Pokemon Omega Rubin und Alpha Saphir - So müssen Remakes aussehen

Der Sammelwahn geht weiter.

Auf Pokemon X und Y folgte ein kleiner Burnout. Spaß hatte ich auf jeden Fall mit der ersten 3DS-Iteration. Allerdings verspürte ich anschließend keine große Lust auf weitere Episoden. Die Ankündigung von Omega Rubin und Alpha Saphir, Remakes der dritten Generation, ließ mich daher ziemlich kalt, zumal ich keine nostalgischen Gefühle für die Original-GBA-Titel empfand. Ich konnte mich nicht einmal daran erinnern, welche Edition vor mittlerweile zwölf Jahren in meinem Handheld steckte.

Meine fehlende Euphorie kehrte beim Spielen jedoch schnell zurück. Denn die Neuauflagen haben ein Feature, das mich die Reise durch die Hoenn-Region auf eine neue Art erleben ließ. Das Zauberwort: Poke-Multi-Navi. Dieser zeigt neben den üblichen Informationshäppchen zu allen Taschenmonstern auch Details zu ihren Fundorten.

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Optisch fast gar nicht mit dem Original vergleichbar.

Ihr erkennt sofort, in welchen Gebieten ihr das Pokemon antreffen könnt. Zudem zeigt eine Karte des jeweiligen Areals, ob ihr dort bereits jedes Kampftier gesehen habt. Ganz schlimm für mein OCD-Spielverhalten. Statt bloß dem linearen Pfad zu folgen und höchstens ein paar Monster im hohem Gras zu verknüppeln, stolzierte ich wesentlich länger durch die aufgehübschten Schauplätze. Es gab mir eine neue Motivation, da ich nun genau wusste, nicht alles entdeckt zu haben.

Zwischendurch sieht man immer wieder Pokemon, die mit einem Körperteil aus dem Gras oder Wasser ragen. Der Poke-Multi-Navi zeigt auf Wunsch die Spezialfähigkeit dieser Kreatur an. Schließlich startet jedes Pokemon derselben Art nicht mit den gleichen Werten oder Attacken. Besondere Exemplare erkennt man so wesentlich schneller, wodurch sich die Suche nach besonderen Variationen angenehmer und zugleich aufregender gestaltet. Man läuft nicht länger planlos umher und hofft, zufällig ein besseres Ausgangspokemon zu finden. Es passiert nebenher und die neue Hilfestellung regt die Motivation an. Auch Leute, die zuvor nicht einmal von unterschiedlichen Varianten des gleichen Pokemons wussten, erleben so einen stärkeren Drang zum Sammeln.

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Die neuen Mega-Evolutionen dürften vor allem viele alte Fans begeistern.

Ansonsten beweist Nintendo wieder einmal Liebe und Sorgfalt, wenn es um Remakes alter Klassiker geht. Omega Rubin und Alpha Saphir teilen sich eine Engine mit Pokemon X und Y. Viele Orte erkennt man auf den ersten Blick gar nicht wieder, weshalb sich die Hoenn-Region fast wie eine vollkommen neue Welt anfühlt.

Aber nicht nur die Optik passte man den Standards vergangener Editionen an. Die aufpolierten Versionen orientieren sich auch auf spielerischer Ebene an den 3DS-Episoden. Demnach darf man seine Kampfmonster wieder unterwegs anhand verschiedener Minispiele trainieren oder ihre Affektion zum Trainer steigern. Auch die beiden Protagonisten übernehmen einige Tricks und sind in ihren Bewegungsmustern nicht länger an geradlinige Pfade gebunden, sondern sprinten auf Knopfdruck frei in sämtliche Richtungen.

Langjährige Fans der Reihe freuen sich darüber hinaus auf frische Mega-Evolutionen, die in Pokemon X und Y eingeführten vierten Entwicklungsstufen mit ausgesprochen wilden Designs. Außerdem eine gute Nachricht für alle Sammler: Besitzt ihr die 3DS-Ableger aus dem Vorjahr, könnt ihr in Kombination mit den Remakes alle bisher erschienenen Pokemon fangen. Und wem das nicht genügt, der darf sich obendrein über das süße Cosplay-Pikachu freuen, dem ihr niedliche Kostüme anziehen dürft. Ursprünglich erdacht für eine Form des Schönheitswettbewerbs, setzt ihr die Outfits ebenfalls in normalen Kämpfen ein. Wer vorher keinen gelben Nager in seinem Team hatte, der wird sich jetzt noch schwerer dem populären Aushängeschild entziehen können. Glaubt mir, ein Pikachu in Wrestler- oder Professorklamotten wollt ihr nicht missen.

Generell scheinen Omega Rubin und Alpha Saphir mehr Inhalte als jede andere Iteration zu haben. Einige davon gehen kaum über den Status einer netten Idee hinaus, doch vor allem der Poke-Multi-Navi ist eine großartige Erweiterung, die endlich frischen Wind in den eingestaubten Ablauf bringt. Natürlich ändert sich an der üblichen Progression nichts. Wie in jedem Teil folgt ihr den vorgegebenen Routen zu acht Arenaleitern, durchkreuzt auf dem Weg die Pläne einer bösen Organisation und tretet letztendlich gegen die Top-Vier an.

Wirklich wichtig ist allerdings die Reise an sich. Und genau hier punkten beide Remakes mit frischen Verbesserungen, die selbst mir als Pokemuffel neuen Antrieb verliehen. Nach meiner Anspielzeit mit Omega Rubin und Alpha Saphir freue ich mich wieder auf die fertigen Versionen und blicke dem Erscheinungstag nicht länger mit einem Schulterzucken entgegen. Schon seltsam, wie ein Remake den größten Innovationsanstoß für eine Serie leisten kann.

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Über den Autor:

Björn Balg

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Redakteur

Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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