Monster Hunter 4 Ultimate - Test

Wie gehabt: Jagen, sammeln, basteln.

Monster Hunter kann immer noch Spaß machen. Viele Stunden entbehrungsreicher Einarbeitungszeit in sperriges Gameplay vorausgesetzt.

Es war ein ziemlich befriedigendes Gefühl, als ich zum ersten Mal einen Großjaggi erschlug. Mit meiner Morph-Axt bin ich dem dinosaurierartigen Vieh begegnet, im Kampf Bestie gegen Mensch. Nach einem harten Kampf trat er die Flucht an und ich folgte ihm. Humpelnd verzog er sich schließlich in sein Nest, wo ich ihm mit ein paar gezielten Schlägen den Garaus machte. Monster Hunter 4 Ultimate hält viele solcher Momente bereit. Die Jagd auf wilde Bestien ist Dreh- und Angelpunkt des Spiels, dessen Name schon perfekt beschreibt, worum es geht. Wie kaum in einem anderen Titel reduziert Entwickler Capcom das Konzept Rollenspiel in Monster Hunter auf das Nötigste: Feinde töten, Überreste aufsammeln, Ausrüstung verbessern. Ein ewiger Kreislauf. Spaß macht Monster Hunter 4 trotzdem. Immer noch.

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Gemeinsam gegen den Großjaggi: Monster Hunter 4 Ultimate macht vor allem im Mehrspielermodus Spaß.

Die Story von Monster Hunter 4 ist so irrelevant, dass sie mir beim ersten Anspielen gar nicht aufgefallen ist. Wie ich später nachgelesen habe, geht es um ein Artefakt, das ein gewisser Karawanenführer bei sich trägt. Wahrlich nichts aufregendes und glücklicherweise kann die Geschichte komplett ignoriert werden. Im Spielverlauf selbst gibt es nur selten Bezüge zu dieser Erzählung. Im Zentrum steht stattdessen das Sammeln von Gegenständen, aus denen sich wiederum neue Ausrüstungsgegenstände basteln lassen. Letztere erlauben es dann, noch stärkere Monster um die Ecke zu bringen, die wiederum wertvolle Zutaten für noch bessere Ausrüstungsgegenstände hinterlassen. Eine ewige Perfektionierungsspirale, die spielerisch eine immer gleiche Abfolge von Handlungen induziert: Ausrüstung aussuchen, Mission auswählen, Monster töten, Ausrüstung verbessern. Wiederholen. Das hat sich seit Teil 1 nicht geändert und auch sonst nicht viel.

Spannend bleibt dieses simplifizierte Rollenspiel-Mantra trotzdem noch, vor allem aufgrund seiner Komplexität. Wer in Monster Hunter 4 weit kommen will, setzt sich am besten intensiv mit seiner Waffe auseinander. Jede erfordert eine andere Vorgehensweise und andere Taktiken, Kombos und Spezialfähigkeiten müssen gezielt eingesetzt werden um gegen größere Monster zu bestehen. Eine gewisse Einarbeitungszeit ist für Neulinge Pflicht - obwohl das Spiel auf dem 3DS erschienen ist, ist es kein Spiel für die Bushaltestelle. Stattdessen verführt es dazu, über Wikis zu brüten, die neue Kombinationsmöglichkeiten für Gegenstände verraten, es animiert dazu, den Spielercharakter bis ins kleinste Detail zu optimieren und einzelne Missionen vielfach zu wiederholen um die nötigen Ressourcen zusammenzusammeln, die nötig sind, um endlich die ersehnte Rüstung schmieden zu können.

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Das Kampfsystem ist bei Monster Hunter 4 so komplex wie gewöhnungsbedürftig.

Des einen Freud, des anderen Leid: Monster Hunter 4 ist ein ziemlich sperriger Titel, der zwar nicht mit Textboxen geizt, vieles aber dennoch unerklärt lässt. Zu Beginn wirkt allein die schiere Anzahl an verschiedenen Gegenständen einschüchternd, mit gut vier Fünfteln davon weiß ein Serien-Neuling nichts anzufangen. Für viele Rohstoffe, die schon zu Beginn des Spiels gefunden werden können, ergeben sich erst nach vielen Spielstunden Verwendungsmöglichkeiten. Hinzu kommt das störrische Kampfsystem. Die Spielfigur muss jede ihrer Bewegungen erst zu Ende gebracht haben, bevor eine neue initiiert werden kann. Während eine Animation abläuft, ist es nicht möglich, noch einmal korrigierend einzugreifen. Gerade bei langsamen Waffen kann das anstrengend sein - zumindest am Anfang. Nach einigen Stunden hatte ich mich allenfalls an das Spiel gewöhnt. Plötzlich gelang es mir wie von Zauberhand, anstürmenden Gegnern noch im Sprung mein Schwert ins Maul zu zimmern, fliegende Feinde mit der Axt aus der Luft zu fischen und größere Pflanzenfresser im Vorbeigehen zu erledigen.

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Wer sich die richtige Ausrüstung zusammenzimmert, kann bei Monster Hunter auch gegen größere Gegner bestehen - genügend Ausdauer vorausgesetzt.

Beinahe war ich schon ein wenig stolz auf meine Fähigkeiten - dann sah ich im Mehrspielermodus, was andere können. Letzterer funktioniert online oder lokal. Zusammen mit anderen entfaltet das Spiel noch einmal eine ganz andere Dramaturgie. Wenn vier bis an die Zähne bewaffnete Kämpfer auf ein riesiges Monster zustürmen, gekonnt um es herumspringen, ihm Schwerter, Äxte und Messer in sämtliche Körperteile rammen, wenn das Monster sich wehrt, tobt, wegrennt, einen Spieler tottrampelt, dann steigt der Puls und der 3DS wird schweißnass. Fällt ein solches Monster, fühlen sich die Beteiligten, als hätten sie etwas Großes erreicht. Die gewonnenen Ressourcen sind verdient, das anschließende Rüstungs-Upgrade wie ein Ritterschlag.

Ein episches Rollenspiel oder vor allem eine wie auch immer geartete Weiterentwicklung der Serie ist Monster Hunter 4 Ultimate trotzdem nicht. Das "Ultimate" steht im Wesentlichen für eine neue Wüstenregion, die im Gegensatz zum ursprünglichen vierten Teil dazugekommen ist. Die Handlung ist vernachlässigbar, das Sammeln neuer Rohstoffe und das Jagen neuer Monster kann auf Dauer enorm monoton werden. Gleichzeitig wurde die Jagd auf übermächtige Gegner kaum einmal schöner in Szene gesetzt als bei diesem Spiel. Vor allem in späteren Missionen gleicht jeder größere Gegner einem Endboss, die Kämpfe dauern lang und fordern den Spieler heraus, zwingen zur Entwicklung neuer Strategien und Taktiken. Monster müssen durch mehrere Gegenden verfolgt werden, stürzen und rappeln sich wieder auf. In Monster Hunter ist der Jäger kein Mann mit Sepplhut, der auf einem Jägerstand sitzt und nichtsahnende Rehe abknallt, sondern ein Mann oder eine Frau, der oder die den direkten Kontakt mit dem Feind sucht. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Knochenjob, der immer noch Spaß macht.

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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