Wie GTA 5 mich wieder als Fan gewann

Die Macht erster Eindrücke.

Ich kann mich genau an den Moment erinnern, in dem mich Grand Theft Auto 5 von seiner Qualität überzeugte. Nachdem ich die erste Mission mit Franklin erledigt hatte, schnappte ich mir den erstbesten Sportwagen und brauste wild durch die Straßen des lebendigen Los Santos. Wenige Minuten später zog mein Forscherdrang mich nach Norden. Wohin wollte ich? Keine Ahnung. Einfach nur ein wenig Spaß haben, den ich in GTA 4 nie finden konnte.

Was ist gerade passiert?

Ich schaffte es genau 100 Meter aus der Stadt heraus, bevor ich meinen Wagen auf den ersten Hügel lenkte. Denn wo ich hinfahre, brauche ich keine Straßen. Natürlich schaffte ich augenblicklich meinen ersten Überschlag, der mit dem Tod einer virtuellen Kuh endete, die mein fliegendes Geschoss nie kommen sah. Großartig! Doch der Moment, der mich für immer überzeugen sollte, folgte kurz darauf. Da ich mich von einem Unfall nicht abschrecken ließ, brachte ich mein mittlerweile angeschlagenes Auto zurück ans Tempolimit und raste auf den nächsten Abhang zu. Eine Zeitlupe, hervorgerufen durch den Monsterstunt, verwandelte die nächsten Sekunden in ein fantastisches Erlebnis.

Erst nach dem Abflug erkannte ich ein Hochsicherheitsgefängnis direkt vor der lädierten Schnauze meines Boliden. Nun musste ich mit ansehen, wie mein Auto langsam aber sicher in den Innenhof flog und dort perfekt in der Mitte landete. Sofort folgte eine Vier-Sterne-Bewertung dicht gefolgt mit einer jaulenden Polizei-Armee. Leider war ich inmitten der hohen Zäune gefangen und suchte verzweifelt einen Ausgang. Jedoch schaffte ich es nur in den äußeren Ring, den ein weiterer Zaun von der Außenwelt abgrenzte. Also fuhr ich mehrere Minuten im Kreis, während mir zahlreiche Polizeiwagen um die Ohren flogen. Es fühlte sich an wie eine Verfolgungsjagd der Blues Brothers. Meine Flucht endete schließlich in einem verzweifelten Sprint auf den nächsten Wachturm, wo ich mich mit einem geklauten Scharfschützengewehr bis zu meinem Tod verteidigte.

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Es hat nur noch Benny-Hill-Musik gefehlt.

Es sind genau diese Geschichten, die mir in GTA 4 gefehlt haben. Anstatt mich direkt auf eine Erkundungstour zu begeben, war ich mal wieder auf einen Stadtteil begrenzt. Zwei Stunden lang Botenjungen spielen, bevor überhaupt eine richtige Mission auf mich wartet. GTA 5 startet dagegen direkt mit einem Banküberfall, der euch sofort ins Geschehen versetzt. Sogar die ersten Missionen mit Franklin bieten wesentlich mehr Abwechslung und zögern nicht mit abgefahrenen Szenarien. Rockstar erkannte wohl, dass man dem Spieler mehr als eine Mechanik pro Mission verdeutlichen kann, ohne ihn dabei zu überfordern. Und wenn ich darauf erst einmal keinen Bock habe, stehle ich eben ein oder zwei Fahrzeuge und fahre über die gesamte Karte.

Und Gott sei Dank für das neue Fahrverhalten. Ja, es ist unglaublich unrealistisch, wie ihr selbst die schärfsten Kurven locker umschiffen und euren Wagen in zwei Millisekunden zum Stehen bringen könnt. Gut so! Ehrlich, ein Spiel wie GTA profitiert von dieser Fahrphysik, bei der ihr euren Wagen selbst bei über 200 Stundenkilometern im dichtesten Stadtverkehr unter Kontrolle habt. Ich will in dieser Welt nicht aufpassen oder mich daran aufhalten, ob mein Auto die nächste Abzweigung ohne Totalschaden übersteht. Es passt zur Philosophie des Spiels, euch unkomplizierten Spaß zu schenken.

Ich liebe es, dich zu hassen!

