Partnerspiele - Wie Beziehungen unser Hobby beeinflussen

Ein Austausch von Erfahrungen.

Beziehungen verändern das gesamte Leben. So viel sollte klar sein. Dazu muss man nicht einmal zusammen in einer Wohnung leben. Besonders das eigene Hobby kann der Liebe schnell zum Opfer fallen. Ich habe mich damals fast komplett von meinen Spielen verabschiedet und jede freie Minute mit meiner Freundin verbracht. Zu Beginn sicherlich keine schlechte Idee. Aber auch in der besten Beziehung braucht jede Person ihren persönlichen Freiraum.

Einfluss auf den Alltag

Und genau hier ist die Erfahrung für jeden anders. Zumindest gehe ich einmal stark davon aus, wenn ich nur meinen eigenen Freundeskreis betrachte. Ich für meinen Teil versteckte mein Hobby in den ersten Monaten. Nicht, weil es mir direkt peinlich war, sondern weil ich Angst hatte, sie würde es in den falschen Hals kriegen. Immerhin sollte sie nicht das Gefühl bekommen, dass ich die gemeinsame Zeit nicht schätze. Somit konzentrierte sich meine Spielzeit komplett auf Momente, in denen ich allein zu Hause saß.

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Bevor jemand fragt. Ja, ich habe diesen Text zuvor mit ihr abgeklärt.

Nach und nach verbrachten wir jedoch immer mehr Zeit miteinander. Bis zum heutigen Tag wohnen wir wegen unseres Studiums in unterschiedlichen Städten zwar nicht zusammen, hocken an freien Tagen oder Wochen aber ständig zusammen rum. Es entstand eine Freiheit, auch in der Nähe des Anderen seine eigenen Aktivitäten zu verfolgen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Während ich beispielsweise auf der Couch hocke oder am Schreibtisch sitze, um Artikel wie diesen zu verfassen, steht sie hinter mir und werkelt an ihren Gemälden. Der Zwang, ständig alle Dinge zusammen unternehmen zu müssen und die eigenen Hobbys zu unterdrücken, ist längst verschwunden.

Am meisten freut es mich jedoch, wenn sich beide Punkte verbinden lassen. So nimmt meine Freundin mich mit auf Kunstausstellungen, von denen ich ansonsten nie erfahren hätte. Nicht immer ist es ein Erfolg. Manchmal wandere ich durch die weiten Hallen, die Worte eines jeden Kunst-Zynikers im Kopf. „Dafür hat jemand Geld bezahlt? Das kann ich auch." Meistens habe ich aber auch meinen Spaß an der Sache.

Derweil suche ich nach neuen Spielen, die ihr gefallen könnten. Nachdem ich meine virtuelle Leidenschaft zunächst komplett von der Beziehung trennte, führte ich sie später langsam zueinander. Natürlich spielt sie nicht einmal ansatzweise so viel wie ich. Doch von einigen Serien ist sie mittlerweile vollkommen besessen. Alle paar Monate verfällt sie beispielsweise in ein regelrechtes Sims-Koma und beschäftigt sich ein gesamtes Wochenende nur mit dem Erstellen von fiktiven Personen und Häusern. Auch mit Professor Layton oder Assassin's Creed ist sie noch vertrauter als ich es bin.

Während ich beispielsweise auf der Couch hocke oder am Schreibtisch sitze, um Artikel wie diesen zu verfassen, steht sie hinter mir und werkelt an ihren Gemälden.

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Ihr Kryptonit sind Charakter-Editoren. Da können vor dem Start schnell zwei Stunden vergehen.

Womit sie mich allerdings vollkommen überraschte, war ihre Liebe zu Dragon's Dogma. Denn eigentlich kann sie es überhaupt nicht abhaben, wenn sich ein Spiel über die Herausforderung definiert. Im Gegensatz zu mir gefiel ihr nämlich der viel zu einfache Schwierigkeitsgrad von Fable. Sobald sie mehrmals hintereinander stirbt, lässt sie ein Spiel normalerweise links liegen. Doch in Dragon's Dogma verlor sie sich komplett und beendete es sogar vor mir. Nur die Zombies machen ihr heute noch Angst, weshalb ich dann doch öfters dabei zugucken muss.

Spiele, die verbinden

Zu den Erinnerungen, die ich persönlich am stärksten schätze, gehören unsere gemeinsamen Erfahrungen. Ich rede hier nicht vom Koop. Denn die meisten Spiele mit diesem Feature sind nun einmal Shooter, mit denen sie rein gar nichts anfangen kann. Eher schon leichtere Hüpfspiele wie Kirby's Epic Yarn, das ihr allein schon wegen des zuckersüßen Designs gefiel.

Richtig interessant für uns beide wird es bei storylastigen Abenteuern. So verbrachten wir einen Großteil unseres letzten Sommers mit Persona 4. Jeden Abend ein paar Stunden gemeinsam vor dem Fernseher. Meist hielt ich den Controller in der Hand, weil sie befürchtete, bei den Kämpfen etwas falsch zu machen. Dafür diskutierten wir, mit wem wir unsere Social-Links verbessern sollten und erschufen einige Insider-Witze, die uns heute noch Freude bereiten.

Manchmal kann es einem das Spielerherz brechen, wenn sie einen persönlichen Klassiker als Mist, hässlich oder langweilig bezeichnet.

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Unser aktuelles Projekt: The Last of Us.

Für jeden erfolgreichen Titel, den ich raussuche, existiert mindestens ein Dutzend weiterer Spiele, die ich ihr vergeblich gezeigt habe. Sie hat kein Problem, mir ihre ehrliche Meinung bereits nach wenigen Spielminuten zu offenbaren. Manchmal kann es einem das Spielerherz brechen, wenn sie einen persönlichen Klassiker als Mist, hässlich oder langweilig bezeichnet. Überredungsversuche führen da nur ins Leere. Teilweise können wir bestimmte Titel auch nicht wegen ihrer Motion-Sickness genießen, die bei einer Ego-Perspektive sofort eintritt. So mussten wir Bioshock Infinite, was ihr wegen der Atmosphäre und Handlung gut gefiel, nach einer knappen Stunde abbrechen, weil sie sich zu lange auf den Bildschirm konzentrierte. Schade.

Auch in Zukunft werde ich das Risiko eingehen und ihr weitere Spiele zeigen, von denen ich hoffe, dass sie ihr gefallen. Sei es nur, damit sie es alleine genießen kann oder um es gemeinsam zu erleben. Ich möchte meine Leidenschaft einfach teilen. Gerade erst haben wir mit einem Durchgang zu The Last of Us begonnen, bei dessen Kampfszenen sie wegsehen muss. Trotzdem schafft sie es auch dann, meine spielerischen Künste zu attackieren, sobald ich unaufmerksam in eine Falle latsche.

Was mich nun interessiert, sind eure eigenen Erfahrungen in diesem Bereich. Wie hat sich euer Hobby in der Beziehung verändert? Welche Kompromisse müsst ihr vielleicht eingehen oder sitzt eure bessere Hälfte sogar länger als ihr vor dem Bildschirm? Vor allem die Meinungen von Frauen wären eine willkommene Abwechslung zu diesem Thema. Also, her mit euren Anekdoten. Der Austausch kann starten. Ihr habt zumindest noch die Anonymität des Internets auf eurer Seite.

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Über den Autor:

Björn Balg

Björn Balg

Redakteur

Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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