gamescom 2013: Zusammenfassung der Sony-Pressekonferenz

Viele Indies, ein paar Preissenkungen und ein bisschen Triple-A - Sony reißt sich kein Bein aus. Muss es aber auch nicht.

Nach dem PR-Knock-Out, den die Japaner der Konkurrenz von Microsoft auf der E3 zufügten, waren die Erwartungen an Sony hoch. Gibt es noch ein Ass im Ärmel, sind noch Seitenhiebe an den Wettbewerber zu verteilen? Sobald man aber herausfand, dass der Xbox-One-Hersteller nicht mit einer vergleichbaren Pressekonferenz zugegen war, hätte man sich eigentlich schon denken können, dass sich das PlayStation-Haus auf der gamescom kein Bein ausreißen musste. Und so war Sonys Show ein bisschen arm an echten Knüllern und vor allem neuen, werbewirksamen Hochkarätern in Sachen Spiele.

Das heißt aber nicht, dass es nichts Neues zu sehen gegeben hätte. Den Anfang machte jemand in einem ledernen Ohrensessel, der von hinten ein bisschen wie Shuhei Yoshida aussah. Ob er es wirklich war, wer weiß das schon? Jedenfalls bekamen wir unseren ersten Blick auf das Dashboard der PlayStation 4. Sofort als PlayStation-Software war sie zu erkennen und sah ein bisschen nach einer Hochzeit der überalterten Cross-Media Bar und Windows 8 aus. Gewöhnungsbedürftig, aber schnell und vermutlich etwas übersichtlicher als zuvor. Ein paar Klicks später sahen wir den Twitch.tv Live-Feed eines Freundes, in dessen Spiel der angebliche Shuhei prompt einstieg, um ein bisschen umher zu ballern. Danach der Upload eines Screenshots aus dem Match, versehen mit dem Text, "Lass uns die Show starten".

Die alte Dame eröffnet die Show

Dem Auftritt von Sonys Jim Ryan schickte die Regie eine Audiospur von Entwicklern voran, die von der PS4 schwärmten und davon, wie Sony sich auf die "Basics" konzentriere, die Spiele. Nachdem Ryan aber die gamescom als wichtigen Eckpfeiler der Industrie pries, sollte es zuerst um die PlayStation 3 gehen und ein neuer Trailer von Gran Turismo 6 machte eine tolle Figur. Viele exklusive Concept Cars von Mercedes, Bertone, Alfa, VW, Audi, Peugeot und wie sie alle heißen, kommen im Spiel zum Einsatz. Man denkt es bei jedem neuen Autospiel, so auch wenig überraschenderweise bei diesem hier: Autos sahen selten so gut aus. Weltweit ist es am 6. Dezember so weit. Mit Sony Pictures arbeite man zusammen weiterhin an einem Film, der sich des Spieles als Inspiration annimmt. Michael de Luca und Donna Brunetti fungieren als Produzenten.

Als Nächstes war Sackboy dran, der in Free-to-play-Gewässer aufbricht. Gameplay gab's keines, nur einen herzigen Trailer, der die Frage stellte, was wäre ... nun ja, wenn man eine ganze Menge Dinge machen könnte, die man gewissermaßen schon in LBP 1 und 2 machen konnte. Dieses Mal aber eben Free-to-Play. Der Name: LittleBigPlanet Hub - weit weniger kreativ als deskriptiv, aber wen schert das noch, wenn nun noch mehr Leute in die Welt von Sackboy einsteigen können. Die Frage ist nur, gibt es noch welche die das wollen, und noch keines der Spiele haben?

Im Anschluss war es Zeit, den spielgewordenen Fünf-Tonnen-Allesfresser zu erwähnen, dem sich im September am besten niemand in den Weg stellt: Grand Theft Auto V. Das soll am 17. September in einem PS3-Bundle mit Custom Headset herauskommen. Als Bonus für Vorbesteller des Spiels im PlayStation Store gibt es unterdessen einen Rabatt von 75 Prozent auf alle Rockstar Spiele.

Vita bekommt ihre Preissenkung - aber reicht eine Ersparnis von 50 Euro?