Ich habe von einigen Personen gehört, dass sie die drei Hauptcharaktere nicht besonders mögen. Vor allem Trevor bezeichnen viele als eine Figur, für die sie keine Sympathie empfinden und ihn daher auch nicht spielen wollen. Vollkommen verständlich. Trevor ist ein Psychopath. Die kleinste Provokation stachelt ihn zum Massenmord an und er behandelt jede Person in seinem Umfeld wie Dreck, den er nur für seine eigenen Pläne ausnutzt. Kurzum gesagt: Trevor ist eines der größten Arschlöcher, die wir jemals in einem Spiel erlebten. Und ich liebe jeden einzelnen Moment mit ihm.

GTA profitiert von einer Fahrphysik, bei der ihr euren Wagen selbst bei über 200 Stundenkilometern im dichtesten Stadtverkehr unter Kontrolle habt.

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Einer von Trevors Vorfahren?

Manchmal frage ich mich, ob uns Rockstar mit Trevor einen Spiegel vorhalten will, dessen Abbild wir nicht wahrhaben wollen. Denn eigentlich ist Trevor genau die Person, die wir alle im Spiel aufleben lassen. Ohne einen zweiten Gedanken überfahren wir jede Person, die uns vor das Auto läuft. Wir erschießen unschuldige Passanten, stehlen anschließend ihr Geld und feuern zum Abschluss noch ein paar Raketenwerfer auf Polizisten. Wir nehmen es nicht nur bloß hin. Wir baden uns dabei in purer Euphorie. Wieso verurteilen wir Trevor, selbst wenn wir außerhalb seiner Aufträge das gleiche Verhalten an den Tag legen? Vielleicht ist es purer Zufall, aber für mich dennoch eine interessante Theorie.

Generell haben wir dieses Mal drei Personen, deren Persönlichkeiten perfekt zur Spielwelt und unserem Verhalten passen. Trevor mag zwar das offensichtliche schwarze Schaf sein, doch selbst Michael und Franklin haben ihre Probleme. Wir mögen wegen Michaels Problemen mit seiner Familie zwar ein wenig mehr Verständnis für ihn haben. Trotzdem geht er bei jeder Konfrontation nicht nur an die Decke, er springt hindurch und reißt in einer blinden Wut alles auseinander. Ich glaube ihm, dass er Leute an einer Ampel aus ihrem Wagen zerrt und sich damit aus dem Staub macht. Auch für ihn endet die Lösung aller Probleme mit Gewalt.

Wir erschießen unschuldige Passanten, stehlen anschließend ihr Geld und feuern zum Abschluss noch ein paar Raketenwerfer auf Polizisten.

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Und er hat kein Problem, sich bei den Drogen seines Sohnes zu bedienen.

Franklin erscheint noch als die normalste Person unter den drei Protagonisten. Doch auch er suhlt sich in dem Erfolg, den ihm sein korrumpierender Karriereweg ermöglicht. Er will seinem Freundeskreis nur entkommen, um ein noch größerer Verbrecher zu werden. Man verwechselt ihn leicht mit einem armen Jungen, der aus seiner gewalttätigen Nachbarschaft fliehen möchte, um als erster im Familienstammbaum ein Collegestipendium zu erhalten. Er ist jedoch ebenso ein kaltblütiger Mörder wie seine beiden Kollegen. Nur können wir bei Michael und Franklin durch bestimmte Faktoren ihr Verhalten in der Welt rechtfertigen, obwohl sie nicht viel besser als Trevor sind, der es liebt, ein Psychopath zu sein. Und genau deswegen ist er mein Lieblingscharakter.

Natürlich sind Franklin und Michael ein wenig vielschichtiger. Doch diese Eigenschaften besitzen sie nur, damit Rockstar die übliche Sozialkritik auspacken kann. Im Grunde spielt ihr drei Figuren, denen ihr im echten Leben niemals begegnen möchtet, weshalb sie so wunderbar in der perversen Welt von Grand Theft Auto funktionieren.

Zusammen mit der grandiosen Karte, die mir genau die richtige Größe und Dichte an abwechslungsreichen Gebieten gibt, machte mich GTA 5 wieder zu einem Fan, der die Serie erneut zelebrieren kann. Endlich sitzt der Spaß allein im Vordergrund und verdrängt die graue Realität. Nicht länger muss ich mich mit einem langweiligen Nico Bellic durch die dreckigen Straßen schlagen, dessen Moral stets im starken Kontrast zu seinen brutalen Aktionen stand. Schob ich GTA 4 nach wenigen Stunden zurück in die Verpackung, fliegt GTA 5 nicht aus meiner Konsole, bis ich die 100 Prozent in der Statistik sehe. Danke, Rockstar! Ihr habt mein Vertrauen zurückgewonnen!

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Über den Autor:

Björn Balg

Björn Balg

Redakteur

Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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