Super Smash Bros. Wii U - Test

Verhilft zu neuen Freundschaften

Lokaler Multiplayer, also mit ein paar schubsenden Freunden die Ehre auf der Couch per Pad verteidigen ist euer Ding? Super. Kaufen.

Für mich gibt es nur eine korrekte Weise, auf die man Super Smash Bros. spielen sollte: mit Freunden. Melee war damals ein halbes Jahr lang mein einziges Spiel für den Game Cube. Vor dem Erscheinen der neuesten Ausgabe für die Wii U kramte ich den alten Würfel hervor, entstaubte meine Memory-Card und legte die leicht zerkratzte Disk in die lilafarbene Konsole. Nach einem kurzen, von Nostalgie getriebenen Wie-kann-das-schon-zwölf-Jahre-her-sein-Moment warf ich einen Blick auf die alten Statistiken: 853 Stunden im Multiplayer-Modus verbracht. Und das allein auf meiner Speicherkarte .

Kein Wunder, fungierte Super Smash Bros. Melee als ein Klebstoff für Freundschaften. Unzählige Wochenenden hockte ich zusammen mit Klassenkameraden vor dem Bildschirm, nur um für die nächsten 48 Stunden das Sonnenlicht zu meiden, so gut es ging. Durch den gemeinsamen Bund eines besonderen Spiels entstanden Kameradschaften, langjährige Kumpanen, die ich noch heute zu meinen besten Freunden zähle. Wäre das auch ohne Super Smash Bros. passiert? Wer weiß. Natürlich hatten wir auch außerhalb von Smash viele Gemeinsamkeiten und Interessen. Jedoch bildete Melee einen zentralen Treffpunkt gleichgesinnter Jungen, die sämtliche Alltagssorgen während der blitzschnellen Gefechte vergaßen und sich nebenher in den wildesten Diskussionen verwickelten. Wenn es nicht für den grundlegenden Bund von Freundschaften sorgte, so verhalf es zumindest zu einer stärkeren Bindung.

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Mit acht Spielern eine unschlagbare Erfahrung.

Gerade deswegen gehört die Serie für mich zu den wichtigsten Spielen meines Lebens. Sie definierte nicht bloß einen Großteil meines Geschmacks, sondern war jahrelang ein wichtiges Bindemittel für soziale Kontakte, selbst wenn mich meine Mutter die Hälfte dieser Wochenenden lieber vor die Tür geschickt hätte.

Leider verlor der lokale Multiplayer-Modus in den vergangenen Jahren immer mehr an Priorität für Entwickler und gilt mittlerweile als sonderbares Relikt alter Tage, wenn er doch irgendwo auftaucht. Nintendo besitzt mit der Wii U derzeit wohl die letzte große Festung des Couch-Koops und das neue Super Smash Bros. fokussiert sich mehr darauf als jeder andere Titel. Schöpfer Masahiro Sakurai versteht den fundamentalen Reiz seines Spiels und gibt uns in seinem aktuellen Werk das bedeutendste Geschenk: 8-Spieler-Koop.

Was sich im ersten Moment und sogar beim ersten Betrachten des Bildschirms nach ziemlich viel Chaos anhört, entpuppt sich schnell als Offenbarung. Es ist unfassbar hektisch, eine totale Reizüberflutung und sorgt deshalb für euphorische Schreie im Wohnzimmer. Zum Glück passte man die Karten der verdoppelten Spielerzahl an. Und alte Klassiker wie Hyrule-Tempel fühlen sich jetzt an, als hätte das Entwicklerteam sie ursprünglich für diesen Modus konzipiert. Verteilte Kämpfe entwickeln sich an konzentrierten Eckpunkten, verschmelzen zwischendurch zu gigantischen Cartoonkabelleien im oberen Bereich, bevor sich schlussendlich ein Spieler als erfolgreicher Sieger herauskristallisiert.

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Detailverliebtheit: Jede Figur zeigt ihre Persönlichkeit anhand ausgezeichneter Animationen.