Dann sollte die Vita ihren Auftritt haben und im Vorfeld wurde ja gemunkelt, dass man sich für die gamescom Großes vorgenommen habe. Wenn man unter "Großes" aber aufwendige Titel von großen Studios versteht, sah man sich enttäuscht. Wobei, so ganz stimmt das nicht. Zwar wusste man bereits von Batman: Arkham Origins Blackgate und LEGO Marvel, Football Manager Classic 2014 ist klasse, aber nicht gerade der Gossenhauer, doch zumindest Borderlands 2 war eine handfeste Überraschung. Portiert wird das gute Stück vom Divekick-Entwickler Iron Galaxy. Bilder gabs dazu nicht zu sehen, dafür folgte die etwas späte und vielleicht nicht einmal weit genug gehende Preissenkung der Vita auf 199 Euro. Ein Preis, der sowohl für die WiFi, als auch für die 3G-Variante gilt. Immerhin werde zeitgleich der Preis der Speicherkarten drastisch gesenkt. Was genau das bedeuten würde, darüber blieb Ryan Zahlen schuldig.

Dass Sony seit langem Indies für das Handheld hofiert, ist schon länger kein Geheimnis, Starbound, Fez und der Velocity-Nachfolger sind nur einige Beispiele für interessante, tiefschürfende und unterwegstaugliche Titel. Dann betrat Michael Denny von Sony Worldwide Studios die Bühne, um einige Neuentwicklungen anzupreisen, etwa Murasaki Baby von Ovosonico, dem neuen Studio des Creative Directors von Grasshoopers Shadows of the Damned, falls sich noch jemand erinnert. Ein 2D-Spiel mit morbidem Stil, das komplett auf die Touch-Steuerung ausgerichtet ist. Es sah zumindest interessant aus, auch wenn man nicht wusste, ob man das Design der kleinen Kreatur, der man durch die Level hilft, nun süß oder abstoßend finden sollte.

Danach der Free-to-Play-Titel Big Fest, bei dem man nach Art eines Tycoon-Spiels ein Musik-Festival veranstaltet. Der Clou: Die Partnerschaft mit einem Musik-Streaming Dienst, dessen Namen ich noch nie gehört habe. Der hat sich offensichtlich auf reale kleine, unbekannte Acts spezialisiert, denen man mit Big Fest wohl eine Bühne geben soll. Interessanter Kniff, Sim City, Theme Park und Musikmanagement zu verknüpfen. Mal schauen, wie es sich dann spielt.

Den Abschluss des Vita Segments machte ein Montage verschiedener Indie-Entwickler, die darüber ihr Herz ausschütteten, warum die Vita toll ist. Unter anderem Mike Bithell ('Thomas was alone') und Derek Yu ('Spelunky') - echte Schwergewichte in Sachen Indie, die es wissen müssen. Für unsereinen, die Core-Spieler, sind derartige Lippenbekenntnisse durchaus Grund zur Freude, bedeuten sie doch außergewöhnliche Spiele, die wahlweise klassisch oder sehr gewagt daherkommen. Trotzdem fällt wohl nicht nur mir immer noch schwer, zu sehen, was Sony sich im Bezug auf die Breitenwirkung erhofft, wenn es sich diese Leute an Bord holt. Diese Entwickler sind eine klare Bereicherung für jedes System, aber außerhalb von eingefleischten Gamer-Kreisen kennt sie keiner. Hoffen wir, die Strategie geht trotzdem auf.

Mark Cerny spricht über das Flaggschiff

Daraufhin hatte Mark Cerny, der Lead Architect der PlayStation 4 einen kurzen Auftritt, in dem er noch einmal die Zielsetzung der Konsole zusammenfasste: Einfach zu benutzen, einfach zu entwickeln und, daraus folgernd, gesteigerte Kreativität. Nicht weniger als die leistungsstärkste Spielkonsole verspricht er - von Gamern für Gamer und natürlich darf auch das "stärkste Launch-Line-Up in der Geschichte der PlayStation", nicht fehlen, was allerdings keine allzu große Messlatte ist, denn Starttitel sind bei allen neuen Plattformen in der Regel nicht von der größten Qualität.

