Sacred 3 vs. Diablo 3 - Alles neu oder doch lieber konservativ?

Liegt ganz bei euch...

Inzwischen dürfte sich herumgesprochen haben, dass Sacred 3 zwar Sacred heißt, dort aber kein Sacred drinsteckt. Da kann man noch so lange hin- und herumargumentieren, der Name und die Hintergründe der Spielwelt allein rechtfertigen nicht den direkten Fortsetzungstitel. Ein Sacred ohne seine offene Welt ist kein echtes Sacred. Auch nicht ohne all seine ja schon im zweiten Teil damals leicht eingedampften Ausrüstungsoptionen im Klein-Klein. Sacred 3 will ein Action-Metzel-RPG sein, das euch vor allem im Koop Spaß bringen soll. Schnelles Interface, viel Kombo-Gewitter, Spezialangriff-Achterbahn. Es will Diablo 3 sein.

Gut, dass davon auch in Kürze was Neues kommt, sprich die Version für die Next-Gen-Konsolen. Ich fasse mal kurz zusammen: Der Stand ist die 2.1.0 Version inklusive des Reaper-of-Souls-Zusatzes und das in glorreichen 1080p auf der PS4 und nicht ganz so glorreichen, aber immer noch sehr ansehnlichen 900p auf der Xbox One - man munkelt, dass da jetzt im Zeitalter nach Kinect noch gefeilt werden könnte. Ansonsten bleibt Diablo 3 auf den neuen Konsolen, was es auf den alten war: Tadellos umgesetzte Spielbarkeit, bei der zwar Mausverfechter gerne argumentieren können, dass der Klassiker sich nur mit dem Klassiker bedienen ließe, aber es wäre schlicht nicht wahr. So gut, wie Diablo 3 seine Pad-Steuerung löste, ist es am Ende nur eine Frage des eigenen Geschmacks, über den wie immer gestritten werden wird.

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Der Blick schweift in die Ferne, aber bereisen könnt ihr sie nicht.

Zwei Spiele also, die sich irgendwo sehr ähneln und von denen eines sich Millionen Mal (mindestens) mehr verkaufen wird. Warum eigentlich? An welchen Punkten könnte es für Sacred 3 scheitern?

Bleib' dir selbst treu oder auch nicht

Es ist ein Risiko, was Keen Games hier eingeht. Sacred wurde neben seiner Geschichte und Spielbarkeit für seine gewaltige, nahtlose Welt geliebt - es ist so ziemlich der einzige Grund, warum ich es spielte. Endlos wandern, Dinge töten, schön leveln und den Sonntag ziehen lassen. Das geht nun nicht mehr. Die Spielwelt ist eine Übersichtskarte, auf der ihr Dutzende mal mehr, mal weniger übersichtliche Instanzen anklickt. Schnelles Koop-Vergnügen in maximal Halbstundentakt ist das Credo - neben dem dusselig klingenden "Victoy is ours, Glory is mine!".

Und ganz ehrlich, das ist der Punkt an dem sich alles für das Spiel entscheiden wird. Diese Instanzen sind hübsch gestaltet, bieten Loot links und rechts des direkten Durchmarsches, fast alle lassen sich auf mehrere Arten und abhängig von den gewählten Klassen lösen. Letztlich reduziert es die Spielwelt auf die "aufregenden" Abschnitte und lässt nur das endlose Wald-Wüsten-Wiesen-Wandern weg. Dieses schuf aber viel Atmosphäre, schließlich gehört die Reise zum Heldendasein dazu und kaum ein Spiel bot so viel davon wie Sacred. Ich denke, ich kann mich im Rahmen des guten Spiels innerhalb der Instanzen mit dem Gedanken kurzer Feuerabendrunden anfreunden. Wer noch nie zuvor Sacred spielte, wird damit ebenfalls wenig Probleme haben. Alle anderen... nun, könnt ihr euch den Namen wegdenken und das Spiel dahinter sehen? Welches ihr dann ja immer noch doof finden könnt, wenn ihr möchtet? Aber nicht, weil es Sacred heißt und nicht Sacred ist?

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1080p, mehr Details und flüssiger läuft es auch: Alles, was man von der PS4-Version erwartet hat. Plus noch Reaper of Souls.

Diablo 3 hat deutlich weniger mit diesen Problemen zu kämpfen. Schrie die Community am Anfang noch Zeter und Mordio und das in durchaus vielen Fällen zu Recht, ist das Spiel inzwischen glatt gezogen. Gerade Reaper of Souls brachte neben mehr Inhalt auch Balance und da das Auktionshaus nun eh Geschichte ist, kann man sich ganz auf ein tadellos austariertes Spiel freuen. Es gibt sicher noch eine harte Gruppe, die verbreitet, dass Diablo 3 kein echtes Diablo sei, aber die Argumente sind dünn und im Großen und Ganzen steht das Spiel in sehr direkter Tradition der eigenen Serie: Diablo bleibt Diablo.

