Fünf Dinge, die Mass Effect: Andromeda (Mass Effect 4) braucht und auf was es gern verzichten kann

Von Planetenerkundung bis Last-Gen-Support.

Nach drei Mass-Effect-Teilen in mehr oder weniger schneller Folge haben wir derzeit mal die Möglichkeit, ein wenig zu verschnaufen, während sich BioWare Gedanken um die Fortführung der Reihe macht. Bislang schweigt man sich zu dem Thema noch weitestgehend aus, aber auf der E3 gab es zumindest schon mal einen ganz kleinen Einblick in einige frühe Ausschnitte.

Und währenddessen kann man sich schon mal folgende Frage stellen: Was will ich eigentlich von Mass Effect 4? Gut, es wird zwar am Ende nicht einfach „Mass Effect 4" heißen, aber der Einfachheit halber bleiben wir erst einmal bei diesem Namen, bis BioWare den Vorhang lüftet.

Hinweis: Bevor ihr weiterlest, solltet ihr euch im Klaren darüber sein, dass euch hier womöglich der eine oder andere Spoiler erwartet.

Fünf Dinge, die Mass Effect 4 braucht

Planetenerkundung

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Der gute alte Mako.

Gebt es zu, die Planetenerkundung aus dem ersten Mass Effect hat euch in den beiden Nachfolgern genauso gefehlt wie mir. Okay, vielleicht nicht all die steilen Abhänge und Berge, die dem Mako und Spielern zu schaffen machten, aber die Erforschung der Planetenoberflächen verlieh dem ersten Mass Effect ein gewisses Gefühl von Größe, das den Nachfolgern fehlte.

Wenn man nun das Erkunden von Planeten zurückbringt, die dortigen Nebenmissionen sinnvoll mit der Hauptstory verknüpft und auch das Erforschen an sich entsprechend belohnt - Ressourcen und/oder Items -, bin ich der Erste, der jubelt. Und nur, um noch mal sicherzugehen: Bitte keine riesigen Gebirgsketten. Was für eine Rückkehr spricht, ist übrigens die Verwendung der Frostbite-Engine 3, denn die dürfte mit größeren Levels absolut keine Probleme haben. Und schließlich geht BioWare ja schon bei Dragon Age: Inquisition wieder mehr in diese offenere Richtung. Hoffentlich folgt man diesem Beispiel.

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Ein Bild aus BioWares E3-Video. Zugleich auch ein Hinweis auf größere Welten?

Mehrere spielbare Rassen

Dragon Age: Origins und Inquisition machen es vor - wie natürlich auch andere, ältere BioWare-Titel - und Mass Effect sollte nun nachziehen: Die Rede ist von mehreren wählbaren Rassen für den Hauptcharakter. Dass es in der ursprünglichen Trilogie nicht möglich war, ist der Geschichte rund um einen menschlichen Soldaten geschuldet, aber mit dem neuen Mass Effect ist es auch an der Zeit für einen Neuanfang, und mehre spielbare Rassen anzubieten wäre eine willkommene Neuerung.

Wobei es auch hier natürlich zum Kontext der Story passen sollte, aber es spricht auch nichts dagegen, dass zum Beispiel Aliens à la Star Trek auf Raumschiffen der Allianz dienen oder das Kommando haben könnten. Das hängt eben alles vom Setting ab. Bei einem First-Contact-War-Prequel würde es wenig Sinn ergeben, bei einem Spiel, das nach der Trilogie spielt, hingegen umso mehr. Möglich ist es sicherlich, man muss es nur wollen.

Weltraumkämpfe

Schon für die ersten drei Spiele wünschten sich viele echte Weltraumkämpfe, bei denen die Spieler selbst das Kommando übernehmen. Dazu kam es leider nicht, aber auch hier gilt eigentlich das Gleiche wie bei Punkt 2: Mass Effect 4 ist ein Neuanfang, für den man allerlei neue Ideen aufgreifen kann, die sich im Zeitrahmen der Original-Trilogie vielleicht nicht vernünftig umsetzen ließen, während man darum bemüht war, Zeitpläne einzuhalten. Weltraumkämpfe gehören da sicherlich dazu.

Und wenn man schon nicht das Schiff selbst steuert, könnte man doch zumindest halbwegs interaktive Weltraumkämpfe einbauen, in denen man einfach Befehle erteilt, ähnlich wie bei der Schlacht um die Citadel, als es um die Rettung der Destiny Ascension ging, nur eben deutlich erweitert und mit entsprechenden Auswirkungen auf der Grundlage eurer Anweisungen. Man könnte etwa entscheiden, ob man ein Schiff nur außer Gefecht setzt oder zerstört, ob man es plündert oder einfach zurücklässt oder was auch immer. Möglichkeiten gäbe es zu Genüge, aber am Ende muss es natürlich auch zum Spiel passen und nicht wie ein liebloses Feature wirken.

