Miracle of Sound - Interview mit Gavin "Gav" Dunne

Über Spiele kann man singen: "You can fight like a Krogan, run like a leopard, but you'll never be better than Commander Shepard." (inkl. Gratis-MP3)

Ab sofort werden wir Interviews soweit möglich zusätzlich im Original veröffentlichen. Wollt ihr das Interview lieber auf Englisch lesen, dann geht einfach auf die zweite Seite.

Spiele als Thema für Songs? Für den Iren Gavin "Gav" Dunne ist dieses noch nicht so weit verbreitete Motiv das (zwei)wöchentliche Brot. Woche für zweite Woche musiziert er für den Escapist und eine stetig wachsende Fan-Gemeinde. Seine Songs drehen sich um Commander Shepard, darum, dass er nicht so gut in Call of Duty ist oder dass der Nord-Met aus Himmelsrand das einzig wahre Getränk für echte Männer sei.

Wollt ihr euch vor dem Gespräch mit Gav über Leben und Leiden eines Videospiel-Barden erst mal ein paar von seinen Werken zu Gemüte führen, werdet ihr hier fündig:

Compilations zum Probehören und Kaufen: Miracle of Sound Level 1 und Level 2.

Miracle of Sound auf The Escapist findet ihr hier.

Auch dürft ihr euch noch mal bei Gav bedanken - ich habe es bereits getan -, er hat uns nämlich erlaubt, einen Song nach Wahl zu verschenken. Die Wahl, welcher Song das ist, blieb mir überlassen und als Fantasy-RPG-Nerd, der immer den Zwerg spielt, wo es nur geht, gab es da eigentlich nur eine Wahl: Viel Spaß mit Nord Mead, einer wundervollen Nummer über die Vorzüge männlicher Getränke in fantastischen Welten!

Download: Miracle of Sound - Nord Mead (MP3 320 KBit)

Eurogamer: Erst einmal, wie kommst du auf dieses Zeugs? Ist das nächtelanges Poesie-Slamming mit Dir selbst, oder fingst du einfach an "Krogan...Leopard...Shepard..." zu summen, während du spieltest, und hast es dann aufgeschrieben?

Gavin "Gav" Dunne: Diese Beschreibung trifft schon ziemlich gut, wie Miracle of Sound gestartet ist. Ich hab Half-Life 2 gespielt und hab angefangen "Gordon Freeman Saved My Life" vor mich hinzusummen - es fiel mir einfach so ein. Ich war zu der Zeit ein wenig niedergeschlagen, weil meine alte Band gerade auseinanderbrach und so entschloss ich mich, es als kleines Spaß-Liedchen aufzunehmen, vor allem damit ich mich selbst besser fühle. Und dann ... startete es einfach durch! Heutzutage fällt mir das Schreiben deutlich schwerer, weil ich schließlich jede zweite Woche mit einem neuen Song aufwarten muss. Ich behandele es wie einen regulären Job - ich setze mich von neun bis fünf hin, manchmal länger, bis zu 70 oder 80 Stunden in der Woche. Es ist harte Arbeit - jede zweite Woche einen Song schreiben, aufnehmen, abmischen und mastern - aber es macht Spaß. Es ist kreative Arbeit, die mir am Ende etwas gibt, das für immer da sein wird - alles gut also.

Eurogamer: An welchen Punkt war Dir klar, dass in einer Karriere als Videospiel-Barde echtes Potenzial stecken könnte?

Gavin "Gav" Dunne: Ich denke, mir wurden die Möglichkeiten klar, als Commander Shepard viral durchstartete. Die anderen Songs hatten auch viele Views, aber dieser fiel auch BioWare auf und auch einem großen Teil der Gaming-Community. Anschließend habe ich den Escapist angeschrieben, ob sie mich anheuern möchten und sie sagten einfach nur: "Klar, sofort!" So wurde die Musik mein Job und für mich ist das ein Traum, der wahr wurde.

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Miracle of Sounds Gavin 'Gav' Dunne

Eurogamer: Ein Mann reicht, um ein "Miracle of Sound" zu sein? Mitunter klingt die Sachen nach einem ganzen Schwung verschiedener Instrumente inklusive kompletter Chor.

