FIFA 13 - Vorschau

Schneller, dynamischer und realistischer. EAs Feintuning zahlt sich wieder einmal aus.

An einem Tag wie heute geht man doch gerne zum Briefkasten. Keine Rechnungen, keine Werbung, aber dafür eine Vorschau-Version von FIFA 13. Genau das Richtige, um sich die quälend langen Wochen bis zum Start der neuen Bundesliga-Saison zu vertreiben. Also schnell ausgepackt, die Disc ins Laufwerk der Xbox geschoben, Spiel gestartet und gleich hinein ins erste Match. Tutorials? Kleine Proberunde in der Trainingsarena? Quatsch, brauch ich nicht. Bei einem neuen FIFA stürze ich mich lieber gleich ins kalte Wasser.

Ich will jetzt nicht von einem Schock sprechen, aber da ich bis dahin noch keine Gelegenheit hatte, selbst Hand an FIFA 13 anzulegen, hat mich die Geschwindigkeit des Spiels in den ersten Minuten, ja im Grunde im gesamten ersten Match schon ein wenig überrumpelt. FIFA 13 spielt sich nämlich ein gutes Stück temporeicher als sein Vorgänger. Und das hat seine Vorteile: Die Partien sind nicht nur - offensichtlich - schneller, sondern auch weitaus dynamischer und spannender. Flotter Richtungswechsel hier, Ballverlust mit folgendem Konter dort. Das gesteigerte Tempo verlangt auch ein höheres Maß an Aufmerksamkeit von euch, jedenfalls mehr als in FIFA 12. Und das ist eine gute Sache.

Aber es ist natürlich nicht nur die Schnelligkeit, die für Unterschiede sorgt. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat auch die First Touch Control, die die Ballannahmen der Spieler steuert. Diesen Bereich hat man in FIFA 13 noch mal deutlich verfeinert, was zwar nicht immer zum eigenen Vorteil ist, aber es ist realistisch. Ihr müsst bei Pässen aufpassen, sie richtig timen, präzise spielen und die richtige Schussstärke finden. Alles in allem gehen Pässe öfter mal daneben, wenn man diese Dinge nicht so genau nimmt. Da kommt es schon mal vor, dass ein Anspiel zu ungenau ist und der Ball erst mal von der Hacke oder der Schulter eines Spielers abprallt, was wiederum die Aktion verzögert, schwieriger macht - oder eben ganz scheitern lässt.

Das gilt auch, wenn die Schussstärke eures Passes für die Entfernung des anvisierten Mitspielers ein wenig zu stark ist. Hier kann es passieren, dass der Ball dann ein Stück nach vorne hin abprallt, was im Gegenzug dem Gegner die Chance gibt, sich das Leder zu schnappen. Solche Fehler passieren natürlich auch der KI, manchmal in (für einen selbst) ganz aussichtsreichen Situationen. In einer Partie beförderte der letzte Verteidiger der gegnerischen Mannschaft den Ball etwa nach hinten zu seinem Keeper, während ich noch ein Stück weit mit meinem Stürmer, der den Abwehrspieler zuvor bedrängt hatte, hinterher lief. Eigentlich hatte ich die Aktion schon abgeschrieben, doch dann passierte eben dieser Fehler bei der Annahme. Der Ball prallte etwas nach vorne ab, ich konnte zu ihm sprinten, mir die Kugel schnappen, damit am Torhüter vorbei laufen und sie mühelos im Netz versenken.

Überhaupt verhält sich das Leder realistischer, auch an der Ballphysik hat man gearbeitet. Der Ball prallt nachvollziehbarer von Spielern ab, wodurch wie in der Realität in manchen Situationen gerne mal ein wenig Chaos im Strafraum entsteht. Die Flugkurven bei Flanken fühlen sich besser an und das Gleiche gilt ebenso für Schüsse. Zusätzlich klebt das Spielgerät einfach weniger an den Füßen der Spieler, wodurch auch einige Manöver oder Dinge, die vielleicht in FIFA 12 noch ganz gut geklappt haben, in FIFA 13 längst nicht mehr so einfach zu bewerkstelligen sind. Unter anderem auch, weil die Verteidiger besonders im direkten Zweikampf aggressiver agieren und euch die Kugel schnell vom Fuß spitzeln, wenn ihr nur stur geradeaus neben ihnen her lauft und den Ball nicht abschirmt oder abgebt.

