20 Jahre PlayStation! - 2003: Jak and Daxter vs. Jak 2 und das JRPG-Abendglühen

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft und das Ende einer Ära. (inklusive Gewinnspiel - heute: PlayStation Kamera)

20 Jahre PlayStation! Grund zum Feiern und Zurückgucken, was so in den letzten 20 Jahren los war. Wir haben uns aus jedem der 20 Jahre ein paar Themen und Spiele herausgepickt, machen uns ein paar Gedanken dazu und ihr seid herzlich eingeladen zu reminiszieren, lästern, schwelgen oder wundern, was man damals vielleicht verpasst hat.

Entdecke die 20 Jahre PlayStation Serie

Ein Jahr vor: 20 Jahre PlayStation! - 2004: Die PlayStation Portable und Killzone

Ein Jahr zurück: 20 Jahre PlayStation! - 2002: Onimusha und das Ende von King's Field

2003 - Jak and Daxter: The Precursor Legacy vs. Jak II: Renegade

Nach dem lustigen, aber irgendwo doch recht ambitionslosen Crash Bandicoot hatte ich ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, von dem damals noch unbekannten Team Naughty Dog jemals einen Hüpfer zu bekommen, der das beinahe mythische Nintendo-Niveau erreichen würde. Doch Jak and Daxter war genau das. Schon in ihren frühen Werken hatten die Kalifornier ihr Händchen für fast schon animationsfilmtaugliche Figuren bewiesen, die problemlos in der Lage waren, ihr eigenes Spiel zu tragen. Das wundervoll weitläufige, farbenfrohe und lebendige erste Jak kämpfte zu keiner Sekunde mit dem Image eines bemühten Ich-auch-Produkts im Fahrwasser des von Sega und Big N etablierten Maskottchen-Genres. Von Croc, Gex, Zool und - oh Gott - Bubsy und wie sie nicht alle hießen konnte man das nicht behaupten. Jak und das pelzige Großmaul auf seiner Schulter waren ihr eigenes Ding, Jak 1 ist bis heute ein moderner Klassiker, der viel für die Zukunft Naughty Dogs versprach.

Bevor 'mature', 'dark' und 'gritty' Teil des Design-Dokuments waren.

Und dann kam Jak 2 und die Reihe verlor ein wenig ihre Richtung. Bis heute ist es eines der wenigen Spiele, die ich am liebsten an den Entwickler hätte zurückgehen lassen. Es war ein tadelloser Titel, fabelhaft spielbar und technisch über jeden Zweifel erhaben. Überhaupt: diese Animationen erst und seit Jak sprach, war das Hin und Her zwischen den beiden noch deutlich ertragreicher. Aber inhaltlich? Zwei Jahre Dark-Eco-Folter in einer fremden Welt für unseren Helden und ein düsterer, actionverliebter Ton waren genau das Gegenteil von dem, was ich mir vom nächsten Jak and Daxter gewünscht hatte. Wo war die Leichtigkeit hin, wo die Unschuld? Es half nicht, dass es 2003 und damit genau in einer Zeit erschien, in der alle Spiele, mehr noch als heute, am liebsten GTA gewesen wären. Offene Stadt, Flugautoklau und aufgebrachte Ordnungshüter auf Jaks Fersen. Jak 1 hatte so hart gearbeitet, sich einen eigenen Charakter zu erarbeiten, Teil zwei schenkte viel davon wieder her.

Bemerkenswert ist auch, wie sehr die Serienlaufbahn Jaks der von Crash Bandicoot gleicht. Nach drei Spielen prinzipiell vergleichbaren Ablaufs sagte Naughty Dog der Reihe mit einem Rennspiel ade. Dass ihren beiden Helden im Gegensatz zur orangenen Beutelratte zahllose Spin-offs weniger talentierter Entwickler erspart geblieben sind, ist das Gute an der Sache. So steht auch heute noch das Türchen für eine mögliche Fortsetzung der Reihe einen klitzekleinen Spalt weit offen.

Der schockierendste Zeitsprung meiner Spielerlaufbahn. Mumm hatten sie ja, das muss man ihnen lassen.

Und wenn es nicht passiert - dann blicken wir unterm Strich eben mit ein bisschen Nostalgie auf eine der besseren Trilogien zurück, die die Welt der Videospiele hervorgebracht hat. Denn gut spielbar und von vorne bis hinten unterhaltsam waren sie trotz meiner speziellen Vorlieben alle. Noch dazu: Auch wenn keiner der beiden Nachfolger den angedeuteten Zauber des ersten Teils wieder ganz einzufangen vermochte, so war doch jeder Schritt weg von der disneyesken Weltenmalerei des ersten Jak ein Schritt hin zu Uncharted und schließlich The Last of Us. Insofern: Vergeben und vergessen! (Alexander Bohn-Elias)

Das Zeitalter der Dekadenz: J-RPG auf PS2

War die Zeit der ersten PlayStation für den Rollenspiel-Importeur schon eine Fortsetzung des goldenen Zeitalters der Super-Nintendo-Ära, dann war die PS2 endgültig das dekadente Zeitalter des Überflusses und wilder Experimente. Damals war uns allerdings nicht klar, dass es auch eine Art Götterdämmerung werden sollte. Der heutige Japan-RPG-Markt hat sich in eine immer kleiner werdende Fan-Ecke der obskuren Anime-Resteverwertung zurückgezogen, oft fernab auch nur des Versuches eine Art spielerischer oder technischer Entwicklung zu versuchen, die zumindest Teile des Genres wieder zu ehemaliger Bedeutsamkeit zurückführen könnte.

