Way of the Dogg - Test

Hat ja gar nicht wehgetan …

Das hätte irgendwie anders laufen sollen. In Anbetracht der urplötzlichen Veröffentlichung sowie des grausam trashigen Namens, erwartete jeder in der Redaktion eine absolute Katastrophe. Ein Spiel, bei dem man sich vor Lachen kringelt und die geistige Gesundheit der Entwickler hinterfragt. Niemals hätte ich damit gerechnet, auch nur einen Moment echte Freude beim Spielen zu empfinden.

Man kann es auf gar keinen Fall "gut" oder "gelungen" nennen. Aber immerhin passen Attribute wie "akzeptabel" und "spielbar". Way of the Dogg - ich kann diesen Namen nicht mit einer ernsten Miene schreiben - ist ein solides Rhythmus-Spiel im Stil von Elite Beat Agents mit Snoop Doggs Musik. Seinen aktuellen Namen, Snoop Lion, unter dem er nun Reggae produziert, erwähnt das Spiel nur sehr kurz, weil die Songs alle im Hip-Hop-Genre verortet sind.

Trash oder nur Müll?

Snoop selbst nimmt in der Geschichte nicht die Rolle des Hauptcharakters ein, sondern spielt euren Meister und erinnert daher mehr an den Zwiebelkopf aus PaRappa the Rapper. Ihr steigt stattdessen in die Schuhe von America Jones, der nach dem Tod seiner Freundin durch Gewalt Rache sucht und später sogar in der Zeit zurück reist. Der Titel versucht, sich ganz eindeutig auf die Trash-Seite zu stellen. Wieso sollte man einen der Widersacher sonst Nero nennen und am Schluss sein gesamtes Anwesen in Brand stecken? Leider nimmt der Titel sich ein wenig zu ernst und besonders bei Snoops Dialogen hat man immer das Gefühl, er wolle eher dramatisch als übertrieben klingen. Es ist ein feiner Grat zwischen spaßigem Trash und langweiligem Müll und Way of the Dogg fällt eher in die zweite Kategorie.

Der Titel versucht, sich ganz eindeutig auf die Trash-Seite zu stellen. Wieso sollte man einen der Widersacher sonst Nero nennen und am Schluss sein gesamtes Anwesen in Brand stecken?

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Zumindest Snoops Outfit deutet seinen Musikwandel an.

Nicht so schlimm, denn das eigentliche Prinzip ist so leicht zu kopieren, dass man nicht viel falsch machen kann. Genau wie bei Elite Beat Agents oder einem der zahlreichen Hatsune-Miku-Titel erscheinen eure vier Aktionstasten oder Richtungsanweisungen auf dem Bildschirm, die ihr passend zum Rhythmus der Musik drückt. Den Start der ersten Note in einer Linie macht euch dabei ein Kreis kenntlich, der sich langsam enger zieht. Sobald er den Umfang der Taste erreicht, drückt ihr den Knopf.

Im späteren Verlauf der insgesamt 19 Level kombiniert das Spiel mehrere Elemente mit einander, die euch zunehmend ins Schwitzen bringen wollen. So müsst ihr bei manchen Tasten zur gleichen Zeit den linken Analogstick in eine von acht Richtungen halten oder zwischen zwei Noten Halbkreisbewegungen ausführen. Auf Leicht oder Normal sollten auch unerfahrene Spieler bis zum Ende kommen. Schwer erweist sich für die meisten sicherlich als Probe, doch für einen gestählten Fan des Genres bietet keiner der Songs eine echte Herausforderung. Das sollte aber auch nur Personen stören, die zuvor genannte Titel gerne im Experten-Schwierigkeitsgrad versuchen. Way of the Dogg bleibt mehr ein Spiel für Einsteiger.

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Die Bewegungen der Kämpfer sorgen beim Anblick schon einmal für Schmerzen.

