft dabei, die Verkäufe der Hardware anzukurbeln und sorgt dafür, dass Apple in puncto Spezifikationen und der Gesamterfahrung vor der Konkurrenz bleibt.

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Kombiniert das mit Microsofts Ausflug ins "jetzt kaufen, monatlich zahlen"-Abo-Modell und es besteht die Möglichkeit, dass die nächste Xbox eine neue Art von Hardware-Plattform sein könnte. Eine, die sich mit der Zeit entwickelt, subventioniert durch monatliche Zahlungen als Teil eines Xbox-Live-Abos. Die Rechenleistung der Konsolen und Desktop-PCs entwickelt sich nicht so schnell wie die der mobilen Geräte, also sind jährliche Updates eher unwahrscheinlich. Ein weiterer Vorteil wäre, dass man das Problem der Abwärtskompatibilität ein für alle Mal gelöst hätte. Auf einmal klingt dann auch der umstrittene Codename Xbox Infinity nicht mehr so bizarr.

Es sollte jedoch erwähnt werden, dass das, was wir bislang über Project Durango (die nächste Xbox) gehört haben, eher auf ein traditionelles Konsolen-Design hinweist - und dieser Patentantrag ist 18 Monate alt. Viele dieser Patente werden oft einfach aus rechtlichen Gründen eingereicht und nie in finale Produkte umgesetzt. Dennoch sind die Verbindungen zum Leak sicher mehr als nur Zufall und gewähren uns zumindest einen faszinierenden Einblick in die Denkweise der Hardware-Ingenieure, die an Microsofts Next-Gen-Konsole arbeiten.

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Über den Autor:

Richard Leadbetter

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Technology Editor, Digital Foundry  |  digitalfoundry

Rich has been a games journalist since the days of 16-bit and specialises in technical analysis. He's commonly known around Eurogamer as the Blacksmith of the Future.

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