Plätte was in der offenen Beta von Battlefield 4!

Sofern du auf die Server kommst und dein Sitzfleisch nicht dem Ladebildschirm zum Opfer fällt.

Ich dachte immer, mit dem 'Nebel des Krieges' müssten sich nur RTS-Spieler rumschlagen. Donnerwetter, lag ich falsch! Zwanzig Minuten ist die Battlefield-4-Partie zwischen den Wolkenkratzern von Schanghai jetzt alt, und ich sehe kaum noch die Hand vor Augen. Steinmehl wabert dick durch die Luft, aufgewirbelt von unzähligen Explosionen, Kugeln und Fahrzeugen - "Levolution" macht's möglich. Um mich herum zischen die Projektile, ein Helicopter kreist über mir. Ein paar Meter entfernt parkt ein Panzer. Den will ich haben! Ich haste um ein brennendes Autowrack herum zu einem kümmerlichen Mauerrest, erschieße im Vorbeilaufen einen feindlichen Soldaten, der sich hinter einer Bretterwand sicher wähnte.

Trotz der dichten Suppe erwischt mich ein Scharfschütze, als ich gerade die Deckung erreiche. Er hat es sich auf dem zentralen Hochhaus gemütlich gemacht und offenbar kein Problem damit, mir durch den Staub den Helm zu perforieren. Vielleicht hatte er Glück, vielleicht hat er sein Scharfschützengewehr mit den richtigen Zutaten aufgemotzt, vielleicht hat er gecheatet, wie die hektischen Pöbeleien im Chat suggerieren. Alles ist möglich, in dieser offenen Beta. Frustriert haue ich auf den Tisch. Den Panzer vor Augen sinkt mein Soldat in den Staub.

Na warte, wenn ich nach dem Respawn im Panzer sitze! Dann kümmere ich mich mit den Teamkollegen um die verbliebenen Säulen des zentralen Wolkenkratzers auf der Karte und lege das verdammte Ding in Schutt und Asche. Wurschtegal, ob mir noch mehr Staub die Sicht nimmt - diesen Sniper hole ich von seinem Hochsitz. Natürlich gibt es noch genug andere Dächer, auf denen er es sich gemütlich machen wird, doch der Anblick des fallenden Wolkenkratzers ist es wert. Tut dem Ego gut und gehört zu den spektakulärsten Momenten, die man auf dieser Karte erleben kann (obwohl die Zertrümmerung geskriptet und nicht dynamisch vonstattengeht).

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Sobald die Karte in die Brüche geht, füllt dichter Rauch die Luft und erschwert das Anvisieren. Da helfen nur Thermooptik und Zielwasser.

Dass ich überhaupt die Abrissbirne spielen darf, ist alles andere als selbstverständlich. Schon das Zusammenspiel zwischen Origin und dem Battlelog-Browserplugin am PC finde ich gewöhnungsbedürftig. Man startet den Origin-Client und greift auf den Serverbrowser mittels Firefox oder Internet Explorer zu. Dann klinkt man sich in eine laufende Partie via Browser-Plugin ein (streikt unter Google Chrome), wartet auf den Start des Battlefield-Client und "erfreut" sich eine Weile am Ladebildschirm, bis man endlich aufs Schlachtfeld gelassen wird. Ist zwar ganz nett, sein Profil, die Statistiken und den ganzen Sermon nochmal im Browser checken und verwalten zu können, dennoch finde die Prozedur reichlich kompliziert.

Der Start der offenen Beta verläuft sowieso recht holprig - viele Spieler kommen gar nicht erst auf die Server, andere haben mit Abstürzen und Lag zu kämpfen, fliegen kurz nach Beginn einer Partie raus oder murren im Netz ob der langen Ladezeiten und der stockenden Performance. Zwar brachte ein Patch unlängst dezente Besserung, doch auch auf meinem Schreibtisch werden die Furchen trommelnder Finger immer tiefer, während ich auf den Ladebildschirm starren muss. Abstürze kamen ebenfalls häufiger vor. Mit der Xbox 360 ist man in dieser Hinsicht flotter und stabiler unterwegs, muss dann aber auf die grafische Opulenz der PC-Version verzichten - und ein Freund des Ballerns per Gamepad sein, was ich definitiv nicht bin. Nach ein paar verschossenen Magazinen saß ich wieder vor dem PC.

Der Krieg braucht Feinjustierung

Ist man einmal in der Beta drin, fühlt sich der Battlefield-Fan sofort zu Hause. Die Map "Belagerung von Schanghai" brilliert durch beeindruckendes Großstadtflair und jede Menge Platz. Maximal 64 Spieler sind unterwegs, es gibt Luft-, Wasser- und Landfahrzeuge, die Spielmodi 'Domination', 'Conquest' und 'Obliteration' bieten Stoff für die üblichen Eroberungsscharmützel. Hier und da haben die Entwickler renoviert, wobei bis zum Launch noch nichts in Stein gemeißelt sein dürfte. Die Bewegungen der Soldaten wurden subjektiv ein wenig "entschleunigt". Neuerdings kann man sich kontextabhängig um Ecken beugen, um einigermaßen in Deckung zu bleiben. Sperrfeuer nervt noch immer, ist aber kein "Showstopper" mehr wie in BF3, wo eure Sicht, Bewegungsfähigkeit und Zielgenauigkeit stark davon beeinträchtigt wurden.

