Steam-Streaming mit Mini-PC über Ubuntu Linux ins Wohnzimmer bringen

So verlängert ihr Spiele- und Medienbibliothek in die gute Stube.

Der PC bläst nicht erst seit gestern zum Marsch aufs Wohnzimmer. Nun sind obendrein mit den Steam-Boxen Linux-basierte Hybriden aus Rechner und Konsole unterwegs, während zahlreiche Anbieter (in diesem Fall danken wir Zotac für die das zur Verfügung gestellte Probeexemplar einer Zotac ZBOX) für Preise von bis leise und kleine Medien-PC-Lösungen im Repertoire haben.

Gerade Letztere sind in Zeiten von HD-Videodiensten, Spotify und streambaren Steam-Spielen eine schöne Alternative, um den PC vom Spiel- auf das Wohnzimmer übergreifen zu lassen und Entertainment-Inhalte in mehr als nur einem Zimmer des Hauses verfügbar zu machen. Wir wollen euch daher in einigen wenigen Schritten schildern, wie das am leichtesten zu bewerkstelligen ist.

Das Betriebssystem Ubuntu installieren

Natürlich braucht ihr für die Installation einen zweiten Rechner, denn zunächst einmal müsst ihr ja irgendwie an das Betriebssystem kommen. Viele der günstigeren Mini-PCs verfügen nämlich nicht über ein vorinstalliertes OS und eine neue Windows-Lizenz ist nicht ganz günstig. Daher greifen viele User auf die weit verbreitete und wunderbar stabile Linux-Plattform Ubuntu zurück. Da auch optische Laufwerke häufig nicht enthalten sind - immerhin soll das Gerät ja klein und geräuscharm sein -, muss die Installation des Betriebssystems auf den "nackten" Medien-PC vom USB-Stick erfolgen. Stellt sicher, dass einer mit mindestens 2GB freiem Speicherplatz eingesteckt ist.

Wählt auf der offiziellen Ubuntu-Seite entweder die 32-Bit- oder 64-Bit-Variante des OS, bei weniger als 2GB Arbeitsspeicher solltet ihr die 32er-Version nehmen. Nach dem Download müsst ihr die heruntergeladene .iso-Datei in ein bootfähiges Format auf den USB-Stick bringen. Ladet euch dazu das Tool USB Installer von Pen Drive Linux herunter. Startet das Programm, wählt eure Ubuntu-Variante im Dropdown-Menü aus. Danach bestimmt ihr in der Zeile darunter den Speicherort der gerade geladenen Ubuntu-Datei. Wählt danach das USB-Laufwerk - achtet auf jeden Fall auf den Laufwerksbuchstaben, damit ihr nicht zufällig einen anderen Datenträger überschreibt - und klickt auf "Create". Ist de Prozess abgeschlossen, entfernt ihr den USB-Stick.

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Kleiner, leiser, stromparender: Mini-PCs verlängern den Spielerechner oder einen Server ins Wohnzimmer.

Jetzt schließt ihr eine USB-Tastatur und eine Maus an und startet den zukünftigen Medien-PC mit eingestecktem Ubuntu-USB-Stick. Drückt direkt nach dem Start auf die Entfernen-Taste, um ins BIOS eures Rechners zu gelangen. Hier wählt ihr bei den bootfähigen Geräten den USB-Stick als priorisierte Quelle, speichert und verlasst das BIOS. Beim nun erfolgenden Neustart werdet ihr vermutlich um einen Tastendruck gebeten, um die Installation vom Datenträger zu beginnen.