Auch das nächste Segment gehörte den Indies, dieses Mal präsentiert von Shahid Ahmad und mit Fokus auf Sonys neues Flaggschiff. Man habe kleinen Entwicklern zugehört, wolle ihren Freiheitsdrang stützen. Die folgende Aufzählung namhafter Indiespiele, zum großen Teil sogar im Crossplay mit der Vita kompatibel, machte den Mund durchaus wässrig. So kommt zum Beispiel das fantastische Rogue Legacy von Cellar Door Games im nächsten Jahr konsolenexklusiv auf PS4 und PS Vita, Binding of Isaac kommt ebenfalls und das sogar kostenlos, wenn man PS-Plus-Mitglied ist. Mike Bithell (Thomas was alone) bringt sein neues Spiel Volume auch auf beide Geräte, ebenso wie Hotline Miami 2 und Wasteland Kings von den Ridiculous-Fishing-Machern Vlambeer. Nur für die PS4 kommen unterdessen N++, das schon diesen Winter, und Guns of Icarus. In Sachen Indie kann man wohl sagen, dass die PS4 exzellent aufgestellt ist. Bei Erfolg werden weitere kleine Studios unweigerlich folgen.

Dann war wieder Michael Denny am Mic, der neue Titel von Media Molecule, Sony Santa Monica und Naughty Dog versprach, aber jedwede Details schuldig blieb. Namedropping der unbefriedigenden Sorte, das diese Studios an neuen Titeln arbeiten würden, war allen klar. Welchen Informationswert sollte man also daraus ziehen, dass die Teams an der Arbeit sind? Immerhin betont er auch europäische Teams wie Quantic Dream und die damit zusammenhängende kulturelle Bandbreite der Spiele. Ein Trailer von The Chinese Rooms Everybody's gone to the Rapture war extrem stimmungsvoll, aber wenig sagend. Der Überraschungs-Knaller war aber wohl Rime, das mit seinem malerischen Stil The Legend of Zelda Wind Waker und Ico auf traumhafte Weise zusammenführte. Vielleicht das Highlight des Abends.

Indies und Amiga-Remakes

Helldivers vom Magicka-Entwickler Arrowhead will unterdessen Top-Down Crossplay-Koop kultivieren, während die Finnen von Housemarque nach Super Stardust wohl auch mal wieder Defender gespielt haben. Gerade die Szene, in der man ein pixeliges Männchen in diesem 2D-Shooter aufsammelte, erinnerte an den Klassiker. Resogun heißt das neue Ballerspiel und wenn es sich nur ansatzweise so gut anfühlt wie Stardust, ist es schon jetzt so gut wie gekauft. Danach gab es noch einen kurzen Trailer zum Amiga-Remake Shadow of the Beast zu sehen, dass aber sowohl aussagekräftige Spielszenen als auch den Namen seines Entwicklers schuldig blieb und daher nicht direkt mit tosendem Applaus aufgenommen wurde. Kann gut werden. Muss es aber nicht. Shadow of the Beast ist definitiv einer der Amiga-Klassiker, der nicht allzu gut gealtert ist.

Danach widmete man sich bereits angekündigten Spielen. Playroom ist eine Art Eyetoy-Partyspiel mit Augmented-Reality-Elementen und Bewegungssteuerung, das - so die Ankündigung - nun jeder PS4 beiliegen wird. Der folgende Trailer zu Infamous: Second Son sah klasse, aber auch nicht weltbewegend neu aus, während es von Ready at Dawns The Order 1866 nur den Namen zu hören gab. Das war etwas enttäuschend. Der Multiplayer-Trailer von Killzone: Shadow Fall hob die mannigfaltigen Einstellungs- und Customization-Optionen hervor. Sicher viel gutes Zeug, aber eben auch auf eine spezielle Zielgruppe gemünzt, die sich ihre Zeit bereits zwischen zwei, drei absoluten Platzhirschen teilen.

Jim Ryan lenkte den Fokus dann ein wenig auf die Multimedia-Seite des Konsolengeschäftes, einschließlich der Kooperation mit Twitch und dessen Zuschauer-Funktionalität. Dazu kommen für Europa Bündnisse mit den Streaming Diensten Watchever, Maxdome und dergleichen. Music Unlimited sei nun noch besser und ermögliche es, während des Spielens seine eigene Musik zu genießen. Die Steuerelemente für den Dienst seien über die PlayStation-Taste auf dem Controller aufrufbar. Scheinbar soll Music Unlimited tiefer gehend in das Konsolenerlebnis integriert werden. Auch das Thema Breitband sprach Ryan an, der strategische Partnerschaften mit führenden Internet-Dienstanbietern wie der Deutschen Telekom, Orange, Virgin Media und Ono ankündigte, um PlayStation-4-Usern leistungsstarke Datentarife anzubieten.

