Kann GRID 2 der Welt etwas geben, was sie noch brauchte?

Eine Frage, die sich im geschlossenen Multiplayer nur bedingt beantworten ließ.  

Race Driver GRID war 2008 ein seltsamer Fall. Alles sah bereits vor vier Jahren nach der nächsten großen Serie für Codemasters aus. Das Straßenrennspiel als zweites Standbein zu den DiRT-Titeln machte Sinn. Nach dem soliden Start und der Erfindung des Zurückspulens bei kleinen Fehlerchen - inzwischen ein fester Bestandteil nicht nur beim Konkurrenten Forza - kam dann aber wider Erwarten nichts mehr. Bis vor kurzem dann GRID 2 angekündigt wurde.

Live, glücklich und orientierungslos

Eine so grundlegende Erfindung wie das besagte Zurückspulen ist dabei bisher nicht auszumachen. Dieses wird im Einzelspielermodus vorhanden sein, für dessen Bericht ich noch ein paar Tage warten muss. Wirklich neu scheint auf der Seite der Spielmechaniken nur der „Live Route"-Modus zu sein, in dem ihr eine Strecke fahrt, die das Spiel nach bestimmten Mustern zufällig auswählt. Auf diese Weise wiederholt sich kein Abschnitt, höchste Konzentration ist gefragt, schließlich kennt ihr die Strecke nicht und könnt es auch gar nicht. Das ist an sich eine gute Idee, nur wurde leider vergessen, einen Mechanismus einzufügen, der euch vor der nächsten Kurve warnt. Ist es nur eine 90-Grad-Kurve nach einer langen Gerade - was schon verhängnisvoll genug sein kann - oder doch eine tödliche S-Kombination? Ihr wisst es erst, wenn ihr an der Bande hängt.

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Straßenkurse wechseln sich mit...

In der auf dem New Yorker Namco Bandai Global Gamers Day gespielten, etwa einstündigen Multiplayer-Session war das jetzt augenscheinlich nicht mein alleiniges Problem, was sich gut an den vorausfahrenden Kollegen erkennen ließ. In dem harten und winkeligen Stadtkurs war der beste Indikator, ob eine gefährliche Kurve sich nähert, wie viele Autos sich in ihr drehten. Auf dem Dubai-Kurs mit vergebenderen Kurven war es dann deutlich einfacher und hier zeigte sich auch das Potenzial, was in der Idee stecken kann, nämlich dass ein gut fahrbarer Kurs vernünftig zu generieren ist. Trotzdem: Das Einzige, was ich an dem Spiel auszusetzen hatte, war das Fehlen einer Minikarte oder von Richtungspfeilen, wie die zum Beispiel in Rallye-Spielen üblich sind.

An dem Fahrgefühl dagegen passte erwartungsgemäß alles. Vom Sport-Golf bis zum Semi-Renn-Mercedes lagen die Renner so auf der Straße, wie man es aus den guten Vertretern der Genre-Zunft gewohnt ist. Während der Golf gut handhabbare Sprintgiftigkeit bewies und sich präzise mit seinem für diesen Rennbereich eher moderaten Tempo durch die Kurven zirkeln ließ, zeigte der Mercedes SLR auf dem italienischen Laguna-Kurs alles Böse, für das teuer bezahlt wird und das ihm nachgesagt wird: Beschleunigt wie eine Rakete, lenkt sich wie eine feinfühlige Kuh. Aber dafür kann das Spiel nichts, das Äquivalent von Jaguar verhielt sich gleich deutlich freundlicher. Aber auch etwas langweiliger.

Ey Mann, wo ist mein Cockpit?

