Bastion - Test (PS4)

Gute Erzählungen altern nicht.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Nachdem Bastion bereits im Jahr 2011 für Xbox 360 und Windows und zwischenzeitlich auch als App für Google Chrome sowie für iOS-Systeme erschien, ist es nun auch auf einer Sony-Konsole erhältlich. Den Indie-Hit von Supergiant Games gibt's jetzt also für die PlayStation 4 - und er hat nichts von seinem Reiz verloren. Nach wie vor begeistert das Spiel mit seinen detailreich gestalteten Welten, mit den zahllosen Möglichkeiten, die Spielfigur - stets nur „The Kid" genannt - auszugestalten. Fast vier Jahre nach seinem ersten Erscheinen weckt Bastion auch heute noch mit jedem Level aufs Neue meinen Entdeckergeist, jedes Fass will ich zerschlagen, jeden Stein umdrehen, um dem Spiel auch noch sein letztes Geheimnis zu entlocken.

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Bastion lebt unter anderem von seinen fremdartigen und häufig bunten Spielwelten.

Gleich vorweg: Viel geändert hat sich an Bastion nicht. Lediglich die Auflösung wurde an die Möglichkeiten der PlayStation 4 angepasst - das Spiel läuft jetzt in 1080p und mit 60 Frames pro Sekunde. Ansonsten bleibt alles beim Alten: Nach wie vor spielt ihr The Kid, einen kleinen Jungen, der sich in Hack-and-Slay-Manier durch eine zerstörte Welt bewegt und der Kristalle sammeln muss, um die fliegende Hub-Welt Bastion zu reaktivieren und so der Welt den Frieden wiederzubringen. Immer noch könnt ihr auf der Bastion eure Waffen aufrüsten, Attribute verbessern, hilfreiche Items einkaufen oder eure Ausrüstung neu zusammenstellen. Und immer noch gehören Grafikstil und Soundkulisse zum Schönsten, was im Indie-Bereich in den vergangenen Jahren erschienen ist.

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Die Bastion - Dreh- und Angelpunkt aller Abenteuer des Protagonisten.

Erst als ich Bastion in der aktuellen PS4-Fassung ein zweites Mal durchgespielt hatte, wurde mir bewusst, was ich seitdem in anderen Spielen vermisst habe - oder vielmehr wen: Logan Cunningham, den Erzähler, der Bastion seine Stimme und damit ein für alle Mal seinen Charakter verliehen hat. Läuft der Protagonist an einem bestimmten Ort vorbei, kommentiert Cunningham das Fortschreiten der Geschichte, aber er hat auch Bemerkungen zu anscheinend allem anderen parat, das in der Welt von Bastion geschehen kann. The Kid fällt in den Abgrund, der Erzähler weist darauf hin, dass er doch besser aufpassen solle, wo er hintrete. The Kid prügelt auf der Suche nach Items auf herumstehende Fässer und Steine ein, Cunningham erklärt, er habe einen Wutanfall. All das erzählt er nicht, als passiere es gerade, sondern als sei es schon lang geschehen. Manchmal fühlt sich Bastion nahezu an, als würde man eine schon lang existierende Prophezeiung erfüllen. Erst Cunningham verleiht der sonst nur in Versatzstücken erzählten Geschichte Gewicht - er ist es, der aus der surrealen Postapokalypse, in der Bastion spielt, eine spannende und erwachsene Narration entstehen lässt.

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Die Geschichte wird immer wieder in hübsch gezeichneten Standbildern weitererzählt

Heute wie vor vier Jahren ist es faszinierend, wie einfach das Spiel im Kern doch eigentlich ist: Es gibt elf Waffen, die in insgesamt fünf Stufen aufgerüstet und mit neuen Fähigkeiten versehen werden können, von Pfeil und Bogen bis hin zu einem kleinen Mörsergeschütz, dazu kommen diverse Nahkampfwaffen. In jedem Level besteht der Kampf im Wesentlichen darin, diese Waffen einzusetzen, auszuweichen oder zu blocken, am Ende wartet hin und wieder ein Endboss. Das war's.

Trotzdem gibt es jede Menge Abwechslung, was nicht zuletzt daran liegt, dass sich diese Waffen unterschiedlich kombinieren lassen - wer mit einer Machete und einem Hammer durch die Gegend läuft, wird es gegen Gegner schwer haben, die auf Fernkampfangriffe spezialisiert sind. Zunächst jedenfalls - denn einige Waffen werden in ihrer höchsten Stufe zu wahren Massenvernichtungswaffen, gegen die selbst die stärksten Gegner das Nachsehen haben. Das war Bastions Schwachpunkt schon im Jahr 2011 und er ist es noch heute.

Am erneuten Durchspielen hat mich dieser kleine Wermutstropfen nicht gehindert. Sicher: Es wäre wünschenswert gewesen, die Entwickler hätten Bastion für die PlayStation-4-Veröffentlichung vielleicht doch noch einmal ein bisschen besser ausbalanciert oder zumindest ein paar neue Spielabschnitte hinzugefügt, möglicherweise auch die ein oder andere neue Waffe.

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Die Kämpfe mögen nicht besonders herausfordernd sein - abwechslungsreich sind sie allemal.

Als Gesamtpaket funktioniert das Ur-Bastion dennoch auch heute noch genauso gut. Die Geschichte um den heldenhaften Jungen und seinen Kampf gegen die teils absurden und bizarren Gegner, die diese fantastische Welt bevölkern, begeistert noch immer, und niemand könnte sie auch heute noch besser erzählen als Logan Cunningham. Obwohl es teilweise deutlich zu einfach scheint, macht es auch immer noch Spaß, mit den Waffen des Spiels durch Horden von Gegnern zu pflügen, die Bossgegner zu beharken und schließlich mit dem wohlverdienten Kristall zur Bastion zurückzukehren, sie dann ein kleines Stück weiter auszubauen und neue Upgrades freizuschalten. All das nur, um dann zum Kampfgeschehen zurückzukehren. Wer Bastion bis jetzt nicht gespielt hat, hat nun die seit Jahren beste Chance, dieses Spielgefühl nachzuholen.

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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