Hier kommen die Verbesserungen der Player Impact Engine ebenfalls zum Tragen. Nicht nur sind Zusammenstöße zwischen Spielern etwas realistischer, obwohl es hier und da in der zu 75 Prozent fertigen Alpha-Version noch ein paar Bugs und Problemchen gibt. Die Akteure drängeln in den Zweikämpfen auch munter, ziehen sogar mal kurz am Trikot und verlangsamen euch so, wenn ihr im Grunde schon frei durch seid und ihnen enteilen wollt. Und das wird auch nicht immer gesehen oder geahndet, mit kleineren Trikotzupfern müsst ihr leben. Was aber auch nicht heißt, dass das Schiri-Gespann alles durchgehen lässt. Irgendwann ist halt einfach der Bogen überspannt. Doch auch in puncto Foulerkennung pfeifen die Schiedsrichter in dieser Version noch nicht ganz einwandfrei, also warten wir einfach mal ab, wie es in der finalen Fassung aussieht.

Nachdem man im letzten Jahr schon mit dem Tactical Defending die Verteidigung aufgemotzt und in FIFA 13 weiter Feintuning betrieben hat, bekamen auch die Angreifer ein wenig Aufmerksamkeit. Eure Mitspieler nutzen Freiräume nun cleverer aus und versuchen stets, sich freizulaufen, vorzustoßen oder in eine gute Position zu bringen. Gleichzeitig öffnen sie Räume für euch, indem sie den einen oder anderen Verteidiger gewissermaßen weglocken. Das Offensivspiel wird so flexibler, da eure Kollegen Situationen frühzeitig einschätzen und oft - wenn auch nicht immer - die richtigen Entscheidungen treffen, die euch in der jeweiligen Situation weiterhelfen können.

Dass FIFA 13 bei all dem höheren Tempo zu einem Arcade-Gebolze wird, kann ich nicht behaupten. Die Ergebnisse fielen zumeist realistisch aus, von knappen Siegen über Unentschieden bis hin zu klaren Niederlagen und hohen Siegen war in den Partien, die ich bislang absolviert habe, so ziemlich alles dabei. Aber das hängt logischerweise auch ein wenig von der Qualität der Mannschaften ab, die da gegeneinander spielen, wie auch vom Schwierigkeitsgrad, euren Fähigkeiten, der Taktik und vielem mehr. Aber wie gesagt, auf "Profi" verhielt sich das weitestgehend normal.

Selbst wahrhaft verrückte Spiele sind zwischendrin mal mit dabei. Zum Beispiel eines gegen Nürnberg mit einem denkbar schlechten Start. Bereits in der vierten Minute sah einer meiner Abwehrspieler die rote Karte, der Gegner bekam einen Elfmeter und führte früh. Die Konsequenz daraus: Zur Halbzeit stand es 1:4. Anstatt einfach aufzugeben, tätigte ich ein paar Auswechslungen. Einen Mittelfeldspieler raus und mit einem Verteidiger die Abwehr wieder auf vier Mann aufgestockt. Zudem zwei weitere, bessere Mittelfeldakteure eingewechselt, die eigentlich zum Schonen auf der Bank saßen. Es zeigte Wirkung, denn bis zur 77. Minute konnte ich tatsächlich noch ein 4:4 erreichen.

Doch es sollte noch schlimmer kommen. Genau in eben jener Minute rutschte mein Keeper im Strafraum in einen Stürmer. Rot, Elfmeter, 4:5, Feldspieler im Tor, ich fluche in Richtung Fernseher. Aber hey, aufgegeben wird noch lange nicht und mit viel Wut im Bauch gelingt mir in der 90. Minute mit einem Schuss von außerhalb des Strafraums das 5:5. Ich balle die Faust und freue mich, aber auch hier wieder zu früh. Nürnberg kommt noch mal weit nach vorne, ich vollführe ein scheinbar harmloses Tackling und der Gegenspieler fällt. Elfmeter. Der Vierte in diesem Spiel für Nürnberg. Mein Timing in diesem Match scheint alles andere als gut zu sein. Der Feldspieler im Tor könnte zu meinem persönlichen Helden werden, aber die Kugel landet im Netz. Endstand: 5:6. Ich ärgere mich aufgrund der Niederlage und wegen zweier roter Karten, behalte aber dennoch ein geiles Spiel in Erinnerung. Aber wie gesagt, so etwas kommt dann doch eher selten vor, zumindest bei mir. Und dennoch sind es Momente, an die man sich gerne zurückerinnert.