Jetzt geht's los. Bestimmt zuerst die Sprache des Betriebssystems und gebt dann die Zugangsdaten zu eurem Wireless-Netzwerk ein. Ist euer Medien-PC per Kabel an den Router angeschlossen, fällt die Netzwerk- und Schlüsseleingabe natürlich weg. Anschließend werdet ihr nach dem Installationstyp gefragt. Wählt "Festplatte löschen und Ubuntu installieren" - hier noch mal die Warnung, dass ihr damit alles löscht, was sich auf dem PC bzw. der bestimmten Festplatte oder Partition befindet. Bei einem System ohne vorinstalliertes OS kommt euch aber nicht viel abhanden. Praktischerweise könnt ihr dem Programm hier schon sagen, ob ihr etwaige Updates schon während der Installation ziehen wollt. Das empfiehlt sich durchaus. Wählt abschließend Zeitzone, Tastaturlayout und Sprache. Danach werdet ihr nach Computername und Passwort gefragt, die zwingend eingegeben werden müssen. Gebt am besten etwas ein, an das ihr euch auch später noch erinnern könnt, oder macht euch eine Notiz. Die Installation selbst dauert in den meisten fällen nicht länger als fünf Minuten, denn Ubuntu ist ein wirklich schlankes Betriebssystem.

Die Frage der Bedienung: drahtlose Tastatur oder Fernbedienungs-App?

Dann ist da noch die Frage der Steuerung. Ist der Rechner erst einmal eingerichtet, empfiehlt sich eine Bluetooth-Tastatur - zumindest wenn man im Wohnzimmer und somit weiter weg sitzen möchte, als die üblichen 1,80 Meter Mauskabel hergeben. Logitech bietet mit der K400 eine kleine und formschöne Tastatur samt Touch-Mausersatz für weniger als 40 Euro an.

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Zusätzliche Programme findet ihr im Ubuntu Software Center, das standardmäßig in der Taskleiste links zu finden ist.

Alternativ können Tablet oder Smartphone-Enthusiasten auch eine Streaming-App wie den Splashtop Streamer nutzen. Das Programm wird sowohl am Linux-Rechner als auch am iOS- oder Android-Gerät installiert, woraufhin der Videostream auf den Touchbildschirm des Mobilgerätes übertragen wird. Der berührungsempfindliche Screen fungiert dann als Maus- und Tastaturersatz. Allerdings steht dabei zu beachten, dass Splashtop auf dem Mobilgerät stets die Verbindung kappt, wenn der Bildschirm ausgeht. Deshalb muss man sich häufig mal neu verbinden. Die Bluetooth-Tastatur ist daher zwar die teurere, aber auch die praktischere Lösung.

Auf Windows-PCs im Netzwerk zugreifen

Liegen eure Filme und Musik auf einem Windows-PC des Heimnetzwerks, müsst ihr zunächst dafür sorgen, dass sich die Geräte gegenseitig "sehen" können. Öffnet am Windows-PC zunächst das "Netzwerk- und Freigabecenter", klickt auf "Erweiterte Freigabeeinstellungen ändern" und aktiviert dann gegebenenfalls "Netzwerkerkennung einschalten", "Datei- und Druckerfreigabe aktivieren". Ebenfalls stellt ihr "Kennwortgeschütztes Freigeben" ein. Sofern das nicht schon geschehen ist, fügt ihr den Rechner noch der Heimnetzgruppe hinzu. Klickt auf das Startmenü, gebt "Heimnetzgruppe" ein und nutzt mit "Jetzt beitreten" den Einrichtungsassistenten. Wählt nun die Laufwerke oder Dateien, die ihr freigeben möchtet. Eure Musik- oder Videobibliotheken bieten sich an, je nachdem, wo die Dateien liegen, die ihr teilen möchtet: Rechtsklick auf die Datei, "Freigeben für" -> "Heimnetzgruppe".

"Da die beiden Betriebssystem sich nicht standardmäßig erkennen, braucht ihr am Ubuntu-Rechner - je nach Version - hingegen das Tool Samba."

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Das Terminal ist das Gegenstück zur Eingabeaufforderung von Windows und wird über Strg-alt-t aufgerufen.

Da die beiden Betriebssystem sich nicht standardmäßig erkennen, braucht ihr am Ubuntu-Rechner - je nach Version - hingegen das Tool Samba (mehr Details hierzu findet ihr hier). Öffnet die Eingabeaufforderung - Terminal heißt sie hier - mit "Ctrl-Alt-t". Gebt zunächst "sudo apt-get update" (alles ohne Anführungszeichen) ein, um euer System auf den neuesten Stand zu bringen. Tippt danach "sudo apt-get install samba samba-common" ein, um euch das Programm herunterzuladen. Ist das erledigt, klickt ihr oben links auf das "Dash Home"-Symbol - das ist das Startmenü von Ubuntu. Tippt "Samba" ein, drückt Enter und startet das Programm. Klickt nun auf "Preferences" und wählt in den Server-Einstellungen die gleiche Heimnetzgruppe, in der sich auch euer Windows-PC befindet. Standardmäßig nennt sie sich hüben wie drüben "workgroup". Es sollte also alles OK sein. Dann schließt das Fenster.

