Drei Dinge, für die ich die PS4 liebe …

… und eine Sache, die noch besser werden muss.

Und auf einmal war sie da, die Konsolengeneration, die man noch eine ganze Weile fälschlicherweise als "Next-Gen" bezeichnen wird. Bis einen genügend Leser darauf aufmerksam gemacht haben, doch bitte mal sein Vokabular der Gegenwart anzupassen. Verzeiht, aber wenn ihr das Wort in den vergangenen zwei Jahren so oft geschrieben und dabei PS4 und Xbox One gemeint hättet, wie einige von uns, ginge es euch vermutlich ähnlich.

Die Gegenwärtigkeit der neuen Maschinen bedeutet in jedem Fall, dass es Zeit für eine kurze Bestandsaufnahme ist: Was lieben wir an den neuen Geräten und was geht uns auf den Senkel? Im Folgenden lest ihr drei Mal glühende Verehrung für Dinge, die die PS4 richtig richtig macht und eine Sache, an der noch dringend gearbeitet werden muss.

Hui!

Der neue Controller

Ich bemühe mal einen Satz, den ihr hier nicht zuerst gelesen haben werdet: Ich wurde mit der PlayStation 3 vor allem wegen des Controllers nicht warm. Alles an dem Ding war scheinbar dafür gemacht, meinen Händen unentwegt zu entgleiten. Die zu kurzen Hörnchen, die konvexen Kuppen auf den gefühlt viel zu kurzen und schlaffen Sticks und nicht zuletzt das fliehende Kinn der hinteren Zeigefingertasten. Jede einzelne Entscheidung in Sachen Ergonomie war von jemandem getroffen worden, der einen Handschmeichler bauen wollte, nicht aber einen Controller, dessen Kontaktpunkte mit den Fingern ständig in Bewegung sind.

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Nicht schön, aber echt gut: Die vierte Generation des DualShock.

Der neue DualShock sieht mit den Speaker-Löchern, seinem Licht und dem noch relativ nutzlosen Touchpad zwar etwas überladener aus - beide Controller in dieser Generation sind keine Schönheit -, macht aber wirklich alles besser. Er fühlt sich nicht mehr wie ein Fremdkörper an. Die 'Henkel' kuscheln sich tief in die Handflächen ein, Daumen liegen in einem deutlich angenehmeren Winkel auf den griffigen Sticks und die Schultertasten gefallen mir besser als auf der 360. Zusammen mit dem einmal mehr fantastischen Steuerkreuz und den offensichtlich unverwüstlichen Symboltasten ist das hier eine Steuerungslösung, die trotz stattlicher Dimensionen einfach in der Hand verschwindet. Könnte auch am PC mein neuer Standard-Controller werden.

Klasse auch die Möglichkeit, die Bildschirmtastatur für Shop, Web-Browser etc. mit dem erstaunlich exakt reagierenden Bewegungssensor des Controllers zu bedienen. Eine Lösung, die der herkömmlichen Variante mit Steuerkreuz deutlich überlegen ist.

Die Vita-Integration

Mit der Ankunft der PlayStation 4 hole ich die Vita nicht länger nur für den gelegentlichen Exklusivtitel oder einen hübsch für unterwegs tauglichen Indie-Hüpfer hervor. Sie wird zum attraktiven Satellitensystem für Sonys neues Flaggschiff. In meinem Test zu LEGO Marvel Super Heroes schrieb ich ja schon von einem einschneidenden Aha-Erlebnis, als ich das Spiel per Remote Play kontrollierte, damit ein Freund mit dem DualShock-Controller in den Koop-Modus einsteigen konnte. Wie Digital Foundrys Untersuchung des Features ergab, ist es noch nicht ganz fehlerfrei und wohl auch abhängig von zahlreichen Faktoren, die nicht bei jedem User zu Hause uniform sein dürften. In den vier Wänden meines 1930er Altbaus und mit einem etwa eineinhalb Jahre alten Telekom VDSL-Router läuft es aber die meiste Zeit über ziemlich spitze.

"In einigen Spielen vergesse ich fast, dass das Videomaterial und meine Eingaben nur hin und her gestreamt werden."

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Technisch gesehen positioniert Sony die Vita als attraktives Begleitsystem zur PS4. Jetzt muss es das nur noch dem Teil der Welt sagen, der bereits vergessen hat, dass sie existiert.

Im Bett, Bad und am Küchentisch leidet die Bildqualität nie in Spiel entscheidendem Maße und der Lag ist häufig kaum feststellbar. In einigen Spielen vergesse ich fast, dass das Videomaterial und meine Eingaben nur hin und her gestreamt werden. Erst wenn ich mich ans vom Router abgewandte Ende der Wohnzimmercouch setze, gibt es vereinzelte Verbindungsabbrüche. Natürlich gibt es Spiele, die weniger geeignet sind. Resogun würde ich zum Beispiel nie auf dem kleinen Bildschirm spielen wollen und hier sind selbst gelegentliche Wackler im Stream absolut tödlich. Aber LEGO Marvel und sogar Killzone nahm ich regelmäßig mit in die Daunen. Überhaupt ist es nett, wie beide Geräte ihre Trophäen miteinander synchronisieren. Ich freue mich darauf, was die Zukunft für dieses Duo bereithält.