Gavin "Gav" Dunne: Ich mache alles selbst, außer wenn ich eine weibliche Stimme brauche oder zum Beispiel Jazz-Musiker wie bei Sweet L.A. Ich nehme jede Stimme und jedes Instrument getrennt auf, eines nach dem anderen. Meine Mixe sind meistens gewaltige, chaotische Clusterfucks. Ich nutze bis zu 100 Spuren, die den Sound Schicht um Schicht ergänzen. Ich nutze Cubase 6, um die Stimmen, Gitarren und so weiter zu mischen und ein Programm namens Kontakt, das es ermöglicht, recht realistische Saiten- und Orchester-Sounds über mein Keyboard zu spielen. Was den "Chor" angeht, das bin allein ich. Ich singe jede Zeile eine nach der anderen immer wieder ein und er Computer spielt es dann zusammen ab. Du kannst Dir vorstellen, wie viel Zeit das frisst! Du kannst es Dir wie ein Gemälde vorstellen: Du ergänzt immer mehr Schichten und Farben, bis das Gesamtbild schließlich richtig glänzt.

Eurogamer: Es scheint eine Menge verschiedener musikalischer Einflüsse in Deinen Songs zu geben. Ich würde sagen, dass es Rock-Metal im Allgemeinen ist, aber das sind auch Devo-eske Sachen, 80s-Wave-Sounds oder auch mal Gary Numan. Wie findest du den richtigen Sound für ein Spiel und seinen Song?

Gavin "Gav" Dunne: Es ist jedes Mal ein wenig anders, aber generell versuche ich ein musikalisches Genre oder "Gefühl" zu treffen, das zu meiner eigenen Spielerfahrung passt oder auch zu einem bestimmten Aspekt der Story oder des Charakters, über den ich schreibe. Offensichtliche Beispiele dafür sind der Roboter-Elektro-Sound in Wheatley's Song (Portal), die Nord-Choral-Ballade Sovngarde Song (Skyrim), die dunklen Cyberpunk-Synths in "The New Black Gold" (Deus Ex). Manchmal wähle ich auch zum Spaß etwas, das scheinbar komplett gegen die Spur läuft - wie zum Beispiel bei "Necromorph Soup". Ich denke, dass keiner mit einem kleinen, lustigen, funkigen Discoshuffle für ein Spiel wie Dead Space rechnete. Ein paar Leuten ging das richtig auf den Keks, was sehr unterhaltsam war. Meine eigenen musikalischen Einflüsse sind Bowie, NIN, Devin Townsend, Iron Maiden, U2 Mitte der 80er - eigentlich alle Leute, die ihren Stil immer wieder mal neu mischten und neue Sachen ausprobiert haben.

Eurogamer: Du hast mal gesagt, dass du vorher schon in Bands aktiv warst und dass du zu den Leuten gehörst, "die es immer fast geschafft" hatten. Was für Bands waren das und denkst du, dass du es mit Miracle of Sound "geschafft" hast?

Gavin "Gav" Dunne: Davor war ich in Rock-Bands. Auch da waren es zu hundert Prozent meine eigenen Sachen und als es dann Live ging, hatte ich eine komplette Band zusammen. Wir haben es sogar zu einem Label-Vertrag gebracht, aber die Band zerbrach, woran wir alle ein wenig Schuld waren. Das alte Klischee halt. Was das "geschafft" jetzt angeht, denke ich, dass der Weg noch sehr lang sein wird. Wenn ich ein komfortables Einkommen habe, sodass ich mir keine zu großen Sorgen um Geld machen muss - dann habe ich es wohl wirklich geschafft.

Von der künstlerischen Seite aus gesehen denke ich, dass man es nie wirklich "geschafft" hat. Ein Künstler sollte sich immer weiter und weiter pushen, um seine Arbeit besser und besser zu machen. Da ist immer etwas, das sich mit Übung und harter Arbeit noch verbessern lässt und ich denke, dass mein eigener Weg, was das angeht, ebenfalls noch lang ist, bevor ich zufrieden sein kann. Diesen direkten Kontakt zu meiner eigenen Hörerschaft zu haben, hilft dabei ungemein. Ich kriege von ihnen großartiges Feedback und manchmal hilft es mir sehr, die Songs zu verbessern.

Eurogamer: CDs sind tot, habe ich gehört. Warum gibt es "Press X to Rock"?

Gavin "Gav" Dunne: Nein, ich glaube nicht, dass CDs jetzt schon tot sind. Sie sind einfach nur zu teuer in der Produktion für viele kleinere, unabhängige Acts. Ich würde liebend gerne mehr solcher greifbaren Sachen für die Fans herausbringen, aber ich kann es mir schlicht nicht leisten. The Escapist hat "Press X to Rock" finanziert, nur deshalb existiert die CD überhaupt. Wenn die Nachfrage stimmt, werden wir in der Zukunft vielleicht weitere produzieren.