Klickt nun oben links auf das Feld "Datei" und wählt unten "Zum Server verbinden...". Bei Server gebt ihr den Namen eures PCs ein, meist hängt Windows einfach ein "-pc" hinter was immer ihr auch eingegeben habt ("Laptop-pc" zum Beispiel). Wählt dann "Windows share". Unter Domain-Name solltet ihr WORKGROUP eingeben. Username und Passwort sind die, die ihr benutzt, um euch bei eurem Windows-Rechner anzumelden, nicht die, die ihr für die Ubuntu-Maschine nutzt. Erlaubt dem System mit einem letzten Häkchen an entsprechender Stelle, sich das Passwort zu merken, sonst müsst ihr mit jedem Zugriff nervigerweise das Passwort erneut eingeben. Daraufhin erscheint ein Fenster mit allen am Windows-PC freigegebenen Ordnern. Geöffnete Ordner erscheinen in der Taskleiste am linken Rand. Glückwunsch, ihr könnt jetzt auf eure Film- und Musikdateien zugreifen.

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Das 'Xbox Media Center' ist ein empfehlenswerter und ausgereifter Medien-Hub.

Als Programm dafür empfiehlt sich das weit verbreitete "XBMC Media Center", einst als Medienzentrale auf gemoddeten Xboxen entstanden. Ladet das Programm im Ubuntu-Software-Center herunter.

Steam installieren und Spiele streamen

Um Steam auf eurem Ubuntu-Rechner zu installieren, ruft ihr in der Taskleiste links das UbuntuSoftware-Center auf. Vom Layout her ist es vergleichbar mit dem AppStore Apples oder mit GooglePlay. Nutzt die Suchfunktion oben rechts, um Steam herunterzuladen. Allerdings braucht ihr hierfür ein Konto bei Ubuntu One, dessen Erstellung natürlich kostenlos ist. Auch Steam kostet euch nichts. Alternativ könnt ihr im Browser auch folgenden Link eingeben "http://repo.steampowered.com/steam/pool/steam/s/steam/steam-launcher_1.0.0.48_all.deb". Nach dem Download öffnet sich das Terminal nach Art der Windows-Eingabeaufforderung und fragt, ob wir den benötigten Speicherplatz freigeben wollen. Knapp 18 MB kann man durchaus entbehren, also "Y". Wenige Augenblicke später fühlen sich Steam-Nutzer schnell wie zu Hause, denn das Interface ist identisch zu dem, das man am Windows-PC vorfindet. Ist der Spielerechner angeschaltet, sind die installierten Spiele sogar mit dem Zusatz "Stream" versehen, wo normalerweise "Installieren" oder "Spielen" steht. Schließt ihr nun einen Controller an euren Ubuntu-Rechner an, könnt ihr den Spiele-Stream sogar im Big-Picture-Modus erleben.

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Fast wie zu Hause. Steam zeigt sich nahezu unverändert auf Ubuntu.

Aktuell sind die Latenzzeiten gerade für schnelle Shooter und andere reaktionsbasierte Spiele noch etwas zu hoch. Allerdings kann man dem entgegenwirken, indem man auch den Medien-PC per Kabel an den Router hängt. Perfekt ist es dann immer noch nicht, aber spürbar besser immerhin und gut genug, Spiele wie XCOM oder The Walking Dead zu genießen.

Zudem wächst die Liste der Spiele, die nativ Linux unterstützen, stetig. Natürlich hängt es von der Grafikkarte eures Medien-PCs ab, ob Dinge wie XCOM, The Witcher 2 oder Trine 2 laufen. Aber Titel wie Hotline Miami, Don't Starve oder Shadowrun Returns sind nicht allzu anspruchsvoll und den Versuch wert.

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