Nintendo, wir wollen auch einen 2DS für uns große Kinder - Kommentar

Die Zielgruppe der Kleinen haben sie damit wohl perfekt im Griff. Doch was ist mit dem Rest?

Mit der Ankündigung des 2DS hat wohl niemand gerechnet. Ganz sicher klang es nicht nur für mich wie ein verspäteter Aprilscherz, den sich Nintendo da ausgedacht hat. Allein das Bild wirkte surreal. Einen DS, den man nicht zusammenklappen kann. Was soll ich damit bitte anfangen? Sicherlich sorgte vor allem die Form für kritische Beiträge. Immerhin sieht es auf den ersten Blick groß, sperrig und unpraktisch aus. Erst recht als Handheld, den ich überall mit mir tragen soll. In die Hosen- oder Jackentasche passt der garantiert nicht.

Doch Nintendo möchte mit dem Gerät einen ganz anderen Markt ansprechen. Kleinkinder sollen ab Oktober damit rumlaufen. Deswegen erscheint der 2DS auch zusammen mit Pokemon X und Y. Nintendo will eine neue Generation früh an ihre Marke binden, bevor es sie an Angry Birds verliert. Plötzlich erscheint das System in einem ganz anderen Licht und man muss diesem Schritt gewisses Genie zugestehen. Nur glaube ich, dass manche zu viel Lob in ihre Richtung werfen. Denn sie haben den zentralen Reiz dieser speziellen Hardware-Reihe womöglich unterschätzt und werden die Idee nicht richtig ausnutzen. Auch der restliche Markt strebt nach einem Handheld ohne 3D-Feature.

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Ob es wirklich unhandlich ist oder doch bequem in der Hand liegt, kann ich ohne einen Langzeittest im Alltag nicht sagen.

Zuerst einmal müssen wir uns der Frage widmen, warum man extra ein neues Gerät auf den Markt wirft, das sich primär an Kinder richtet, die noch auf ihre Einschulung warten oder diese gerade erst hinter sich gebracht haben? Denn Pokemon allein sollte reichen, um die Zielgruppe zu gewinnen und sie zum Anbetteln ihrer Eltern bringen. Die Sorge liegt beim 3D-Feature des 3DS, weswegen sich Nintendo zum Launch einige Kritik besorgter Eltern anhören musste. Obwohl eine Beeinträchtigung durch 3D-Bilder nicht erwiesen ist und manche Wissenschaftler sogar an positive Einflüsse in jungem Alter glauben, packte man einen Warnhinweis auf die Verpackung. Empfohlen ab sieben Jahren. Genau diese Mauer soll mit dem 2DS gebrochen werden, der zudem keinen Klappbildschirm bietet, weil Kinder diesen vielleicht abbrechen könnten. Es macht also mit Absicht den Eindruck eines My-First-Nintendos.

Nur deswegen ließ man das Feature weg. Davon bin ich überzeugt. Warum richtet sich das Gerät ansonsten nicht an normale Spieler höheren Alters? Warum gibt es kein alternatives Modell, das einen Klappbildschirm besitzt oder sogar die Größe des 3DS XL besitzt? Hier liegt der Hund begraben. Selbst wenn Nintendo mittlerweile eingesehen hat, dass 3D nicht die Zukunft ist und die meisten ohne den Effekt spielen, werden sie von ihrem prominentesten Feature für den Rest der 3DS-Familie keinen Abstand nehmen. Dafür haben sie in der Vergangenheit zu sehr ihre Engstirnigkeit bewiesen.

Nintendo will eine neue Generation früh an ihre Marke binden, bevor es sie an Angry Birds verliert.

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Ich warte schon auf die ersten Beiträge wütender Spieler, die auf dem 2DS Another Code nicht beenden können, weil für bestimmte Rätsel das Zusammenklappen der Bildschirme nötig ist.

Und doch hoffe ich inständig auf Einsicht. Wie großartig wäre es für die Konsumenten, wenn Nintendo reguläre Editionen des 2DS veröffentlichte? Ebenfalls zu einem reduzierten Preis. Müsste ich mir noch einmal ein Gerät aussuchen, würde ich dann auch zu diesem Modell greifen. 3D ist an einigen Stellen ganz schön - besonders Fire Emblem und Paper Mario beweisen diese Tatsache -, doch mehr als ein paar Minuten zwischendurch kommen dadurch nicht zusammen. Ich könnte in Zukunft komplett auf das Feature verzichten. Und bitte packt gleich einen zweiten Stick dazu. Wieso stellt ihr euch noch immer taub, wenn wir alle danach schreien? Für mich ein weiterer Beweis, der Nintendos Unwillen zur Veränderung belegt.

Von einem Erfolg des 2DS gehe ich bei einer richtigen Werbekampagne aus. Keine Frage. Aber Nintendo unterschätzt die Möglichkeiten weiterer Ausgaben, die sich auf den allgemeinen Markt und andere Zielgruppen richten. Dadurch könnte in der Zukunft zwar die Angst entstehen, dass sich alle Kunden vom 3D abwenden und es danach in weniger Spiele eingebaut wird. Aber brauchen wir es wirklich? Muss man ernsthaft an einem Feature festhalten, das wohl die wenigsten Spieler ernsthaft interessiert? Ich gratuliere Nintendo zu einer guten Entscheidung. Aber an ihrer großen Gelegenheit laufen sie wahrscheinlich vorbei und erkennen im Nachhinein wieder nicht, warum ihr Produkt überhaupt so erfolgreich war. Bitte, gebt auch uns großen Kindern einen 2DS!

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Björn Balg

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Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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