Disney Infinity - Test (mehr oder weniger …)

Nicht für Kinder geeignet! Und für tollpatschige Erwachsene schon gar nicht!

Ok, ich bin spät dran. Zu meiner Entschuldigung, die gamescom kam dazwischen! Und eigentlich ist es ja auch ein Kinderspiel. Aber das ist Skylanders auch und das mag ich. Also setzte ich mich gestern Abend hin und begann endlich meinen Test zu Disney Infinity, um festzustellen, ob es für euch, eure Kinder oder alle zusammen ein geeignetes Spiel ist.

Bevor es zum eigentlichen Erfolg dieser Aktion geht, hier die kurze Zusammenfassung dessen, was ich über das Spiel in etwa zwei Stunden erfahren konnte:

Infinity ist zwiegespalten. Der konkretere Teil sind die Spielsets. Piraten der Karibik, Monsters University oder die Unglaublichen, Cars kann derzeit als erstes Set dazugekauft werden. Es sind vom kurzen Anspielen her kleine, ganz hübsche Action-Adventures, die aber eher einem simplen, "kindgerechten" Stil folgen zu scheinen. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass mich die Stunde mit den Piraten angesprochen hätte und auch für Kinder gibt es sicher Sachen, die weniger lieblos wirken. Der Eindruck verstärkte sich bei der Unglaublichen, die ich bereits nach ein paar Minuten wieder verließ, um zu sehen, was es mit der Toybox auf sich hat.

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Die Toybox ist das Herz des Spaßes, in dem neue Ideen entstehen. So muss Spielzeug sein.

Diese ist kein Little Big Planet Editor, sondern wirklich eine Spielzeugkiste. Ihr schaltet Zeugs frei, ein paar Sachen gibt es vom Start weg und dürfte zuerst ungeplant und dann sich darauf entwickelnd immer komplexer loslegen. Erst werden ein paar Bäume in den Weg gestellt und dann wird mit einer Kanone Jack Sparrow draufgeschossen. Weil es geht. Dann begann ich, die Kanone an einem Ende zu platzieren, und baute immer schwerer zu treffende Ziele auf und hatte schnell einen kleinen Piratenschießstand zusammen. Durchaus brauchbar zu bedienen und vor allem selbst so dermaßen simpel eingesetzt spaßiger und kreativer als die richtigen Spielsets. Ein wenig wie Spielzeug in einem Kinderzimmer halt. Vielleicht ist dies eine Lektion für Lego: Freies Spielen ist immer witziger als jedes noch so elaborierte, mit tausend spezifischen Kleinteilen versehene und komplett überteuerte Monster-Set.

Das war jetzt ungefähr so weit, wie ich in meiner kurzen Zeit kam. Noch einmal schnell die Kurzzusammenfassung: Spielsets meh, Spielkiste ok. Das ist jetzt nicht so sonderlich enthusiastisch und auch so gemeint, bringt mich aber vor allem zu meiner wichtigsten Erkenntnis: Das Ding ist für Kinder, groß wie klein überhaupt nicht geeignet!

Was nun kommt, lässt mich wünschen, dass Google Glasses und die totale Überwachung des Wohnzimmers durch Kinect bereits in vollem Gange und nicht erst leise anschwellende Zukunftsmusik wären. Dann wäre ich jetzt nämlich Youtube-Klick-Millionär. Wer würde nicht auf "Idiot stolpert über Kabel, packt sich auf die Fresse und schleudert Xbox durch das Zimmer" klicken?

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Ich kam leider nicht mehr dazu herauszufinden, wozu genau der Würfel gut ist.

Disney Infinity kommt wie Skylanders mit einer Plattform, auf die ihr auch hier wirklich hübsch gestaltete Figuren stellt. Die Piraten, die Monster der AG oder die Autos aus Cars, was auf der Plattform steht, wird erkannt, taucht im Spiel auf und sammelt Erfahrungspunkte über den RFID-Chip in der Figur. Dumm nur, wenn es spät abends ist. Das relativ kurze Kabel ist im schlecht beleuchteten Zimmer gespannt, damit die Basis auf dem Wohnzimmertisch stehen kann. In dazu kreuzender Linie führt der Weg vom Schreibtisch zur Telefonbasis. Dumm nur, wenn man am Schreibtisch sitzt und das Telefon in seiner Basis klingelt. Dumm nur, wenn man es dann eilig hat, zu antworten und vergisst, dass man zuvor eine nahezu militärtaugliche Stolperfalle konstruiert hat.

Es muss spektakulär ausgesehen haben.

Ich bin um den kompletten Facepalm drum rumgekommen und erlitt nur leichteste Abschürfungen, als das Kabel sich wie eine Todes-Bola um meine Beine wickelte und den Schwung aus der Bewegung ungünstig umleitete. Hinter mir nahm ich aus dem Grund, zuerst mit Selbsterhaltung beschäftigt zu sein, das infernalische Krachen nur halb wahr. Dieses rührte daher, dass die Xbox und die Inifinity-Basis wahrscheinlich mit Lichtgeschwindigkeit aufeinander zusteuerten und sich trafen, wobei die Box den deutlich kürzeren Weg von 30 Zentimetern in der Horizontalen und 1,5 Metern in der Vertikalen nahm. Sprich, sie krachte aus dem Regal auf den Boden. Nur wenige hochtechnische Geräte überstehen solche Aktionen, die Xbox 360 gehört offenbar nicht dazu. Die Infinity-Platte lag unschuldig daneben, von Jack Sparrow und Davy Jones, die sie eben noch beherbergte, war weit und breit nichts zu sehen. So schnell mein angeschlagenes Knie es zuließ, wurden Kabel gesteckt, die Xbox gewackelt, immer wieder an- und ausgeschaltet, aber es half alles nichts. Tot. Und Jack ist immer noch verschollen.

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Hätte es Zeugen gegeben, so hätten sie ausgesehen, während ihre Augen den verschiedenen Flugbahnen folgen. Und einer von ihnen hätte mir dann sagen können, wo Jack Sparrow jetzt liegt.

Mit dieser expliziten Beschreibung möchte ich darauf hinweisen, was für eine Solperfalle ihr euch mit diesen Spielen in das Haus holt. Ja, bei mir ist es die Altersdemenz, dass ich als alter Ranger meine eben selbst gestellte Falle sofort vergesse und dann reintappe. Aber Kinder sind da nicht besser. Wie nannte es Dennis Leary noch? "It is like having drunken midgets around the house. It's like monkeys on acid hanging down from the lights." Denkt ihr, dass die da nicht reinlaufen? Hm? Ok, wahrscheinlich nicht, aber da ich habe da meinen eigenen Standpunkt: Wenn es für mich nicht sicher ist, dann weiß ich nicht, ob andere Familienmitglieder dem ausgesetzt werden sollten. Übertriebenes Sicherheitsdenken nimmt im Alter zu, die grauen Haare habe ich, Bowlingkugeln lager ich schon lange nicht mehr auf abschüssigen Schränken, Kakteen stehen nicht mehr im Laufbereich zwischen Bett und Bad und jetzt kommen Spiele mit Plattformen für Figuren zu dieser No-Go-Liste dazu. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir die Zeit, als alle Pads noch Kabel hatten, überhaupt überlebt haben.

So, und jetzt gehe ich mir eine neue Xbox kaufen.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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