Gigabyte P35K Laptop - Test

Die richtige Balance ist nicht immer leicht zu finden.

Balance ist eine schwierige Sache, vor allem, wenn ein Hersteller versucht, zwei an sich unterschiedliche Themen in ein Gehäuse zu pressen. Spielelaptop und gleichzeitig leicht und handlich, das passte bis vor Kurzem gar nicht zusammen, inzwischen geht es, wenn man zu Einschränkungen bereit ist. Gigabytes P34 zeigte zuletzt, dass es möglich ist, mittlere Spieleleistung sehr elegant auf 1,6 Kilo herunterzubasteln. Nur ist mittlere Spieleleistung halt nicht so richtig sexy. 1,6 Kilo für einen performanten Laptop dagegen sehr. Was kommt also heraus, wenn es etwas weniger sexy sein darf, die Leistung dafür aber nach oben geht?

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Noch mehr Business: Spiele-PC im Stealth-Modus.

Mit 2,2 Kilo ist das nächst größere Gerät aus Gigabytes Reihe von Spiele-Laptops, der P35K, sicher immer noch alles andere als ein Schwergewicht unter den spieletauglichen Tragbaren. Und doch, er markiert irgendwo schon die Linie zwischen uneingeschränkter Handlichkeit, die in der Tasche kaum auffällt, und der sehr deutlichen Gewissheit, dass man Technik mit sich herumschleppt. Die Wohlfühlgrenze dessen, was man im Extremfall den ganzen Tag bei sich tragen möchte, liegt bei mir scheinbar bei höchstens 2 Kilo für Technik, alles andere - zum Beispiel große Spielelaptops mit 3,5 Kilo - ist dafür da, nur über bevorzugt kurze Wege an feste Plätze getragen zu werden.

CPU und GPU

Der P35K fällt also gerade noch in den Rahmen der Schmerzgrenze, aber was bekommt man für die Differenz von „fällt kaum auf" hin zu „merke deutlich, dass es da ist"? Am Prozessor hat sich nichts getan, auch das P35K werkelt mit einem aktuellen und sehr schnellen Intel i7 4700HQ (4 Kerne, je 2 Threads, bis 3,4 GHz). Bis zu 16 GB Arbeitsspeicher in zwei Bänken bremsen da nichts und zwei mSATA-Slots lassen sich mit bis zu 512 GB SSD-Speicherplatz bestücken, bis zu zwei reguläre 2,5 Zoll-Platten lassen sich ebenfalls verbauen. Desktop-Tempo mit allem, was einem im normalen oder auch nicht ganz so normalen Leben an Daten begegnet, stellt den P35K vor keine großen Probleme. Für die Darstellung all dieser Dinge ist der obligatorische Intel 4600er-Chip zuständig und der tut, was er soll: 2D.

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Die beleuchtbaren Tasten sind eng zusammengerückt.

Spannender wird es da schon beim 3D-Arbeitstier. Im Gegensatz zum P34G mit seiner Nvidia GTX 760M Karte setzt der P35K auf eine GTX 765M. Das klingt jetzt den Nummern nach nicht nach dem gewaltigen Sprung und leider ist es auch keiner. Lediglich die Kerntacktung ist bei der 765 mit 850 Mhz etwas höher als bei der 760 (etwa 650 Mhz). Ansonsten haben beide die gleiche Speichertaktung für ihr 2GB GDDR5, die gleiche Zahl an Pipelines und ähneln sich auch sonst etwas zu sehr, als dass der Sprung die größere Bauweise rechtfertigen würde. Selbst der Stromverbrauch liegt nur wenige Prozent auseinander. Wie sich gleich in den Benchmarks zeigen wird, gibt es hier nichts, was einen mächtigen Satz von einer Karte zur nächsten suggerieren würde und so bleibt er den Erwartungen brav folgend auch aus.

