Hazard Ops - Monster, Mumien und erstaunlich viel Spaß

Ein überraschender Ausflug in den guten Trash der laufenden Beta  

Ein Free-to-play-Shooter? Uhrgs. Ein Blick auf ein paar ältere Screens? Bitterernst und lustlos. Warum sollte ich das spielen wollen? Weil gerade ein wenig Flaute herrscht, ich große Teile des Steam-Sales längst in der Liste habe, mein Vorgänger Kristian Metzger bei Infernum arbeitet und mich drum gebeten hat. So eine Bitte kann man ja schlecht ausschlagen, außerdem haben wir ja auch gerade ein Giveaway für Hazard-Ops-Keys zu laufen, wie schlimm kann es schon werden? Die kurze Antwort darauf überraschte mich sicher am meisten: gar nicht! Das Ding ist super. Kurzweilig, recht schick, gut spielbar und vor allem nimmt es sich selbst nicht so stocksteif ernst, wie das in dem Genre leider häufig der Fall ist.

Hazard Ops ist eine Menge, aber schwergewichtiges Möchtegerndrama kennt es nicht mal vom Namen her. Tonfall und Stimmung des zuerst recht langweilig wichtigtuerisch wirkenden Third-Person-Shooters haben sich komplett gedreht. Jemand mochte alles ab Evil Dead und dann jeden Trash bis hin zum letzten Schrott von Asylum und dachte, es wäre eine gute Idee, einfach die ganzen Monster zu nehmen und drumherum ein positives Fun-Trash-Fest zu basteln. In einer noch nicht endgültig bezifferten, aber wohl recht hohen Zahl an Szenarios, die so liebevolle Titel wie Arachnophobia, Land of the Dead oder ähnliche Klassiker tragen, ballert ihr auf alles, was da vage reinpasst.

Mumien und Anubis, Zombies und eine Riesenspinne, davor eine Seeschlange, Riesenroboter in der Zukunft und Dämonen in der Unterwelt. Wenn man es mal in einem Trash-Streifen zu sehen war, dann hat es sich scheinbar automatisch seinen Platz in Hazard Ops verdient. Die Betonung liegt aktuell auch ganz klar auf Koop-PvE. Es wird einen PvP-Modus geben, auch mit mehr als einem Spielmodus, aber das Game will ganz klar, dass ihr Monster mit Kumpels niedermacht.

Die Level sind mehr als nur ein simpler, statischer Horde-Modus. Ihr lauft durch teilweise halbstündige Areale mit zig Wellen, mehreren Bossen, Räumen mit Fallen und immer wieder kleinen Überraschungen links und rechts des Weges. Ich habe schon weit weniger abwechslungsreiche Shooter als das gespielt, vor allem, weil ihr spätestens auf den höheren Schwierigkeitsgraden wirklich zusammenarbeiten müsst, um durchzukommen. Während selbst eine etwas unkoordinierte Gruppe auf dem normalen Schwierigkeitsgrad praktisch immer am Ziel landen wird, selbst ein einzelner Spieler große Gegner plätten kann, habt ihr ohne konzentriertes Feuer und Teamwork spätestens auf Nightmare keine Chance mehr.

Das Faszinierende an Hazard Ops ist, wie gut es sich spielt. Das auf Unreal basierende Spiel erinnert in Sachen Blickwinkel und Bewegungen ganz schwer an Gears of War, nur dass man nicht statisch hinter Mauern hockt. Eine solche Funktion gibt es nicht, ihr könnt es als Mischung aus etwas ruhigerer First-Person im Ablauf mit Bewegungen des Third-Person-Genres sehen, dem seine relative Beweglichkeit gut steht. Endlich mal nicht nur kauern, stattdessen viel schießen, gucken, was die anderen tun - oder besser gleich planen -, und methodisch in Bewegung bleiben.

Technisch reißt die Engine keine Bäume aus, aber man muss ja sagen, dass es für einen Trash-Koop-Free-to-play-Shooter schon was hermacht. Mag es alles auch ein wenig grobschlächtig scheinen, im Spiel fällt das nicht auf, da es schon jetzt anständig stabil und vor allem auch auf mäßigerer Hardware extrem flüssig läuft.

Was das Free-to-play angeht wird man sehen müssen, wie es gehandhabt wird. Es scheint kein reines Vanity-System zu werden, da ihr euch mit Credits wiederbeleben könnt. Sterbt ihr und schaffen eure Kollegen es nicht, euch wieder auf die Beine zu bringen, dann dauert es eine ganze Weile, bevor ihr wieder auf dem Felde steht. Mit einem Trank passiert das sofort. Diese kann man im Store kaufen. Also gucken, wie das später gehandhabt wird, der Rest machte einen eher harmlosen Eindruck, da viel Content, viele gute Waffen und auch Kostüme angeboten werden.

Überhaupt, die Figuren und Kostüme. Unsere Fünferrunde sah aus wie der Cast für den nächsten Asylum-Abenteuer-Rip-off-Streifen, inklusive japanischer Geisha, dem amerikanischem Indy-Verschnitt-Helden, der harten Special-Forces-Frau und der Mumie. Das Skript schreibt sich im Kopf fast von allein und es ist nicht viel komplizierter als das, was euch danach erwartet. Spielerisch saubere und auf hohen Leveln reizvolle Koop-Action mit der richtigen Menge an liebevollem Trash. Hazard Ops macht einfach Spaß. Vielleicht nicht endlosen, Nächtelang-am-Stück-Spaß, aber für diese Stunde zwischendurch ist es ein Kracher. Und definitiv einer, den ich so für dieses Wochenende nicht kommen sah.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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