Halo: The Master Chief Collection ist purer Fan-Service

Und, im Anlauf auf Halo 5, die Starthilfe, die die Halo-Community braucht. 

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Die Halo-2-Karte Ascension, mit einer Schicht HD-Lack. Ah, diese Erinnerungen.

Nicht allzu viele Menschen spielen Halo noch online. 343, Hüter dieses Franchises, weiß das. Und im Anlauf auf Halo 5: Guardians, dem möglicherweise größten Xbox-One-Exklusivtitel bisher, wird es Zeit, daran etwas zu ändern.

343s Antwort auf dieses Problem ist ein Spiel, das bis zum Bersten gefüllt ist mit Halo-Fan-Service, sich unserer Nostalgie für Halo 2 bedient und Zugang zu einer frühen Version des nächsten Kapitels des Shooter-Blockbusters gewährt: Halo: The Master Chief Collection - das Videospiel, das der Halo Community neues Leben einhauchen soll.

Dieses Paket beinhaltet die Anniversary Edition von Halo: Combat Evolved, Halo 2 Anniversary Edition, Halo 3 und Halo 4. Dazu gibt es die von Ridley Scott produzierte digitale TV-Serie Halo Nightfall, die die Geschichte von Agent Locke erzählt, dem neuen Charakter, den 343 in Halo 5s Visual ID vorstellte. Zu guter Letzt erhalten Käufer noch Zugang zur Beta von Halo 5: Guardians, die im Dezember startet.

Details in Bezug auf Nightfall sind immer noch dünn gesät, außer, dass es sich in Produktion befindet. Ähnliches gilt für die Halo-5-Beta, wir wissen nur, dass sie sich um die Arena dreht. Konzentrieren wir uns also auf die Spiele, die ihr am Veröffentlichungstag bekommt. Das bekannte Halo: Combat Evolved Anniversary Edition, eine neue Halo 2 Anniversary Edition von Certain Affinity und Sabre Interactive und Umsetzungen der Xbox-360-Spiele Halo 3 und Halo 4 von Entwickler Ruffian, zusammengezurrt durch ein schickes neues Interface.

Grafisch gesehen ist Halo 2 Anniversary ein komplettes Remaster, mit modernen Filmsequenzen von den CGI-Spezialisten bei Blur. Wie schon bei Halo: Combat Evolved Anniversary Edition wechselt ihr auf Knopfdruck zwischen ohne Verzögerung den beiden Engines. Gleiches gilt für die Tonspur, die mithilfe von Skywalker Sound überarbeitet wurde. Wechselt ihr also zwischen den Grafik-Engines, springt ihr auch zwischen dem klassischen Sound und dem Remaster hin und her. "Es ist, als sähe man zehn Jahre Spielevolution mit nur einem Knopfdruck", strahlt Produzent Dan Ayoub.

Halo 3 und 4 wurden jedoch nicht remastered. Diese Portierungen widmen sich eher Post-Processing Effekten und dem Sprung auf 60 Bilder pro Sekunde, den die stärkere Xbox-One-Hardware erlaubt. Die ursprünglichen Assets wurden nicht angerührt, doch Senior Producer Danny Ries zufolge "sehen sie einfach besser aus, weil sie auf der leistungsfähigeren Xbox One laufen."

Frank O'Connor, Halo Franchise Development Director, spricht ebenfalls darüber und insistiert, dass man eine deutliche optische Steigerung sehen kann: "Außer sie auf die Intel_Architektur der Xbox One zu portieren, machen wir nicht Spezielles an den Engines. Aber wir machen viel an der Bildqualität", erzählt er Eurogamer.

"Alleine der Sprung auf 1080p60 und dedizierter Server sind natürlich schon eine Steigerung. Aber im Fall von Halo 3 und 4 stecht eine Menge im Framebuffer, den man wegen der Limitationen der Xbox 360 einfach nicht zu sehen bekommt."

"Halo 4 ist ein wirklich gutes Beispiel dafür. Es sieht jetzt in einigen Szenen fast nach Next-Gen aus, einfach durch die Steigerung in Auflösung und Bildrate. Und dann gibt's da einige Sachen, die auf Xbox 360 einfach nicht sichtbar waren. Viel hat also allein mit Bildqualität und Performance zu tun, aber man wird definitiv eine deutliche Steigerung sehen, ohne dass wir den Code auch nur angefasst hätten."

" Halo 4 ist ein wirklich gutes Beispiel dafür. Es sieht jetzt in einigen Szenen fast nach Next-Gen aus."

Halo Franchise Development Director Frank O'Connor

Alle Kampagnen-Level der Spiele sind von Anfang an auswählbar. Wer will, kann also direkt zur Ark von Halo 3 springen, sobald die Disk im Laufwerk liegt.

