Mit dem Tomahawk durch die vierte Wand und in den Schädel

Update: EA zieht die Medal of Honor Tomahawk Werbung zurück

Update 16.8.2012:

Electronic Arts hat seine Werbekampagne für das Medal-of-Honor-Tomahawk und damit verbunden auch die Werbung für die Project-Honor-Charity-Aktion zurückgezogen. Diese Aktion war dazu gedacht die Einnahmen aus dem Tomahawk und anderen Waffen- und Waffenzubehör-Merchandising an Kriegsveteranen zu spenden. Die Partnerschaft zwischen EA und den Waffen- und Zubehör-Herstellern bleibt nach wie vor bestehen, auch wenn die entsprechenden Einträge in Greg Goodrichs Blog auf der offiziellen Seite von Medal of Honor Warfighter verschwunden sind. Die Charity-Aktion an sich scheint weiterzubestehen, wird aber nun nicht mehr mit dem Tomahawk beworben.

Hier die Stellungnahme von Greg Goodrich gegenüber Eurogamer.net:

"Es war ein Versuch viel Geld für diesen guten Zweck zu sammeln und wir waren auf eine guten Weg mit dem Tomahawk viel Geld dafür zu bekommen, aber ich weiß nicht, was jetzt daraus wird. Der ganze Aufwand drehte sich darum, dass wir authentisch sein wollten und wir wollten der Gesellschaft etwas zurückgeben. Von all diesen Partnern hat keiner einen Cent für das Product Placement bezahlt - all das Geld aus dieser Aktion ging an Project Honor."

"Wir machen einen First-Person-Shooter und dazu passt das. Wenn wir Need for Speed machen würden, würden wir etwas anderes machen. Wenn ich FIFA machen würde, würde ich etwas anderes machen. Aber wir machen nun mal einen Shooter über den Warfighter. Wenn wir da mit einer anderen Marke eine Partnerschaft suchen würden, wäre es nicht authentisch."

Eurogamer.net fragte nach, ob denn keinen Sorgen bestehen würden, dass der durchschnittliche Spieler möglicherweise nicht die Erfahrung haben könnte, um richtig mit dem Tomahawk im richtigen Leben verantwortungsvoll umzugehen:

"Es ist eine Erfahrung und es ist ein Videospiel und sie gehen auf diese Reise und lernen etwas über diese Art von Leuten. Es heißt nicht, dass sie weniger Respekt davor hätten. Vielleicht ist das eine kulturelle Sache."

"Wenn ich Need for Speed spiele und danach die Schlüssel für einen Porsche bekomme, heißt das dann, dass ich wie ein Irrer losrase und Leute überfahre? Nein, ich spiele ein Spiel und dann fahre ich ein Auto, aber ich drehe nicht durch, weil ich ein Spiel spielte."

"In einem Shooter bringen wir den Leuten nicht bei, wie sie besser schießen oder ein besserer Kämpfer werden, indem sie das Spiel spielen. Es passt einfach nicht zusammen, nur weil ich John Madden spiele, heißt das nicht, dass ich nun den Super Bowl gewinne."

Original-Kommentar vom 15.8.2012

Das ist das Problem, wenn man im Organisationstress ist: Da will man was sagen und dann kommt einem jemand doch zuvor, weil man sich um Krams kümmern musste. Und nicht um die wichtigen Dinge des Lebens, wie wirklich fragwürdigste Kooperationen.

Tom Bramwell auf eurogamer.net schrieb über Medal of Honor Warfighter und nicht über das, was auf den ersten Blick wie ein beliebiger Shooter mit beliebigem PR-"this shit is REAL"-Gedöns scheint, sondern einen sehr dunklen Unterton, bei dem man feststellt wie "real" das ganze wirklich wird. Ich hatte ehrlich gesagt bis zu der Präsentation auf der Pressekonferenz gestern auch nicht so wirklich verstanden, dass es derartige Seitenblüten treibt. EA ging mit Waffenherstellern und Militärausrüstern Kooperationen ein, um seine Waffen so real wie nur möglich nachzubauen und ins Spiel zu bringen.

So weit, so normal, ich nehme an, dass Treyarch und Infinity Ward ganze Waffenarsenale für Call of Duty zerlegten. Aber in die Gegenrichtung scheinen sie bisher nicht Handel betrieben zu haben. Waffen, die auf den Designs in einem Videospiel basieren, waren bisher eher selten und das lag daran, dass die Entwickler sich lieber an Vorhandenem bedienten - gab es schon auf den Schlachtfeldern der Welt - oder mit Strahlenkanonen ballerten - eines Tages vielleicht.

Aber dieses Tomahawk markiert höchstwahrscheinlich nur den Anfang einer so schon bezeichneten Reihe von "Merchandise"-Artikeln und - einer sehr interessanten - und aus europäisch-pazifistischer Sicht erschreckenden - Entwicklung. Die Hersteller veröffentlichen Waffenaufsätze, Zubehör und ähnliche Dinge im Design des Spiels, so wie es bei dem Tomahawk der Fall ist. Eigentlich muss der Gedanke nahe liegen, dass ein erstes Medal of Honor-MG nur eine Frage der Zeit ist. Waffen werden bei ihren Händlern ja auch gern als Merchandise bezeichnet.

Während der Spieler dann die neueste waffentechnische Erfahrung am Bildschirm erlebt kann er sich sicher sein, dass das real simulierten Schlachtfeld irgendwo auf der Welt sein sehr tödliches Gegenstück in Echtzeit findet und irgendjemand jemand gerade ein Medal of Honor-Tomahawk in den Schädel bekommt, weil die Medal of Honor-Sidearm gerade eine Ladehemmung hatte.

Dass diese Deals, aktuelle, wie mögliche Zukünftige, mit einer Charity-Aktion für Kriegsveteranen und ihre Familien verbunden ist, die Einnahmen aus diesem Merchandise für diese Zwecke genutzt werden, ist an sich sicher keine schlechte Sache, nur heiligt ein solcher Zweck alle Mittel, vor allem, wenn der eigentliche Zweck noch mehr Empfänger für diese Charity hervorbringen wird? Irgendwo liegt da ein sehr dunkler Zynismus versteckt. Zumal die Entwickler jetzt mit ihrer Freude über die Kooperationen nicht hinter dem Berg halten.

Ohne jetzt groß auf eine "Krieg ist böse" oder "Gewalt ist schlecht"-Debatte hinauszuwollen, erlaubt mir die Frage: Kann es sein, dass wir hier langsam ein wenig zu nah an der Aufregung dran sind, die wir in der Realität eigentlich niemals erleben wollen...?

Ich kann noch nicht so richtig den Finger auf die Wunde legen, außer, dass sich das alles sehr, sehr falsch anhört und dass man die Grenze vorher hätte ziehen sollen.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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