Kalypsos Beharrlichkeit wundert immer wieder. Dachte man schon Port Royale 3 wäre nichts für Konsolen, überraschte der Publisher seinerzeit mit einer überaus kompetenten, tadellos spielbaren Controller-Version der in ihrer Seichtheit seltsam hypnotisierenden Handelssimulation. Dass der Rest der Spielehersteller die Konsolen als Strategie-Niemandsland abtun und sich deshalb gar nicht erst wagen, Sims, Aufbauspiele und Echtzeittaktierer auf PlayStations und Xboxen zu übersetzen, scheint für Kalypso weniger Abschreckung zu sein, als ein Ansporn. Die Deutschen sind davon überzeugt, dass es auf Konsolen einen Markt für diese Spiele gibt, und sei er noch so überschaubar. Immerhin: Sie sind beinahe die einzigen die ihn bedienen.

Dieser Strategie folgend findet nun auch Tropico 5 seinen Weg auf PlayStation 4 und - Vorsicht, kein Schreibfehler! - Xbox 360. Jeder, der sich für diese Umsetzung interessiert, weiß bereits, was ihn erwartet, was an Tropico 5 gut ist, und was nicht besonders originell, wenn man schon den einen oder anderen Teil dieser Reihe spielte. All das liest man in dem ursprünglichen Test von Tropico 5 in aller gebührender Genauigkeit, auf den ich an dieser Stelle ohne große Scham verweise. Das hier ist dasselbe Spiel, nur mit einem auf Controller zugeschnittenen Interface. Und das ist gut so.

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Einfach in die Nähe des Objekts. Welches ihr genau meint, bestimmt ihr mit einem Druck auf die entsprechende Taste. Hier: Meint ihr das im Bau befindliche Haus oder den Bürger daneben?

Da Benutzerführung aber nichts ist, was in irgendeiner Weise von selbst passiert, war der Erfolg eines Tropico für Konsolen keinesfalls in Stein gemeißelt. Zwölf Buttons, zwei Sticks, Kippsensoren und, im Fall der PS4, ein Touchpad - die Kombinationen, in denen das schiefgehen kann, sind rein rechnerisch... bestimmt mannigfaltig. Die Rumänen von Haemimont Games nehmen allerdings viel vom üblichen Maus- und Tastatur-Klein-klein clever aus der Rechnung, während ihr eure eigene kleine Insel-Diktatur errichtet. Und das geht so: Anstatt euch wie so oft mit dem Cursor exakt genau das Gebäude, den Bürger oder das Interaktionsymbol herauspicken zu lassen, gibt es einen großzügig bemessenen Cursor, der seine Genauigkeit durch verschiedene Auswahl-Buttons erhält.

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Ob Kampagne, optionsreiches Endlosspiel oder Missionen. Tropico 5 liegen ausgereifte Waren- und Bevölkerungszyklen zugrunde.

Das Spiel erklärt es zu Beginn nicht ganz so gut, aber hat man es erst einmal verinnerlicht, passieren keine Missgeschicke mehr. Ihr scrollt mit dem linken Stick und zoomt und dreht mit dem rechten, während die Buttons euch eine situative Genauigkeit erlauben, an der eure Daumen zwangsläufig gescheitert wären. Denn: Liegen mehrere interaktive Punkte unter dem Cursor, drückt ihr entweder Kreuz, falls ihr das dem Zielkreis naheste Gebäude meint, Kreis, um Missionsmarker oder Benachrichtigungs-Icons aufzurufen. Drückt ihr Quadrat, signalisiert ihr, ihr wollt den Tropico-Bürger anklicken, der sich unter dem Kamerafokus befindet.

Hier wird also nicht wie so oft von euch erwartet, haargenau mit den Analogstick einen Punkt anzuvisieren. Der Kamerawinkel ist ohnehin nah genug dran am Geschehen und wer will vergrößert für etwas mehr von der selten benötigten Präzision, etwa beim Straßenpflastern, noch etwas mehr.

Das hat, abzüglich fehlender Tooltipps durchaus einiges an Eleganz und sorgt dafür, dass man sehr selten darüber nachdenkt, was für eine Sorte Spiel man hier fast schon paradoxer Weise auf einem Fernseher mit 40 Zoll Diagonale erlebt. Nicht ganz perfekt ist unterdessen der Umstand, dass die vielen Baumenüs nicht um eine reiterbasierte Struktur herumkommen. Durch Reiter schaltet man für gewöhnlich mit den Schultertasten. Das gewaltige Baumenü glänzt zwar mit einer Art eines Kreismenüs für den linken Analogstick zur Gebäudeauswahl. Bis man aber in der richtigen Kategorie ist, klickt man schon mal fünf bis sechs Mal auf R1 beziehungsweise L1. Alternativ huscht man mit dem rechten Stick durch die Kategorien, doch dabei musste ich meistens am Ende doch per Taste nachkorrigieren.

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Ungezählte Infobildschirme klären euch darüber auf, wo bei wem der Schuh drückt.

Unterm Strich wird das aber nie zum Problem, genau so wie die nicht ganz stabile, aber immer recht gut spielbare Bildrate, die in einem Spiel wie diesem durchaus zu verschmerzen ist. Tropico 5 nimmt einen mit seinem Humor und seinen schön transparent angelegten Herausforderungen auch ein Jahr später noch und mit dem Handicap einer nicht nativ konsolenkompatiblen Steuerung ohne große Umschweife gefangen. Wenn hier etwas im Argen liegt, die Leute scharenweise abwandern oder die Favelas den Regierungspalast zu verschlingen drohen, fängt das Spiel erst an. Wenig ist befriedigender, als aus dem Studium der übersichtlichen Bevölkerungsmenüs die richtigen Schlüsse zu ziehen und seine kleine Kolonie doch noch in einen Hort grenzenloser Präsidentenliebe zu verwandeln.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.