"Jeder erinnert sich an das erste Mal, dass er ein Halo-Spiel spielte", sagt Ayoub. "Jeder erinnert sich an sein erstes Halo-Erlebnis. Wir wollten den Fans die Macht geben, dieses Erlebnis noch einmal zu haben, auf die Weise, die sie bevorzugen. Dieses Erlebnis ließ sich aber mit dem üblichen 'Wir-schmeißen-eine-Menge-Disks-in-eine-Box'-Verfahren nicht einfangen. Deshalb wollten wir etwas eleganteres machen. Das war die Geburtstunde des Interfaces."

Eine coole Ergänzung sind Campaign Playlisten, die die Spieler durch Levels führen, die ein gemeinsames Thema teilen. Ein Beispiel wäre, dass man alle Level des ersten Halo spielt, in denen es Fahrzeuge gibt. Eine andere Playlist nennt sich Flooded und enthält alle Level aller vier Spiele, in denen die Flood vorkommen. Tanks, Tanks, Tanks fasst alle Stages der vier Spiele zusammen, in denen es Panzer gibt. Wer nur in dramatischen Höhepunkten denkt, wird Final Four lieben, in dem es durch die letzten vier Level jedes Spiels geht.

Aber die Master chief Saga, die mit der Pillar of Autumn aus Halo 1 beginnt, und mit Midnight von Teil 4 schließt, wird die Playlist sein, die einen Stream wert ist. Alle vier Spiele am Stück - was für ein Marathon.

Ries erzählt Eurogamer, dass er mit dem Gedanken spielt, einige Spieletester an diese Playlist zu setzen, nur um zu sehen, wie lange man dafür braucht. Er schätzt rund 32 Stunden, denn jedes Spiel dauert auf dem normalen Schwierigkeitsgrad rund acht Stunden.

"Aber es gibt Speedrun-Leute, die ein Spiel in zwei Stunden schaffen", sagt er. "vielleicht schafft es jemand in sechs oder sieben Stunden."

Ich kann mir gut vorstellen, die The Master Chief Saga im Laufe eines Wochenendes mit einem Kumpel oder zwei im Koop anzugehen und dabei die Erinnerungen an all die Nachmittage in meiner Zeit an der Uni wachzurufen, die zu Abenden und schließlich Morgen wurden. Biere holen, Pizza bestellen und Halo spielen, bis ich in nostalgische Flammen aufgehe. Schade ist nur, dass man keine eigenen Playlisten erstellen kann. Ries sagt, dass sie von 343 kuratiert bleiben müssen, aber je nach Nachfrage in der Community wird es Updates geben.

" Es gibt Speedrun-Leute, die ein Spiel in zwei Stunden schaffen", sagt er. "vielleicht schafft jemand die Playlist in sechs oder sieben Stunden."

343 Senior Producer Dennis Ries über die Master Chief Saga Playlist

Der Star der Master Chief Collection - zumindest für mich - ist der kompetitive Mehrspielermodus. Er umfasst alle Halo-Maps, die jemals auf Konsole oder PC herausgekommen sind, einschließlich sechs in der neuen Engine überarbeitete Halo-2-Karten vom ursprünglichen Halo-2-Multiplayer-Designer Max Hoberman, jetzt Chef von Certain Affinity. Insgesamt sind das über 100 Maps.

Einige von Bungies Maps sind wahre Shooter-Klassiker: Der Ivory Tower des zweiten Teils war brilliant. Ascension war superb. Mein Favorit war jedoch Lockout. Battle-Rifle-Salve über Battle-Rifle-Salve über Battle-Rifle-Salve. Es wird toll, sie alle wieder zu spielen, den toll balancierten, klassischen Halo-Multiplayerpart in 60FPS und - hoffentlich - 1080p zu erleben.

343 filtert die Karten nach dem Spieltyp. Ihr entscheidet also, welchen Modus ihr spielen wollt, sagen wir zum Beispiel Team Slayer, dann sucht das Spiel nach Mitspielern. Ist das Matchmaking erledigt, sucht das Spiel nach einigen zufälligen Karten aus allen vier Spielen. Ihr bekommt zum Beispiel eine Halo-3-Map, zwei Halo-2-Maps. Oder eine aus Halo 1, eine aus Halo 2 und eine aus Halo 3 oder drei Halo-4-Karten. Die Spieler wählen, welche es sein darf und dann geht es los.

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Armer Grunt.

Wie auch immer die Entscheidung ausfällt: Das Spiel wechselt immer zu der Engine, für die die Mehrspielerkarte ursprünglich entworfen wurde. Nehmt ihr also die Halo-3-Map, erlebt ihr das Spiel in der entsprechenden Engine, und dem Spielgefühl, wie es 2007 an den Start ging. Für das nächste Match könntet ihr etwa eine Halo-4-Map angehen, wodurch die Halo-4-Engine zum Einsatz kommt. Und so weiter. Natürlich kann man immer noch Spiele nach eigenen Parametern starten. Wollt ihr also Halo-4-Mehrspieler auf Complex in welchem Modus auch immer spielen, dann geht auch das.

