Battlefield 4 - Naval Strike: Wenn Luftkissenboote über Flugzeugwracks springen

Was sich mit dem dritten DLC für Battlefield 4 so anstellen lässt.

Ich liebe Videospiele mit einer guten Geschichte. Aber manchmal glaube ich, die aktuelle Videospielergeneration freut sich viel mehr über einen einfachen Sandkasten, in dem sie sich nach Herzenslust austoben darf. Zuletzt gesehen bei Battlefield 4: Naval Strike. Während ich brav Flaggenpunkte eroberte und somit meine Erfahrungspunkte langsam aufsammelte, versuchten andere Teilnehmer der 32er-Runde munter, wilde Stuntfahrten im „Jackass"-Stil zu fabrizieren.

Da fliegen mir plötzlich Amphibienfahrzeuge um die Ohren und mein Helikopter wird von einer mittelalterlichen Kanone auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Absolut verrückt, aber genau deshalb genießt Battlefield ja auch bis heute - trotz des mehr als holprigen Starts des vierten Teils - einen vergleichsweise guten Ruf. Es ist eine Spielwiese für positiv Bekloppte... und irgendwie bin ich mitten rein geraten.

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Battlefield 4: Naval Strike ist nach China Rising und Second Assault das dritte Add-on zu dem populären Mehrspieler-Shooter. Naval Strike ist für Mitglieder von Battlefield Premium bereits ab dem 25. März, für alle anderen ab dem 8. April verfügbar. Bei Electronic Arts in Guildford fand sich eine kleine, aber feine Mischung aus Journalisten und Let's Playern zusammen, um dort bereits vorab Naval Strike rund vier Stunden anzutesten. Das Ergebnis war eine Mischung aus wilden Abschüssen, Stunts und vor allem einer Menge Battlefield-Momente.

Schon wieder Titanen?

Battlefield 4: Naval Strike konzentriert sich auf Seeschlachten. Irgendwo in der chinesischen See angesiedelt, sehen die vier Karten Vergessene Inseln, Wellenbrecher, Nansha-Angriff und Operation Mörser auf den ersten Blick ziemlich ähnlich aus. Palmen, blaues Meer, Sonnenschein - hier hätte DICE auch ruhig eine Spur kreativer sein dürfen. Aber glücklicherweise trügt der erste Eindruck, denn trotz identischem Grafikset besitzen alle Maps eine gewisse Individualität, die für allerlei verrückte Momente sorgt. Bestes Beispiel ist vielleicht die Karte „Wellenbrecher": Denn was zunächst wie eine Ansammlung von kleineren Inseln aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinschauen als gut getarnte U-Boot-Basis. Unter einer der Inseln versteckt sich nämlich ein riesiger Hangar. Und „riesig" meine ich in diesem Fall wörtlich. Zwei Tunnelsysteme im Westen und im Osten führen zu der gewaltigen Verladebucht, in deren Zentrum ein Unterseeboot demontiert wird. Das Areal ist so groß, dass nicht nur Kanonenboote durch die Zufahrten passen, sondern selbst kleinere Jagdhubschrauber mit ein wenig Geschick Platz zum Manövrieren finden. Das Ergebnis: das absolute Chaos auf kleinstem Raum! Da hantiere ich mit der Bazooka, während gegnerische Soldaten polternd über die Metallbrücken sprinten. Unterdessen liefern sich zwei Helikopter einen geradezu „Transformers"-mäßigen Schlagabtausch, ehe eine der Propellermaschinen krachend in den Fluten versinkt.

Aber auch die übrigen Maps haben einen positiven Eindruck hinterlassen. In „Vergessene Inseln" beispielsweise ist eine Boeing auf einer Sandbank abgestürzt. Beide Flügel sind abgeknickt und tauchen so links und rechts ins Wasser. Was für den einen wie eine Katastrophe aussieht, ist für den anderen eine Rampe. Wie zu Beginn beschrieben, eignet sich dieser Schauplatz perfekt, um dort tollkühne Sprünge mit den neuen Luftkissenbooten zu vollführen. Diese Maschinen können nämlich sowohl zu Wasser als auch an Land eingesetzt werden und sind so etwas wie die fahrbare Allzweckwaffe von Naval Strike, auch wenn sie keinerlei Geschützturm oder dergleichen besitzen.

"Mit ein wenig Glück holt man in Operation Mörser mit alten Kanonen einen Hubschrauber von Himmel. Vorausgesetzt, die Flieger kommen dicht genug heran."