PlayStation Plus und zwei alte Freunde

In Sachen PlayStation Plus betonte er den niedrigen Preis von nur etwa vier Euro im Monat und den großen Gegenwert, den man dafür bekäme. Jeder neuen PS4 lägen nach dem Start 14 Tage PS Plus bei, die Zugang zur PS Plus Edition von DriveClub gewährten, sowie zu Housemarques knalligem Resogun. AC3 gesellt sich im Winter zu dem Portfolio an Download-Spielen für Abonnenten.

Damit war das Stichwort für Assassin's Creed IV und ein längeres Ubisoft-Segment gegeben. Einen neuen Level demonstrierte man im Remote Play - das bedeutet, dass der Titel über WiFi auf die Vita gestreamt und mit dieser gesteuert wurde, eben wie ein Handheld-Spiel. Das Spiel der Wellen im Seekampf der Jackdaw gegen ein schwer bewaffnetes Fort konnte durchaus beeindrucken, auch wenn es zu Fuß das altbekannte Gameplay zu geben scheint. Immerhin wiederholt Ryan, dass fast alle Spiele auf diese Weise auch per Vita zu kontrollieren seien, falls mal der Lebenspartner wieder was doofes im Fernsehen schauen wolle. Ein kurzer Trailer des Sony-exklusiven AC IV Levels, in dem man die Heldin von Liberation - Aveline - spielt, gab es ebenfalls noch.

Im Anschluss gesellte sich Yves Guillemot für ein lockeres Gespräch unter alten Freunden zu Ryan die Bühne. Der Franzose kündigte die Partnerschaft mit Sony Pictures an, in der eine Verfilmung von Watch Dogs entstehen solle. Danach Spielmaterial aus der PS4-exklusiven Mission des Titels, der für etwa 60 Minuten zusätzliches Gameplay gut sein soll. Dieses Video ändert nichts daran, dass Watch Dogs einer der interessantesten Titel des Launch-Zeitraumes sein dürfte, transformiert aber das Bild auch nicht, das man bisher von ihm bekam. Sah gut aus, wenn auch nicht mehr ganz so flüssig und detailreich wie auf der ersten Präsentation (die auf einem PC lief), versprach aber in jedem Fall eine glorreiche Steigerung zu allem, was wir jetzt auf Konsolen spielen.

Nachdem Guillemot die Bühne wieder räumte, stürmten ein paar Creeper den Bereich unterhalb der Bühne, denn Minecraft kommt überraschenderweise sowohl für die PS4 als auch für PS3 und Vita heraus. Mehr Details dazu gab es nicht, aber es steht wohl fest, dass sich Notch seinen Filzhut demnächst vergolden darf, wenn er das nicht schon hat. Darüber hinaus bringt Gaijin sein extrem ambitioniertes und gut aussehendes Free-to-Play Flugkampfspiel War Thunder auf die PS4.

Zu guter Letzt überließ Ryan seinem Boss Andrew House das Feld, um Bilanz zu ziehen und selbst noch einige Info-Nuggets zum Besten zu geben. Das begann mit der der Preissenkung der 12GB-PS3 auf 199 Euro und streckte sich bis hin zu dem Versprechen, dass Käufer der PS3-Versionen bestimmter Cross-Generation-Titel nach einem Upgrade auf die PS4 die Next-Gen-Versionen der Spiele zu einem signifikant vergünstigten Preis werden kaufen können. Ausgewählte Titel sind COD: Ghosts, Watch Dogs und Battlefield 4.

Er sehe zudem eine rosige Zukunft für die Vita und hob noch einmal den Fokus auf die Bedürfnisse des Spielers hervor. Den Seitenhieb, dass "andere" unterdessen ihre Message "verschoben und ihre Geschichte verändert" hätten, konnte er sich nicht verkneifen. Eine Million Vorbestellungen der Konsole sendeten ein klares Signal, dass sich die Spieler freuten. Und natürlich blieb er auch den Start-Termin der PlayStation 4 nicht schuldig: Am 15. November ist in den USA Stichtag, am 29. in Europa.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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