Warum Watch Dogs verschoben wurde

'Es braucht Mut, das zu tun. Und das gefällt mir.'

Wenn Watch Dogs am 27. Mai 2014 erscheinen wird, hat Ubisoft dem Spiel eine zusätzliche Entwicklungszeit von sechs Monaten gegönnt.

Für viele kam die Verschiebung des Spiels im letzten Jahr ziemlich überraschend, fand das Ganze doch quasi in letzter Minute statt. Zuvor hatte Sony bereits Bundles mit PS4 und Watch Dogs zur Vorbestellung angeboten, was natürlich ebenfalls für Probleme sorgte.

Wie Creative Director Jonathan Morin nun im Gespräch mit Eurogamer angab, wäre Watch Dogs im November zwar „ziemlich gut" gewesen und hätte auch „Spaß gemacht", allerdings fehlten „wichtige Details."

„Wenn man dem Spieler verspricht, dass er alles hacken und sich selbst zum Ausdruck bringen kann, erwarten sie, dass das auch stimmt. Ein kompliziertes, aber fehlerbehaftetes Spiel ist nicht weniger akzeptabel als ein einfaches Spiel, das funktioniert."

Das Team sei sich einig gewesen, dass die vielen Spielsysteme zum Launch perfekt miteinander harmonisieren müssen, ansonsten würde das Spiel darunter leiden. Würde der erste Hack aus irgendeinem vermeidbaren Grund fehlschlagen, hätte man sofort die Immersion verloren.

Dementsprechend sind in der zusätzlichen Zeit keine großartigen neuen Features hinzugekommen. Es ging einzig darum, die hohen Erwartungen auch erfüllen zu können: „Unser größtes Ziel [bei der ersten Vorstellung des Spiels] bestand darin, etwas Neues zu zeigen. Wir wussten, dass es eine gewisse Müdigkeit gab - auch bei uns selbst -, wenn man immer und immer das Gleiche spielt. In den letzten beiden Jahren war das einfach eine sichere Sache. Am Ende eines Zyklus ist das oftmals der Fall, aber insbesondere dieses Mal traf das zu. Wir waren aufgeregt, aber auch ängstlich, als wir das Spiel so früh zeigten, aber ich nehme an, Ubisoft hatte ein gutes Argument - die Leute wollten etwas Anderes sehen."

Als das Team dann um mehr Zeit bat, musste man nicht erst große Überzeugungsarbeit leisten.

„Ehrlich gesagt - obwohl es vielleicht nach PR-Bullshit klingt - bietet Ubisoft eine Kombination von Dingen, von denen ich nicht weiß, ob ich sie woanders finden könnte", so Morin. „Ich stelle Spielkonzepte echten Designern vor, nicht irgendwelchen Geschäftsleuten - wodurch das Ergebnis ein anderes wäre. Ich würde es nicht mögen. Wenn wir also eine solch große Entscheidung treffen, kennen viele Leute in der Führungsetage bereits meine Argumente, bevor ich sie überhaupt vorgetragen habe. Die Tatsache, dass sie das verstanden haben, bedeutete, dass sie einfach nur ihre Zustimmung signalisierten."

Nichtsdestotrotz musste natürlich jemand eine endgültige Entscheidung diesbezüglich treffen und das auch den Investoren begreiflich machen. Immerhin hatte man hohe Erwartungen an das Spiel, dessen Einnahmen nun aus dem Geschäftsjahr wegfallen würden.

„Die Person, die den Mut dazu haben musste, war Yves [Guillemot, Ubisofts CEO]", so Morin. „Er ist der Chef und musste den Mut haben, den Aktionären zu sagen: 'Wir glauben, dass dies das Beste für das Spiel ist.'"

„Ich musste nicht zu Yves gehen und ihm sagen, dass er mehr Geld in Watch Dogs investieren muss! So ein Unternehmen ist Ubisoft nicht." Guillemot verdiene laut Morin einfach Anerkennung dafür, weil viele andere das vermutlich einfach ignoriert hätten, nur damit das Spiel schneller fertig wird.

Darunter zu leiden hat allerdings die Wii-U-Version. Ausschlaggebend dafür ist die geringe installierte Basis: „Die Entwicklung wurde unterbrochen", so Morin zur Wii-U-Fassung. „Das bedeutet, es wurde verschoben."

„Es arbeiteten einige sehr fähige Programmierer daran und als uns klar wurde, welche Dinge wir verbessern mussten, brauchten wir diese Leute und ihre Erfahrung. Es war einfach eine logische Entscheidung, diese Leute herzuholen und die Arbeiten an der Wii-U-Fassung ruhen zu lassen, damit das Spielerlebnis am Ende so aussieht, wie wir es haben wollten."

Sobald die anderen Versionen fertig sind, wird man sich dann wieder der Wii-U-Fassung widmen.

Eine nicht minder wichtige Frage ist aber, ob das Spiel überhaupt dem ganzen Hype gerecht werden kann, den es im Zuge seiner erstmaligen Vorstellung generierte? Morin ist überzeugt davon, zumindest im Hinblick darauf, ein Hacker zu sein, alles zu kontrollieren und Dinge auf verschiedene Art und Weise lösen zu können.

„Ich denke, Ubisoft glaubt einfach daran, dass es sich langfristig gesehen mehr lohnt, Qualität abzuliefern", so Morin. „Es ist eine neue IP - eine der derzeit seltenen - und ja, es schmerzt, wenn man ein Spiel verschieben muss. Aber es braucht Mut, das zu tun. Und das gefällt mir."

„Auch Far Cry 3 wurde verschoben und ich mag es, wenn man einfach sagt, dass es 'noch nicht soweit ist.' Es ist ein schönes Muster. Nicht, dass wir es nicht rechtzeitig veröffentlichen können [lacht], aber ich denke, langfristig gesehen ist das nicht nur für Watch Dogs wichtig, sondern ebenso für die Zukunft des Unternehmens und aller anderen Spiele, die Ubisoft Montreal entwickelt. Wir müssen beweisen, dass wir ein großes Spiel nicht nur verschieben können, sondern auch, dass man dies bei der Veröffentlichung entsprechend spüren kann, dass es das wert war. Ich denke, wir haben das mit Far Cry 3 bewiesen. Also schauen wir mal, ob uns das auch hier gelingt."

Watch Dogs erscheint am 27. Mai 2014 für Xbox One, PlayStation 4, Xbox 360, PlayStation 3 und PC, die Wii-U-Version folgt später.

Links zu Angeboten und Anbietern auf dieser Seite können sogenannte Affiliate-Links sein. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Eurogamer.de. Wir erhalten vom Anbieter eine kleine Provision.

Zu den Kommentaren springen (21)

Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

Weitere Inhalte

Weitere Themen

Kommentare (21)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading