Bringen wir erst mal die Enttäuschungen aus dem Weg, dann wird der Rest sehr viel einfacher. New Super Luigi U ist kein echtes neues Spiel, es ist erst einmal ein DLC für New Super Mario U, welches ihr auch zum Spielen braucht, solltet ihr Luigi als Download kaufen. Es kommt in Kürze (26. Juli) eine eigenständige Version auf Disc heraus, die dann statt 20 etwa 30 Euro kosten wird, mehr Inhalt gibt es für das Geld aber nicht.

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Warum sind die Hörnchen eigentlich so sauer?

So also der Modus Operandi. Er wird sehr konsequent durchgezogen. Vielleicht sogar ein wenig zu konsequent. Das Intro wurde nur leicht angepasst - Luiiiigiii!! -, die gesamte Weltkarte ist praktisch identisch und viele, viele Grafiksets wurden recycelt. Um nicht zu sagen, dass sich da optisch kaum was Neues tut, was es ziemlich genau treffen würde. Der Look ist immer noch so "HD-ig" sauber, farbenfroh und stimmig passend, wie er zuvor war, aber ein paar grüne Einsprengsel mehr hätten es schon sein dürfen, wenn man schon das Jahr des Luigi ausruft.

100 Sekunden bis zur Flagge und keine Gnade bis zum Ziel

Ansonsten war man bei Nintendo aber keineswegs faul. Da die Karte nicht nur gleich aussieht, sondern auch genauso viele Stages bietet wie Super Mario U, heißt das, dass ihr etwas über 80 neue Level vor euch habt. Deren Aufbau hat nämlich gar nichts mit dem "Vorgänger" gemein. Ok, es wird viel gehüpft, es gibt Plattformen, Schildkröten, Pilze und was sonst so dazugehört. Der Ablauf ist jedoch Mario U auf Speed.

Knallhart gelten 100 Sekunden als Zeitlimit für jeden der Stages. Konntet ihr in Mario herumstehen und überlegen, wie man wohl die große Münze erreichen kann, und dann den perfekten Augenblick abpassen, muss es hier einfach klappen. Wollt ihr einfach nur durchkommen, dann geht es meist ohne zu sehr in Bedrängnis zu kommen, die Abschnitte sind nie zu lang. Seid ihr jedoch auf Extras und Geheimnisse aus, dann heißt es, schnell auf den Füßen sein. Beim Aufbau ist sich das Spiel absolut bewusst, dass anderthalb Minuten richtig was bieten müssen, um Spaß zu machen und so wird hier auf jegliches Füllmaterial und Leerlauf verzichtet. Jeder Meter will Luigi ans Leben und es ist eine Mischung aus guten Reflexen und Level-Kenntnis, die euch am Ende auch durch die letzten Stages bringt.

Beim Aufbau ist sich das Spiel absolut bewusst, dass anderthalb Minuten was bieten müssen um Spaß zu machen und so wird hier auf jegliches Füllmaterial und Leerlauf verzichtet.

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Nur eine Mütze zeugt vom älteren (?) Bruder.

Ich war erst sehr skeptisch, was diesen Ansatz angeht. Hartes Zeitlimit und eine Art softer Hommage an die legendären Lost Levels, das klang mehr nach Arbeit als nach Spaß. Aber zu geschätzt 85 Prozent lag ich damit falsch. Ein paar Level im letzten Drittel scheinen wirklich nur dazu da zu sein, Pads fliegen zu lassen - benutzt das unterstützte Pro-Pad oder einen Wii-Controller, um Geld zu sparen. Aber mindestens genauso viele gehören mit zum Besten, was ich in 25 oder mehr Mario/Luigi-Jahren gespielt habe. Der perfekte Mix aus den richtigen Sprungdistanzen, Gegnerpositionierungen und gerade so entkommbaren Fallen, um das Adrenalin für 99,6 Sekunden am Limit zu halten und genau dann an die rettende Fahne zu hopsen. Es hat schon was Trials-artiges, wenn ihr mit Luigi einen perfekten Run hinlegt, verkrampfte Hände und Jubelgeschrei inklusive. Manche Emotionen sind seit 1985 stabil und immer, wenn man gerade denkt, dass da nichts mehr zu holen ist, mixt Nintendo ein klein wenig neu und es reicht wieder für ein paar Runden. Nicht ganz alle 81, aber nah genug dran.

Luigi kann was, muss sich aber mit Marios abgelegten Bossen begnügen.

