Might & Magic X - Legacy: Wiederbelebung einer RPG-Größe

Ein kleiner Deutscher Entwickler am Ruder einer der ältesten Rollenspiel-Reihen.

Als ich Might & Magic X - Legacy das erste Mal sah, war für mich klar, dass die Wiederbelebung der klassischen Rollenspielmarke nicht zuletzt dem Erfolg von Titeln wie Legend of Grimrock zu verdanken ist. Das hier ist so klassisch wie es nur irgend geht, wenn man farbenfrohes und knackscharfes High-Fantasy in 3D umsetzt. Limbic Entertainments Stephan Winter zufolge habe aber vor allem der Erfolg klassischer Spielprinzipien auf Kickstarter wie eine Initialzündung für diese Neuauflage gewirkt.

Wenn man der Präsentation des ersten "richtigen" Might & Magic seit über elf Jahren beiwohnt, egal, wo man die Inspiration auch zu verorten meint, in jedem Fall bemerkt man direkt starke Parallelen zur aktuellen Retro-Welle. Wenig überraschend orientierte sich Limbic daher für den zehnten Teil an der Hochphase der Reihe, die Winter in den Teilen vier bis sechs ausmacht. Tatsächlich sei Might & Magic V die zentrale Ideenquelle, auch wenn man die Handlung nun nach Ashan verlegt, das seit Might & Magic: Heroes V Heimstatt dieses Universums ist.

Weißt du noch?

Wie schon damals steuert ihr eine Vierer-Party aus der Ego-Sicht auf einer kachelbasierten Karte schrittweise umher, während Drehungen immer in 90-Grad-Winkeln erfolgen. Wer aufgrund späterer Geburt von dieser Sorte Spiel nur Legend of Grimrock kennt, weiß trotzdem schon recht genau, ob ihm diese Sorte Welterkundung liegt. Im Gegensatz zu dem Indie-Dungeon-Crawler jedoch, zieht es euch nicht nur in modrige Keller. Auch auf einer Oberwelt-Karte seid ihr unterwegs und oft genug völlig frei von Auflagen. Sucht nach neuen Questgebern, Trainern und Orten, ganz wie es euch beliebt.

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Als hätten sich alle zu diesem Anlass in Schale geworfen.

Der Look ist dabei in ähnlichem Maße stilisiert, wie in dem Ableger Might & Magic: Heroes und auch einige Figuren und Gegnerdesigns meint man aus dem Spin-Off wiederzuerkennen. Limbic hat einiges an Art-Designs an externe Studios ausgelagert, es würde mich deshalb nicht wundern, wenn hier einige Leute, die schon an den Heroes-Teilen gestalterisch tätig waren, für einen stimmigen Look sorgen. Unter freiem Himmel scheint diese Rollenspiel-Welt durchaus pittoresk und idealisiert. Selbst ein schamanenhafter Goblinkrieger hatte sich mit allerlei Tand zu einem farbenfrohen Gegner herausgeputzt.

Kreuzt man den Weg einer Stadt oder anderen Siedlung, wird diese immer als eine Art übergroße Puppenhaus-Version ihrer selbst dargestellt. Betretet Miniatur und ihr wechselt in den voll interaktiven "Stadt-Dungeon". Ganz wie man es von der Serie gewohnt ist, wenn man sie seit Anfang der Neunziger kennt. Beim Kampf selbst habe man laut Winter viel mit den Elementen der verschiedenen Might & Magics experimentiert. Eine Zeit lang - und tatsächlich noch in dem mit vorgeführten Build von Legacy - führten alle Party-Mitglieder etwa Distanzattacken gleichzeitig aus, während man für Aktionen aus nächster Nähe einzelne Befehle gab. Das wird nun nach Rücksprache mit der Community geändert, damit auch Fernkämpfer ihre Attacken einzeln abspulen.

Anders als etwa in Grimrock oder den Eye-of-the-Beholder-Titeln klickt ihr euch aber nicht wieselflink durch jede einzelne Aktion eurer Untergebenen, die dann auch ebenso schnell ausgeführt werden. Stattdessen ist der Schlagabtausch in Might & Magic X strikt rundenbasiert und damit etwas langsamer. Die Attacken gehen zwischen euch und Gegner hin und her und auf den ersten Blick scheint mir das etwas gewöhnungsbedürftig, gerade, wenn man als Vierer-Party einem einzelnen Feind gegenübersteht. Hier scheint man seine Überzahl nicht so recht ausspielen zu können. So sehr meine RPG-Spielgewohnheiten auch an diesem Modell vorbeigehen, so muss man doch gestehen, dass es sich zumindest nah an der Vorlage bewegt.

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Erkunden, kämpfen, plündern - in Sachen Umfang vermutlich einer der großzügigeren Download-Titel dieses Jahr.

Wie groß das Vertrauen Ubisofts in das neu aufwallende Retro-Interesse letzten Endes ist, lässt sich noch nicht eindeutig ausmachen. Das mit der Neubearbeitung der Marke beauftragte Studio Limbic Entertainment gibt es zwar schon länger, allerdings hat es sich bisher allenfalls in Casual- und Low-Budget-Kreisen herumgetrieben. Dennoch macht Might & Magic X - Legacy nach dieser kurzen Präsentation durchaus einen hochwertigen Eindruck. Das Herz sitzt definitiv am rechten Fleck und das Gehör für die Einwände der Fans stimmt zuversichtlich, dass die altehrwürdige Reihe ein neues Zuhause gefunden hat. Gut möglich, dass sie hier wieder zu Kräften kommt, um schließlich strammen Schrittes wieder aus dem Schatten ihres eigenen Ablegers - Heroes - herauszutreten.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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