World of Tanks Xbox 360 Edition: Spaßiges Bumm-Bumm mit Gamepad

Aber es kostet euch Geld.

Als Wargaming im Sommer mit dem Begriff "Free-to-Win" hausieren ging, fand ich das erfreulich, doch mehr als ein Schulterzucken nötigte mir die Meldung nicht ab. Toll! Keine käuflichen Vorteile mehr. Premiumwährung und Spielwährung austauschbar. Haben andere auch schon umgesetzt. Notiert und abgehakt.

Jetzt, beim Ausprobieren der Xbox 360 Edition von World of Tanks, stolpere ich wieder über das "Free-to-Win", diesmal im Beschreibungstext des Spiels. Ob nun Marketingphrase oder nicht: die Neuausrichtung könnte man auch als ein Zugeständnis an Microsoft verstehen: Das Murren der Redmonder wäre vermutlich ohrenbetäubend gewesen, wenn Wargaming.net weiterhin öffentlich "Free-to-Play" gepredigt hätte.

Fakt ist: World of Tanks auf der 360 erfordert eine Gold-Mitgliedschaft bei Xbox Live. Auch die offene Beta funktioniert nicht ohne. Mit einer Silber-Mitgliedschaft dürft ihr die Trial-Version sieben Tage ausprobieren, dann ist Schicht. Zwar haben Mehrspieler-Fans mit Xbox 360 meist eh ein Abo laufen, dennoch bedeutet der Schmusekurs mit Microsoft für Wargaming.net eine Aufweichung ihrer strikten Gratis-Prinzipien. Ja, Gewinnen ist umsonst. Aber Spielen kostet Geld. Jedenfalls auf Konsole.

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So gerammelt voll ist es selten auf dem Schirm. In der Beta teilt ihr euch die Karten meist nur mit wenigen Spielern.

Das ist nicht die einzige Kröte, die man mit der 360-Fassung schlucken muss. In Sachen Umfang hinkt die Panzerkeilerei auf der Xbox ihrem PC-Pendant deutlich hinterher. In der offenen Beta rollt ihr auf einer Handvoll Maps mit Panzern aus Deutschland und Amerika an die Front, England kommt bei Release hinzu. Mehr als das typische Standardgefecht (Basis erobern oder alle feindlichen Panzer schrotten) gab es aktuell nicht. In der Kartenrotation befanden sich 'Sand River', 'Cliff', 'Mines', 'Westfield' und ein winterlicher 'Mountain Pass'.

15 Spieler pro Seite sind das theoretische Maximum während einer Partie, in meinen Tests beharkten sich aber weit weniger Teilnehmer auf den Karten. Crews und Baracken waren noch nicht in der Beta enthalten. Auch bei der Optik haben die Entwickler den Rotstift angesetzt. Die Panzer selbst schauen noch immer authentisch aus, doch die Umgebungen lassen in Sachen Detailfülle und Texturen zu Wünschen übrig. Nun verstehe ich die Entscheidung, noch auf die aktuelle Konsolengeneration aufzuspringen - für einen reinen Onlinetitel sind hohe Spielerzahlen überlebenswichtig. Doch wenn man die Karten und Möglichkeiten der aktuellen PC-Version 8.8 anschaut, wird man als Konsolero schon ein wenig neidisch.

Störrische Gamepad-Tanks und renovierte Garagen

Die Steuerung per Gamepad funktioniert gut, hat aber ihre Licht- und Schattenseiten. Den Panzer mit dem linken Stick zu bewegen und den Turm mit dem rechten Stick zu drehen fühlt sich intuitiver an, als die vom PC gewohnte Maus-Tastatur-Kombi. Beherzt zupackendes Autoaiming hilft, die mangelnde Präzision der Gamepadsteuerung zu lindern. Kurz-Funksprüche und der Einsatz von Verbrauchsgegenständen wie Reperaturkits und Verbandskästen geht locker per Ringmenü von der Hand. Mehr als fünf Minuten Training sind nicht nötig, um sich im Cockpit der stählernen Kampfmaschinen wohl zu fühlen.

Allerdings verhalten sich die Tanks gelegentlich ein wenig störrisch - besonders in Kurven und beim Rückwärtsfahren zicken die stählernen Kisten, obwohl ich den Stick bis zum Anschlag in die gewünschte Richtung drücke. Kann natürlich auch dem Realismus der Panzer-Simulation geschuldet sein, dass die Fahrzeuge eher träge manövrieren. Doch wenn mein Tank schnurgerade rückwärts zuckelt, obwohl ich mit aller Kraft unzweideutig nach hinten links lenke, ist mir etwaiger Realismus wurscht. Da soll das Ding gefälligst machen, was ich sage!

In der Garage hat sich einiges geändert. Neue Bauteile für eure Panzer werden nicht länger einzeln sondern im Paket erforscht und gekauft. Das macht es theoretisch einfacher, eure Tanks sinnvoll aufzurüsten - ihr müsst nicht mehr so viele Bauteile vergleichen. Mir als Bastelfreund verhageln die fix und fertig zusammengestellten Vorlagen jedoch ein wenig den Spaß. Es gibt generell weniger Module zu erforschen und zu wechseln, dafür muss ich mehr Erfahrungspunkte und Geld horten, um mir ein Verbesserungspaket leisten zu können. Ist Geschmackssache, aber ich fand das kleinteilige Aufmotzen meiner Panzer tüfteliger, wenn ich vor der Entscheidung stand, "neue Kette oder schnellerer Motor? Was bringt mir mehr?"