Was mir normalerweise recht selten gelingt, klappte in FIFA 13 übrigens gleich beim ersten Versuch: Ein Freistoßtor. Gut, seitdem hat es auch nicht noch einmal funktioniert, aber was soll's. Jedenfalls habt ihr auch hier weitere Optionen. Auf Seiten der Angreifer könnt ihr nun bis zu drei Spieler um den ruhenden Ball versammeln, euch aussuchen, wer von ihnen schießt oder ob möglicherweise einer von den Kollegen zuvor die Ausführung vortäuscht. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn ihr könnt so mitunter die Mauer austricksen und frühzeitig zum Springen verleiten, wie es auch die KI bei mir schon geschafft hat. Die Verteidiger können unterdessen weitere Spieler in die Mauer beordern, einen Kicker nach vorne stürmen lassen, um eventuell den Schuss zu stören beziehungsweise abzublocken und endlich auch die Mauer nach links oder rechts bewegen. Selbst ein paar Schritte nach vorne könnt ihr gehen, aber Vorsicht: Nicht zu weit, sonst wechselt der Schiedsrichter ein paar ernste Worte mit euch, mitunter ist sogar eine Verwarnung drin.

Weitere Verbesserungen hat es vor allem im Karrieremodus gegeben. Hier werden Spieler immer wieder mal zu internationalen Matches abberufen, außerdem könnt ihr selbst auch zu einem Nationaltrainer werden. Dazu müsst ihr allerdings Erfolge vorweisen und auf entsprechende Angebote warten. Was mich persönlich freut, ist die Möglichkeit, bei der Aufstellung schneller als bisher die Spieler zu wechseln. Drückt beispielsweise bei einem Abwehrspieler die Y-Taste und ihr könnt mit dem Stick vergleichbare Spieler durchschalten, wobei ihr rechts im Fenster einen kleinen Vergleich seht. Dann noch mal Y drücken und fertig. Das erspart das lästige Rauf- und Runterscrollen und ist schlicht komfortabler. Merkwürdig nur, dass diese Option nicht innerhalb eines Matches zur Verfügung steht.

Kleine optische Verbesserung: Am Spielfeldrand seht ihr nun Ersatzspieler, die sich aufwärmen, ebenso die Trainer. Großaufnahmen von Letzteren waren allerdings nicht dabei. Ebenfalls nett: Nach einem Spieltag im Karrieremodus sagt euch der Kommentator im Menü die Ergebnisse und auch einige der Tabellenplätze an.

Neu hinzugekommen sind die Skill Games. Dabei handelt es sich um eine weitere Art von Tutorial, das euch vor verschiedene Herausforderungen in Form von Mini-Spielen stellt, mit denen ihr auch die Grundlagen von FIFA 13 erlernen sollt, etwa Pässe, Flanken, Heber oder Schüsse. Je höher die Herausforderung, desto schwieriger das Ganze. Müsst ihr auf dem Bronze-Level bei den Pässen etwa nur starre Pappaufsteller präzise anspielen, was wirklich kein Problem ist, laufen auf Gold noch echte Verteidiger durch die Gegend, denen ihr den Ball möglichst nicht in die Füße spielen solltet. Für ein erfolgreiches Absolvieren gibt es Punkte für ein globales Ranking, Erfahrungspunkte für euer Profil und sogar Erfolge. Davon abgesehen bekommt ihr das übliche Programm in FIFA 13. Ultimate Team ist mit dabei, ihr könnt Turniere erstellen, online spielen und auch wieder in den Online-Seasons antreten.

Zu Anfang hat mich das schnellere Gameplay von FIFA 13 ein wenig überrascht, aber andererseits wäre es ja auch langweilig, wenn es sich absolut gleich spielen würde. Tatsache ist jedenfalls, dass ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe und einfach sagen muss, dass man keine bessere Entscheidung hätte treffen können. Zusammengenommen machen die ganzen Änderungen FIFA 13 einfach deutlich schneller, dynamischer und interessanter als seinen Vorgänger. Obendrein müsst ihr besser aufpassen, genauer spielen, das richtige Timing finden als noch zuvor. FIFA 12 kommt einem im Vergleich dazu richtig gemächlich vor, aber FIFA 13 bietet schlicht rasanten Tempofußball vom Feinsten, geprägt von realistischeren Spielzügen und Abläufen und unvorhersehbaren Ereignissen.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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