Kirby und der Regenbogen-Pinsel - Test

Fernseher überflüssig, Stylus überfordert.

Ein kunterbuntes Abenteuer mit vielen frischen Ideen, das vor allem in schwierigen Situationen an seiner Stylus-Steuerung krankt.

Viele Spiele auf der Wii U benutzen den Bildschirm auf dem Gamepad als kleine Dreingabe zum eigentlichen Spielgeschehen. Er dient dazu, Kartenbildschirme zu zeigen oder spiegelt schlichtweg das Geschehen auf dem Fernseher. Kirby und der Regenbogen-Pinsel dreht dieses Prinzip um. Es ist nahezu unmöglich, das Spiel auf dem Fernseher zu erleben - stattdessen müssen die Augen immer auf dem Gamepad ruhen. Der Grund: Ähnlich wie im vor nun knapp zehn Jahren erschienenen DS-Spiel Kirby Power-Malpinsel, steuert ihr Kirby nicht direkt, sondern gebt über den Stylus Wege vor, an denen sich Nintendos Knutschkugel entlangbewegen soll. An dieser Linie, die wie der Rest des Spiels aussieht, als sei sie aus Knetmasse gebastelt worden, klebt Kirby und bewegt sich stets in der Richtung, in der ihr die Linie gezeichnet habt. Tippt ihr den Protagonisten an, gibt's einen kleinen Geschwindigkeits-Boost. Mehr Eingabemöglichkeiten kennt das Spiel nicht. Die Tasten sind allesamt nicht belegt.

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Kirbys Haupttransportmittel: Die Regenbogen-Knetgummischnur.

Eine einfache Steuerung kann durchaus ein Segen sein. Schrauben die Entwickler die Komplexität eines Spiels herunter, ist das Ergebnis manchmal ein besonders entspanntes Spielerlebnis. Tatsächlich sieht die Grafik von Kirby und der Regenbogen-Pinsel auch ganz danach aus: Serientypisch erwartet euch ein knallbuntes Spiel mit knuffigen Gegnern, fröhlicher Hintergrundmusik und einfacher, linearer Level-Struktur. Am Ende jedes Abschnitts gilt es, eine Tür zu erreichen, zwischendurch müsst ihr Sterne und Schatztruhen einsammeln. Hat Kirby hundert Sterne gesammelt, kann er sich zu einem Kraftprotz aufpumpen, der in der Lage ist, selbst Stahlblöcke zu zerstören um so an ein paar versteckte Bonus-Gegenstände zu kommen.

Ein entspanntes Spiel fürs Sofa also, für launige Nachmittage bei einer guten Tasse Tee? Mitnichten. Kirby und der Regenbogen-Pinsel ist nämlich teilweise recht anspruchsvoll. Einige der Levels verlangen ein Maß an Präzision, das mit dem Wii-U-Gamepad und dem Stylus schlicht nicht zu erreichen ist. Denn nicht immer gelingt es auf Anhieb, Kirby auf seine Regenbogen-Knetgummischnur zu lotsen. Ein paar Pixel zu weit daneben angesetzt, bewegt er sich einfach gar nicht vom Fleck. Ärgerlich, vor allem, weil das Zeichnen besagter Schnur Energie kostet, die sich nur langsam oder über spezielle Power-Ups wieder aufladen lässt. Noch ärgerlicher, wenn das an einer Stelle passiert, an der es beispielsweise gilt, den Helden in einer von selbst scrollenden Umgebung von Wolke zu Wolke zu bugsieren, damit er nicht in den bodenlosen Abgrund fällt.

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Wie bei den meisten anderen Kirby-Spielen könnt ihr auch bei Kirby und der Regenbogen-Pinsel unterwegs jede Menge Sterne einsammeln.