Wenn ihr Super Smash Bros Wii U spielt, müsst ihr wenigstens einmal dieses triumphale Gefühl erleben. Immerhin habt ihr freie Wahl bei den Controllern. Besorgt euch zwei Game-Cube-Controller-Adapter für ein authentisches Erlebnis oder variiert mit alten und neuen Steuerungseingaben. Ich persönliche favorisiere ganz klar das optisch seltsame Game-Cube-Pad, aber alle anderen Eingaben funktionieren ebenso problemlos.

Wo wir gerade bei der Bedienung sind. Obwohl ich mit der 3DS-Version überhaupt keine Probleme hatte, offeriert allen voran der Game-Cube-Controller eine nicht zu verkennende Verbesserung des Spielgefühls. Bewegungen funktionieren noch flüssiger und gehen direkter auf die Charaktere über. Kompliziertere Angriffsmuster lassen sich einfacher ausführen, wodurch man bei schnelleren Figuren wie Fox oder Marth eine stärkere Kontrolle verspürt. Da das restliche Gameplay identisch zur Handheldfassung ist, brauche ich darauf nicht weiter einzugehen. Mehr Information dazu lest ihr im Smash-Bros-3DS-Test.

Viel wichtiger sind die inhaltlichen Unterschiede und Neuerungen. Zwar besitzt die Wii-U-Fassung dieselbe Charakterliste, schenkt euch dafür allerdings eine Reihe neuer Arenen. Tragt eure Schlachten auf einem der leicht abgerundeten Planeten aus Super Mario Galaxy aus oder zofft euch auf der Tragfläche eines Pilotwings-Flugzeugs. Sogar viele beliebte Stages aus älteren Serienteilen kehren exklusiv zurück. Darunter einige meiner persönlichen Favoriten wie Onett, Luigi's Mansion oder Congo Jungle. Eine wundervolle Mischung aus neuen und alten Austragungsorten.

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Setzt die Amiibo-Figur kurz auf das Wii-U-Tablet, um euren persönlichen KI-Kollegen in das Spiel zu übertragen.

Bei den Modi hat sich ebenso einiges getan. Die wohl größte Erweiterung ist die Rückkehr der Events. Hier frustet ihr euch wie früher durch Dutzende Herausforderungen mit total bekloppten Anforderungen. Bringt als Pummeluff kleinere Versionen anderer Figuren zum Einschlafen oder helft Luigi bei der Verarbeitung seines Minderwertigkeitskomplexes. Um die harten Aufgaben ein wenig freundlicher zu gestalten, dürft ihr nun zwischen drei Schwierigkeitsgraden wählen, die eure abschließende Belohnung beeinflussen. Zudem schaltet jede absolvierte Challenge mehrere Aufgaben gleichzeitig auf einer riesigen Pinnwand frei.

Kleine Änderungen erfolgten derweil beim Classic-Modus. Hier ist euer Ziel weiterhin der Sieg gegen Master Hand und Crazy Hand, doch der Weg dorthin durchzog sich einer Anpassung. Statt auf festen Pfaden zu stapfen, wählt ihr das nächste Gefecht frei auf einem Spielfeld und könnt sogar jederzeit auf Wunsch gegen einen Rivalen antreten. Im Kern grundlegend der gleiche Ablauf, erzielt die neue Aufmachung und erhöhte Freiheit eine deutliche Verbesserung.

Wer von den beiden tödlichen Handschuhen dort nicht genug bekommt, darf sich ihnen in zwei separaten Spielarten widmen. Während ihr bei Master Hand zufällig generierte Herausforderungen auswählt, müsst ihr unter den Befehlen von Crazy Hand eine Reihe verschiedener Aufgaben bewältigen, bevor ihr schließlich gegen den irren Fingerkünstler antretet. Solltet ihr in der finalen Auseinandersetzung den Kürzeren ziehen, verliert ihr alle zuvor gesammelten Belohnungen. Beide Modi sind sich recht ähnlich, beweisen durch ihre distinkte Aufteilung hingegen ein Gespür für das variierende Verlangen verschiedener Spielergruppen.

