The Crew - Und plötzlich bist du mit drei Russen auf der Flucht

This Land is your land, this land is my land...

This land is your land, this land is my land, from California to the New York Island, from the red wood forest to the Gulf Stream waters, this land was made for... vor mich hin summend an New Orleans vorbeigleitend fand ich langsam zu mir. Dann wurde ich zurückgerissen. Zurück in das ganze „Crew"-Gedöns, in eine „Handlung", die schon nach zwei Zwischensequenzen zeigte, wie belanglos manchmal harte Arbeit enden kann. Egal, sie schufen auch eine der beeindruckendsten Freifahrtumgebungen. Das Wichtigste ist geschafft. Es sieht nach was aus, es fühlt sich gut an, jetzt lasst mich in dieser riesigen Welt einfach allein und mich vor allem mit der „Crew" in Ruhe. Ich bin raus, Mann, die Gang bedeutet mir nichts mehr, ich will nur noch Cruisen und dafür ist dieses Leben da.

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Woodie Guthrie muss jedoch warten. Was soll man aber auch machen. Fragt ruhig Carlito, einmal im Geschäft und in der Crew gibt es kein Zurück. Am Ende bist du mit drei Russen auf der Flucht mitten in den Sümpfen des Bayous, kurvst verzweifelt deinen F150 durch den Schlamm und hoffst, dass sie dich nicht kriegen. Wer auch immer. Hauptsache als Erster am Anleger, Kleinfeld wartet sicher schon, irgendwo ist immer ein Taglialucci. Auf ins Gebirge, es wartet immer ein letzter Job, bevor man endlich raus kann. Durch die Nacht donnerte ich meinen drei unwahrscheinlichen Schicksalsgefährten hinterher. Wie in einem schlechten Bond-Rip-off durch den Schnee Colorados, zwischen Bäumen hindurch, meist gegen sie, gefrustet hinter einem flüchtigen Typen her. Soll er entkommen, godspeed und mögest du deinen Weg finden, in einem anderen Leben wären wir vielleicht Freunde gewesen. So aber versuche ich wenigstens pro forma, ihn zu stellen, die Crew verlangt es. Wir scheitern hoffnungslos, kratzen kaum seinen Lack an, dann ist es endlich vorbei.

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Ich drehe ab. Ich setze den Kompass nach Westen. Das Land zieht sich wunderbar eintönig dahin, es spielt die Symphonie des im Motorensound Fallenlassens, wie nur die Route 66 sie beherrscht. In dem 67er von der Cadillac-Ranch genieße ich die Entschleunigung meines vorherigen Lebens. Meine „Crew", meine russischen Freunde haben nun einen der ihren zum Anführer bestimmt. Es ist gut so, ich werde sie nicht verfolgen, sie werden mich nicht suchen. Ich erreiche schließlich Arizona, und das geht nicht ohne den Strip wenigstens einmal durchzurauschen und das Kaleidoskop falscher Versprechen in Neon an sich passieren zu lassen. Es geht nach Norden. Zeit, Bat Country zu verlassen, Drive Slow bis Reno, my car's like the movie, ich weiß nur nicht welcher, die Auswahl ist manchmal zu groß.

Zeit, off the grid zu gehen. Den Tahoe-National-Park sehe ich in erster Linie aus schwierigen Winkeln. Gelegentlich kullert der F150 mehr den Hügel herunter, als dass er fährt, aber es geht immer weiter, es gibt keine Barrieren mehr. Die Crew ist unendlich weit weg und nichts hält mich hier auf. Nicht einmal mehr die Zeit selbst. Zeit, einen Bären zu verfolgen. Hey, kleiner Bär, brauchst nicht zu rennen, ich will dich nicht überfahren. Hier in den Wäldern könnte ein Mann glücklich sein. Nur er, die Wildnis und ein paar Bären und Hirsche. Genug Zeit vertan, weiter nach SF.

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Als ich durch Wine Country kreuze, ist es leicht zu verstehen, warum mal jemand sagte, dass man hier einmal leben sollte, um es zu genießen, aber dass man dieses Land hinter sich lassen muss, bevor es einen verweichlicht. Die Sümpfe scheinen nur noch wie ein alter Traum, ich drifte an Sacramento vorbei, ein Stück nach Süden, will mich San Francisco über die 101 nähern. Take a drive, baby, up the coast, Highway 101 yeah. Am Ende ist es nur Asphalt, das Wasser links ist die erste Grenze, auf die ich seit langer Zeit traf. Ich heiße sie fast willkommen, als ich nach Frisco rolle. Man kann sich hier schon verlieren. In „The Crew".

(Fürs Protokoll: Die drei Russen waren nette Kollegen aus ebendiesem Land, sie waren nicht Teil der Handlung von The Crew. Ich habe keine Ahnung, was die Handlung von The Crew ist. Es kann sein, dass es dort drei nette Russen gibt. Ich werde es nie erfahren, denn man kann die Zwischensequenzen wegdrücken. Schon jetzt möchte ich mich dafür bei den Programmierern bedanken, das wird unter positive Features verbucht! Ein Rennspiel mit Handlung... Ich werde es nie verstehen.)

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Über den Autor:

Martin Woger

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