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Weltraumkämpfe selbst beeinflussen? Ja, bitte!

Keine galaktische Bedrohung

Nach den Reapern steht mir der Sinn ehrlich gesagt nicht erneut nach einer großen galaktischen Bedrohung, die den Frieden in der Milchstraße bedroht. Ich wäre mit einem etwas bodenständigeren, gut ausgearbeiteten und charakterisierten Widersacher vollends zufrieden. Es muss jemand Greifbares sein, der ein Gesicht hat und den man gut hassen kann, nicht irgendeine mysteriöse Macht, die irgendwo im Hintergrund ihre Fäden zieht. Aber gleichzeitig braucht er/sie/es auch gute Gründe für sein Handeln.

Zuletzt hat das BioWare bei einer Frage-und-Antwort-Runde zu Dragon Age: Inquisition selbst ganz zutreffend ausgedrückt: "Ich denke, die besten Bösewichter sind diejenigen, deren Handeln man nachempfinden kann", sagte BioWares Cameron Lee.

Ansprechende Panzerung

Nennt mich kleinlich, aber eine Sache, die mich an der Mass-Effect-Trilogie immer schon ein wenig gestört hat, war das Design der Panzerungen. Ein paar nette Sachen waren da durchaus dabei, aber den Großteil fand ich doch eher durchschnittlich-langweilig - und besonders im ersten Teil gab es farblich einige Ausrutscher. Ich bin jemand, der seinen eigens erstellten Charakter gerne in einer ansehnlichen, aber dennoch funktionalen und glaubwürdigen Rüstung sieht. Und davon gab es in der Mass-Effect-Welt eigentlich genug, aber nicht zwingend für Shepard selbst. „All the bad guys get the cool armors", schrieb mal irgendwo jemand als Kommentar. Ich denke da etwa an Tela Vasir aus dem Shadow-Broker-DLC oder den Shepard-Klon aus dem Citadel-DLC.

Auf dem PC kann man sich da mit Mods ein wenig selbst helfen (nachfolgend seht ihr ein paar Beispiele aus Mass Effect 3), aber allgemein wünsche ich mir hier mehr Mut zu einem vielleicht etwas ausgefalleneren, „cooleren" Design. Und bitte bloß keine Bonusrüstungen mehr, deren Helme sich nicht abnehmen lassen. Im ersten Mass Effect hat mir übrigens auch die Einstufung in leichte, mittlere und schwere Panzerungen (je nach Klasse) mit entsprechenden optischen Unterschieden beziehungsweise Abstufungen gefallen. Dieses System dürfte man gerne wieder aufgreifen.

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Links: Ashleys Panzerung. Mitte: Die Panzerung des Shepard-Klons aus dem Citadel-DLC. Rechts: Die Panzerung eines Cerberus-Phantoms mit anderer Textur und ohne Helm. Dazu ein hinzugemoddetes Headset.

Fünf Dinge, auf die es gern verzichten kann

Keine lächerlichen Sexszenen

Das Thema "BioWare und Romanzen" hat Björn ja bereits vor einigen Monaten ausführlich behandelt und in vielen Punkten stimme ich ihm da auch zu. Bisher hat es BioWare nicht wirklich vollbracht, wirklich durchweg überzeugende Romanzen und Sexszenen abzuliefern - wobei mir die Liara-Romanze und zugehörige Szenen noch am besten gefallen. Nicht dass man sie nun komplett streichen sollte, es ist immerhin ein relativ einzigartiges Spielelement, aber es gibt auch genügend Beispiele, wie man das Ganze stimmungsvoller, realistischer angehen kann. Mir fällt da beispielsweise The Witcher 2 ein. Und selbst die kurze Sexszene aus Wolfenstein: The New Order war besser als all das, was etwa ein Dragon Age 2 (bloß nicht die Unterwäsche ausziehen) zu bieten hatte. Dass man gleichgeschlechtliche Beziehungen und ähnliches ermöglicht, ist schön und gut für ein Rollenspielstudio, das gerne erwachsen sein will. Aber es fehlt alles in allem noch der letzte Schritt hin zu einer perfekten Umsetzung dieses Themas, das auch nicht vor etwaigen Kontroversen zurückschreckt. Mal sehen, was Dragon Age: Inquisition dahingehend zu bieten hat.