Alle vier Spiele laufen in 60 Bildern pro Sekunde. 343 ist sich aber noch nicht sicher, ob es alle vier Spiele auch in 1080p zum Laufen bekommt. Für Halo 1, 3 und 4 sieht es gut aus, bei Halo 2 gibt es aber bizarrerweise Probleme.

"Wir visieren 1080p an", so Ries. "Das ist es, was wir erreichen wollen, aber ich kann mich da aktuell leider nicht festlegen."

"Einige der Level in Halo 4 laufen bereits in 1080p. Ich bin zuversichtlich, dass einige andere Spiele das ebenfalls schaffen werden, aber nicht bei allen."

"Die einzige offene Frage im Moment ist Halo 2 im Anniversary Modus", fügt O'Connor hinzu. "Wir haben zwei Framebuffer und Grafik auf Xbox-One-Level. Die Idee war, dass wir versuchen, es auf 1080p zu bringen. Aber es könnte sein, dass wir die Auflösung für diesen Modus opfern müssen. Aber unser Ziel sind 1080p."

Die Terminals von Halo: Combat Evolved machen auch in Halo 2 Anniversary ihre Aufwartung. In Halo 1 schalteten die Terminals einen Motion Comic frei, der Story-Details zu Halo 4 aus der Perspektive der lästigen Flugkugel Guilty Spark andeutete. Passend dazu verweisen die Terminals in Halo 2 Anniversary auf die Geschichte von Halo 5, diesmal aus der Sicht des Arbiter - Master Chiefs Covenant-Freund.

Wo wir schon bei Halo 5 sind: Die The Master Chief Collection enthält Zugang zur Beta von Halo 5. Die beginnt am 27. Dezember und geht drei Wochen lang: Bis zum 15. Januar. Wie Microsoft auf seiner Pressekonferenz ankündigte, konzentriert die Beta sich auf die kompetitive Mehrspielerarena und soll zu Feedback anregen, das helfen wird, die Vollversion zu gestalten, die im Herbst 2015 erscheint.

"Wir fragten uns, was es kosten würde, sie alle auf eine Disk zu packen, mit einem Interface? Die Antwort war, dass es eine Menge Arbeit sein würde. Wir haben uns einfach dafür entschieden und das war es dann."

Frank O'Connor

In meien Augen ist Halo: The Master Chief Collection ein beeindruckendes Paket. Für 70 Euro bietet sie einen enormen Gegenwert (gab es jemals ein Spiel mit mehr als 100 Mehrspielerkarten?). Während einer Präsentation hinter verschlossenen Türen auf der E3 nannte 343s Bonnie Ross das Spiel "ein Geschenk an die Fans". So weit würde ich nicht gehen, denn - nun ja - immerhin bezahlt man ja dafür. Aber man kann kaum bestreiten, dass es das Geld wert ist.

Halo: The Master Chief Collection erscheint am 11. November 2014, genau zehn Jahre nachdem das Halo 2 auf der ersten Xbox erschien. Einige finden, Halo 2 gab der Xbox den Schub, den sie brauchte und es half definitiv dabei, Xbox LIVE als Plattform zu etablieren. Frank O'Connor glaubt sogar, dass Halo 2 in einer bestimmten Zielgruppe zur Verbreitung schneller Internetanschlüsse beitrug.

Es sei ein so wichtiges Spiel für die Xbox gewesen, dass es "offensichtlich" war, zum 10. Geburtstag etwas Besonderes zu machen, sagt er.

"Wir wussten, dass wir etwas machen würden. Als wir Halo: Combat Evolved Anniversary machten, diskutierten wir über all die anderen Spiele. Wir befinden uns jetzt in der dritten Generation der Xbox Hardware und noch nie hatte man die ganze Geschichte auf einer Konsole. Man fühlte sich immer, als übergäbe man den Staffelstab an jemanden und verlangt von den Leuten, diese langlebige Geschichte mit offenen Armen aufzunehmen. Dabei hat nicht jeder unbedingt den gesamten Kontext, der nötig wäre."

"Wir fragten uns also, was es brauchen würde, sie alle auf eine Disk zu packen, mit einem Interface? Die Antwort war, dass es eine Menge Arbeit sein würde. Wir haben uns einfach dafür entschieden und das war es dann."

Halo 4 startete mit großem Getöse und eindrucksvollen Verkaufszahlen, aber die Leute blieben nicht im selben Umfang dabei wie in früheren Halo-Spielen. Halo: The Master Chief Collection wird ohne Zweifel einige Neulinge in das Halo-Universum einführen und weil es die gesamte Geschichte von Anfang bis Ende erzählt, ist es ein netter Einstiegspunkt. Aber es wird auch verflossene Halo Fans, wie ich einer bin, zu einem Spaziergang in die Vergangenheit verlocken - mit gezückten SMGs in jeder Hand, natürlich. Was 343 angeht, ist das genau, was Halo braucht.

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Über den Autor:

Wesley Yin-Poole

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