Saints Row IV Re-elected / Game of the Century - Test

Was Gutes muss man nicht verbessern? Nun, man könnte es wenigstens versuchen…  

Nach einer Reihe hervorragender Remakes und Remasters - Metro, GTA, Last of Us - wurde es scheinbar mal Zeit für ein Rerelease. Viel mehr als das kann man Saints Row 4 - Re-elected nämlich nicht zugestehen. Es ist das gleiche Spiel wie vor etwas mehr als einem Jahr auf der 360/PS3, was ja auch zu erwarten war. Der gleiche Wahnsinn, die gleiche, brillant-durchgeknallte Story, der schiere Spaß einer Welt, die sich eher als Sandbox denn als handlungsgetrieben betrachtet, die gleichen irren Superkräfte in einer endgültig aus allen Fugen und Restriktionen gefallenen Serie. Im neuen Zusammenhang jetzt aber vor allem: mit der gleichen Grafik.

Ja, die Auflösung ist etwas höher, ein paar Details sehen etwas feiner gezeichnet aus, die Framerate ist etwas stabiler als noch auf den Konsolen der letzten Generation. Nur leider ist es damit nicht die ultimative Version dieses Ausfluges jenseits aller Normalität, denn diesen Orden kann sich nach wie vor die PC-Version anheften. Hier heißt das Komplettpaket aus SRIV und Gat out of Hell die Game of the Century Edition und selbst mit einem eher der technischen Mittelklasse zuzurechnenden Spiele-Rechner werdet ihr mit besseren Texturen und stabilerer Framerate belohnt, als es PS4 und Xbox One liefern.

Digital Foundry Vergleich: PS4 und PC.

Um ein wenig ins Detail zu gehen: Während auf dem PC die durchgehenden 60 Frames je nach Hardware relativ einfach zu halten sind, versucht die PS4-Version das und schafft es auch oft genug. Nur um dann immer wieder auf deutlich weniger als das abzufallen, was immer wieder für einen Eindruck des Ruckelns sorgt, der wahrscheinlich subjektiv dramatischer wirkt, als es objektiv von der Bildrate her der Fall ist. Trotzdem wären stabile 30-Frames und vor allem irgendeine Form des Anti-Aliasings eine visuell hübschere Variante gewesen. Zumindest gibt es kein Tearing zu beklagen, sodass das V-Sync wohl seine Arbeit tut. Das Gesamtbild ist ohne Frage besser, als es zuvor der Fall war, aber der Sprung, den wir inzwischen von anderen Spielen her ein wenig gewohnt sind, bleibt aus. Nun, die Ladezeiten sind kürzer. Man nimmt, was man kriegen kann.

Und wenn man dann den Blick wieder zurück zum Spiel schweifen lässt: Man kann eine ganze Menge für relativ kleines Geld kriegen. Von der Technik der Re-elected-Ausgabe mag ich nicht überzeugt sein, das eigentliche Gesamtpaket bietet für 50 Euro eine ganze Menge. Was ganz genau, könnt ihr hier im Test von Saints Row 4 nachlesen, beziehungsweise hier im noch ganz frischen Gat out of Hell Test finden. Zwei Spiele, die zeigen, dass Videospiele sich nicht immer ernst nehmen müssen, dass man seine Wurzeln als GTA-Klon erfolgreich hinter sich lassen kann, wenn man denn den Mut hat, einfach alles zu machen, wonach einem gerade ist. Vor allem Saints Row IV überrascht euch immer wieder mit Witz, Ideenreichtum und einer erstaunlich freien Welt voller Unsinn, der nur darauf wartet, angestellt zu werden.

Digital Foundry Vergleich: PS4 und PS3.

Ich werde mich hier wie im eigentlichen Test hüten, etwas davon zu verraten, denn der schönste Moment der Screwball-Comedy ist nun mal der Erstkontakt mit dem Irrsinn. Wie die früheren Filme der Zucker-Abrams-Zucker-Truppe - Hot Shots, Nackte Kanone - funktioniert alles innerhalb der eigenen, selbstgeschaffenen Welt perfekt und wirft euch wohldosiert im Minutentakt Schräges und Schrägeres des Weges, dreht die Schraube immer ein kleines bisschen weiter, ohne den Bogen zu überspannen. Außer natürlich, ihr passt schon in der ersten halben Stunde, in der die Saints ins Weiße Haus gewählt werden, nachdem sie eine Atomrakete stoppten, Politik auf ihre ganze eigene Art machen und dann einen Angriff von Aliens abwehren müssen. Könnt ihr damit leben und es genießen, seid ihr bereit für alles, was dann kommt. Genießt es, wer weiß, ob das Ganze in Saints Row V noch mal funktionieren wird oder ob es dann in Richtung Scary Movie 3 geht.

Noch einmal zurück zu Re-elected. Mit dem Paket erhaltet ihr Saints Row IV inklusive aller DLCs. Effektiv heißt das für euch, dass ihr eine erschlagende Auswahl an Kostümen und Figuren habt, jede Menge Waffen- und Fertigkeiten extra noch mal oben drauf und ein paar Missionen extra hier und da. Was gänzlich Neues ist nicht dabei, aber ehrlich gesagt, reicht das, was da ist, allemal aus, um das Spiel an die Content-Grenze zu treiben, die sinnvoll ist. Gat out of Hell ist nicht zwangsläufig mit dabei, wenn ihr Re-elected als Download kauft (30 Euro SRIV, 20 Euro Gat), dann sind beide Spiele auch getrennt zu haben. Auf Disc nur im Doppelpack für 50 Euro, aber die PS4-Version leistet sich dabei einen Schnitzer. Während auf der Xbox One Disc beide Spiele liegen - was man ja nach dem Kauf eines Mediums erwarten sollte -, verbrachte ich auf der PS4 ein wenig Zeit mit der Suche nach Gat out of Hell. Schließlich wurde mir klar, dass diese Codes in der Hülle ernstgemeint sind und man Gat out of Hell wirklich erst herunterladen muss. Gerade für alle, die sich die Disc holen, um das Gefühl des physischen Besitzes zu genießen oder einfach nicht sieben Gigabyte über DSL-Light ziehen zu müssen, ist das nicht, was sie sich dachten, als sie zur Disc griffen.

Digital Foundry: Die meiste Zeit läuft das Spiel auf der PS4 mit 30 bis 40 Frames, möchte aber lieber die 60 erreichen. Das Ergebnis wirkt mitunter etwas ruckeliger als es sein müsste.

Saints Row IV Re-elected beziehungsweise Game of the Century sind großartige Pakete, wenn ihr dieses wundervolle Spiel noch nicht erlebt habt. Ihr bekommt alles plus das immer noch sehr nette Gat out of Hell obendrein und werdet sicher keine neuen technischen Grenzen ausloten, aber dafür jede Menge, wenn es um Humor, Parodiewillen und schlicht Spaß an der Sache in Spielen geht. Würde ich es hier noch mal spielen, wenn ich das Spiel schon habe, um es technisch verfeinert noch mal zu erleben? Meh... eher nicht. Die PC-Version ist eh auf dem Stand, da reicht ein Gat out of Hell einzeln allemal und der Sprung der Konsolengeneration ist hier so klein und undeutlich wie selten zuvor. Der ganze Wahnsinn hat sich gut genug gehalten, um eine Abwertung herumzukommen, aber einen "Kauft es auf jeden Fall noch mal, so habt ihr es noch nie erlebt!"-Bonus gibt es ganz sicher nicht.

9 /10

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Martin Woger

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