Den Zenit der Frustrationskurve erreicht Kirby und der Regenbogen-Pinsel jedoch bei den Bosskämpfen. In jedem der sieben Abschnitte wartet am Ende ein solches Monstrum, wobei sich die Gegner ab der Hälfte des Spiels wiederholen - von ein paar kleineren Variationen abgesehen. Reagiert Kirby hier nicht sofort auf die Stylus-Eingabe, kann das schon mal den Verlust eines von vier Lebenspunkten bedeuten und so über kurz oder lang - eher kurz - auch den Bildschirmtod. Allzu oft kommt es vor, dass man zwar genau weiß, was zu tun ist und glaubt, die richtige Eingabe gemacht zu haben, Kirby aber wahlweise gar nichts, oder das glatte Gegenteil tut - einfach, weil eine Stylus-Geste im Eifer des Gefechts nicht exakt genug war.

Nicht abzusprechen ist dem Spiel dagegen eine Menge an Ideen. Die Knetmasseschnüre dienen nicht nur dazu, Kirby durch die Gegend zu lotsen. Mit ihnen könnt ihr darüber hinaus etwa gegnerische Attacken abwehren, Wasserfälle von Kirby fernhalten oder sogar das Erdreich umgraben. Das ist durchaus abwechslungsreich - häufig werden solche Ideen dann aber ausgereizt bis sie schon wieder langweilig werden. Kirbys klassische Verwandlungsfähigkeit sucht man übrigens vergebens - stattdessen gibt es einige wenige Levels, in denen sich der Held automatisch in einen Panzer, eine Rakete oder ein U-Boot verwandelt. Diese Abschnitte wirken wirklich erfrischend, sie spielen sich schnell und simpel. Es ist eine Freude, mit dem Panzer per Stylus festzulegen, wohin er schießen soll und so ganze Schwärme von Gegnern aus der Luft zu holen. Schade nur, dass es von diesen Abschnitten so wenige gibt.

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Vier Schatztruhen verbergen sich in jedem Level. Darin verbergen sich virtuelle Sammelfiguren oder die Musikstücke des Spiels.

Wer mag, kann sich das Spiel übrigens auch zusammen mit ein paar Freunden vornehmen. Bis zu drei weitere Spieler erlaubt der Regenbogen-Pinsel. Diese Figuren steuern sich dann mit herkömmlicher Plattformer-Steuerung über die Wiimote, sind jedoch von Kirby abhängig. Soll heißen: Auch sie können bestimmte Stellen im Spiel nur über die Regenbogenschnur des Protagonisten erreichen. Amüsant ist dieser Modus allemal, gleichzeitig sorgt er aber dafür, dass das Spiel insgesamt mühseliger wird und länger dauert. Was allerdings nicht unbedingt schlecht sein muss, denn insgesamt besteht das Spiel aus nur sieben Welten mit jeweils drei Levels und einem Bosskampf. Zusätzlich gibt es ein paar separat anwählbare Herausforderungen: Kleine Mini-Levels, in denen ihr in vier Räumen jeweils innerhalb von 15 Sekunden an eine Schatztruhe kommen müsst.

Keine Frage: Entwickler HAL Laboratory hat mit Kirby und der Regenbogen-Pinsel ein technisch einwandfreies Spiel abgeliefert. Die Grafik ist hübsch und der Knetmasse-Look erinnert sogar entfernt an das Design von Serien sie Shaun das Schaf. Schade, dass die Knete im Spiel nicht mehr ist als ein optisches Gimmick. Ihr könnt nichts neu kneten oder gar vorhandene Knete verformen, stattdessen gibt es in jedem Level lediglich ein paar vorgefertigte Sammelfiguren zu finden.

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Im Multiplayermodus können bis zu vier Spieler gleichzeitig antreten.

Der größte Knackpunkt an Kirby und der Regenbogen-Pinsel ist aber die Steuerung. Die funktioniert bei aller Sorgfalt der Entwickler eben nur so gut, wie die Hardware es zulässt. Der Regenbogen-Pinsel ist ein Spiel für geduldige Menschen, die gut damit leben können, dass eine Aktion nicht geklappt hat, obwohl sie sich eigentlich sicher sind, alles richtig gemacht zu haben. Nur für Spieler, die nicht nach dem 15. Anlauf beim Endboss am liebsten ihren Stylus zerbrechen würden.

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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