Die negativen Reaktionen auf Splinter Cell: Blacklist sind nach Ansicht von Ubisofts Game Director David Footman "Kurzschlussreaktionen" der Fans auf lediglich kleine Teile des Spiels, die bislang gezeigt wurden.

Zugegeben: In anfänglichen Videos agierte Sam Fisher weniger unauffällig, später veröffentlichte man aber dann noch ein Stealth-Video des gleichen Abschnitts, um zu zeigen, dass man auch leise vorgehen kann.

"Jeder kann solche Kurzschlussreaktionen treffen, die aber wirklich uninformiert sind, nur auf einem kleinen Teil des Spiels basieren und nicht für das gesamte Spielerlebnis sprechen", sagt er im Gespräch mit Eurogamer. "Wir müssen wirklich geduldig sein, während wir mehr über das Spiel sprechen."

"Aber Probieren geht über Studieren. Worte sind Worte und derzeit sprechen wir nur darüber. Wir müssen wirklich eine Demo veröffentlichen, damit die Leute sehen, wie leise man durch die Level kommen kann und das Gameplay erleben können. Es scheint eine Überreaktion zu sein, weil die Leute nur das 'pow!' sehen, die Explosivität."

Im Mittelpunkt stand dabei auch eine Folterszene, in der die Spieler selbst ein Messer im Körper des Gegners drehen können, um an weitere Informationen zu gelangen. Schlussendlich können sie ihn verschonen oder töten.

"Was wir auf der E3 gezeigt haben, war sehr explosiv, sehr gewalttätig. Es ist wahrscheinlicher, dass eher solche Sachen gezeigt werden, aber wenn wir andere Aspekte des Spiels zeigen, werdet ihr sehen, dass es weitaus vielfältiger ist und mehr dem entspricht, was Hardcore-Fans erwarten", so Footman. "Es gibt zwei verschiedene Spielstile. Ihr könnt leise vorgehen oder aggressiv. Es gibt Abschnitte, in denen ihr leise sein müsst, aber auch welche, in denen es schwierig wird, nicht aggressiv zu sein."

Die Verwendung solcher Szenen verteidigte er. Sie seien dazu gedacht, die reale Welt widerzuspiegeln.

"Wenn ihr empfindlich und unangenehm darauf reagiert, geht es vielleicht genau darum. Ich weiß immer, dass wir etwas wirklich Heikles und Interessantes haben, wenn wir solche Reaktionen bekommen. Aber die Wahrheit ist, dass so etwas wirklich passiert. Es ist die Wahrheit. Wir alle wissen, dass es überall auf der Welt passiert. Die Leute tun schreckliche Dinge für... für was, aus den richtigen Gründen?"

"Wo zieht man die Grenze? Was würdet ihr tun, wenn ihr euer Land retten und dazu jemanden mit falschen Mitteln foltern müsstet? Unserer Ansicht nach ist das ein interessantes Dilemma für die Spieler."

Dass es mehr actionreiche Szenen gibt, liegt laut Footman an der Evolution der Serie, die sich von Stealth hin zu Stealth-Action und nun zu "Stealth-Action-Adventure" entwickelt habe.

"Conviction war eine ziemlich große Veränderung für die Marke, hin zu Stealth-Action", erklärt er. "Und in Bezug auf die Akteure und alle anderen Elemente der Story sind wir nun ein Stealth-Action-Adventure."

"Es wurde von einem großen zu einem monströsen Spiel. Wenn ihr im Sommer einen großen Hollywood-Film veröffentlichen wollt und kein großer Blockbuster seid, werdet ihr nicht gesehen. Der Konkurrenzkampf ist hart, die Mitte existiert praktisch nicht mehr. Man muss wirklich wissen, in welchem Bereich man konkurrieren will. Es ist tiefgründig und weitreichend."

"Wir kennen definitiv unsere Wurzeln", sagt Footman. "Stealth, Realismus und Sam Fisher mittendrin. Aber wie jedes Franchise entwickelt es sich weiter."

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.