Die Sims 4 - Test (ohne Wertung)

Lebhaftere Sims, kleinere Welt - wie ich die ersten Stunden erlebte.

Das Muster zu Die Sims 4 kam nicht gerade zeitig. Als wir das erste Mal Hand an die finale Version legen konnten, war sie bereits im Handel erhältlich. Aufgrund der kurzen Spieldauer können wir an dieser Stelle also noch nicht mit einer finalen Wertung aufwarten. Dennoch wollen wir euch unseren ersten Eindruck zur Spielbarkeit, Stabilität und Spaßfaktor der Lebenssimulation nicht vorenthalten. Mein Wochenende wäre hiermit verplant, damit ihr am Montag den abschließenden Test samt Wertung lest.

Das erste Problem gleich vorweg: Der Umfang ist nach fünfeinviertel Jahren regelmäßiger Sims-3-Erweiterungen eine Enttäuschung. Aber wie sollte es auch anders gehen? Wenn man ein frisches Fundament ausgießt, auf dem man etwas Neues aufbauen will, muss einfach einiges fehlen. Bitter ist es trotzdem, unmittelbar nach der Installation des Titels freudig auf kostenpflichtige "Neue herunterladbare Inhalte" hingewiesen zu werden. Fast fühlt man sich, als hätte man nur das Gerippe von einem Spiel gekauft. Der Ärger der Fans war vorprogrammiert und EA kann es niemandem verübeln, wenn er nicht noch einmal bei Null anfangen will.

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So habe ich auch geschaut, als ich feststellte, dass jeder Besuch neuerdings wieder einen Ladebildschirm zur Folge hat.

Dennoch muss man Die Sims 4 in erster Linie nüchtern als sauber verputzte und hoffentlich stabile Basis betrachten, auf der die nächsten fünf Jahre virtuellen Voyeurismus wie im Fluge vergehen. Wie gut das funktionieren wird, ist bis zu diesem Zeitpunkt nur schwer abzuschätzen. Nach gut zehn Spielstunden fällt das vorläufige Fazit aber verhalten positiv aus, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Der neue Sim-Editor ist eine Wucht - wie schon ausführlich von Björn gelobt -, die Bau-Tools sind ebenfalls mannigfaltig und intuitiver als zuvor. Stundenlang verliert man sich in gestalterischen Aspekten und fühlt sich sofort wie zu Hause.

Die umfassendsten Neuerungen erfuhren aber vor allem die Sims selbst. Nachdem im letzten Teil in erster Linie die Welt und Interaktionsmöglichkeiten aufgebohrt wurden, wollte Maxis diesmal den Hauptdarstellern selbst mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen. Das hat auf den ersten Blick ausgezeichnet funktioniert. Die nun multitaskingfähigen Mini-Menschen sind deutlich ausgeprägtere Individuen. Während sie jetzt mehrere Dinge auf einmal erledigen - eine große Erleichterung - verspüren sie Sehnsüchte und Launen. Diesen nachzugehen verschiebt ständig auf interessante Art den Fokus eures persönlichen aktuellen Spielziels. Es scheint einfach sehr viel mehr unter der Oberfläche dieser perfekt durchgestylten - oder betont lax eingekleideten - Figürchen zu passieren. Ihren Zielen und Sehnsüchten in die Karten zu spielen, gibt Die Sims 4 sehr viel mehr Richtung, nur wohin das dann letztendlich führt, ist noch nicht abzusehen.

"Im gebotenen Umfang macht man mit diesen komplexeren Simulanten auch nicht so entschieden andere Sachen als im Vorgänger."

Schön ist jedenfalls, dass die Sims erstmals auch ihren Gefühlen Ausdruck verleihen, was dem Miteinander einige überraschende Drehs verleiht, für Lacher und teilweise auch rührige Momente gut ist. Die Krux dabei: Im gebotenen Umfang macht man mit diesen komplexeren Simulanten auch nicht so entschieden andere Sachen, als man es von den Vorgängern gewohnt ist. Im Buhlen um einen angebeteten Sim hat man nun facettenreichere Möglichkeiten und auch mehr Fallstricke scheint es zu geben. Am Ende landet man aber doch nur für den ersten von vielen "Woohoo"s zusammen in der Kiste. So wie sie aktuell funktionieren, sind die neuen Sims überraschender und interessanter als zuvor, das stimmt. Diese neuen Vorzüge sind jedoch eher ein Versprechen für die Zukunft, als im Hier und Jetzt schon den maximalen Spielertrag abzuwerfen.

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Mit viel Charme und Herz ist Sims 4 trotz der Schwierigkeiten wieder ein schöner Geschichtengenerator.

Viel diskutiert wurde im Vorfeld auch über gestrichene Features vom fehlenden Geschirrspüler bis hin zur gestrichenen Kleinkindphase der Baby-Sims. Fakt ist, vieles davon wird sich mit kommenden Updates richten lassen, das meiste vermisste ich in der Praxis nicht einmal. Störender war da schon eher, dass die Spielwelt nun wieder in kleine Einzelbereiche unterteilt ist und sich EA damit vom Ansatz der offenen Welt abwendet, den der dritte Teil mit so großem Erfolg einschlug. Woran das liegt? Nun, die strukturelle Umstellung sorgt für ein modulareres Spiel, das sich leichter um neue Ortschaften und Features ergänzen lässt als zuvor. In Sims 3 bedeutete jedes Erweiterungspaket in gewisser Weise einen Neuanfang für den Spieler. Wenn in Teil vier hingegen nur neue Orte auf der Kartenübersicht hinzukommen, führt ihr euer Spiel nahtlos weiter.

Diese Persistenz ist zugegebenermaßen ein gewaltiges Plus, wird aber mit einer im Vergleich zum Vorgänger unnatürlich zerstückelten Spielwelt erkauft. Zwar wird eure komplette Nachbarschaft angezeigt, ihr verlasst sogar euer Haus und erkundet die Gegend. Sobald ihr aber das Heim nebenan betreten wollt, gilt das als Reise. Und bevor ihr dieses "neue" Spielgebiet zu sehen bekommt, bewundert ihr erst mal einen Ladebildschirm. Deshalb überlegt man es sich häufig zweimal, ob man nun das Haus verlässt oder sich auf den Weg macht, um unter Leute zu gehen. Fast wie im richtigen Leben, dem Spielfluss aber nicht zuträglich.

Nach dem Sim-City-Debakel wird Fans der Reihe immerhin freuen, zu hören, dass Die Sims 4 bisher sehr stabil lief. Ich musste mich über keinen Absturz ärgern, nur kleinere Bugs und selten feststeckende Figuren sorgten kurz für Stirnrunzeln.

Wie es mir weiter erging, lest ihr dann Anfang nächster Woche.

Hier findet ihr Cheats, Tipps und Tricks zu Die Sims 4.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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