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In „Operation Mörser" erfreue ich mich an gleich drei alten Kanonen, die hoch oben auf einem Fort angebracht sind. Mit ein wenig Glück holt man mit ihnen einen Hubschrauber von Himmel. Vorausgesetzt, die Flieger kommen dicht genug heran. Denn so durchschlagskräftig die alten Haubitzen sind, so kurz ist auch deren Reichweite. „Nansha-Angriff" ist die größte, aber zugleich - für meinen Geschmack - auch unspektakulärste Karte. Hier ist das Wetter die Attraktion. Denn ein leichter Sturm pfeift über das Gebiet hinweg. Allerdings ist dieser bei Weitem nicht so spielentscheidend wie etwa in Paracel Storm. Vielmehr ärgerte ich mich bei dieser Karte immer wieder darüber, dass ich auf Inseln strande und anschließend weite Strecken zu Fuß und schwimmend zurücklegen muss. Das mag an der geringen Spieleranzahl gelegen haben, könnte aber auch ein Problem der großen Wasserflächen sein.

Zurück in die Zukunft

Die aber vielleicht wichtigste Neuerung ist der neue Spielmodus Trägerangriff. Dieser ist als Hommage an den Titanenmodus aus Battlefield 2142 gedacht und spielt sich ausgesprochen launig. Jede Partei startet zu Beginn von ihrem Flugzeugträger aus. Wie bei einem Wettrennen sprinten die jeweils 16 Spieler nun zu Helikoptern und Wasserfahrzeugen, um möglichst schnell Flaggenpunkte zu erobern. Denn wer die Vorherrschaft besitzt, beschützt auch gleichzeitig seinen Flugzeugträger. Abhängig davon, wie viele Flaggenpunkte die Teams besitzen, feuern nämlich drei Geschütze auf die gewaltigen Schlachtpötte auf dem offenen Meer. Eine ganz profane Energieanzeige am linken Bildschirmrand zeigt, wie viel die „Titanen" noch einstecken können. Glücklicherweise endet die Runde aber nicht, wenn diese Anzeige abgelaufen ist. Ganz im Gegenteil, dann geht es erst so richtig los.

Denn in diesem Moment öffnet sich die Ladeluke des Flugzeugträgers und auch die weiteren Eingänge an Deck des Schiffs sind plötzlich offen. Die neue Aufgabe: Gelangt mit euren Mannen ins Innere des Giganten und befestigt Sprengladungen an zwei markierten Punkten. In dieser Phase wechselt die Spieldynamik dramatisch. Bin ich vorher noch mit Fahrzeugen von einem Flaggenpunkt zum nächsten geprescht und habe mich an der offenen Spielwelt erfreut, pfercht mich Naval Strike plötzlich in das enge, stickige und finstere Innenleben der Flugzeugträger ein. Das Spielgefühl erinnert an die Map „Operation Metro". Ich renne Treppen auf und ab, muss blitzschnell reagieren, wenn Gegner auftauchen.

"Größter Nachteil an dem Trägerangriffsmodus: Das Team, das als Erstes in Rückstand gerät, hat eigentlich kaum noch eine Chance, diesen aufzuholen."

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Der Wechsel im Spieltempo äußerte sich auch in der Waffenwahl. In diesen Momenten griffen viele Teilnehmer zur Schrotflinte, um möglichst unkompliziert Punkte auf kurze Distanz zu sammeln. Größter Nachteil an dem Trägerangriffsmodus: Das Team, das als Erstes in Rückstand gerät, hat eigentlich kaum noch eine Chance, diesen aufzuholen. Die Angreifer können sich nämlich per Fallschirm direkt über dem gegnerischen Flugzeugträger abwerfen lassen und setzen die Verteidigung somit stetig unter Druck. Hier muss sich im Prinzip die Truppe aufteilen und versuchen, sich in Verteidigung und Angriff zu splitten. Ob das aber im Onlinebetrieb mit 32 teilweise fremden Spielern funktioniert? Ich bin da skeptisch.

Ansonsten bietet Battlefield 4: Naval Strike noch einige kleine Extras für Waffen- und Auftragsfetischisten. So gibt es fünf neue Schießprügel, zwei neue neue Gadgets - die praktische Anti-Heli-Mine und den Dreifach-Granatwerfer - und zehn neue Aufträge. Ein wenig frischer Wind, der aber insgesamt kaum etwas am Spielbetrieb verändern wird.

Battlefield bleibt Battlefield. Ganz egal, ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft. Dennoch gefällt mir der anders gesetzte Schwerpunkt von Naval Strike ganz ausgezeichnet. Speziell beim „Trägerangriff" kommen die Vehikel - allen voran das neue Amphibienfahrzeug - ausgezeichnet zum Einsatz und das Umrunden der Inseln macht hinter dem Geschütz eines Kanonenboots gleich doppelt so viel Spaß. Allerdings bleibt abzuwarten, wie oft man auf vollen Servern tatsächlich nach geschlagener Schlacht strandet und ob die Spielbalance beim Erobern des gegnerischen Flugzeugträgers noch ein wenig verändert wird. Hier wurden die Partien zu schnell zu einer sehr einseitigen Angelegenheit. Trotzdem machte Battlefield 4: Naval Strike in geselliger Runde eine Menge Freude, was nicht zuletzt für das wahrlich unkaputtbare Spielprinzip hinter DICE's Mehrspieler-Shooter spricht.

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Olaf Bleich

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