(Spiele)Leistung

Die vom P34 erreichten 6000 Punkte in PC Mark 7 werden vom P35K nur minimal überboten: Gerade mal 6200 sind es, schließlich sind Chipsatz, CPU, RAM und viele andere Faktoren in beiden Geräten praktisch identisch. Der 3D Mark 11 zeigt dann, was eine GTX 765M im Vergleich zur etwas kleineren Variante mehr kann: 4400 Punkte sind es, das sind etwa 400 mehr als das P34G zu bieten hat, 10 Prozent also. Diese 10 Prozent ziehen sich dann auch folglich durch die Leistung aller angetesteten Spiele. Es sind 2 bis 3 Frames mehr bei Crysis 3 auf dem höchsten Grafik-Level, das auch hier eigentlich nur mit entweder reduzierter Auflösung oder dem Verzicht auf eine Reihe von Grafik-Features sinnvoll spielbar ist. Das gleiche Bild zeigt sich bei Battlefield 3 und 4 sowie Witcher 2 Enhanced Edition. Es sind immer die gleichen Abstriche, die gemacht werden müssen, nur, dass es halt ein paar Frames mehr waren, die aber leider in keinem Fall den Unterscheid zwischen Spiel- und Unspielbarkeit ausmachten. Entweder ihr schraubt die Auflösung oder die Features runter, dann lässt sich wie auch schon bei dem P34 auf dem P35K ebenfalls alles spielen. Oder ihr lebt mit ganz schön niedrigen Frameraten.

Vollausstattung

Sieht man einmal von der eher schwachen Steigerung bei der Spieleleistung ab, wirkt die Feature-Liste des P35K schon recht beeindruckend. Das Display ist auf 15,6 Zoll gewachsen und da ebenfalls ein 1080p IPS-Panel verbaut wurde, überzeugt es sowohl durch Helligkeit, Blickwinkel, Farbfreudigkeit, Schärfe und Augenfreundlichkeit. Es zeigt auch, dass es manchmal ein klein wenig zu klein geht. War die Desktop-Darstellung bei 1080p auf dem 14er noch etwas gewöhnungsbedürftig, weil eben doch recht klein, passt hier alles zusammen. Zumindest fast, denn während beim P34 nichts wackelte und klapperte, fiel hier ziemlich sofort ein Stück der Plastik-Verkleidung innen am Scharnier ab. Das ist kein Drama, die Aufhängung und das Gelenk dahinter wirken bombenfest, aber optisch ist es ein kleiner Makel, der angesichts des Preises von 1300 Euro aufwärts je nach Ausstattung nicht sein sollte.

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Die Anschlüsse bieten keine Überraschungen: 2-mal USB 3.0, Netzwerk, Audio, Card Reader ...

Das vollwertige Keyboard bietet alles an Tasten, musste dafür aber doch ein wenig schieben, wie es scheint. Alles, auch der numerische und Cursor-Block bilden eine Einheit ohne Abstände zwischen ihnen. Das ist insoweit gewöhnungsbedürftig, als dass der Griff zu Eingabe, Cursor oder Backspace in der ersten Zeit gerne mal etwas weiter wandert. Auch fühlt sich der Tastenhub etwas zu lasch und leblos an. Der weiche Anschlag ist allerdings auch ein wenig Geschmacksache, er ist auf jeden Fall immer noch präzise, und da es auch kaum ein Federn der Tasten nach unten selbst in der Mitte des Blocks gibt, merkt man trotzdem, dass sie von der Verarbeitung her hochwertig sind. Die Beleuchtung gibt sich dabei dezent und augenfreundlich. Alles lässt sich auch bei kompletter Dunkelheit tadellos ablesen, ohne dass der Lichtschein vom Bildschirm ablenken würde.

Überhaupt lenkt nichts ab. Wie auch das P34 setzt das P35 auf einen fast Business-tauglichen Look. Mattschwarzes-Aluminium dominiert die Oberfläche. Die Tastatur sitzt in einem festen Rahmen gleicher Beschaffenheit, den Deckel ziert lediglich der dezente Schriftzug des Herstellers und auch sonst gibt es keine „Gaming"-Elemente in Form greller Farben. Der Unterboden besteht jedoch nicht aus Aluminium, sondern gehärtetem Plastik, das zwar einen sehr soliden Eindruck hinterlässt und sich farblich gut einbindet, aber im Gegensatz zum Rest des Gehäuses eben nicht ganz so edel wirkt. Was die Schwachstellen angeht, bleibt es also bei der nicht ganz so stabilen Plastik-Verkleidung der Scharniere, der Rest macht den Eindruck, als würde man lange Zeit damit ungetrübten Spaß haben.

Optionen, Lautstärke und Akku

Zum schwarzen Look passt auch das große Touchpad, das im Gegensatz zum seltsamen Gegenstück des P34 alle üblichen Touchgesten problemlos unterstützt und auch sonst tadellos seinen Dienst verrichtet. Darunter liegt eine der echten Besonderheiten des Geräts, nämlich ein Hot-Swap-tauglicher Schacht für eine weitere 2,5-Zoll-Festplatte, ein DVD-Kombo-Laufwerk oder, um 100 Gramm zu sparen, gar nichts. Es ist nett, Optionen zu haben, praktisch sind alle Varianten, jede auf ihre Art. Am anderen Ende des Bodys befinden sich über der Tastatur die beiden Stereo-Lautsprecher, die erstaunlich ordentlich klingenden Krach produzieren. Ich würde damit immer noch nicht regulär Musik hören wollen, aber um zumindest grundlegende Spiele-Beschallung zu haben oder mal ein Video lauter aufzudrehen, reicht es allemal.