Anders noch zu der Zeit der PlayStation 2. Auch hier war der Mainstream etwas anderes, die erfolgreichsten Spiele waren GTA, Gran Turismo und Metal Gear. Final Fantasy zählte nie, das hat sich immer wie warme Semmeln verkauft, aber immerhin konnte auch das wie ein feuchter Leni-Riefenstahl-Traum betitelte Xenosaga I: Der Wille zur Macht noch knapp über eine Million Käufer mit endlos verschwurbelten Texten erfreuen. Die Auswahl für den geneigten Hitpoint-Sammler war endlos. Allein 2003 erschienen das besagte Xenosaga, Final Fantasy X-II, Breath of Fire V, das ambitionierte wie erfolgreiche .hack startete und Fire Emblem traute sich aus Japan raus. Die anderen PS2-Jahre sahen nicht groß anders aus, kaum hatte man eines der 50-Stunden-Monster niedergerungen, da stand schon das nächste in der Tür.

Mein eigenes Highlight des Jahres war Unlimited SaGa, selbst wenn es der schwächste Teil einer viel zu kurzen, viel zu ambitionierten und für den großen Erfolg viel zu abwegigen Serie war. Um nicht zu sagen: Nach zwei herausragenden Spielen in der vorigen Generation versuchte der dritte Teil, ganz anders zu sein und wurde wirklich ganz, ganz anders. Zu anders für vor allem viele westliche Spieler zu der Zeit, gerade solche, die eine direkte Fortsetzung der erzählerisch anspruchsvollen, ansonsten aber eher konservativen ersten Teile erwarteten. Ich habe keine Ahnung, warum ich so offen an das Spiel heranging und ihm bereitwillig viele seiner Fehler, wie das vorsichtig formuliert schwierige Balancing, verzeihen konnte, aber ich habe es gerne gespielt.

Geliebt, gehasst und etwas chaotisch sowieso: Unlimited SaGa.

Stellt euch eine Kreuzung aus dem Brettspiel "Talisman" - ein Spiel, das immer noch produziert und weiterentwickelt wird, unbedingt spielen! - und einem J-RPG mit rundenbasiertem Kampf vor. Ihr zieht eure Gruppe, arbeitet euch durch viele Zufallsereignisse vor, sammelt Erfahrung und treibt so nebenbei den Plot voran. Interessanter, mutiger Ansatz, vor allem für ein Projekt, das nach damaligen Standards mindestens AA-Produktions-Aufwand genoss. Aber so war es halt in dieser letzten Generation, in der die Kosten der Entwicklung noch durch die Beschränkungen der Technik weitgehend in Zaum gehalten wurden. Man durfte noch mutiger sein, ohne gleich die Existenz von hunderten Mitarbeitern aufs Spiel zu setzen.

Das Experiment scheiterte weitgehend. In Japan verkaufte sich das Spiel zwar ganz ordentlich, im Westen fuhr es komplett gegen die Wand und die SaGa endete. Anderen RPG-Serien erging es ähnlich. Suikoden hat nie den Sprung auf HD geschafft, es endete mit Teil fünf auf der PS2. Arc the Lad, eines der ersten Spiele auf der PlayStation, hatte seinen letzten echten Auftritt 2005 mit End of Darkness auf der PS2. Die letzte Generation kannte kein .hack mehr, Breath of Fire blieb der PS3 fern. Auch Shadow Hearts gibt es nur in Low Definition und SEGAs langjährige Shining-Serie klang auf PS2 aus, zumindest auf dem großen Screen.

Das Japan-Rollenspiel war immer eine Nische, aber sie war nie wieder so erfolgreich und so facettenreich wie in den satten, dekadenten PS2-Jahren. Von Experimenten wie Unlimited SaGa über Steampunk-Sandbox-Spielplätze wie Full Metal Alchemist hin zu Riesenerfolgen wie Final Fantasy und Kingdom Hearts bot es für alle und jeden etwas. Es war auf der PS2 dank kreativer, meist kompetenter und fast immer spannender Spiele ein zumindest relativ relevantes Genre, das seine vielleicht letzte große Party feierte. (Martin Woger)

Und nicht zu vergessen, das gab es 2003 ja auch noch...

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