Story? Hintergründe? Wenn man denn möchte...

Beide Spiele bieten eine komplexe Hintergrundwelt mit relativ viel Fantasy-Tiefgang. Alle möglichen Rassen und Klassen befinden sich in ewigen Konflikten gegen das Böse, beide werfen nur so mit allen möglichen mystischen Namen um sich, hinter all denen seitenlange Wiki-Einträge in Fan-Pages stecken. Und bei beiden Spielen kann euch das komplett egal sein, wenn ihr einfach keine Lust drauf habt.

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Die Lichtspiele der PC-Version machen was her, die Konsolen-Versionen für PS3 und 360 müssen sich noch beweisen.

Sacred 3 mag tausend Jahre nach dem Vorgänger spielen, aber eigentlich zeigt das wieder nur einmal, dass die Evolution in Fantasy-Welten deutlich verlangsamt abläuft. Dem unbedarften Beobachter könnte man genauso glaubwürdig erzählen, dass das alles eine Woche später spielt. Kenner werden Orte wie Hohemut wiedererkennen, der Rest nimmt es als gefälligen Genre-Standard von Dungeon über Burgen zu kleinen Außenarealen wahr. Das Böse steht mal wieder vor der Tür, es muss in zahllosen Button-Tippsern besiegt werden und geredet wird diesmal scheinbar nicht ganz so viel. Der etwas verschrobene Sacred-Humor bleibt dabei jedoch nicht auf der Strecke. Wenn die mal grantigen, mal sehr von sich überzeugten Helden aus Sacred 2 bei euch im Gedächtnis blieben, dann solltet ihr euch auch mit denen des Dritten anfreunden können. Wollt ihr es bitterernst, dann bleibt einfach bei Diablo 3, hier würden alle zum Lachen in den Keller gehen. Wenn es denn dort nicht noch mehr Dämonen gäbe. Nein, Spaß beiseite. Wenn es um den Humor geht, hat auch Diablo 3 seine kleinen humoristischen Anflüge, aber sie sind weit zurückhaltender.

Vier Freunde auf Schatzsuche: Koop-Spiel

In Sacred 3 habt ihr etwa ein halbes Dutzend Helden, die sich an die üblichen Kategorien halten: Nah- und Fernkämpfer, Magier und Mischlinge, hinter der etwas wilderen Designfassade scheint nicht so viel Außergewöhnliches. Bewährte Muster werden gefahren und als Solo-Held dürfte man sich etwas weniger wohlfühlen, als es im Duett oder sogar der Gruppe der Fall ist. Dafür sorgen nicht zuletzt die extrem effizienten und natürlich nicht allein ausführbaren speziellen Koop-Attacken, derer es reichlich geben wird und die immer abhängig von der Konstellation der Gruppe sind. Es wird schnell klar, dass Sacred ganz mit dem Gedanken des Koop entworfen wurde und ich bezweifle, dass das Spiel auch im Alleingang so auflebt, wie es bei den beiden zuvor der Fall war. Angesichts von Vier-Spieler-Offline-Koop mit Drop-in-drop-out und auch alles abdeckenden Online-Modi sollte das aber zu verschmerzen sein.

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Das Item-Rad lässt sich auf der PS4 mit dem Touchpad steuern, was die bessere Variante für alle ist, die sich das Leben schwer machen wollen.

Diablo 3 setzt natürlich nicht weniger auf das Zusammenspiel, dafür reicht ein Blick auf die nicht weniger spezialisierten Kämpferklassen. Wie ihr mit bis zu vier Leuten zusammenkommt, bleibt auch hier ganz euch überlassen, on- wie offline ist da viel möglich. Kombo-Moves mit anderen Spielern zusammen gibt es nicht in der Form, wie diese in Sacred bedacht wurden. Dafür jedoch hat Diablo 3 etwas zu bieten, mit dem Sacred erstaunlicherweise geizen wird...

LOOOOOT!!!

Während Diablo 3 ganz klar der Linie "je mehr Loot, desto besser" folgt und wie immer jedes nur denkbare Item angefangen von der Socke der Nutzlosigkeit bis hin zum Beidhändigen Götterspalter der Apokalyptischen Verwüstung alles im Programm hat, verzichtet Sacred 3 überraschenderweise weitgehend darauf. Stattdessen wählt ihr zum Start einer Runde einfach aus ein paar Items die aus, die am besten zu den Fertigkeiten passen, so wie ihr sie spielen möchtet, und das war es dann. Keine offene Welt, keine Item-Wut - die ja im zweiten Teil auch schon zurückgefahren wurde? Ist das noch Sacred?

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Fertigkeiten wie dieser Sensenwirbel stehen bei Sacred 3 klar im Vordergrund, Loot stellt sich hinten an.