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Dass BioWare durchaus ansprechende Sexszenen umsetzen kann, hat man schon bewiesen. Leider nicht bei allen Charakteren und schon gar nicht in Dragon Age.

Weniger „Suchen und abliefern"-Quests

Dragon Age 2 und auch Mass Effect 3 hatten eine ganze Reihe von „Suchen und abliefern"-Quests zu bieten, bei denen ihr irgendwo während einer Missionen Zufallsgegenstand Nr. 08/15 findet, einsteckt und diesen dann bei irgendeiner bestimmten Person abliefert, dafür aber nicht wirklich viel mehr als ein bisschen Geld oder Erfahrungspunkte bekommt. Das sind zwar nützliche Dinge, aber richtige Nebenmissionen mit kleinen Geschichten und ein bisschen mehr Hintergrund wären mir einfach lieber, auch wenn es dann insgesamt vielleicht weniger wären. Es müssen ja keine ausufernden Abenteuer sein, aber selbst um solche Kleinigkeiten sollte man doch etwas Interessantes stricken können, das dem Spieler mehr bietet als nur „Hey, ich hab das hier gefunden, her mit der Belohnung. Tschüss."

Keine Punktzahl, die das Ende beeinflusst

Wie gut oder schlecht das Ende in Mass Effect 3 ausfiel, hing von einer simplen Punktzahl ab, die eure zur Verfügung stehende Unterstützung veranschaulichte. Nun, dass man ohne eine große Streitmacht weniger Aussichten auf einen Erfolg haben dürfte, ist nur logisch, allerdings hat es BioWare dabei etwas übertrieben. Anfänglich musste man entweder ein paar Multiplayer-Runden absolvieren oder via Begleit-App den Punktestand so weit pushen, damit es tatsächlich auch für das bestmögliche Ende reicht. Und dass ich die Geschichte verlassen muss, um mir den Erfolg zu sichern, sollte doch eigentlich nicht passieren. Später wurde der dafür erforderliche Punktestand zwar deutlich reduziert, dennoch sollte der Ausgang der Geschichte nicht an einer reinen Zahl festgemacht werden. Klar, im Hintergrund werkeln so oder so nur irgendwelche Zahlen und Variablen, aber vermittelt mir meine Erfolgschancen lieber über das Erzählerische, nicht über irgendeinen Punktestand.

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Bitte nicht nochmal, danke.

Kein Prequel

Welche Idee man auch immer für das nächste Mass Effect aufgreift - solange es kein Prequel wird, bin ich eigentlich schon zufrieden. Ich will, dass sich dieses Universum weiterentwickelt, Geschichten über die Vergangenheit kann man gerne in Kodex-Einträgen, Comics, Romanen oder womit auch immer erzählen.

Die jüngsten Aussagen lassen vermeintlich durchblicken, dass der neue Teil nach der Original-Trilogie spielt. Zumindest könnte man den Kommentar, dass euch das Spiel in eine „komplett neue Region des Weltraums" führen wird, so deuten. Denn in der Vergangenheit, etwa beim First Contact War zwischen Menschen und Turianern, wird man keine wirklich „neuen Regionen" finden. Dazu der gezeigte N7-Charakter, ein Kroganer, das alles spricht eher für eine Fortführung. Vielleicht also eine komplett neue Galaxie, die erforscht wird? „Wir glauben, dass die Fans der Serie überrascht davon sein werden, wie weit wir wirklich gehen", hieß es in BioWares E3-Video.

Last-Gen-Support

Ich kann es mir zwar eigentlich nicht vorstellen, aber ich hoffe, dass niemand bei EA oder BioWare auf die verrückte Idee kommt, mit Mass Effect 4 noch die letzte Konsolengeneration zu unterstützen. Das Spiel wird frühestens 2015 auf den Markt kommen und allerspätestens dann ist auch langsam, aber sicher die Zeit zum Loslassen der alten Konsolen gekommen. Letzten Endes werden die alten Systeme die Entwicklung der Spiele für neue Geräte nur noch länger ausbremsen, wenn man sie bei Multiplattformtiteln weiter unterstützt. Was bei einem Dragon Age: Inquisition, das eigentlich schon Ende 2013 erscheinen sollte, noch durchaus Sinn hat, sieht bei Mass Effect 4 aber eben schon anders aus. Insofern: Denkt gar nicht erst daran und holt aus dem PC und den neuen Konsolen das Bestmögliche heraus. Spiele wie Assassin's Creed: Unity oder Batman: Arkham Knight gehen hier mit gutem Beispiel voran.

7
Sieht nicht unbedingt nach Last-Gen aus.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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