Fred Chesnais über die Rückkehr Ataris: "Ich will keine Shooter machen"

Gehören nicht zur "DNA" Ataris.

Es war ein langes Siechtum, das Atari unter der Schirmherrschaft von Infogrames Ende der 2000er durchmachte. Die Wiederbelebung von Marken wie Test Drive und Alone in the Dark gelangen nicht wie erwartet und überhaupt schien der Publisher den Herausforderungen des neuen Marktes um Xbox 360 und PS3 nicht gewappnet.

Nachdem die Marke mehrfach den Besitzer wechselte, folgte Anfang 2013 die Insolvenz, aus der man nun unter Fred Chesnais, der bereits von 2001 bis 2007 dort tätig war, gesund geschrumpft hervorgeht und einen neuen Anfang wagt. Wir unterhielten uns mit dem Franzosen am Rande der Excellence in Gaming Konferenz - EIG - in Berlin, um mehr darüber zu erfahren, wie sich Atari wieder am Markt positionieren will. Einen lukrativen Start hat das Unternehmen mit Rollercoaster Tycoon auf iOS bereits hingelegt.

Also, wie sieht Atari anno 2014 überhaupt aus?

"Wir haben sehr kleines ein Team von Ausführenden Produzenten", erzählt Chesnais. "Das Ziel ist nicht, Tausende Entwickler zu haben. Ich war ja schon von Anfang bis Mitte der 2000er dabei, da hatten wir über 2000 Angestellte. Das ist heute nicht unser Ziel. Heute wollen wir ein Modell verwenden, in dem wir als Ausführende Produzenten fungieren."

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Fred Chesnais, CEO von Atari

Soll heißen, Kontrolle über die Marke, Strategie und Koordination der Entwicklung von Spielen mit bekannten Namen.

"Wir arbeiten mit sehr guten Studios zusammen, um die Spiele zu entwickeln. Ich finde, dieses Modell ist flexibler und erlaubt uns, schnell die besten Talente zu erreichen, ohne sie anzustellen. Es ist ein sehr interessantes Modell"

"Unser Plan ist, die alten Marken aufzufrischen", verrät Chesnais. "Damit meine ich, sie ins aktuelle Spieleumfeld zu holen, mit Online- und Social-Features, und ihre Geschichten neu zu erfinden. Und natürlich nutzen wir auch neue Plattformen, zum Beispiel indem wir Rollercoaster Tycoon auf iOS veröffentlichten, das sowohl in den USA als auch UK Nummer eins der Charts war und das gerade auf Android herauskam. Und Anfang 2015 kommt auf dem PC Rollercoaster Tycoon World heraus."

Eine Nummer eins im App-Store ist für ein so kleines Unternehmen definitiv ein guter Start und der anstehende Launch auf dem PC - ohne Mikrotransaktionen und Online-Zwang, wie Chesnais betont - ist bei einem Franchise mit so viel ungebrochener Zugkraft, gerade im PC-Segment, durchaus viel versprechend.

Mitte November steht bereits der Start der nächsten großen, altgedienten Marke an, wenn Alone in the Dark: Illumination für PC erscheint. Chesnais hegt große Hoffnungen für den Titel, wenngleich die Neuausrichtung als Koop-Spiel zunächst nicht gerade Vertrauen erweckt.

"Unsere zweite große Marke ist Alone in the Dark für den PC, mit Online-Koop. Aber man kann auch alleine und offline spielen. Wir zwingen die Spieler nicht, den Online-Modus zu nutzen", will Chesnais unmissverständlich klarmachen. "Ich denke, das ermöglicht sehr interessantes Gameplay. Man spielt als Viererteam aus Hunter - Edward Carnby -, Priester, Ingenieur und Hexe. Aber man muss nicht diese Klassenzusammenstellung wählen, kann auch zu dritt, zu zweit oder eben "alone in the dark" spielen, die ultimative Leistung im Spiel." Ein interessanter Gedanke, obwohl der Name des zuständigen Studios "Pure FPS" gerade bei dieser Marke für eine zu einem Fragezeichen verzogene Stirnfalten sorgt. Der Test später diesen Monat wird Klarheit bringen.

Komplettiert wird die erste Phase der Wiederbelebung jedenfalls durch eine Neuauflage des VCS-2600-Spiels Haunted House für PC und ein bislang unangekündigtes Survival-Spiel im Weltraum, ebenfalls PC. Ein durchaus breit gefächertes Portfolio, die Abwesenheit von Konsolentiteln fällt allerdings auf. Wie sich herausstellt, sind PS4 und Xbox One schlicht noch nicht Teil von Ataris Strategie.

"Auf Konsolen sind wir bislang noch nicht vertreten, weil wir noch darauf warten, dass die installierte Nutzerbasis wächst. Es ist zu Beginn des Zyklus sehr schwierig, auf ihnen Geld zu verdienen, während die Zahl der Konsolen noch in der Wachstumsphase ist, wenngleich sie dieses Mal sehr schnell wachsen. Wir werden sehen, wir beobachten das und werden Spiele auf Konsolen in Angriff nehmen, wenn die Zeit reif ist."

Bleibt natürlich noch die Frage, ob Chesnais einigen Marken hinerher trauert, die der Hersteller im Zuge der finanziellen Schwierigkeiten und Quasi-Auflösung abgeben musste und die er heute gut gebrauchen könnte?

"Ich hätte gerne Battlezone behalten, das war ein großartiges Spiel. Ebenso Total Annihilation. Aber so war das eben. 2013, als ich die Firma übernahm, war sie insolvent, es musste also Geld her", erinnert er sich. Gleichzeitig verweist er aber auch darauf, dass Atari noch immer über 300 IPs besitzt. "Da sind einige tolle Sachen sind dabei. Wie etwa Dark Chambers, Fatal Run, Major Havoc - ein großartiges Spiel -, Warlord, für das wir gerade ein Konzept entwickeln, Adventure und Combat. Ninja Golf [lacht]. Es gibt also noch viele Sachen, die wir machen können."

"Das Gute ist, wir haben genügend Ideen. Wir haben ein gutes Team, ich habe eine große Leidenschaft für Spiele, wenn ich morgens aufstehe, ist es genau das, was ich tun will. Ich bin kein Produzent, mein Job ist es, die Mittel und Wege zu finden, um Dinge zu ermöglichen. Mir geht es darum, die Richtung zu bestimmen und zu sagen, ich weiß, was ich nicht machen will und dazu gehören auch Shooter, denn das ist nicht Teil unserer DNA."

Und auch einem anderen Genre erteilt er, mit einer möglichen Ausnahme eine Absage:

"Ich glaube nicht, dass wir noch Rennspiele machen wollen. Uns gehört ja noch Test Drive und das ist toll, aber wir werden kein neues Rennspiel-Franchise mehr machen", so Chesnais. "Wir hatten bis zu sechs Rennspiele zugleich, Test Drive, Nascar, Driver, Grand Prix, V-Rally und das sechste fällt mir gerade nicht ein. Aktuell reicht uns Test Drive."

"Heute interessiert uns Mobile, PC und großartige IPs zu haben, um in der Branche relevant zu werden. Wir müssen nur schauen, was wann Sinn macht. Gut Ding will Weile haben. Schau' dir den Trailer zu Rollercoaster Tycoon World an, da steht genau das. 'Gut Ding will Weile haben, aber auf die besten Dinge im Leben lohnt es sich auch, zu warten'.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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