Däumchendrehen bis zum Einsatz

Das Matchmaking auf der 360 ist ein Kapitel für sich. Nun sind selbst in der offenen Beta natürlich lange nicht so viele Spieler unterwegs, doch dass ich in meinen Tests grundsätzlich immer zwei Minuten warten musste, bis das System eine passende Zufallspartie fand, war ziemlich nervig. Tickte der Timer auf fünf Minuten, landete ich sogar wieder in der Garage. Meist brach ich die Suche vorher ab und wechselte den Tank.

Noch beliebiger wirkt es, wenn dann endlich eine Partie beginnt und man doch nur eins gegen eins spielt. Wofür hab ich da gewartet?

Die Panzertypen und -Stufen werden euch auf dem Wartebildschirm angezeigt, genau wie die Gesamtzahl der Spieler in der Warteschlange und die bisherige Wartezeit. Das allein hat Frustpotenzial, nach dem Motto, "es sind dreißig Spieler in der Schlange und trotzdem kommt kein Match zustande. Das bekäme ich händisch besser hin." Noch beliebiger wirkt es, wenn dann endlich eine Partie beginnt und man doch nur eins gegen eins spielt. Wofür hab ich da gewartet? Ein wenig mehr Transparenz beim Matchmaking wäre wünschenswert.

Die Performance im Kampf bietet mittlerweile keinen Grund zur Klage - die Frameraten sind stabil, Lag erlebte ich persönlich kaum. Auffällig ist, dass nur selten Matches mit mehr als drei Panzern pro Seite zustande kamen - erst wenn Uhrzeit und die eigene Stufe stimmten, waren mehr Spieler auf einer Map unterwegs. Ich muss dem System allerdings zugestehen, dass sich oft scheinbar haarsträubende Ungleichgewichte am Ende als fair ausbalanciert entpuppten:

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Ganz umsonst die Wäsche gewaschen - Deko wie Zäune, Kisten und Wäscheleinen ziert auch auf der Xbox 360 die Karten, zerfällt bei Kontakt mit eurem Tank aber schnell zu Staub.

Einmal bin ich mit einer amerikanischen T57 Selbstfahrlafette unterwegs und werde in ein Match mit zwei deutschen leichten Panzerkampfwagen vom Typ 35 (t) geworfen. Meine erste Reaktion war ungläubiges Staunen. Eine einzelne Artillerie-Einheit gegen zwei schnelle Panzer mit drehbarem Turm? Im Nahkampf? Die ballern mich doch in Grund und Boden. Doch falsch gedacht: Ihre Projektile hinterlassen kaum Kratzer in meiner Panzerung und die Lafette ist auf kurze Distanz tödlicher als ich dachte. Das Matchmaking hatte recht - ich gewinne trotz Unterzahl. Später dann ein Gefecht gegen einen Jagdpanzer. Hier muss ich all mein fahrerisches Geschick aufwenden und listig die Deckung nutzen. Am Ende sind es nur wenige Millimeter Panzerstahl, die meinen Sieg bedeuten. Das Gamepad rutscht mir beinahe aus den adrenalin-schwitzigen Fingern.

Und da sind sie wieder, jene Momente, in denen World of Tanks einen alles vergessen lässt. Grafik, Wartezeiten, ungewohnte Steuerung oder geringer Umfang. Alles egal! Ich hämmere erneut auf den Gefechts-Start-Button, kaum dass ich zurück in der Garage bin. Mal wird ein Match zu einer zähen Zermürbungsschlacht über 15 Minuten, mal endet es nach 60 Sekunden im Desaster. Mal ramme ich in schierer Verzweiflung einen Feind, mal werde ich aus dem Hinterhalt zu Klump geschossen. Dann wieder walze ich aus dem Gebüsch auf die feindliche Übermacht zu, die sich unsere Basis einverleiben will - knurrend und mit dem Gefühl, eine irrwitzige Heldennummer abzuziehen. Oft ärgere ich mich über Neulinge, die hirnlos an die Front preschen. Oder erlebe großartiges Teamwork ohne Worte - Voicechat ist integriert, wurde in meinem Test aber kaum genutzt.

Würde ich mir eine Xbox Live Goldmitgliedschaft zulegen, um World of Tanks Xbox 360 Edition zu spielen? Wahrscheinlich nicht. Es macht auf Konsole enorm viel Spaß - trotz der Abstriche im Vergleich mit der PC-Fassung und der Tatsache, dass noch viele Patches ins Land ziehen müssen, bis der Titel rund läuft. Doch Microsoft an meinen Geldbeutel zu lassen, nur um ein paar Panzer spazieren zu fahren, fiele mir nicht ein. Wer jedoch sowieso zur Premiumkundschaft der Redmonder zählt, kann mit dem "Free-to-Win-Titel" nichts falsch machen. Es ist zugänglich, macht Laune und das Geschäftsmodell ist fair (keine nennenswerten Vorteile für Echtgeld, abgesehen von Erfahrungspunkte-Boni, mehr Panzern in der Garage und ein paar exklusiven Vehikeln hier und da). Wargamings Exkurs aufs Konsolen-Terrain hinterlässt einen sehr guten Eindruck. Anmelden zur Beta könnt ihr euch auf der offiziellen Seite.

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Über den Autor:

Frank Erik Walter

Frank Erik Walter

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Tagsüber arbeitet Frank als freier Journalist. Nachts jagt er seit 2010 flüchtige MMOs für Eurogamer.de und die MMO PRO. Skittles und Tetris sind sein Kryptonit.

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