Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt, Tatortreiniger, The Goonies

Apokalypse, blutbefleckte Möbel und das große Abenteuer.

Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt (2012)

Buch und Regie: Lorene Scafaria
Darsteller: Steve Carell, Keira Knightley, Adam Brody, Martin Sheen

Das war's dann. Zu Hause bleiben, feiern und auf den großen Knall warten, der alles beendet. Keine Rettung möglich. Während Bruce Willis und Ben Affleck vor Jahren Berge, oder besser, Asteroiden versetzten, um die Menschheit zu retten, startet der sperrig betitelte „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt" mit einer endgültigen Prämisse: All diese Bemühungen sind gescheitert. Das Ding aus dem All schlägt in drei Wochen ein.

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Der Film steuert von Beginn an auf das Unvermeidliche zu. Ihm gelingt zum Schluss sein kleines, eigenes, auf gewisse Weise vorhersehbares Happy-End, ohne diese Prämisse zu kippen. Trotzdem bleibt man nicht unbedingt glücklich, aber zufrieden zurück, zumindest im Rahmen dessen, was die Apokalypse an diesen Empfindungen nun mal zulässt.

Lorene Scafarias Film erzählt von Dodge Peterson (Steve Carell), einem Versicherungsverkäufer, der die Sache stoisch hinnimmt und weiterhin zur Arbeit geht, während allen um ihn herum Wichtigeres einfällt. Er ist jemand, der sein Gesicht am liebsten verstecken und sich in der anonymen Masse treiben lassen möchte. Nur nicht auffallen, denn das ist unangenehm. Selbst in seinen letzten Tagen, als seine Freunde wilde Heroinpartys schmeißen, ist er der Enthaltsame, Aufrechte und zutiefst Ordentliche.

Das Ende der Welt steht vor der Tür und er hat das Glück, Penny (Keira Knightley) zu treffen, eine etwas lebensdösige Kifferin, die den Asteroideneinschlag glatt verschliefe, wenn man sie ließe. Im wahrsten Sinne. Ab hier gleitet die Geschichte aus ihrem anfänglichen Ernst über in etwas zwischen heiter und betrübt Wankendes mit leichtem Roadmovie-Einschlag. Sie erreicht bewusst nie diese bedrückende Schwere der Situation, die einen unangenehm berührt im Sessel herumrutschen lässt. Scafaria verzichtet großteils auf Anarchie und begleitet ihre Charaktere so lange, bis es dann kommt, das Händchenhalten und Warten auf den Moment.

So empfiehlt sich „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt" als romantische, nicht zu schmalzige, sanft-traurige, bekömmliche Komödie, als letztes inniges „Ich liebe dich", bevor alles hell wird.

Der Tatortreiniger - Staffel 1 (2011)

Regie: Arne Feldhusen
Buch: Mizzi Meyer
Darsteller: Bjarne Mädel

Die vom NDR finanzierte Serie stellt den Tatortreiniger Heiko Schotte (Bjarne Mädel) in den Mittelpunkt, dessen Arbeit da beginnt, „wo sich andere Leute vor Entsetzen übergeben". Er pult Stücke menschlichen Fleisches und Hirns aus Teppichen, beseitigt von Mordopfern hinterlassene Blutspuren. Dabei trifft er auf Hinterbliebene, Bekannte und Verwandte des Verstorbenen und die unglaublichen Marotten, die diese Leute mit sich schleppen.

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Es gibt nur ein Set und wenige handelnde Figuren. Jede Folge ist im Grunde kaum mehr als ein zwanzigminütiger Dialog, ein Zwei-Personen-Stück zwischen „Schotty" und einem Schriftsteller mit stämmiger Schreibblockade, dessen Tante im Nebenzimmer das Zeitliche segnete. Oder zwischen ihm und einer Achtzigjährigen, die behauptet, der Einbrecher in ihrer Villa wäre zufällig die Treppe runtergestürzt.

