The Crew - Der Startschuss

Allein verzweifeln, gemeinsam durchquälen, zu zweit siegen, allein genießen.

Da ja inzwischen hinlänglich bekannt ist, dass auch Spieleredaktionen keinen verfrühten Zugriff auf Ubisofts The Crew hatten, muss ich nicht groß erklären, warum hier kein Test samt Note steht. Nur eine erste Erfahrung. Und die bestätigt zumindest Ubisofts Gründe, hier nicht in einer leeren Welt zu starten. Eure Crew ist nämlich wichtig. Nicht, weil es im Koop mehr Spaß machen würde, mitunter sogar weniger, aber es gibt ein paar Missionen, die allein praktisch nicht zu schaffen sind. Womit dann auch der Spielfortschritt stoppt. Für die Kampagne. Zwangsgemeinschaften müssen gebildet werden, denn wer es schafft, in einer annehmbaren Zahl von Wiederholungen eine der Scramble-Missionen zu bewältigen, genießt meinen Respekt.

In diesen sollt ihr ein gegnerisches Fahrzeug so oft rammen, bis es nicht weiter kann. Je besser, sprich rabiater und mit mehr Schwung ihr es erwischt, desto schneller ist es vorbei. Läuft dagegen der Zeitzähler ab, war es das für euch. Klingt simpel, wird aber schnell zu einer echten Herausforderung, da die Objekte in der Welt von The Crew zwei Zustände kennen: Papier und Stahlbeton. Trefft ihr auch nur auf eine einzelne Ecke von Letzterem - was in der zugestellten Welt von The Crew schnell mal passieren kann -, verliert ihr wertvolle Sekunden auf das flüchtende Fahrzeug und dann "viel Glück", es noch zu schaffen. Wenn vier Leute, also eine Crew, das zusammen erledigen, ist es nicht so schlimm, wenn einer mal ausfällt. Solange die anderen drei es packen, ist die Mission geschafft, auch wenn ihr nicht viele Punkte sammelt. Fantastisch, also warum alleine los, vor allem, wenn es einen Instant-Koop gibt, der vier Spieler simpel zusammenwirft und fahren lässt?

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Dominierende Aspekte, Bauweisen und Details der einzelnen US-Gegenden wurden treffend eingefangen und geschickt auf eine sinnvolle Spielwelt-Größe komprimiert.

Nun, weil es natürlich nicht so einfach ist. Grundsätzlich scheinen die Server sowohl auf Xbox One als auch auf PS4 stabil zu laufen, ich bekam nur einmal die mystische Fehlermeldung "0_1". Spiel verlassen, noch mal starten, weg war sie und ich im Spiel. Um es noch mal deutlich zu sagen: The Crew könnt ihr nur - und ich meine "NUR" - mit einer Internet-Verbindung spielen, selbst wenn das Spiel an sich Solo durchspielbar ist. Theoretisch wenigstens.

Zurück zur Instant-Crew. Auf der PS4 ist es etwas besser, aber auf der Xbox ist es zum Verzweifeln. Schon im zweiten Story-Scramble fand sich hier gar kein zweiter Spieler und das für eine Stunde. Auf der PS4 erbarmte sich dann doch mal einer. Mit vier Spielern insgesamt bin ich noch kein einziges Rennen gefahren, das Spiel war scheinbar schon froh, wenn es einen zweiten Fahrer gab, mit dem es mich starten lassen konnte. Dann folgten die Lags. Die Framerate von The Crew auf den beiden Konsolen ist so schon oft genug nicht berühmt, vor allem sobald ihr mal wirklich aufs Gas tretet. Aber dann auch noch hopsende Mitfahrer um einen herum ist schon anstrengend. Das legt sich nach den initialen zehn Rennsekunden meist, aber in der Zeit findet meist das erste Chaos schon in der Kurve statt. Also neu sortiert und durchgestartet. Nur nicht den Mitspieler ganz verlieren, ein Gegner muss endlich dran glauben, damit es weitergeht.

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Jedes Auto hat sein eigenes Cockpit und dieses sieht auch ganz nett aus, selbst wenn die Modelle generell nicht mit Forza oder DriveClub konkurrieren können.

