Warum so düster, Diablo? - Kommentar

Reaper of Souls soll dunkle Seiten erforschen. War Diablo 3 etwa vorher ne Strandparty?

Kommt ihr Hexendoktor auch immer zu bunt aus der Maschine? Verblassen die Blutflecken an ihrem Barbaren schon zwischen Akt 1 und 2 auf Inferno? Hat ihr Mönch ein zu sonniges Gemüt? Ist ihnen der Fürst der Finsternis nicht finster genug?

Dann freuen sie sich auf Diablo 3: Reaper of Souls! Denn nur der coole grimme Schnitter wäscht Sanktuario schwärzer als Schwarz! Garantiert 30 Prozent mehr Düsternis in jeder Erweiterung! Zehn Charakterlevel höher als das herkömmliche Diablo 3! Mehr Beute, Monster und Dungeons für Alle! Jetzt mit einem Palad... Verzeihung, Kreuzritter in jeder Packung! Greifen Sie zu! Dunkler wird's nicht!

Aber mal im Ernst: Warum so ernsthaft, Blizzard? Ich meine, klar, es entspricht dem Zeitgeist, wenn die erste Erweiterung für Diablo 3 noch düsterer wird als des Teufels Kleiderschrank. Da muss man sich nur einmal den aktuellen Mann aus Stahl im Kino angucken. Heilige verlorene Leichtigkeit des Seins, Batman! Aber gleich den bösen Sensenmann alias "Malthael" aus dem Ärmel zücken? Why so serious, Gaming? Ist denen der schwarze Humor ausgegangen?

"Von Anfang an hat sich Diablo mit dem Kampf zwischen Gut und Böse befasst und Reaper of Souls erforscht die dunkleren Seiten dieses Konflikts", erklärt Mike Morhaime, CEO und Mitgründer von Blizzard Entertainment in der offiziellen Pressemitteilung. War mein blutiger Krieg gegen die Horden der Hölle etwa ne sonnige Strandparty? Sind Gemetzel an Menschen und Engeln etwa Ringelpiez? So ne 'Grafschaft Launebach' mit Einhörnern, Teddybären und... Ok, Schluss mit den Metaphern.

Diablo! Mach das Licht aus!

Natürlich wünsche ich mir für das Hack-and-Slay keine Klicki-Bunti-Optik und gehörte sogar zur Schar der Verwunderten, als Blizzard die ersten Screenshots von Diablo 3 enthüllte. Ich war zwar keiner der Zeitgenossen, die in den Fanforen über den vermeintlichen "World-of-Warcraft-Look" schimpften, aber etwas mulmig wurde mir schon. Blizzard räumte in den folgenden Wochen die Bedenken durch neues Bildmaterial einigermaßen aus: Alles düster wie gehabt. Die Grafik mag zwar nicht jedem gefallen, aber Kinderquatsch mit Luzifer wurde es auch nicht.

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Der Sensenmann, schwarze Mauern, finstere Zauber, ein Kreuzritter in dunkler Rüstung. Schwarz ist das neue Schwarz, wie es scheint.

Doch irgendwie scheint man in der Marketingabteilung seit damals zu glauben, dass die Akzeptanz der Spieler im gleichen Maße zunimmt, wie die Schattierungen dunkler werden. Ich will gar nicht wissen, was der Kreuzritter für eine schicksalsgebeutelte Hintergrundgeschichte mitbringt. Mutiert Diablo 3 zum nächsten 'Dante's Inferno'? Wird die folgende Erweiterung so düster, dass der (Achtung, Spekulation!) neue Druide die Gegner nur noch erkennen kann, wenn man den Gammawert seines Monitors auf unchristliche Werte hochschraubt?

Ja, ich male hier ein bisschen den Teufel der ironischen Übertreibung an die Wand. Im Grunde freue ich mich auf die Erweiterung. Mehr Loot, mehr Level, mehr Quests, mehr Umgebungen - wer kann daran etwas Schlechtes finden? Im Gegenteil: Eigentlich hätte ich zwei neue Charaktere und noch mehr frische Inhalte erwartet. Die ersten Screenshots und Videos lassen nur wenig Abwechslung im Vergleich zum Hauptspiel erahnen. Die typische Content-Gier nach Neuem - ich bekenne mich schuldig.

Aber trotzdem finde ich, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, ein tolles Spiel zu fabrizieren, ohne noch weiter ins Herz der Finsternis abzudriften (außer man programmiert ein zweites Spec Ops: The Line). Dämonen können auch in anderen Farben daherkommen als Schwarz oder Blutrot. Der Tod trägt nicht zwangsläufig Kapuze und Sense. Alles nur eine Frage der Fantasie. Überrascht mich mal wieder, Blizzard! Gönnt der Hölle einen neuen Anstrich!

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Über den Autor:

Frank Erik Walter

Frank Erik Walter

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Tagsüber arbeitet Frank als freier Journalist. Nachts jagt er seit 2010 flüchtige MMOs für Eurogamer.de und die MMO PRO. Skittles und Tetris sind sein Kryptonit.

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