Wiederum, müsst ihr für euch entscheiden. Ich denke, das Label ist verfehlt, aber der Inhalt muss ja nicht schlecht sein. Ob denn die Idee, den Spieler aus dem Inventar herauszuholen, aufgeht - und ob er das überhaupt je wollte - muss sich beim ausführlichen Test in Kürze beweisen. Das gilt auch für die Idee Fertigkeiten jede für sich im Laufe des Spiels auszubauen und vor dem Start einer Runde aus einem Pool auszuwählen. Dazu dann gibt es noch Fertigkeiten, die sich nur auf ein spezielles Szenario beschränken und zum Beispiel spezielle Buffs eines Bosses aufheben können. Da ihr immer nur einen Skill pro Szenario davon mitnehmen dürft, bleiben so ein paar neue Details für weitere Runden. In gewisser Weise individualisiert ihr nicht einen Helden, wie es bei anderen RPGs jeder Couleur der Fall ist, auch bei Diablo 3, sondern einen persönlichen Spielstil. Ich lasse mich gerne überraschen, wie gut das klappt. Es ist zumindest mal ein Ansatz, den es so in diesem Genre noch nicht gab, und der für die Shooter-Welt offensichtlich wunderbar funktioniert.

Pad und Pixel

Was die Steuerung angeht, werden hier für den PC-Spieler natürlich die letzten Bande abgerissen. Sacred 3 kann man auch anders spielen, aber es wurde ganz klar mit dem Pad im Hinterkopf entworfen. Folglich spielt es sich damit auch gut, zumal man sich für die Details durchaus bei der gelungenen Umsetzung von Diablo 3 auf der letzten Generation inspirieren ließ. Da es auch nicht so viele Items zu handhaben gibt, steht dem schnellen Spiel, auf das der Titel so deutlich abzielt, nichts im Wege. Bei Diablo 3 machte man sich ja schon auf PS3 und Xbox 360 sehr viele Gedanken, wie man neues Loot ausrüsten kann, ohne eine Koop-Runde durch ständige Ausflüge ins Inventar zu unterbrechen. Die simple Lösung ist das Durchschalten aller gerade gesammelten Dinge mit einer kurzen Einschätzung, ob sie besser sind als die eigene Ausrüstung. Sind sie das nicht, könnt ihr sie gleich abwerfen, vielleicht findet sie ja jemand anderes nützlich. Wie bereits zuvor und nun auch auf der Current-/Next-Gen - je nachdem, wie man das bald ein Jahr nach dem Start sehen möchte -, Diablo 3 ist auf der Konsole ein Traum von Spielbarkeit.

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Der große Unterschied auf den ersten Blick für jedermann: Das eine Spiel ist düster, das andere hell. Aber keine Sorge, auch Sacred 3 hat ein paar finstere Höhlen und Verliese zu bieten.

Schön, dass nun auch noch die Optik mitzieht. Große Unterschiede zeigen sich zwischen der PC- und der PS4-Version nicht mehr. Ganz im Detail mag es da Feinheiten geben, aber relevant sind sie sicher nicht. Vor allem scheint es wirklich flüssig zu laufen. Wie flüssig, das muss ein längerer Abschnitt als der gezeigte dann beweisen. Beweisen muss auch Sacred 3, dass es nicht nur auf dem PC was kann. Dort nämlich wirkt die Welt von Ancaria sehr farbenfroh, detailliert und voller kleiner und großer Effekte. Wie weit das auch für die PS3 und vor allem die beim zweiten Teil ganz schön ruckelige Xbox-360-Version gilt, werden wir in Kürze sehen.

Welches nehme ich denn jetzt...?

Es wird so oft nach Innovation gerufen und wenn sie dann da ist, wird sie auch verteufelt. Ob es jetzt allerdings wirklich eine gute Idee war, eine so konservative Gruppe wie die Sacred-Anbeter vor den Kopf zu stoßen und Nummer drei komplett umzukrempeln, da bin ich mir auch nicht so sicher... Ein gutes Spiel wird es, da habe ich wenig Sorgen. Vieles muss sich noch in größeren Spielsitzungen beweisen, vor allem der Reiz, auch wirklich diese Szenarios abzuarbeiten, statt eine Welt zu erkunden, aber doch: Ich bin zuversichtlich.

Diablo 3 muss sich nicht mehr beweisen. Obwohl ich selbst noch nie so richtig an den dritten Teil herankam, das Ding ist ausbalanciert, bereinigt und nun noch mal für die Next-Gen auf den Stand der Dinge gebracht, Reaper of Souls inklusive. Das ist ein großartiges Action-RPG, eines der besten über all die Jahre und diese neue Version wird daran nichts ändern. Und es ist mit seinem Loot und seinem Verständnis der Heldenindividualisierung weit konservativer als Sacred 3.

Ich denke, dass Diablo 3, auch auf PS4 und Xbox One, ganz sicher das bessere Spiel sein wird. Aber es könnte durchaus passieren, dass ich das "schlechtere" am Ende sehr viel spannender finde. Auch wenn es den "falschen" Namen trägt.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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