Hier ist der Haken an der ganzen Crew-Kiste. Ja, Koop ist spaßiger, aber es muss auch einen Sinn haben. Viele der Missionen sind Rennen auf die eine oder andere Weise. Der Erste räumt ab, also will jeder der erste sein. In Rennen ist die KI der übliche Ramsch, der nur durch Willkür beim Tempo kompensiert, dass er zu dämlich ist, eine Kurve vernünftig zu nehmen. Fahrt also die Kurven gut und rauscht danach in keine Hindernisse und ihr gewinnt schnell die Rennen, sobald ihr euch die Strecke ein- oder zweimal angesehen habt. Ihr braucht keine Crew, ihr gewinnt einfach. Es sei denn natürlich, dass ihr euch gegenseitig beharkt, so von der Straße abkommt und dann eben doch die KI gewinnt. Ihre einzige Hoffnung ist ironischerweise die Crew, die ja eigentlich Koop und nicht PvP spielt. Da half auch das Versprechen auf ein paar Punkte mehr nicht viel, ich ging sehr schnell dazu über, alles außer Scramble lieber im Solo zu fahren und zu gewinnen.

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Genau was diese Szene braucht. X Erinnerungen an Leute, die man eh nicht leiden kann, einen Team-Roster und eine Mini-Map mit zahllosen 'Huhu, hier bin ich, fahr mich'-Mini-Aufgaben.

Ober noch besser, ich setze einfach ein paar Kopfhörer auf und genieße das, was ich derzeit für den großen Star von The Crew halte: Die Spielwelt. Die Story ist überraschenderweise bisher ganz in Ordnung, eine Art Resteverwertung eines verworfenen Fast & Furious, aber schnell macht es einfach mehr Spaß die gewaltige Weite der USA zu durchkreuzen, sich die unverkennbaren Wahrzeichen anzuschauen und einfach mal hierhin und mal dorthin treiben zu lassen. Nachdem ich für das eine Scramble keine Mitspieler fand - oder vielmehr das Spiel nicht in der Lage war, einen Instant-Koop zusammenzustellen -, begann ich so Story für eine Weile Story sein zu lassen und fuhr bis nach Miami runter. Nur so. Weil es geht. War großartig. Auch wenn die Welt im Detail und ganz sicher auf vielen Screenshots oft schon ganz schön Last-Gen wirkt, immer wieder hat sie durch geschickte Licht-Nutzung hinreißende Augenblicke für euch parat.

Und das ist das, was ich jetzt noch ein wenig tun werde: Diese kleine, große US-Karte abfahren, Spaß an der Weite haben, Gegenden besuchen, die ich kenne, Gegenden, die ich nicht kenne und wo auch immer ich bin, ich lasse es einfach rollen. Das allein würde für mir derzeit ausreichen, den Kauf zumindest im Augenblick nicht zu reuen. Spätestens dann, wenn ihr all die HUD-Blinkelichter und Nerv-Erinnerungen abschaltet, die euch zurück in das Klein-Klein zahl- wie namenloser Neben-Missionen ziehen wollen, mit denen auch diese Ubi-Welt zugestopft ist. Ich denke, dass hinter The Crew mehr stecken könnte als der Kinderspielplatz konstanter Beschäftigungstherapie. Ein Hauch von Freiheit weht durch den Raum, während man über Route 66 rollt. Dafür ist keine Speed/Slalom/Jump-Challenge, kein weiteres sinnloses Sammel-Item und schon gar nicht der nächste Ubitower nötig. Diese Dinge funktionieren zumindest meinen ersten Stunden nach besser in anderen Titeln. Hier halten sie mich nur davon ab, das zu genießen, was das Spiel eigentlich sein kann: Ein Ticket in eine Welt, die nicht einfach nur erkundet, sondern viel mehr einfach nur erlebt werden möchte. Der vielleicht einzige Punkt, in dem The Crew Forza Horizon 2 abhängt. Aber ein verdammt Wichtiger.

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Über den Autor:

Martin Woger

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