Als solcher erlebt ihr auch keinerlei Probleme, da es euch sicherlich nicht interessiert, ob ihr nun 100 Prozent schafft, oder mit Mühe und Not die nächste Stage erreicht. Falls ihr aber dennoch hinter hohen Bewertungen her seid, offenbaren die Entwickler ihre Unerfahrenheit im Genre. Besonders bei höherem Notenaufkommen, treten ständige Glitches auf, die eure Kombo unterbrechen. Plötzlich erscheint statt einer Taste nur ein grauer Punkt oder die Linie zwischen zwei Noten verschwindet. Auch das Timing einer Stelle ändert sich urplötzlich, sodass ihr sie trotz richtiger Eingabe nicht trefft. Richtig nervig war ein Fehler, bei dem einer der zwischen Phasen angezeigten Texte nicht mehr verschwinden wollte und meine Sicht blockierte. Laut Entwickler soll ein Patch bereits auf dem Weg sein. Ob er dann wirklich erscheint und diese Probleme behebt, steht natürlich in den Sternen.

Geringe Ausbeute

Solche kurzen Patzer sollten aber nicht für den Einbruch des Spielspaßes sorgen, besonders, wenn ihr nur einmal bis zum Ende der Handlung gelangen wollt. Beim Abspann schaute ich ein wenig verdutzt auf meine Uhr. Keine 90 Minuten waren seit dem Start vergangen und schon hatte ich sämtliche Kapitel auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad beendet und sogar mit einem S-Rang abgeschlossen. Toll, man bietet mir noch einen Challenge-Modus mit zehn Aufgaben an, der momentan allerdings durch Fehler unmöglich zu bewältigen ist.

Ihr hört die gleichen sechs oder sieben Musik Stücke immer wieder und manchmal sogar in zwei Leveln hintereinander. Unterschiede erzielt man meist nur durch Remixe, die sich ehrlich gesagt kaum vom Original unterscheiden.

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Manchmal bieten die Zwischensequenzen genau die richtige Portion Trash, bevor der Charme wieder zerfällt.

Ich habe kein Problem mit kurzen Spielen und begrüße sie sogar aber ein solcher Titel sollte zumindest länger als ein Studioalbum sein und damit keine Lieder wiederholen. Denn bei 19 Kapiteln erwarte ich auch genauso viele Lieder. In Wahrheit sind es weniger. Viel weniger. Ihr hört die gleichen sechs oder sieben Stücke immer wieder und manchmal sogar in zwei Leveln hintereinander. Unterschiede erzielt man meist nur durch Remixe, die sich ehrlich gesagt kaum vom Original unterscheiden.

Wirklich schade, da ich die vorhandenen Stücke gut finde, obwohl ich mit Snoops Musik ansonsten nicht viel Kontakt habe. Die 90 Minuten Inhalt wären ja noch akzeptabel gewesen, wenn zumindest der Wiederspielwert stimmt. Immerhin lege ich die Genre-Kollegen auch selbst nach dem vierten Durchgang normalerweise nicht zur Seite. Nur leider ist es besonders für erfahrene Spieler zu einfach und die S-Ränge schaltet ihr auf Schwer schon automatisch frei, solange ihr das Kapitel beendet. Wenn die Herausforderungen dann durch Programmierfehler teilweise unschaffbar oder unfair sind, finde ich keinen Grund, noch einmal zurückzukehren. Erst recht nicht, nachdem ich jeden Song bereits zwei oder drei Mal gehört habe.

Somit ist Way of the Dogg ein Titel, der durch die Balance von Vor- und Nachteilen perfekt ins Mittelfeld passt. Das Spielprinzip funktioniert trotz der gelegentlichen Fehler prima und macht vor allem für Liebhaber der Songs über den Zeitraum des ersten Durchgangs Spaß. Leider wollt ihr danach keinen weiteren Versuch starten, weshalb ich nicht so recht weiß, ob ich jemandem dieses Spiel empfehlen kann. Selbst ein solides Spielprinzip wie hier bleibt in dieser Ausführung meilenweit hinter der etablierten Konkurrenz zurück. Außer ihr sucht wirklich nach neuem Futter, wollt nicht immer nach Japan auf Importe schielen und seid ein großer Snoop-Fan, sehe ich keinen Grund für den Kauf. Und selbst dann müsst ihr euch immer noch mit dem mageren Inhalt abfinden. Sorry, Snoop!

5 /10

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Über den Autor:

Björn Balg

Björn Balg

Redakteur

Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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