Nintendos glorreiche Wiederentdeckung des GamePads

Die einzigartige Magie von Splatoon, Project Guard, Giant Robot und irgendwie auch Nintendo.

Wenn es bei der letzten E3 darum ging, der Einführung neuer Hardware zu helfen, dann fühlt sich die diesjährige Show an, als hätte jemand den Reset-Knopf gedrückt.

Das ist auf jeden Fall für Microsoft wahr, die sich mit Macht daran erinnert fühlten, dass sie ein Spiele-System verkaufen müssen und auch für Nintendo, die ihre Augen für das Potenzial der eigenen Wii U öffneten. Damals, als die Wii U das erste Mal angekündigt wurde, sammelte Nintendo die Spieler um eine Reihe von Minigames, die die Möglichkeiten des GamePads erkundeten - viele landeten später in dem fantastischen Nintendoland - und nun, drei Jahre später, wird es noch einmal neu vorgestellt.

In manchen dieser Experimente findet sich eine gewisse Brachialität, aber das muss nichts Schlechtes sein. Nehmt zum Beispiel Miyamotos eigene Entwürfe, ein paar überraschend und irgendwie auch liebenswert rohe spielbare Games auf dem Showfloor (sein Star-Fox-Entwurf ist leider für niemanden spielbar, der nicht für das oberste Echelon der US-Print-Magazine schreibt). Project Giant Robot lässt den Spieler einen Riesenroboter aus einer Spielzeugkiste voller Einzelteile basteln und dann in einer Reihe von kleinen Aufgaben testen.

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Ihr wolltet eine neue IP von Nintendo? Splatoon liefert auf die beste denkbare Art genau das.

Mit den Schulterknöpfen des GamePad stapft ihr langsam vor und zurück, dreht den Torso mit dem Gyro-Sensor und mit den Sticks bewegen sich die Arme. Es ist ein bewusst klobiges Interface, unterstützt durch eine verspielte Physik, während der Roboter sich tölpelhaft seinen Weg durch die krude umgesetzte Stadt bahnt. Der Hauptscreen zeigt eine isometrische Third-Person-Sicht, während ihr durch den Screen des Pads direkt aus dem Cockpit heraus schaut, von wo aus ihr die Laser feuert. Es ist alltägliches Zeugs, das man direkt mögen kann.

Project Guard hat da schon mehr Substanz. Es ist ein Tower-Defense-Spiel, das aktiv das Publikum zum Mitmachen einlädt. Auf dem Hauptscreen seht ihr eine Reihe von durchnummerierten Kameras, die über eine Mondbasis verteilt sind. Diese wird von herumwuselnden Robotern angegriffen, die an Nintendos eigene R.O.B. erinnern. Auf dem Gamepad schaltet ihr zwischen den Punkten um, damit ihr die anrückenden Horden aufhalten könnt. Der Spieler allein wird schnell überrollt, daher ist es für ihn wichtig, dass die Zuschauer auf dem großen Screen mitmachen und die Nummer der bedrohten Gebiete rufen. Wieder ist es ein zartes Experiment, dem der Feinschliff etwas abgeht und es ist unklar, wie und ob beide Spiele jemals wirklich erscheinen. In irgendeiner Form und wohl nicht vor 2015.

Captain Toad: Treasure Tracker sieht schon etwas polierter aus. Das sollte man bei einem Spiel, das Ende des Jahres erscheint und vom Tokioter EAD-Team stammt - Super Mario World 3D - auch erwarten. Es ist ein Ausbau der Minispiele im letztjährigen Wii U Mario und es hält sich auf eigenen Beinen sehr gut. Das GamePad wird genutzt, um die Perspektive in den abgeschlossenen Stages zu wechseln und so neue Routen zu finden, die zum Stern führen. Es ist eine Idee, die großzügig erweitert wurde. In einem Minen-Level navigiert ihr mit dem GamePad und schießt mit Rüben auf Gegner, ein Boss-Drache hetzt euch durch eine feurige Grotte, während ihr Lavakugeln ausweicht. Auch die visuelle Opulenz wurde bei dieser Erweiterung nicht vernachlässigt.

Splatoon ist der letzte der Titel, der das GamePad erkundet und er tut es ausgiebig. Dass die Bewegungen durch den Gyro-Sensor gesteuert werden, ist etwas kontrovers, auch wenn es clevere, gut implementierte Gyro-Kontrollen sind. Es nutzt auch den Touchscreen und den Platz zwischen Controller und TV. Ihr seid in zwei Teams zu je vier Spielern unterwegs und die Aufgabe ist einfach: Malt so viel von der Stadt in eurer Farbe an wie es nur geht. Es ist ein dreckiges Vergnügen, mit dem Klang von spritzender Farbe und einem guten Gefühl für die Waffen.

Es ist auch herrlich intelligent. Wenn ihr ein Gebiet angemalt habt, könnt ihr euch in einen Tintenfisch verwandeln und schnell durch das eigene Territorium bewegen. So könnt ihr direkt zu euren Team-Kollegen springen, die durch ein schwebendes Icon angezeigt werden. Auf einer Show, die - wie immer - von Shootern dominiert wird, bei denen man einfach gerade auf ein Ziel draufhält, ist es mehr als nur erstaunlich, dass der dynamischste und schlicht spaßigste von Nintendo kommt.

Nintendo war immer der Ort, an dem man einfaches, geschliffenes Vergnügen finden konnte. Was sich dieses Jahr jedoch unterscheidet, ist der Drang zur Experimentierfreude, der sich in das Angebot der Firma geschlichen hat. Es wurde oft gesagt, dass ein Nintendo mit dem Rücken zur Wand das kreativste Nintendo ist. Betrachtet man derzeit den Stand der Wii U, dann scheint ihr Line-up diesen Satz bestätigen zu wollen. Neue IPs Schulter an Schulter mit neuen Ideen, das ist das mutigste und klügste Nintendo seit langem.

Es ist nicht genug, um die Wii U in das Wettrennen der Konsolen zurückzubringen, aber das ist egal. Dadurch, dass sich Nintendo daran erinnert, was die Wii U einzigartig macht, entdecken sie ihren wichtigsten Punkt, der sie als Firma unterscheidet. Und sie erinnern uns daran, dass ihre Hardware der Ort für reines, perfekt konstruiertes und immer wieder überraschendes Vergnügen ist.

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Über den Autor:

Martin Robinson

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Deputy Editor

Martin is Eurogamer's features and reviews editor. He has a Gradius 2 arcade board and likes to play racing games with special boots and gloves on.

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