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Der einzig große Patzer: Smash Tour.

Das gleiche Prinzip zieht sich wie auf dem 3DS ebenso durch den Online-Multiplayer-Modus, der sich in zwei Lager aufteilt. Prügelt entweder unter dem vom Zufall getriebenen Faktor der kunterbunten Items oder schlagt euch auf den von Gegenständen befreiten Omega-Versionen bekannter Karten. Wie stabil die Kämpfe hierzulande ablaufen, kann ich zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen. Bisher durfte ich nur gegen amerikanische Spieler antreten, was einen deutlichen Einfluss auf die Latenz meiner Eingaben hatte. Über die Spielbarkeit des Acht-Spieler-Modus braucht ihr euch derweil keine Gedanken zu machen, weil dieser online nicht unterstützt wird. Verständlich bei einem Chaos, das den Titel bereits offline an seine Grenzen treibt.

Für einen großen Fehler halte ich dagegen den Austausch von Smash Run gegen Smash Tour. Beide besitzen den gleichen Grundgedanken: Alle Spieler sammeln in einem Zeitraum von knapp fünf Minuten so viele Power-ups wie möglich und treten anschließend unter zufällig ausgewählten Bedingungen gegeneinander an. Wo Smash Run freie Kontrolle auf einer riesigen Karte erlaubt, bindet Smash Tour die Charaktere an ein Spielbrett. Kurze Minigefechte erfolgen mit deutlich spürbaren Pausen und entziehen das flotte Tempo der 3DS-Variante. Smash Tour wirkt wie ein erzwungener Fehlversuch, Kunden einen weiteren Grund für den Kauf beider Versionen zu geben. Lieber hätte ich mir eine neue Kampagne ähnlich der aus Brawl gewünscht, die hier allein durch Abwesenheit glänzt.

Falls ihr euch fragt, wie gut der Einsatz von Nintendos neuen Amiibo-Figuren funktioniert, habe ich gute Neuigkeiten. Zwar konnte ich selbst keine der kleinen Spielzeuge ergattern, doch in diversen Foren tauchen die positiven Früchte erster Experimente auf. Anscheinend kopiert die künstliche Intelligenz der virtuellen Sparringpartner tatsächlich die eigene Spielweise. Demnach könnt ihr mehrere Charaktere unterschiedlich trainieren und erhaltet jedes Mal andere Resultate. Eine ziemlich interessante Entdeckung, die zukünftig sogar Auswirkungen auf spezielle Turniere haben könnte. Ob sich dafür der Eintrittspreis von 15 Euro pro Figur lohnt, muss jeder selbst entscheiden.

Nach den Qualitäten der 3DS-Version hatte ich mir um die Wii-U-Fassung keine Sorgen mehr gemacht und bin daher keineswegs von dem hohen Niveau überrascht. Einige Zusätze wie neue Arenen oder Modi erweisen sich trotzdem als wunderbare Ideen, auch wenn ich in meinem Leben keine Runde Smash Tour mehr spielen werde.

Aber das muss ich auch nicht. Denn Super Smash Bros. Wii U gibt mir genügend Inhalte, mit denen ich mich problemlos für die kommenden Wochen beschäftigen kann. Vor allem das Freischalten aller Trophäen und neuen Herausforderungen motiviert erneut ungemein.

Der wichtigste Punkt ist allerdings die glorreiche Fokussierung auf lokale Multiplayer-Schlachten und damit das Herz der Serie. Zusammen mit sieben weiteren Freunden gequetscht in einem Zimmer zu hocken und wie vor über einer Dekade bis zum Morgengrauen zu spielen, erinnert mich daran, warum ich Videospiele liebe. Nicht nur als teilweise trivialen Zeitvertreib, sondern als ein Medium, das Leute zusammenführt und Freundschaften festigt. Danke dafür.

9 /10

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Über den Autor:

Björn Balg

Björn Balg

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