Was das neu Mixen angeht, widmeten sie sich dem Verhalten Luigis, der deutlich hektischer als sein Bruder durchs Leben hastet. Entweder sind es die langen Beine oder es ist der Wunsch, endlich aus dem großen Schatten des Bruders zu rennen, die ihn so zappelig und überenthusiastisch agieren lassen. Was es auch ist, habt ihr gerade erst Mario U gespielt, werdet ihr ein paar Anläufe berauchen, um euch an Luigis höhere und vor allem weitere Sprünge zu gewöhnen, vor allem an die Möglichkeit ähnlich Super Mario Bros. 2 ihn auf Knopfdruck noch ein Meter extra flattern zu lassen. Diese Fertigkeit solltet ihr auch wirklich verinnerlichen, ist sie doch sehr oft der rettende Meter auf die nächste Plattform. Ehrlich gesagt ist die Akklimatisierung erst einmal abgeschlossen, werdet ihr euch fragen, warum Mario der Star der Serie ist und nicht sein offensichtlich bewegungsfähigerer Bruder.

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Schon recht vertraut, oder?

Eine echte Enttäuschung jedoch sind die Bosse. Gibt es in den Leveln wenigsten gelegentlich visuell neue Elemente und immer einen grundsätzlichen und dramatisch anderen Aufbau im Vergleich zum Hauptspiel, sind die Endgegner mit denen aus Mario U identisch. Das ist schon ganz schön faul. Dafür ließ man sich für den Multiplayer einen kleinen Kniff einfallen. Da man Mario scheinbar gar nichts gönnen wollte, bleibt er auch hier außen vor und wurde durch Nabbit ersetzt. Sollte euch der Name nichts sagen: Es ist der kleine Freak, der in den Toad-Häusern die Extras klaut und den ihr einfangen müsst. Im Multiplayer ist er der perfekte Einsteiger-Charakter. Mit den Upgrades kann er nichts anfangen, aber das muss er auch nicht. Er ist unverwundbar. Das rettet zwar nicht vorm Runterfallen, aber trotzdem ist er ein Segen für jeden Mario-Neuling in eurer Vierer-Runde. Der Glückliche muss sich nicht um die Möglichkeiten der Extras kümmern und die hier omnipräsenten Gegner auch nicht. Probleme gibt es erst, sollte dieser Spieler besser werden und die Lust auf eine andere Figur verspüren. Einer muss Nabbit spielen, es gibt keine Ausweichfigur, lediglich die Möglichkeit für einen Spieler wieder auf dem Touchpad die Blöcke zu legen. In einer Fünfer-Runde kann das für Frust sorgen. War es wirklich so schwer, einen weiteren Toad - in Luigi-grün vielleicht? - einzufügen?

Da man Mario scheinbar gar nichts gönnen wollte, bleibt er auch im Multiplayer außen vor.

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Nabbit freut sich, dass er nicht abstürzte. Der Rest, dass sie nicht die anderen Millionen Tode starben.

Genug gemotzt. Nach der initialen Enttäuschung, dass das mitnichten ein neues Spiel ist, sondern eben ein DLC, habe ich Luigi wirklich schätzen gelernt. Viele der ebenso kurzen, wie fairen, aber eben auch oft hammerharten Stages mit noch brutaleren Extra-Verstecken spielen sich weit flotter und origineller als vieles andere in den letzten Mario-Jahren. Das Design mag nicht ganz raumgreifend zum Puzzle-Hüpfen einladen, wie es das manche Stages in Mario U taten, aber das durch das konstante Ticken der kurzen 100 Sekunden pro Stage ausgeschüttete Adrenalin ist eine gute Entschädigung. Die zweite Enttäuschung, dass hier ein wenig zu viel Recycling betrieben wurde, verfliegt jedoch nicht so schnell. Gerade die direkt übernommenen Bosse und die Karte lassen Luigi weit weniger eigenständig wirken, als er es mit seinem doch sehr eigenen Sprungverhalten verdient hätte.

Insgesamt wirkt Mario U am Ende runder und durchdachter, Luigi hat aber seine ganz eigenen Reize und vielleicht bietet es für alle, denen Mario U zu konservativ war, sogar das bessere Erlebnis. Durch den gehobenen Schwierigkeitsgrad und das hohe Tempo spielt es sich deutlich anders als alle bisherigen New-Super-Spiele. Es ist so gesehen ein wenig schade, dass Nintendo nicht die Extra-Meile zurücklegte und Luigi das komplett eigene Spiel gönnte, für das er eigentlich gut gewesen wäre. So teuer können eine neue Karte, ein paar Bosse und ein wenig drum herum doch auch nicht gewesen sein? Aber auch im Jahr des Luigi muss er sich mit ein paar abgelegten Sachen des großen Bruders zufriedengeben.

Ok, das schweift etwas ab. New Super Luigi U ist eine sehr starke Ergänzung für Super Mario U, aber mit ein wenig mehr Aufwand hätte es ein sogar noch besseres, eigenständigeres Spiel werden können. Ich würde es sicher keine vertane Chance nennen, aber man kommt schon ins Grübeln, wozu Luigi wohl so fähig wäre.

8 /10

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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