Erstaunlich war, dass es offenbar keine Cockpitsicht gibt. Von außen waren die Autos so gut modelliert, wie man es heutzutage erwartet, nur von innen gab es keinen Blick. Zwei mal die Arcade-Sicht von hinten oben, Stoßstange und Motorhaube. Nicht gerade zeitgemäß, auch wenn ich es aus privater abweichender Gewohnheit verschmerzen kann, aber den einen oder anderen wird es schon schwerer erschüttern. Dafür zerfällt schön viel und jede Menge Teile fliegen euch um die Ohren, was immer wieder gerade bei den Massencrashs in einer der besagten gefährlichen Kurven für glückliche Schadenfreude sorgte. Das ist keineswegs nur Deko. Ein Schadensmodell, bei dem das Auto auch irgendwann einmal einfach nicht mehr kann, ist einstellbar, dazu jedoch im Mai dann mehr im Detail.

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... ländlichen Arealen ab, in denen es auch schon mal die Klippe nach unten oder in den nächsten Baum geht. Gut, dass ihr je nach Schwierigkeitsgrad zurückspulen dürft.

Optisch liegt man zumindest mit der gezeigten Xbox-360-Version auf der Höhe der Zeit, sprich, nach den anderen Rennspielen der letzten Jahre hat GRID 2 nichts zu bieten, was vom Hocker haut, aber zeigt sich auch nicht rückständig. Schön anzuschauen, viele Details in der Umgebung, gutes Gefühl für Tempo und Entfernungen - gerade Letzteres zahlt sich besonders im Live-Route-Modus auch wirklich aus.

Das eigentliche Highlight des neuen Matchmakings ließ sich in einer Gruppe aus zehn Spielern in einem geschlossenen Netz natürlich nicht austesten. Das Spiel schaut sich in den ersten Stunden genau an, wie ihr spielt, ob ihr lieber rammt und schubst oder doch sauber überholt und bringt euch dann nicht nur mit Spielern zusammen, die ähnlich gut wie ihr fahren, sondern so ähnlich drauf sind, wie ihr generell fahrt. Die Crash-Freunde sollen auf diese Weise unter sich bleiben, während seriöse Renner ohne zu viel Frust, weil sie vor jeder Kurve als Bremsblock benutzt werden, ihre Bahnen ziehen. Ein guter Ansatz, ich bin wirklich gespannt, ob es funktioniert und ob ich in die Rempel-Ecke oder bei den guten Fahrern einsortiert werde.

I like. You too?

Ganz im Zeichen der sozialen Netzwerke, die seit dem letzten GRID die Welt übernahmen, steht die Währung in Form der Follower, die ihr sammelt. Folgen euren Videos viele Leute, seid ihr beliebter und als Fahrer gefragter, womit euch mehr Autos, Kurse und Rennligen offen stehen. In den realen Netzwerken der Welt, in die sich das RaceNet - Codemasters' Onlinedienst - einbinden kann, findet ihr auch eure ganz persönlichen Rivalen, mit denen ihr euch im Gegensatz zu den immer neu vom Matchmaking für euch persönlich herausgepickten Rivalen auf ewig duellieren könnt. Wie nah das alles dann an euren echten Fertigkeiten liegt, wird sich schon bald zeigen.

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1.000.000.000 Views? Na und. Psy hat mehr.

Ich muss zugeben, dass mir die Veröffentlichung von GRID 2 so kurz vor dem neuen Konsolenzyklus Rätsel aufgab, gerade angesichts des starken Konkurrenzfeldes aus Forza, GT oder Shift 2, alle mit der beliebten Cockpit-Sicht ausgestattet. Dann jedoch muss man bedenken, dass im Augenblick jenseits von Forza Horizon gar nicht so viel ganz Aktuelles da ist und GRID 2 das Feld für sich hat. Gibt es Platz für einen Arcade-Simulation, die in allen Belangen grundsolide und hochwertig wirkt, aber jenseits von einer etwas stärkeren Ausrichtung auf die Online-Seite des Spielens keine echte eigenständige Richtung erkennen lässt? Ich denke schon, denn zu zehnt oder später zwölft über schön entworfene Strecken zu donnern, gesegnet mit einem guten Fahrgefühl und Motorensound - der wirklich einen eindringlichen Eindruck hinterließ -, macht immer Spaß. Alle paar Monate, gerne immer wieder. Nur das Neue und Eigene, was nur GRID 2 der Rennwelt geben kann, das habe ich bisher noch nicht gesehen.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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