Die schnittigen Dialoge und der beherzt die Flagge des einfachen Arbeitertums hochhaltende Bjarne Mädel sind es, die den Tatortreiniger über eine Handvoll Episoden pro Staffel hinweg tragen. Das hier ist keine Schenkelklopfer-Comedy mit flachen Gags, sondern herrlich trockener Humor, intelligent geschrieben und voller spitzer Pointen. Mädels Mimik ist eine Wonne, wenn er den Durchschnittsbürger gibt, der eigentlich nur seinen Job machen will und sich auf seiner Feierabendbier freut, während er immer wieder unterbrochen wird in seinem Tun.

Es ist sehr schade, dass der NDR seine Serie in der Erstausstrahlung damals so verheizte im Nachtprogramm. Inzwischen gibt es drei Staffeln zu je vier bis fünf Folgen. Die Dreharbeiten an einer vierten Staffel sollen noch in diesem Jahr starten.

The Goonies (1985)

Story: Steven Spielberg
Regie: Richard Donner
Darsteller: Sean Astin, Corey Feldman, Josh Brolin, Jeff Cohen

The Goonies war der Inbegriff von Abenteuer, das, wovon man als Kind träumte, wenn einem mal wieder die Zimmerdecke auf den Kopf fiel. Abgefahrene Dinge erfinden wie der kleine Asiate Data, auf dem Dachboden eine Schatzkarte ausgraben, Piratenschiffe in unterirdischen Grotten entdecken. All das ist nicht Hunderte Kilometer weit entfernt, sondern um die Ecke in einer Kleinstadt Oregons. The Goonies macht das Zurückreisen in die kindliche Fantasie heute noch möglich und dabei fast so viel Spaß wie vor zwanzig Jahren.

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Der Kultfilm aus den Achtzigern lässt aus dem Spießbürgertum die große Reise einer Handvoll Kinder entspringen. Mit besagter Karte vom Dachboden wollen sie einen Schatz heben und verhindern, dass ihre Elternhäuser zugunsten eines Country-Clubs abgerissen werden. Wo Indiana Jones die halbe Welt umgräbt, liegt das Geheimnis hier scheinbar so nah: unter einer längst geschlossenen Gaststätte am Wasser.

Der Entdeckerdrang der Kinder und die trottelige, dem reinen Slapstick verschriebene Gangsterbande (fantastisch: Anne Ramsey als bärbeißige Mama Fratelli) tragen die Geschichte über ihre fast zwei Stunden hinweg. Dennoch ist The Goonies einer dieser Filme, deren Wirkung man als Kind erfahren haben sollte. Aus dieser nostalgisch eingefärbten Perspektive nimmt man das ständige Kindergekreische, die nun mal dreißig Jahre alten Kulissen und das, sagen wir, Spielberg-Pathos als weniger abgedroschen wahr, als sie eigentlich sind.

Trotzdem, den Wackelpuddingtanz muss man gesehen haben. „Das Schlimmste, was ich je gemacht hab: Ich hab zu Hause 'nen Berg falsche Kotze angerührt. Und dann, dann bin ich ins Kino gegangen und die falsche Kotze hab ich versteckt. Ich bin hoch auf den Rang und dann, dann hab ich solche Geräusche gemacht: 'Wuäärg, wuäärg, wuuuääärg'. Dann hab ich sie über die Brüstung geworfen auf die Leute, die unten saßen. Und das war furchtbar. Den Leuten ist schlecht geworden und sie haben sich angekotzt."

Fantastisch!

Sämtliche Filme sind als DVD oder Blu-ray erhältlich.

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Über den Autor:

Sebastian Thor

Sebastian Thor

Freier Redakteur - Eurogamer.de

Steht auf Bier und Bloodsport. Mag weiche Sofas und verliert sich gern in Gedanken an dies und das. Seit 2014 bei Eurogamer dabei, aktuell als freier Redakteur.

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