Eurogamer: Haben schon Spiele-Firmen Interesse gezeigt, deine Songs zu benutzen, um ihre Spiele zu promoten?

Gavin "Gav" Dunne: Ja! BioWare hat an "Take It Back" mit mir zusammengearbeitet, aber es war nicht für einen Trailer oder etwas ähnliches - sie haben dafür ein Musik-Video produziert und es dann zum Launch von Mass Effect 3 auf ihren YouTube-Channel eingestellt. Ich fände es großartig, wenn ein Entwickler meine Musik für etwas Cooles im Spiel oder in einem Trailer benutzen (oder mich dafür sogar bezahlen!) würde. Also, liebe Entwickler, wenn ihr das lest: Heuert mich an! Zeigt mir das Geld! Ha!

Eurogamer: Was für Leute lockt ein Live-Gig bei Dir so an? Singen sie schon alle die Songs mit?

Gavin "Gav" Dunne: Ehrlich gesagt hatte ich als Miracle of Sound nur einen Live-Auftritt. Es war bei einer Rollenspiel-Convention hier in Irland und ja, es gab eine ganze Menge Leute, die mitsangen und sogar tanzten. Das war großartig! Ich spiele erneut dieses Jahr bei der Escapist Expo. Das ist bisher die einzige Show, die ich geplant habe. Ich habe aber auch nicht vor, viele Gigs zu spielen. Um ehrlich zu sein, ich habe ganz schlechte Gig-Nerven und live zu spielen macht mir Angst. Es war ok, als ich eine ganze Band hinter mir hatte - vier andere Jungs mit auf der Bühne lockern die Nerven. Aber jetzt, wo ich allein da oben bin, ist es eine beängstigende Erfahrung, was so weit geht, dass ich richtig unter Lampenfieber leide.

Eurogamer: In Deinem Song "DNA" geht es um den Film "Prometheus". Film? Was ist ein Film? Was ist hier los? Keine Spiele-Songs mehr? Hast du uns, die Spieler, verraten?

Gavin "Gav" Dunne: Haha, ja! Es war ein ziemlich trüber Spiele-Sommer, es gab also nicht viel, worüber ich schreiben konnte. Aber jeder Künstler mag es, von Zeit zu Zeit mal was anderes auszuprobieren. Ich möchte mich nicht nur auf Spiele beschränken, weil es da draußen auch in anderen Medien großartige, inspirierende Storys gibt. Aber ich habe eh einen ziemlich nerdigen Geschmack bei Büchern, Filmen und so weiter. Es können also alle entspannt bleiben, meine Songs bleiben fest in der Nerd-Kultur, SciFi, Fantasy und so weiter. Die Reaktion auf "DNA" war auch im Großen und Ganzen sehr positiv, also plane ich durchaus mehr Sachen in diesem Medium zu machen. Ich hab sogar schon ein paar Songs zu einer bestimmten Fantasy-Buch-TV-Serien-Reihe geplant, die die letzten zwei Jahre sehr gut ankam.

Eurogamer: Hast du drüber nachgedacht, Musik für Spiele, statt über Spiele zu machen?

Gavin "Gav" Dunne: Auf jeden Fall, ich würde das liebend gerne machen. Es ist etwas, das ich in aller Ernsthaftigkeit angehen möchte, sobald sich Miracle of Sound zu einer soliden Karriere entwickelt hat. Aber wenn du ein paar Entwickler kennst, kannst du denen ruhig schon mal meine Nummer geben.

Eurogamer: Dein neues Album wirft die Frage auf: Bist du doch ein "Shooter Guy", oder ist "Suck at Call of Duty" ein Problem, mit dem du zu kämpfen hast?

Gavin "Gav" Dunne: Ha! Gute Frage. Beides eigentlich. Ich bin ein "Shooter Guy", Ich liebe Shooter. Meine Lieblingsspiele wären wohl Half-Life 2, Mass Effect 2 und Fallout 3 (ja, ich weiß, technisch gesehen sind das eher Rollenspiele, aber trotzdem), diese Art Games. Ich versuche mir nicht den Spaß an ihnen nehmen zu lassen, obwohl ich furchtbar in Shootern bin. Ich hab aufgehört COD online zu spielen, weil es mich zu sehr aufregt. Manchmal muss man wohl akzeptieren, dass man für manche Sachen im Gegensatz zu anderen Leuten keine natürliche Begabung hat und dass man, egal wie lange man es versucht, nie so gut sein wird wie sie. Aber das ist ok. Dann stecke ich meine Energie halt in meine Musik und versuche darin gut zu werden.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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