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Schneller respawn auf dem Beifahrersitz oder an der Seite des Kollegen? Kein Problem!

Squads aus bis zu fünf Spielern profitieren nun kollektiv von "Field Upgrades" (Ersatz für Squad-Perks), solange nicht das ganze Team ins Gras beißt. Gut gefallen hat mir die Möglichkeit, sich auf der Respawn-Karte direkt neben einem Squad-Kollegen wiederbeleben zu lassen oder auf den freien Platz in einem Vehikel zu springen. So spart man sich lange Laufwege und kann sofort sein Team unterstützen.

Vier Klassen stehen für die Beta zur Verfügung. Assaults sind Allrounder mit Granatwerfer im Rucksack, die Kollegen heilen und wiederbeleben können. Engineers beharken Fahrzeuge mit Panzerfäusten oder reparieren sie (wobei sich die Fahrzeuge neuerdings auch von selbst "heilen", wenn man sie aus dem Kampf raushält). Supporter tragen schwere Maschinengewehre und versorgen das Team mit Munition. Recons (Sniper) sind die Könige der Dächer von Schanghai, können feindliche Fahrzeuge für die zielsuchenden Raketen der Kameraden markieren und haben neuerdings sogar C4 im Gepäck.

An Fahrzeugen wird in Schanghai aufseiten der USA oder China einiges geboten.

An Fahrzeugen wird in Schanghai aufseiten der USA oder China einiges geboten. Panzer, Transporter, Kampfhubschrauber, Jet Skis und ein Patrouillenboot warten auf talentierte Fahrer, wobei die Steuerung subjektiv ein bisschen leichter von der Hand geht - besonders bei den Hubschraubern. Letzteres ist auf dieser Map besonders wichtig, angesichts der vielen Dächer, auf denen sich feindliche Truppen verschanzen können, und die sonst nur per Aufzug oder Respawn zugänglich sind.

Sprengen wir nur Wände oder auch Kreditkartenlimits?

Ein Aushängeschild der Frostbite 3 Engine ist die Möglichkeit, die Umgebung dynamisch zu zerstören. In der Praxis von Schanghai kann man zum Beispiel Wände sprengen, um Durchgänge zu schaffen oder Vordächer zum Einsturz bringen, um sie als Rampen zu benutzen. Verschanzte Gegner gucken dumm aus der Wäsche, sobald man ihre Deckung in tausend Stücke ballert. Man kann zwar nicht alles zerdeppern, was einem vor die Flinte kommt, doch beeindruckend authentisch fühlt es sich auf jeden Fall an, wenn links und rechts das Schlachtfeld zu rauchenden Trümmern zusammenbricht, während man im Kugel- und Granatenhagel um sein Überleben kämpft. Weniger schön ist freilich, dass man dabei gelegentlich an Türrahmen oder Trümmerstücken hängen bleibt. Wie gesagt: Es gibt noch einiges zu justieren.

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Besser als jeder Touristenrundflug: An der Gatling im Helicopter sitzen und Hochhäuser zu Klump ballern.

Ein wenig Bauchgrimmen habe ich wegen des geplanten Premium-Abos für Erweiterungen und den Battlepacks. Letztere erinnern mich an die Pakete, die man sich für den Mehrspielermodus von Mass Effect 3 kaufen kann. Drei zufällige (!) Gegenstände sind in so einem Pack, zwei normale, ein spezieller. Das können Waffenmodifikationen, Tarnmuster, XP-Booster und andere Goodies sein. Um ein begehrtes Item zu erhalten, wird man zwangsläufig mehrfach zugreifen müssen, wenn man nicht gerade Gustav Gans heißt. Derzeit bekommt man solche Battlepacks noch gelegentlich beim Stufenaufstieg. Doch man darf davon ausgehen, dass EA dafür später zur Kasse bitten wird.

Es gibt definitiv noch viel zu optimieren an Battlefield 4, wenn man die offene Beta als Messlatte nimmt. Experten könnten vermutlich ganze Romane zu dringend nötigen Feinschliffarbeiten an Balancing, Fahrzeugen und Kartenlayouts schreiben, von Bugs ganz zu schweigen. Doch die Tatsache, dass ich trotz Performanceproblemen und Abstürzen auf einer einzigen Karte mehrere Abende gut unterhalten verbraten konnte, verrät eine Menge. Wieder packt mich dieser typische Battlefield-Sog. Man erlebt auf den riesigen Maps in jedem Match unzählige haarsträubende, großartige, frustrierende und fordernde Momente. In dieser Hinsicht ist selbst diese kleine Kostprobe seitens DICE und EA schon ganz bei sich. BF4 wird vielleicht kein Gameplay-Quantensprung im Vergleich zum dritten Teil, aber ich bin ziemlich sicher, dass ich auch nach Release noch viele lange Abende mit dem Mehrspielermodus verbringen werde. Nur hoffentlich nicht so oft auf dem Ladebildschirm.

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Über den Autor:

Frank Erik Walter

Frank Erik Walter

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Tagsüber arbeitet Frank als freier Journalist. Nachts jagt er seit 2010 flüchtige MMOs für Eurogamer.de und die MMO PRO. Skittles und Tetris sind sein Kryptonit.

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