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... 2-mal USB 2.0, HDMI und VGA.

Was sonst auffällt, ist, wie flach das Gerät ist. Sind die sonstigen Maße der Bildschirmgröße gemäß das, was man erwartet, sind knappe zwei Zentimeter Höhe für einen Spiele-Laptop - eigentlich jeden so leistungsfähigen Laptop - ein erstaunliches Format. Dass das Gerät dermaßen flach ist, scheint einen deutlichen Preis einzufordern, denn die schmalen Kühlkörper können die GTX 765M nicht immer zufrieden stellen. Das P35 ist auch im Desktop-Betrieb hörbar, wenn auch sehr dezent und eigentlich nur in stillen Umgebungen. Wird jedoch über einen längeren Zeitraum 3D gefordert, dann geht es schnell nach oben, bis zu einem Punkt, an dem ich die Lüfter noch hörte, während ich Musik in moderater Lautstärke über Kopfhörer hörte. Das P34 war auch kein Engel, wenn es alle Lüfter anwarf, aber das hier geht über den noch komfortablen Bereich deutlich hinaus.

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Enttäuschend ist auch, dass das P35 aus seinem größeren Akku kaum mehr Laufzeit herausholt. Mit 70 Prozent Helligkeit und ohne Funk-Funktionen sind es gerade mal etwas mehr als vier Stunden. Für den Business-Betrieb ist das bei dieser Geräte-Größe indiskutabel. Was dagegen Spiele-Laptops angeht, ist es natürlich ein sehr guter Wert, insbesondere mit Blick auf die 17- oder 18-Zoll-Monster. Schaltet ihr den Funk ein und nutzt das Gerät zum intensiven Surfen oder Arbeiten, dann reicht es für etwas über dreieinhalb Stunden. Die oben genannten Spiele schaffen den Akku in etwa 90 Minuten. Bei totaler Sparsamkeit - kein Funk, 30 Prozent Helligkeit, geringe Nutzung - sind es fast sieben sehr langweilige Stunden.

Wer braucht mich eigentlich?

Alles in allem ist das Gigabyte P35K ein modernes Arbeitstier mit unterdimensioniertem Akku, das auch spielen kann. Das trifft auch auf den P34 zu. Aber war dieser eine spannende und gelungene Studie, wie klein und handlich es geht, wenn man bereit ist, ein paar Abstriche bei der Auflösung und den grafischen Optionen zu machen, wirkt das deutlich größere und eben schwerere P35 längst nicht mehr so elegant. Leider ist das kleine Mehr an Leistung das Extragewicht nicht wirklich wert. Etwa 10 Prozent holt die Nvidia GTX 765M heraus, aber das ist kein Sprung, der großen Einfluss darauf hätte, ob ihr ein bestimmtes Spiel mit maximalen Details auf diesem Gerät spielen könnt oder eben auch nicht. Lief es nicht besonders gut auf dem P34 wird es auf dem P35 nur marginal besser funktionieren.

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Der Wechselschacht an der Vorderseite bietet erfreuliche Optionen.

In den Desktop-Anwendungen nehmen sich beide Geräte nichts, das sie praktisch identische Komponenten verbaut haben. Es ist die Frage, ob ihr den größeren Bildschirm und das komplette, wenn auch ein wenig eng zusammengerückte Tastatur-Layout bevorzugt und euch ein Maximum an Festplattenplatz oder das DVD-Laufwerk wichtig sind. Sollte dies nicht der Fall sein, muss ich sagen, dass die Balance beim P34 weit besser getroffen wurde. Es bietet ebenfalls ein brillantes Display, ist auch unter Last deutlich leiser und wirkt insgesamt als Gerät für das, was es sein will, runder. An und für sich genommen ist das P35 sicher ein sehr gutes Gerät, aber es ist eben eines, das zwischen allen Stühlen zu sitzen scheint. Fast egal, was ihr sucht: Es gibt immer etwas, das für individuelle Ansprüche, sei es nun Arbeit, Spiel oder auch beides in einem, geeigneter scheint. So ist das halt, wenn es mit der Balance nicht ganz hinhaut.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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