Die Gewissheit, dass Sony aus vergangenen Fehlern gelernt hat

Überhaupt hat man das Gefühl, dass Sony jeglicher Kritik am Vorläufer aufmerksam zugehört hat. Es ist nicht nur ein verhältnismäßig günstiges, sondern auch ein kleines, schlankes und leises System. Alles ist schneller, unmittelbarer und ein bisschen hübscher. Es gibt von Haus aus einen guten Party Chat, ein sehr toleranter Klinkeneingang am Controller und die Unterstützung handelsüblicher USB-Headsets stellt sicher,dass man ihn auch nutzt. Mein Steelseries Siberia v2 funktionierte binnen Sekunden und gibt wahlweise nur den Chat oder den kompletten Sound aus, den die aktuelle Applikation produziert. Einige hören vielleicht zum ersten Mal, dass auch die PS4 Stimmkommandos unterstützt, wobei auch hierfür das Headset genutzt werden kann, sodass zusätzliche Kameraperipherie nicht erforderlich ist. Die unterstützten Befehle halten sich noch in Grenzen, aber die Tatsache, das die paar Eingaben schon erstaunlich gut funktionieren, lässt für die Zukunft hoffen. Es scheint nur eine Frage der Libraries zu sein, hier noch einmal deutlich nachzulegen.

Updates und Downloads zeigen sich ebenfalls verschnellert. Und wer sich mit dem Vorgang nicht befassen will, lässt die Konsole einfach im Standby-Modus Daten aus dem Netz schaufeln. Überhaupt ist Standby ein sehr nützliches Feature, da hier endlich auch angeschlossene Controller wieder aufgeladen werden. Achievement-Jäger, die einen Umstieg auf die Sony-Konsole erwägen, freuen sich unterdessen, dass die Trophäen nun durch eine Seltenheitsanzeige etwas aufgewertet wurden.

"Wer sich mit Updates nicht befassen will, lässt die Konsole einfach im Standby-Modus Daten aus dem Netz schaufeln."

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Sieht nach 'nem Gerät zum Spielen aus. Gut so!

Ich könnte noch so einige kleine Details anbringen, die mir ausnehmend gut gefallen. Allein die Benutzerführung im Home-Screen ist der des alten XMB um die gebotene Generation voraus. Der Login eines zweiten Spielers mit PSN-Account ist mit Controller und sogar der PlayStation Kamera eine problemlose, angenehme Angelegenheit. Diese Dinge zeichnen das Bild einer Firma, die mit ihrer nächsten Plattform nicht unbedingt alles anders, aber auf jeden Fall besser machen will.

Pfui!

Kommunizierte, aber 'vergessene' oder unausgereifte Features

Ich will Sony keinen schlechten Stil unterstellen. Es dürften eher ehrliche, aber zu hohe Ambitionen der Grund sein, dass die Features, die sich bei der Enthüllung des Geräts am meisten nach Next-Gen anhörten, nun nicht zum Start mit dabei sind. In die Rubrik, 'Ach ja, Moment, da war ja was!' fällt vor allem 'Suspend and Resume', bei dem man die Konsole im laufenden Spiel in eine Art Standby versetzt, aus dem man sein Spiel an der pausierten Stelle wieder aufnehmen kann. Ohne Verzögerung und ohne den Weg über das Hauptmenü des Geräts zu gehen. Sony rückte relativ schnell damit raus, dass es zum Start nichts damit werden würde. Aber es gibt doch zu denken, dass es aktuell so still um diese attraktive Funktion ist. Und welche Rolle spielt eigentlich Gaikai?

Die Möglichkeit, schon während des Downloads oder der Installation eines Titels mit dem Spielen zu beginnen, ist nett, aber nicht unbedingt in jedem Fall die Zeitersparnis, nach der es sich mal anhörte. Und leider vergaß man zu erwähnen, dass mit dem Share-Button geknipste Screenshots nur über Facebook oder Twitter den Weg von der Konsole finden, nicht aber auf einen USB-Stick gezogen werden dürfen. Schade, es hätte unsereiner die Arbeit erleichtert. Aber da der Share-Button sowieso nur leicht zeitverzögerte Bilder macht (nachbessern!), ist diese Funktion aktuell nur für Stillleben interessant.

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Ah, stimmt. Da war was!

Zweifellos Dinge, derer sich der Plattform-Hersteller in den kommenden Wochen und Monaten annehmen wird. Das, was da ist, mag im Einzelnen nur eine kleine Evolution der bekannten Formel sein. Zusammengenommen holen diese Faktoren das Konsolenerlebnis aber weit genug in die Gegenwart, dass der Umstieg auf die neuen Geräte auch ohne Killer-App leicht fällt - sofern man seine Zelte nicht schon im PC-Lager aufgeschlagen hat.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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